Durch das kroatische Outback

Mittlerweile mögen wir so gerne ohne Außenzelt schlafen, es ist luftiger, da unser Innenzelt fast komplett luftdurchlässig, dadurch aber auch komplett einsehbar ist, was uns aber nicht stört – also fast wie unter freiem Himmel …
img_5569.jpgRolf besorgt im Mini-Markt alles, was wir zum Frühstück brauchen und da wir heute einen Wasch- und Ruhetag eingeplant haben, kümmere ich mich um die Wäsche. Wir liegen noch nicht lange Zeit am Pool, schon hören wir das Grollen und Donnern, dann der erste Tropfen und los geht’s (oje … unser schutzloses Zelt ….), Sachen einpacken und schnell zum Zelt, Außenzelt drüber, Wäsche abhängen und ins Zelt werfen, Packtaschen schließen (die Tatsache, dass wir ein eingespieltes Team sind, hilft uns in diesen Situationen) und uns unter den Baum stellen, denn jetzt prasselt der Regen monsunartig. Kühler Wind vertreibt die Hitze und lässt mich frieren. Die französische Familie flüchtet in ihr Auto und bietet uns Platz darin an. Wir verneinen und bleiben unter unserem Baum. Die nächste Regenpause kommt schon bald und so radeln wir zur Bar, um dort bei einem Bierchen weiter zu lesen. Auch bei unserem 2. Poolgang dauert es nicht lange, bis das nächste Gewitter anrollt. Und wieder einpacken, zurücklaufen usw. img_5574.jpgIrgendwann war der Zeitpunkt für’s Abendprogramm gekommen. Essen zu gehen war kurz eine Überlegung wert, doch dann einigten wir uns auf die Fortsetzung unseres Pasta-Marathons. Mangels Olivenöl ohne Salat. Schade! Doch in dem Restaurant gibt es doch so viele Ölflaschen … das wird doch wohl möglich sein, nur eine einzige zu entwenden, fällt doch eh nicht auf. Während wir zwei „Mezzo“ Vino Bianco trinken, inspiziere ich beim Toilettengang die Lage. Rechts vom Eingang stehen auf einem Tisch mehrere Ölflaschen. Eine davon wird es sein! Mit Rolfs Rucksack bewaffnet, stelle ich mich genau dorthin, warte bis alle Kellner draußen sind und schwupps ist eine Flasche im Rucksack verschwunden. Vielen Dank an Belvedere Camping! Rolf schaut mich mit großen Augen an, ich lächle zurück und er weiß sofort Bescheid. Ich wundere mich, dass er noch nicht verschwunden, denn so etwas ist garnicht sein Ding. Doch er bleibt relaxt sitzen. Leicht angetrunken fallen wir ins Zelt.

Geweckt werden wir vom Geschrei der slowenischen Familie rechts neben uns. Unglaublich, wie sehr die sich anblöken, durcheinander reden, schreien, maulen usw. Wir packen und fahren bald los. Hier beginnt bald der Parenzana-Radweg, der anfangs wunderbar bergab auf glatten Radwegen führt. Immer wieder werden wir auch auf die Straße geleitet, wo es auch noch so viel heißer ist. Die Hitze nimmt zu, als wir die Grenze erreichen. Ein ungewohntes Gefühl, in Europa an einer Grenze anzustehen. img_5575.jpgWir werden durchgewinkt und ab nun geht’s auf Schotter berghoch. Anfangs so steil, dass ich schon passen wollte. Doch die Steigung relativiert sich wieder, so dass ich im kleinsten Gang weiter und weiter auf dem Schotter berghoch radelte. Jedes Schattenplätzchen ist ein Genuss! Zum Trinken muss ich anhalten, da beide Hände bei diesem Untergrund am Lenker bleiben sollten. Rolfs Tipp, das Halstuch als Stirnband zu nehmen, ist ein Volltreffer. Als endlich die Straße kommt, werden die Schatten kleiner. Die Hitze macht mir immer mehr zu schaffen und ich signalisiere, dass ich Abkühlung brauche, denn mein Kopf hat schon wieder erhöhte Temperatur und Farbe! Meine Haut, die kribbelt und brennt, sagt mir: „Raus aus der Sonne!“ Doch wie, wenn keine Bar, kein Dorf, kein Baum in Sicht sind? So muss es sich in Australien anfühlen, denke ich. Rote Schottererde unter uns, rote Beine, rotes Gesicht, rote Sonne über uns. Nichts rechts, nichts links … eben Outback. Da das Wasser in den Trinkflaschen fasst Kochwasser ist, hilft es beim Durstlöschen auch nicht weiter. Meine roten Beine trampeln und mein Kopf glüht. Bei Rolf glüht nix …

