Auf zum Gunung Sibayak (2212m) – Berastagi

Ein Beitrag von Eve

Nach einem Tag im Bett habe ich mich von meiner Darminfektion soweit erholt, dass wir von Ketambe aufbrechen können. Mit eine Pick-up fahren wir nach Kutacane, ein wuselige, chaotisches Städtchen hier mitten im Dschungelgebiet. Am Busbahnhof müssen wir nicht lange auf unseren Minibus warten. Und wieder geht das gleiche Spiel von vorne los: zusammenrücken, anhalten, aussteigen, auseinanderrücken, anhalten, zusammenrücken, anhalten, wieder auseinander usw. Immer wieder spannend, wer so alles einsteigt. Wir bleiben wie zuvor die einzigen Touristen. Auf kurvigen Straßen geht es ins Hochland, der Heimat der Karo-Batak. Wie so oft hier in Asien schätzten die Kolonialisten die kühle Bergluft und haben hier Plantagen und eine Infrastruktur angelegt.

Impressionen auf einer Busfahrt

Vor dem „Indomaret“ in Berastagi lädt uns der Fahrer ab, leider der Falsche, denn es gibt in jeder Stadt ein Dutzend dieser Supermärkte. Nach eine kurzen Telefonat klärt sich alles auf. Wir nehmen eine gelben Minibus zum richtigen Markt, wo Maria, unsere Gastgeberin uns abholt. Da das Guesthouse sehr versteckt in einem Hinterhof liegt, hätten wir es niemals gefunden, wenn Maria nicht zur Straße gekommen wäre. Also immer vorher anrufen! Da unsere Gastgeberin gutes Englisch spricht, überfällt sie uns mit einem Wortschwall von Informationen zu Berastagi. Hier und da ein chinesisches Restaurant, in dem es sogar Schweinefleisch gibt, was sie mehrfach betont. Die Farben der Minibusse sind ebenso bedeutsam wie die Infos zu den Märkten.

Auf dem Markt

Nach einem Welcome-Bier auf dem von grauem Aschestaub bedeckten Rooftop mit Blick auf die beiden Vulkane Sibayak (2212 m) und Sinabung (2460 m), dessen letzte Ausbruchsphase 2014–2015 Tausende Menschen zur Flucht zwang, erkunden wir den größten Gemüsemarkt wahrscheinlich von ganz Sumatra. Was hier im Hochland (1320m) angebaut wird, ist so unvorstellbar, dass wir aus dem Staunen über Berge von Möhren, Kohl, Salat, Tomaten, Avocados, Kartoffeln und Obst aller Art nicht mehr herauskommen. Schließlich heißt Berastagi nicht umsonst Reiskammer. Auf steinigem Boden mit Pfützen und Bretten, Löchern und Müll fühle ich mich mit den Flipflops nicht ganz so wohl, zudem es dunkel ist. Immer wieder ertönt ein freundliches „Hello Mister!“ und das Lachen der Frauen ist so ansteckend, dass wir nicht anders können, als stehenzubleiben und mitzulachen. Diese lebenslustigen Frauen hier erscheinen uns im Gegensatz zu den Frauen in Banda Aceh wie aus einem anderen Land. So selbstbewusst, so fleißig und gesellig wie hier haben wir die Frauen im Norden nicht erlebt. Musliminnen lachen fast gar nicht. Diese Ethnie hier sieht auch ganz anders aus als die arabischen Gesichtsformen im Norden. Wir probieren eine Drachenfrucht, bleiben am Stand der fleißigen Wok-Köchin hängen und ich wage ein Mie Goreng, das hervorragend schmeckt. Für 1,40€ essen wir uns Beide satt! Ein riesiges Erlebnis dieser Markt!

