Earthquake in Indonesien

Ein Beitrag von Eve

Dass wir die Hinweisschilder „Tsunami Evakuierung“, die wir am Nachmittag auf unserem Weg nach Sampanan noch gesehen hatten, tatsächlich mal in Anspruch nehmen würden, hätten wir nicht gedacht – auch wenn man hier auf dem pazifischen Feuerring jederzeit damit rechnen muss.

Am Sonntagabend, 05.08.2018 gegen 19:45 Uhr ist es nun soweit. Zuerst wackelt mein Stuhl im Full-Moon-Restaurant auf Nusa Penida. Noch spielen die drei Jungs ihre Musik. Ich schreibe gerade eine Nachricht und Rolf bearbeitet Fotos. Ich drehe mich um, um zuschauen, ob irgendein Knallfrosch so sehr an meinem Stuhl rüttelt. Doch niemand da. Ein Grollen ist zu hören, ich sehe den Boden wackeln und springe sofort auf, lasse mein Handy liegen und laufe auf die Straße vor dem Restaurant und rufe nach Rolf, der nun auch zu mir kommt. Die Musiker sowie die anderen Gäste laufen nun auch auf die Straße.

Nun stehen alle draußen, auch die Angestellten. Einige Einheimische schwingen sich hektisch auf ihre Scooter, wohl um zu ihren Familien zu fahren. Ich sehe mich um, überall erschreckende Gesichter, hektisches Umherrennen, einer versucht den Verkehr zu regeln, da so viele auf der Straße stehen. Doch wohin stellt man sich am besten, frag ich mich, während ich ein Zittern in den Knien wahrnehme. Rolf nimmt mich in den Arm, wie gut, dass er hier ist, denke ich. Er schiebt mich weg von den Strommasten. Wo ist der sicherste Platz, frage ich mich. Alle suchen auf ihren Handys nach Informationen, befragen Einheimische, die uns versuchen zu beruhigen. Da Nusa Penida sehr geschützt liegt, bestehe keine große Gefahr für einen Tsunami.

Nach einiger Zeit setzen wir uns zwar wieder, doch ein Nachbeben folgt und wieder rennen alle raus. Wir gehen zurück zu unserer Unterkunft. Auffällig viele Menschen stehen laut diskutierend auf der Straße. Die Angestellten fordern uns aufgrund der Tsunami-Warnung auf, mit ihnen auf den Scootern auf einen Berg zu fahren. Sie haben sichtlich Angst. Ich bin verwirrt. Doch alleine hier bleiben, geht nun auch nicht. Nun soll ich hinten auf einen Scooter aufsteigen und irgendwohin auf den Berg mitfahren. Oh man, Panik breitet sich bei mir aus, denn ich will auf keinen Fall im Dunkeln mit irgendwem irgendwohin auf dem Scooter fahren. Rolf ist verzweifelt, fordert mich vehement auf, ich verweigere mich, alle stehen um uns herum, verstehen wahrscheinlich nicht, was hier grade abgeht. Ich will zu Fuß gehen, doch ohne Rolf will ich nicht sein, also willige ich ein und gehe zu unserer liebenswerten Angestellten und los geht`s.

Mit ca. 10 Scootern fahren wir einen steilen Berg hinauf, natürlich endet die Straße in einen Schotterweg voller Löcher. Adrenalin durchströmt meine Zellen, ich zittere und hoffe, Rolf bald zu sehen. Der Weg ist mir zu lang, doch kann ich nichts tun. Endlich erreichen wir einen kleinen Tempel, die Scooter stehen davor, ich sehe Rolf und wir fallen uns in die Arme, Tränen und Erleichterung. Wir werden in die Tempelanlage geführt, sitzen auf Treppen und versuchen uns zu beruhigen, als ein alter hagerer Mann aus dem Haus neben dem Tempel erscheint, sichtlich erstaunt über diese Menschenansammlung – für ihn – mitten in der Nacht.

Als nach ca.1 Stunde die Tsunami-Warnung aufgehoben wird, brechen wir auf. Ich laufe den ersten Teil, bis mich meine Fahrerin aufgabelt. Es geht so steil bergab, dass ich mich hinten am Bügel gut festhalten muss. Ich hoffe nur noch, bald anzukommen. Es beginnt zu regnen, als wir im Mertasari eintreffen.

Total aufgewühlt durchstöbern wir die Nachrichten, während die Erde immer wieder bebt – jetzt brauchen wir erstmal‘n Bier.

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