Immer weiter geht’s, als wie aus dem Nichts eine Bar rechts auftaucht. Oh danke, da hat mich jemand erhört! Mit Bitter Lemon – Rolf mit dunklem Radler – und Eiswürfel ins Halstuch gewickelt, kühle ich meinen Puls wieder runter. Das tut sooo gut! Hier scheint die Uhr stehen geblieben zu sein, denn das sieht hier aus, wie vor 50 Jahren … inklusive des muffigen Geruchs, der sogar bis nach draußen dringt. Er erinnert mich so an meine Oma, an alte Sofas, Kissen, Möbel. Jeder hier raucht eine Zigarette nach der anderen, blickt auf’s Handy oder ins Leere. Englisch kann keiner, bis auf die jüngere Kellnerin. img_5576.jpgNoch ca. 10 heiße Kilometer und ein paar Anstiege liegen vor uns. Wie gut, dass wir uns an der muffigen Bar mit unseren Brötchen stärken konnten. Der Parenzana-Radweg ist hier mehr ein Witz, denn er gleicht mehr einem einspurigen Reitweg. Eigentlich habe ich für heute mein Soll bezgl. Schotterwege schon lange erfüllt, doch es nimmt kein Ende.
Dass die letzten Kilometer vor dem Eco Gecko’s Mini Autokamp mal wieder nur steil berghoch gehen, brauche ich wohl nicht noch zu erwähnen. Unmöglich für mich mit Gepäck zu fahren. Ich schiebe 50 m, atme so lange, bis mein Puls sich normalisiert hat, schiebe weitere 50 m usw. Natürlich suche ich für meine Atempausen ein Schattenplätzchen, doch leider muss ich mich auch da das ein oder andere Mal der Sonne aussetzen. Rolf ist längst oben und beginnt bestimmt schon mit dem Zeltaufbau oder er fragt sich, wo ich wohl bleibe. Ob er wohl zurück kehren und mein Rad holen kommen würde, frage ich mich. Ach nein, bestimmt nicht. Der ist froh, dass er oben ist. Ob ich anrufen soll? Nein, bin doch kein Weichei. So verfolge ich meine Weg mit meiner Technik und siehe da, alles geht einmal vorbei. Natürlich hat Rolf oben gewartet! Kurz darauf erreichen wir den bisher tollsten Campingplatz auf unserer Tour, denn er ist klein, fast neu, nur mit vier Stellplätzen versehen, liegt inmitten dieses kroatischen Outbacks mit Blick bis ans Meer. img_5585.jpgMike, der warmherzige und freundliche Besitzer zeigt und erklärt uns alles, was wir brauchen. Sogar eine große Grillstelle gibt es hier. Dass ich erschöpft bin, ist mir anzusehen. „So sieht man eben aus, wenn man nicht im Sternchenhotel gepudert wird“, sage ich zu Rolf, als er mir ein Foto zeigt und bricht in schallendes Gelächter aus … img_5577.jpg

(Po)oltag

Das Ein- und Auspacken gelingt uns immer schneller. Rucki zucki sind wir als eingespieltes Team fertig zur Abfahrt. Es sollte zwar nur noch bergab gehen, aber dennoch musste erst eine kleine Steigung überwunden werden. Dann sahen wir endlich Tiest vor uns im Talkessel liegen. Rolf entschied sich gegen die Abfahrt auf der Bundesstraße und für eine kleine steile Seitenstraße. Dass es dann gleich 23% und über mehre Kilometer sein mußten, war des Guten doch zu viel. Zumal mich neben der steilen Abfahrt in dieser kleinen und kurvigen Gasse auch noch der Gegenverkehr stresst. Wenn ich einmal absteige, habe ich echt Mühe vor lauter Steilheit wieder auf’s Rad zu kommen. Meine Handgelenke beginnen zu schmerzen und ich frage mich, warum wir nicht einfach die Hauptstraße hinuntergerollt sind. Das wäre zwar nicht kürzer, aber schneller gewesen. das In Triest am Bahnhof findet Rolf heraus, wie wir wieder zurück nach Tarvisio kommen – nämlich stündlich. Von dort sollte es kein Problem sein, zurück nach Salzburg zu kommen. bild-2.jpgimg_5534.jpgIn einer Bar gönnen wir uns dicke Paninis mit Käse und Schinken, Cappuccini und W-Lan für die weitere Planung. Unsere Route setzen wir mit dem Schiff quer über die Bucht nach Muggia fort und fahren an der Küste entlang bis Izola.img_5537.jpgMir gefällt dieser Abschnitt überhaupt nicht … Sonnenbaden auf Betonbänken … eng nebeneinander liegen viel zu viele Menschen manchmal auf Felsen oder eben auf diesen Betonplätzen … ich frage mich, was daran schön sein soll. Nach einem riesigen Industriegebiet bei Ankaran, kämpft Rolf gegen den Wind an der Küste entlang. Unser Camping „Belvedere“ liegt natürlich – wie der Name ja schon sagt – auf einem Berg. Hui, der hat es aber noch mal in sich, denn er zieht sich noch richtig schön hoch und vor allem in praller Sonne … Ohne Gnade treibt sie die Schweißtropfen aus meiner Stirn, die in meine Augen laufen, dass ich nichts mehr sehen kann. Das Anhalten und Schweißabwischen muss zwar sein, erschwert mir aber den anschließenden Aufstieg auf’s Rad. Das kostet am Berg nämlich richtig viel Energie. Oben steht Rolf mit trockenem Shirt und Normalpuls (unfassbar) mit nach oben gereckten Daumen und ruft „Super, Liebelein,“! Wie schön!img_5570.jpgNach der obligatorischen Pasta können wir uns von dem Belvedere Restaurant überzeugen und die grandiose Aussicht auf die Bucht von Izola genießen. Der Vino Bianco schmeckt auch hier und das W-Lan funktioniert phasenweise gut. Wir beschließen, den morgigen Tag zum Waschen, Aufladen und (Po)oltag zu nutzen.