Batak – Frauen auf dem Markt

Von unserem Guesthouse „Nachelle Homestay“ im Süden von Berastagi nehmen wir zusammen mit Brian und Marizza den grünen Minibus (7000 Rp) bis zur Endstation. Mitnehmen sollte man genügend Wasser und warme Jacken, da oben ein kräftiger kalter Wind pfeift. Während der erste Strecke, die über asphaltierte Straße beständig auf und ab geht, quatschen wir Vier so viel, dass ich mich hinterher kaum noch daran erinnern kann, dass er doch so lang war. Beim Hochgehen komme ich alsbald ins Schwitzen und laufe im T-Shirt weiter. Nach etwa zwei Stunden erreichen wir ein kleines Plateau mit ein paar Shops. Von nun an geht’s noch eine Stunde steil über Stufen und Felsen Richtung Krater, wobei der Wind kontinuierlich zunimmt. Zum Glück hat meine Jacke eine Kapuze.

Am Abgrund

An manchen Stellen wird es extrem steil, da der Weg abgebrochen ist, doch Rolf reicht mir immer wieder seine helfende Hand. Er macht das fantastisch! An einem Abgrund, wo der schmale Weg an der Kante dran vorbeiführt, gerate ich an meine Grenze, hab kurz die Tränen in den Augen und während der Wind so an mir zerrt, beschließe ich, nicht auf zu geben, denn Rolf ermutigt mich von der anderen Seite, dass ich es schließlich doch noch schaffe. Ich falle ihm ihm erleichtert die Arme. Je mehr die Vegetation nachlässt, je stärker sind wir dem Wind ausgesetzt. Von weitem sehen und riechen wir jetzt die Schwefeldämpfe, die aus dem Berg austreten. Als wir das Geröllfeld betreten, wird’s mit dem Wind so extrem, dass wir uns gegenseitig festhalten. Wir sind ihm so gnadenlos ausgesetzt und kämpfen uns weiter durch diese Steinwüste. Vom Kraterrand aus sehen wir die Spitze des Berges, der seine letzte Eruption 1881 hatte. Während Brian sich weiter hoch arbeitet, setzen wir Drei uns kurz auf die Felsbrocken, um ein wenig Schutz vor dem Wind zu finden und schauen uns diese unwirkliche Geröllwüste mit ihren Schwefelquellen an.

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Sumatra 2017

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Ketambe: 3.689960, 97.511200
Banda Aceh: 5.552850, 95.319300
Sibayak: 3.222860, 98.513700
Lake Toba: 2.583330, 98.833300
Bukit Lawang: 3.551910, 98.124300
Long Beach: 5.881993, 95.244577

Da der Wind mit seiner Kälte und Härte keine Gemütlichkeit aufkommen lässt, brechen Rolf und ich wieder auf. Ich immer hinter Rolf an seiner Hand festhaltend gegen den Wind auf rutschigem Geröll. Hoffentlich verlaufen wir uns hier nicht, denn ein Weg ist in diesem Geröll nicht aus zu machen. Bald haben uns die Beiden wieder eingeholt und zu Viert hangeln wir uns wieder hinunter. Rolfs Hand erscheint immer dann, wenn ich sie brauche. Mit etwas wackeligen Knien bewältige ich den Abgrund alleine. Nach einer kurzen Pause auf dem Plateau lassen wir die heißem Quellen links liegen und gehen den gleichen Weg wieder zurück, der mir nun 10x länger vorkommt. Nach ca. 5 Std. kommen wir erschöpft unten an, warten auf den nächsten Minibus und fahren in die Stadt, um im „Rumah Makan Eropah“ eine leckere Suppe zu essen. Diese Restaurant bietet europäische, indonesische und chinesische Küche an, was ich nur empfehlen kann. Die durch den Vulkan verursachte staubige Luft in Berastagi ist allgegenwärtig. Überall kann man den grauen Staub, der sich auf die Dächer, die Gemüsefelder, auf die Autos usw. legt, gut sehen. Dies auf führt dazu, dass die Stadt eher grau und schmutzig wirkt und viele Leute einen Mundschutz tragen und ich noch mal Duschen gehe.

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