Die nächsten Tage …


Wie schön das ist, wenn morgens nicht die Regentropfen auf das Zelt prasseln, sondern die Sonne uns aus dem Zelt treibt, wenn auch ungewollt, da wir in unserem Eifer gestern Abend das Zelt zwar mit Blick auf den See dafür ohne Schatten aufgebaut hatten. So groß ist unsere Sehnsucht nach Wärme und Sonne … auch wenn sie uns etwas länger hätte schlafen lassen können. So ziehen wir kurzerhand um und richten uns im Schatten mit allem Pipapo ein. Für diesen Platz am See haben wir den Umweg von 20 km gerne in Kauf genommen, denn der türkisfarbene See umgeben vom Grün der Berge ist schon Entspannung pur und wir nutzen die nächsten Tage zur Regeneration diverser geschundener Körperteile. imageDas liebenswerte Dorf Alesso mit seinen Bars und dem morgendlichen Palaver, dem köstlichen Cappuccino und dem Alimentari bietet zudem alles, was das Herz begehrt, so dass wir hier die nächsten drei Tage das Campingleben endlich so richtig genießen können. Schnell wird Rolf’s Hängematte am See zum Lieblingsplätzchen. Wir hören Hörbücher rauf und runter, kühlen nur die Beine im 16 Grad (! Rolf taucht natürlich auch da ein) kalten Wasser und sonnen uns. Aber dann wird es auch wieder Zeit für ein Tourchen, wenn auch nur ein Kleines … Wir umrunden auf einer Tagestour den See inklusive einiger Anstiege … genießen unser Lieblings-Elektrolyt-Getränk in Italien – nein, es ist kein Bierchen – Lemon Soda und das obligatorische Panini.

Den Abschluss bildet dann – wie fast täglich – eine Portion Pasta mit einem Insalata Mista als Antipasto, dazu eine Flasche Wein und einem Absacker in der Bar – Bella Vita …imageUnsere nächste Etappe führt uns raus aus den Bergen, rein in die Ebene über Udine Richtung Grado. Aus den anvisierten 80 km werden dann doch wieder 90 km, da ich ich den ausgeschilderten Alpe-Adria-Radweg folgen möchte und nicht Rolf’s Tourenvorschlag (selbst schuld). Wie dämlich von mir, denn auf den letzten 20 km brennt der Po. Außerdem waren die ersten 30 km für mich extrem anstrengend. Es fing zwar harmlos flach an, doch dann tat sich eine Steigung nach der anderen auf und ich kurbelte mich in praller Sonne und im kleinsten Gang hoch … mein Pulsschlag weit oben, mein Kopf heiß und rot … so erreichte ich die Anhöhe … manchmal ging es ein kleines Stück zum Verschnaufen bergab, doch dann begann das gleiche Spiel von vorne. Je mehr Anstiege ich schaffte, je weniger Energie hatte ich zur Verfügung. So langsam zweifelte ich daran, unsere Etappenziel noch erreichen zu können. Denn wie sollte ich noch weitere 50 km fahren können, wenn ich jetzt schon nach 30 km völlig am Ende war, was Rolf mir auch zu verstehen gibt. Und mit „völlig am Ende“ meine ich auch völlig am Ende. Meine Wahrnehmung lässt dann nach, ich sehe und höre nur noch sehr eingeschränkt, ich keuche, ich schwitze, ich wische mir den Schweiß aus den Augen, da ich sonst nichts mehr sehen kann, ich schiebe, wenn mich die Kraft in den Beinen verlässt, das Rad den Berg hoch zu fahren, ich versuche durchzuhalten, zu kämpfen und sage mir immer wieder „Gleich ist es geschafft. Gleich muss es vorbei sein.“ Rolf spendiert mir sein Wasser, schüttet es in mein Käppi, damit es mich etwas kühlen kann, denn mein roter Kopf sieht bedenklich aus. Nach dem gefühlten fünften Anstieg bitte ich um eine Pause, setze mich hechelnd auf die Bordsteinkante, fühle mich hundeelend, kann nicht mehr, mir ist schlecht. Ich atme und atme, warte, dass der Puls sich beruhigt. Rolf wartet, bleibt auf Distanz. Wahrscheinlich wirke ich genervt. Ich versuche die Signale meines Körpers, die mir anzeigen „Es geht wieder“ wahr zu nehmen. Im nächsten Ort legen wir die ersehnte Pause ein. Ich setze mich vor die Bank der geschlossenen Bar und Rolf läuft los, um Lemon Soda und Wasser zu besorgen. Ich esse die Pasta von gestern und spüre, wie die Energie langsam wieder zurückkehrt, zweifle aber noch immer an mir, ob ich überhaupt für solche Radreisen geeignet bin.

Die Strecke wird glücklicher Weise besser, flacher und geht immer weiter bergab. Heiß bleibt es weiterhin, so dass unsere Lemon Sodas in den wenigen Bars, die es hier gibt, unsere Highlights sind. Als wir dann endlich den Campingplatz in Aquileia erreichen, bauen wir mit letzter Kraft unser Zelt auf, duschen und essen unsere Pasta. An der Bar noch ein Bier und dann schlafen. Als Rolf am nächsten Morgen freudestrahlend mit einer Gaskartusche aus dem Mini-Markt kommt, glauben wir das Problem des zuneige gehenden Brennstoffes sei nun gelöst, doch Pustekuchen. Unser Kocher passt nicht auf den Verschluss, der leider kein Gewinde hat. Sehr verärgert über die vergeudeten 11 Euro versucht Rolf die Kartusche zurück zu geben. Mit Erfolg!imageDie 20 km nach Grado sind ein Klacks und ein Cappuccino in einer der vielen Bars in der Altstadt passt uns gut. Ich könnte stundenlang in den Bars der italienischen Altstädtchen sitzen und Menschen beobachten. Die Suche nach einer passenden Gaskartusche bleibt weiterhin unser größtes Problem. Meine Idee, auf dem Weg von Grado nach Triest in einem Laden der großen Campingplätze unser Glück zu versuchen, setzen wir in die Tat um und entdecken megagroße Campinganlagen mit Malle-Charakter und entsprechendem Publikum. Rolf entdeckt tatsächlich die besagte Kartusche – aber aus seiner anfänglichen Euphorie folgt an der Kasse die Ernüchterung, denn hier läuft’s wie im Club Med. Ohne Armbändchen mit Chip läuft hier garnichts und die bekommst du nur als angemeldeter Campinggast. Zu unserem Erstaunen gibt es hier wohl doch hilfsbereite Menschen, denn gleich 2 Frauen bieten ihre Hilfe mit besagtem Chip an. Gesagt … getan … und die Kartusche passt! Unserem geliebten Caffè am Morgen und der abendlichen Pastaorgie steht nichts mehr im Wege.

Natürlich geht es zum Schluss der Route noch mal schön den Berg hinauf … lange, nicht zu steil, so dass ich in Rolfs Windschatten gut hochkomme. Jeder Schattenfleck wird von mir schon lange vorher mit Vorfreude anvisiert. So erreichen wir am frühen Nachmittag Camping „Albatross“, zwar auch mega groß mit mega Pool- und Sportanlagen, dennoch okay. Wie schön es ist, mal mehr Zeit und Energie zu haben, für Duschen, Kochen und Bierchen trinken und nicht wie an unseren 90 km am Tag müde und abgekämpft am Abend erst anzukommen . Unsere Dortmunder Nachbarn sind aufgeschlossen und interessiert. Sie bewundern unsere Art zu Reisen, unsere Sportlichkeit und Anstrengungsbereitschaft, was mir runterläuft wie Öl! Rolf kocht Pasta – was sonst? Wir lachen uns schlapp, als wir einem Italiener beim Zeltaufbau zugucken. Wir müssen uns richtig anstrengen, nicht ständig dorthin zu glotzen … das hat beim Camping einen großer Unterhaltungswert!

Mit Weißwein von der Bar versuchen wir unsere weitere Tour zu planen, doch das W-Lan hier hält nicht, was es verspricht. Dass Animation hier ein großes Ding ist, wissen wir ja, dass sie aber bis weiter über Mitternacht damit den ganzen Platz unterhalten, dagegen nicht. Es war unsäglich laut, so dass meine Ohrenstöpsel quasi den Geist aufgeben. „Wie können Menschen hier Urlaub machen?“ frage ich mich mal wieder.image

Ein perfekter Radreisetag

Wie sieht er wohl aus, dieser perfekte Radreise-Tag? Nach einem reichhaltigem Rühreier-Frühstück, einer warmen Dusche ging’s dann nach dem Packen bei noch kühlen 15 Graf los. Anfangs noch ein Stück leicht berghoch, doch dann immer bergab, mal schneller, mal langsamer. Rolf präparierte die GoPro, damit auch die landschaftlichen Highlights während der Fahrt festgehalten werden können.

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Ein ehemaliger Bahnhof

Die Sonne wärmte uns zunehmend, der Himmel klarte auf und die Bekleidung reduzierte sich in dem Maße wie die Temperatur zulegte. Bis auf die vielen kühlen dunklen gefühlten 100 Tunnel waren es es angenehme 25 Grad. Diese Bahntrasse, die ehemals Wien mit Triest verband, führt durch das wunderschöne Val de Canal immer an der Fella entlang, durch Tarvisio nach Pontebba, ein kleiner typisch italienischer Ort, vorbei an Almwiesen, Wildbächen und den Ausläufern der Julischen Alpen. Unter uns die türkisschimmernde Fella, der blaue Himmel und das Grün der hohen Berge.

Val de Canal (Fella)

Val de Canal (Fella)

… ein unbeschreibliches Panorama! Nur Radweg, ohne Autos & Co . … das ist das Radler-Paradies. Kompliment an die Gemeinden, die den Ausbau der Trasse vorangetrieben haben und in den alten Bahnhöfen nette Bars und Cafés eingerichtet haben, beim Bier trifft sich die Radlerwelt. Nach ca. 70 km legten wir in Chiusaforte, dem Mirker Bahnhof auf italienisch, eine letze Pause ein … ohne Bier geht’s bei unserem Biergartenfreak natürlich nicht!

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Mirker Bahnhof auf italienisch

image… Und schon wieder entpuppten sich die letzten 20 km als Herausforderung. Entweder ging es unerwartet steil hoch, so dass ich zumindest immer mal wieder mein Rad in praller Sonne schieben musste oder Schotterwege und Flussläufe, die unseren Weg urplötzlich querten, verlangsamten unser Tempo. Jedenfalls war es immer wieder anstrengend. So langsam konnten unsere Popos (okay … Rolfs’ konnte es noch) auch nicht mehr auf dem Sattel sitzen, weswegen ich bei jeder Gelegenheit hin und her rutschte. Bei jeder Kurve dachte ich „ Gleich erscheint der Campingplatz. Gleich sehe ich Zelte oder Wohnwagen“… Doch nichts dergleichen. Es zog sich wie Kaugummi dahin und eh ich mich versah, kam schon wieder eine megasteile Steigung auf mich zu. „ Och nö … jetzt doch nicht schon wieder (aber Rolfo wartete immer schön brav auf mich … 😉 ). Bin doch jetzt auf Feierabend eingestellt … will Zelt aufbauen und duschen und vor Allem ESSEN!“ Doch was nützt es? Da musste durch … Also weiterkämpfen und radeln, schieben, radeln usw. Am Abend endlich erreichten wir den Campingplatz Val del Lago, wunderschön direkt am türkisblauen See gelegen. Mit letzter der Kraft und vor Hunger schon schwindelig bauten wir das Zelt auf. Glücklicherweise war von der gestrigen Pasta noch so viel übrig … schnell gebraten und fertig war das Abendessen. Ein kühles Bier an der Bar gab uns den gebührenden Abschluss dieses perfekten Rad-Reisetages!

Die ersten Tage …

Mehr Bahn- als Radreise

Die ersten Tage waren wir in erster Linie damit beschäftigt, den Unwettern zu entfliehen und wir schafften es immer rechtzeitig. In München entschieden wir uns den Zug nach Prien am Chiemsee zu nehmen. Nach einer Übernachtung dort überredete uns die Wetterprognose auch dort den Zug zu nehmen. Mit Zwischenstation in Salzburg ging’s nach Spittal an der Drau. Jedes Mal ging das Unwetter los, sobald wir im Zug saßen – wir hatten alles richtig gemacht …

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Prien am Chiemsee

Endlich radeln …

Nach zwei weiteren Regentagen dort wachte ich auf und irgendetwas fehlte – genau, dieses „tack, tack tack …“, das typische Geräusch der Regentropfen auf dem Zelt. Sollte es wirklich sein? Ja, die Sonne kam wirklich durch und wir konnten unseren Caffè draußen in der wärmenden Sonne trinken. Während die Tschechen wirklich alles zum Trocknen ausgebreitet hatten, schätzen wir unser gutes und vor allem regendichtes Equipment. Das Zelt hat schon mal den absoluten Härtest überstanden … alles war trocken geblieben! Das Unwetter hatte so manches Zelt volllaufen lassen. Nach dem Packen tranken wir den 2. Caffè unter dem Dach, da sich ein weiteres Gewitter ankündigte.

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nach dem Dauerregen …

Endlich konnten wir losradeln, endlich in Bewegung sein … das war’s doch! Die Strecke bis Villach war „easy going“, flach, gut ausgebaut und ausgeschildert immer an der Drau entlang, die wie ein reißender Fluss, braun wie der Amazonas, immer weiter an Tempo zulegte, bis ein Wehr sie „beruhigte“. Die Strecke nach Tarvisio zog sich dann hin, da ständiges bergauf fahren anstrengend war, so dass meine Oberschenkel so nach 70 km langsam anfingen zu brennen. Dass die Sonne vom blauen Himmel schien und uns wärmte, löste Glücksgefühle in uns aus.

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endlich radeln …

Aufgrund der Unwetter gab es immer wieder überschwemmte Radwege, die mich sehr forderten. Einmal kapitulierte ich, brüllte:“ Roooolf, das kann ich nicht!“ Der überschwemmte Weg war tief und lang, umgeben von hohem Gebüsch, so dass seitlich auch keine Möglichkeit bestand. Rolf war mal wieder einfach durchgedüst, das bis zu den Packtaschen schwappende Wasser ignorierend und weder zu sehen noch zu hören. Ich stand alleine vor diesem sch … Wasser, zermarterte mir das Hirn, wie ich da jetzt durchkommen konnte, zog mir schließlich Schuhe und Socken aus und schob das Rad barfuß durch dieses verdammt eisige Wasser auf spitzen Steinen … „Aua, aua, verdammte Sch …!“ brüllte ich immerzu. Das ganze Stück kam mir viel zu lang vor. Endlich erblickte ich Rolf, der es wohl nicht fassen konnte, dass ich so daherkam. Schuhe wieder an und weiter ging’s stetig bergauf und bergab. Als wir die Landesgrenze nach Italien überquerten, genossen wir unser erstes Pflichtgetränk, einen Espresso.

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Willkommensgetränk

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Da die Sonne langsam unterging, wurde es zunehmend kühler. Nach der Abzweigung in Travisio ging es weitere 16 km berghoch auf einer herrlichen alten Bahntrasse, als Fahrradstrasse ausgebaut, nach Kransjka Gora. Ich war echt am Ende meiner Kräfte und wusste nach 5 km nicht, wie ich die restlichen 11 km noch schaffen sollte. Als wir gegen 20 Uhr den „Natura Eco Campingplatz“ erreichten, war ich total im Eimer. Zelt aufbauen, Pasta kochen, endlich essen … ohne Wein und ohne Bierchen … eben Eco! Diese Nacht konnten unsere Schlafsäcke nun zeigen, was sie können. Mit kalten Füßen und zwei Oberteilen verkrochen wir uns jeder in seinen Schlafsack und tatsächlich, sie schafften es, uns wieder auf zu wärmen.

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Natura Eco Camping

Am nächsten Morgen, noch im Halbschlaf fragte ich mich schon, wie ich das Duschen in dieser Kälte  nur überstehen soll, denn es gab nur Outdoor-Duschen. Ich blieb erst einmal so lange wie möglich im Schlafsack liegen und wärmte mich am Caffè, den Rolf wie jeden Morgen kocht. Die Sonne ließ sich ab und an mal blicken, doch bei kühlen 11 Grad wärmte sie uns noch nicht sehr stark. Da Rolf sich so sehr auf diesen Platz hier gefreut hatte, wollte ich ihn nicht enttäuschen und ihm sagen, dass ich gerne woanders hinfahren möchte. Als ich dann auch noch meine Haare nicht föhnen konnte, da es keine Steckdose gab, und mir schon wieder so kalt wurde, war meine Geduld fast am Ende. Glücklicherweise fand Rolf den Preis hier (27€/Nacht) überzogen, dafür, dass wir hier kein Strom und kein Wifi hatten. Das war ja fast wie wild campen. Wir packten, bezahlten, fuhren zum Touristen-Büro, erfuhren dort von einem ganz neuen Platz ca. 3 km hinter dem Ort und genau so war es. Alles war neu, die Toiletten, Duschen usw. Unfassbar schön und sauber, Platz ohne Ende mit Strom und Wifi zum gleichen Preis wie vorher! Die Sonne wärmte mehr als gestern, endlich!

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AlpeAdria 2016

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Lago di Cavazzo: 46.330121, 13.076326
Kranjska Gora: 46.484528, 13.785715
Spittal an der Drau: 46.676297, 13.546143
Prien am Chiemsee: 47.856181, 12.349098
Salzburg : 47.809490, 13.055010
Aquileja: 45.765085, 13.367416
Monfalcone: 45.799100, 13.543400
Pian del Grisa: 45.696075, 13.767176
Izola: 45.531047, 13.634024
Buje: 45.408941, 13.660743
Porec: 45.233710, 13.604402
Rovinj: 45.081000, 13.642400
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Lago di Cavazzo
Lago di Cavazzo, Udine, Italien
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Kranjska Gora
Kranjska Gora, Slowenien
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Spittal an der Drau
Spittal an der Drau, Österreich
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Prien am Chiemsee
Prien am Chiemsee, Deutschland
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Salzburg
Salzburg, Österreich
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Aquileja
Aquileia, Italy
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Monfalcone
Monfalcone Friuli Venezia Giulia, Italien
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Pian del Grisa
Camping Pian del Grisa, Trieste, Italy
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Izola
Camping Belvedere, Slovenia
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Buje
Buje, Croatia
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Porec
Poreč, Croatia
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Rovinj
Rovinj Kroatien

Was wir in Indien gelernt haben …

Wo Kopfschütteln „Ja“ bedeutet

Unsere erste Begegnung hatten wir mit dem Tuk-Tuk-Fahrer am Busbahnhof in Kollam, den wir ziemlich erschöpft gegen 23 Uhr erreichten. Wir fragen ihn, ob er „Ashtamudi Villas kennt“ und er wackelt von rechts nach links und wieder zurück mit dem Kopf. Sieht lustig aus und denke mir, dass ich das unbedingt mal filmen muss. Aha, also hier in Kerala begegnen wir noch häufiger dieser Geste. Beim Versuch das Kopfwackeln zu imitieren scheitern wir. Bei uns sieht es irgendwie abgehackter aus. Es scheint in der Tat, als hätte der indische Kopf mehr Bewegungsfreiheit als unserer. Unserer Erfahrung nach wird es häufig als «Ja» verwendet. Es kann aber auch bedeuten, dass der Kopfwackler nicht weiß, wovon man spricht, dann ist es eher ein ausweichend-verlegenes «Jaja, klar» oder auch ein «Keine Ahnung», weshalb es zu Missverständnissen kommen kann.

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Indische Esskultur

„Wofür hat Gott uns die Hand gegeben?“ fragt uns ein Tuk-Tuk-Fahrer „damit wir damit essen können!“  Feinmotorisch geschickt rollen Inder den Reis in das Curry, drehen, drücken, drehen und drücken und zack … landet es im Mund. Natürlich wird nur mit der rechten Hand gegessen, die Linke hängt schlapp auf dem Schoß, da damit ja der Hintern abgewischt wird. Jedes noch so einfache Restaurant verfügt über ein Waschbecken mit Seife. In den nobleren Locations bekommt man sogar eine Schale Wasser mit Blütenblättern drauf an den Tisch gebracht.

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Höflichkeit, Hilfsbereitschaft und Kontrolle in Indien

Typische europäische Höflichkeitsfloskeln sind Indern eher fremd. Ein „Hello“, „Goodbye“ oder „Thank you“ beispielsweise fällt hier so gut wie nie. Manchmal werden wir mit einem strahlenden Lächeln beschenkt. Wenn wir mit unseren Rucksäcken beladen versuchen, uns in ein Tuk-Tuk zu quetschen, schauen uns die Männer zwar zu, helfen uns in aller Regel aber nur, wenn wir sie danach fragen. Ausnahmen gibt’ s natürlich auch, wie der ein oder andere Taxi oder Tuk-Tuk-Fahrer. Unfreundlich kommen uns die Polizisten, Wachmänner und andere wichtige Typen vor, wie beispielsweise in Flughäfen und Bahnhöfen, die uns meistens ohne Blickkontakt abfertigen, uns falsche Auskünfte geben, zum x-ten Mal die Bordkante, die Visa oder die anderen Formulare kontrollieren. Mit ernster Miene schauen sie auf das – verkehrt herum gehaltene –  Visum, studieren es gründlich, klappen den Pass zu und lassen uns mit einem „Okay“ durch. Ein paar Meter weiter steht schon das nächste „Machtmännchen“ und das Spiel beginnt von vorn. In keinem anderen Land wurden wir so oft kontrolliert wie in Indien.

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„Incredible situations“

… nenne ich die Situationen, in denen du mit deinem Latein am Ende bist … kein bisher gelerntes Muster, Modell oder Schema kann dir weiterhelfen … nichts ist so, wie du es kennst … deine Interpretationsmöglichkeiten sind zu beschränkt, als dass du irgendetwas verstehen könntest … und, wenn du glaubst, du hast irgendetwas verstanden, kommt es eh anders und du beginnst wieder von vorne. Wer das mag, ist in Indien richtig. Hier kannst du viel lernen.

Beispiele dafür kannst du erleben, wenn du mit der indischen Eisenbahn fahren möchtest. Allein das Kaufen der Tickets, das Auffinden des richtigen Abteils und Sitzes usw. sind so undurchsichtig, dass du besser bis zum Schluss daran zweifelst, dass du im richtigen Zug sitzt. Auf die Aussagen der teilweise freundlichen Inder kannst du dich leider nicht immer verlassen, da das Kopfwackeln viel mehr als nur ein „ja“ bedeuten kann. Also, „keep cool“, warte ab, was passiert. Rege dich erst auf, wenn es soweit ist.

teil8_1

Hand in Hand über die Straße

Befreundete Männer und Frauen gehen Hand in Hand über die Straße, was nichts mit erotischer Liebe zu tun hat. Andererseits tauschen Frauen und Männer auf offener Straße keine Zärtlichkeiten aus, da. Auch die Kleidung sollte entsprechend bedeckt sein. Auch wenn Inderinnen mit kurzen Ärmeln oder auch einmal bauchfrei zu sehen sind, die Dekolleté und Schultern sind immer bedeckt und die Röcke lang. Besonders in Kirchen und Tempelanlagen ist es ratsam, ein Tuch oder einen Sarong dabei zu haben.

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Als Frau in Indien reisen …

Wir (2 Frauen) haben hier gute Erfahrungen gemacht … keine Grapscherei, keine gefährlichen Situationen. Im Bus immer nach vorne setzen und möglichst am Fenster oder in der Mitte sitzen, damit der neben dir stehende Mann sich nicht so nah an dich drücken kann Da das Finden des richtigen Zuges/ Busses bzw. das Umsteigen vom Zug in den Bus besonders „incredible“ ist, haben wir uns meistens jemanden gesucht, der „intelligent“ aussieht, da er dir in gutem Englisch und mit Höflichkeit weiterhilft, z.B. das nächste Ticket zu kaufen, den Busbahnhof zu finden o.Ä. Dann müsste die Weiterreise klappen! Wir haben uns nicht eingeschränkt oder stark belästigt gefühlt. Dass uns die Männer anstarren, halte ich für menschlich, da wir nun mal sehr auffallen. Dass sie dann auch noch so unglaublich gerne ein „Selfie“ mit dir haben möchten, ist lustig wie nervig, je nachdem, in welcher Situation du gerade steckst. Wenn sich dann noch jemand in Unterhose auf die Liege am Strand direkt neben dich legen möchte – obwohl andere Liegen frei sind – reicht ein entschiedenes „No“ und er zieht auch wieder davon. Also … no problem!

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Toiletten für Frauen sind ein Thema für sich. Da hat Indien noch was zu tun … in Zügen geht das eher in AC-Abteilen, sonst besser einhalten und so wenig wie möglich trinken. Auch in Beach-Restaurants ist davon abzuraten.

Reisen ist wie eine Dusche fürs Gehirn. Du siehst einfach Dinge und Menschen, die du dir nicht vorstellen konntest. So anstrengend es zeitweise auch ist, macht es auch entspannter. Du kommst nach Hause und hast so viel gesehen, so viele Erfahrungen gemacht und Situationen bewältigt. Reisen ist Training für Toleranz und Weltoffenheit … auf zu neuen Abenteuern …

India, we’ll come back …

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Indien

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Kollam: 8.893212, 76.614140
Coimbatore: 11.016844, 76.955832
The Backwaters: 9.939625, 76.259498
Palolem Beach: 15.006234, 74.032950
Goa: 15.299326, 74.123996
Margao: 15.283219, 73.986191
Ooty: 11.562277, 76.534522

Toskana Trail

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10 Tage unterwegs mit dem Mountainbike in der Toskana – auf dem Toskana-Trail –  das ist meine Planung für den Herbst. Eve hat mir für diese eine Woche frei gegeben, da sie in den Osterferien mit einer Freundin durch Goa tourt – ohne mich … tststs 😉

Start wird in Massa, in der Nähe von La Spezia, sein und nach 600 km und ca. 12000 hm hoffe ich dann in Monte Argentario an der Küste im Süden der Toskana wieder heil anzukommen.

Die Route wird zwar auch die Highlights wie Florenz, San Gimignano und Siena kreuzen, aber dazwischen querbeet über Stock und Stein, Wald und Wiesen und natürlich auch Berge, mit Strecken, die nur mit Schieben bewältigt werden können, beinhalten …

Da das Ganze mit dem Mountainbike und als Bikepacking-Tour (das Pendant zum Backpacking) geplant ist, liegt ein Schwerpunkt natürlich im sehr reduzierten Gepäck. Statt Zelt ist ein Tarp angesagt, mit anderen Worten habe ich vor, in freier Wildbahn zu übernachten, da viel Zeit außerhalb der Zivilisation verbracht werden wird. Werde mich aber auch nicht „scheuen“ mal ’ne Pension  in Anspruch zu nehmen – was aber nicht zwangsläufig der Fall sein wird.

Die Tour gibt es jährlich als Veranstaltung im Frühjahr und es gibt Fahrer, die diese Tour in drei !! Tagen schaffen … Das ist aber absolut nicht mein Ding und deshalb nehme ich mir auch ca. 10 Tage Zeit dafür und das finde ich schon leicht stressig … An- und Abreise ist mit dem Zug geplant.

Mit der Nilgiri Mountain Railway von Mettupalayam nach Ooty und weiter zum Mudumalay Tiger Reservat

Die Schmalspurbahn von Mettupalayam nach Ooty, die auf der UNESCO-Weltkulturerbeliste steht, hat spezielle Kammräder an der Lokomotive, die in eine dritte verzahnte Schiene auf dem Boden greifen, um die unglaublichen steilen Steigungen zu bewältigen. Jeden Morgen um 7:10 Uhr verlässt sie Mettupalayam in Richtung Ooty (2. Klasse 30 IR, 5 Std.). Da man laut Lonlely Planet die  Fahrt unbedingt einige Wochen vorher buchen sollte, haben wir bereits in Kollam eine Reservierung besorgt, wobei uns Francis wieder geholfen hat.

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Um 6:30 fahren wir mit dem Tuk-Tuk zum Bahnhof und schon beginnt das übliche Spiel. Nachdem das reservierte Ticket  geprüft ist, bittet mich ein Mann draußen vor der Tür, der für uns wie ein Passagier aussieht, ihm das Ticket zu zeigen. Wie so oft,  verstehen wir die Situation nicht, schauen ihn fragend an, er wiederholt seine Aufforderung, wir geben ihm das Ticket, er checkt eine App und trägt uns 2 Sitzplätze ein. Indien ist immer für eine Überraschung gut … “incredible situations“ nenne ich diese Situationen, die so unglaublich und  so vieldeutig sind, dass wir mit unseren Interpretationen nicht weit kommen. Einfach drauf einlassen, abwarten, was passiert und 1000mal fragen ist die Devise.

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Auf dem Gleis angekommen, sagt uns der „Stationmaster“, dass wir auf der Warteliste stehen. Ein weiterer Mitarbeiter der Nilgiri Railway kümmert  sich um uns und weist uns einen Sitzplatz in einem 8er Abteil zu, dass aus unserer Sicht eigentlich schon voll ist.  Da es keinen Platz für die Rucksäcke gibt, schiebe ich meinen unter die Sitzbank und bringe Bettinas in den Lade-Waggon. Kaffee und Masala Chai kann ich noch besorgen, bevor die Dampfmaschine ihre Arbeit aufnimmt. Sie schiebt die Waggons gemächlich und mit Getöse die Berge hinauf, über uralte Holzbrücken, die über riesige Schluchten führen. Während der Fahrt bieten sich tolle Ausblicke auf  Wälder, Bergpanoramen und Teeplantagen.

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An den Haltestellen, wenn die  Dampflok mit Wasser befüllt wird, vertreten wir uns die Beine vom engen Sitzen, machen Fotos oder genießen den Ausblick auf die Berge. Unser Ziel, Ooty, erreichen wir nach 5 Stunden. Ooty (ca. 2000 m hoch), die „Königin der Hill Stations“ vereint indische Betriebsamkeit und Hindu-Tempel mit Parks und charmanten Bungalows aus der Zeit Britisch-Indiens. Das angenehm trockenere und kühlere Klima, vor allem Nachts, zieht Touristen sowie Einheimische an. Das Highlight von Ooty sind die wunderschönen Nilgiris. Hier kann man durch Stammesdörfer und  Teeplantagen und durch artenreiche Waldgebiete wandern … doch nur mit Guide, denn Tiger und Elefanten sind hier zu Hause und haben erst 2014 drei Menschen getötet.

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Mit dem Taxi fahren wir die kurvenreiche und steile Strecke hinunter zum „Jungle Hut“ im Mudumaly-Tiger-Reservat, das die höchste Tigerdichte in ganz Indien haben soll. Und den wollen wir schließlich sehen. Die ausgetrocknete Landschaft mit ihren dünnen, blattlosen Bäumen und stacheligem Gestrüpp erinnert mehr an eine  afrikanische Steppenlandschaft als an eine Dschungel. Seit ca. 6 Monaten hat es nicht mehr geregnet.

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In unserem Resort „Jungle Hut“ verteilen sich die geräumigen Cottages auf einer großen Anlage, auf der bei unserer Ankunft Hirsche und Schafe auf dem vertrockneten Boden „grasen“. Unser Taxifahrer vermittelt uns einen „preiswerteren“ Safaritour-Fahrer, der uns um 16 Uhr abholen soll. Trotz der Höhe ist es nicht sehr heiß, aber dafür trocken. Da man hier nur mit Verpflegung buchen kann, essen wir erst einmal. Wow … was für eine Auswahl es hier gibt. Natürlich werden auch von hier Safari-Touren (ca. 2500IR/ 35€, 2 Std.) von einem professionellen Guide angeboten. Da wir gerne vergleichen wollen, beginnen wir am gleichen Abend mit der 1. Variante (einstündig für 800 IR, ca. 11€). Am verabredeten Treffpunkt am Tempel außerhalb des Resorts, da dies keiner  sehen darf, geraten wir wieder in eine dieser „incredible situations“ … ein einziger Jeep steht weit und breit zur vereinbarten Zeit am Tempel. Unsere Idee, das könnte unser Typ sein, entpuppt sich wieder als zweifelhaft. Das für Indien typische Kopfwackeln des Fahrers auf unsere Frage hin hilft uns auch nicht weiter. Also rätseln wir weiter herum und harren der Dinge, die passieren. Und prompt biegt nach 10 min ein zweiter Jeep um die Ecke, der Anzeichen macht, dass wir mit ihm fahren. Nach kurzer Zeit befinden wir uns auf der Hauptstraße durch das Reservat, auf der Einheimische, Busse und andere Fahrzeuge mit Sondergenehmigung fahren dürfen- unserer Ansicht nach zu viele für ein Schutzgebiet. Als unser Guide laut „Peakock“ ruft und dafür anhält, dachte ich „Och nö, nicht schon wieder!“ Auch für ein Huhn stoppt er seinen Jeep. Da auf der rechten Seite der Straße die einzige Wasserstelle (ein gestauter Kanal) liegt, müssen alle Tiere zwangsläufig diese Straße überqueren. Geschickt gemacht, oder …?

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Dann sehen wir immer wieder  Hirsche und auch Bisons, die nah der Straße weiden. Der Bisonbüffel sieht beeindruckend groß und mächtig aus. Ich frage den Guide, wann er denn das letze Mal hier einen Tiger gesehen hätte … “vor drei Monaten“, … aha, denken wir, da stehen unsere Chancen ja eher schlecht. Sein Englisch ist eh so rudimentär, dass wir das Fragen besser einstellen. Am Ende des Kanals, als wieder Kühe die Straße blockieren, legen wir eine Pause ein, bewundern die Bäume mit den schönen roten Blüten und machen Jeep-Fotos.

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Die Einheimischen versuchen so gut es geht ihre Häuser gegen Elefanten zu schützen,  indem sie Mauern oder Zäune um ihre Häuser, Gärten und Äcker bauen. Auf dem Rückweg, als es bereits  dunkel wird, sehen wir  noch ein paar Wildschweine und sogar einen recht großen Elefanten, der leider etwas weiter an einem Baum steht. Kurz vor der Abbiegung zu unserem Resort turnen ein paar Langure auf einer Mauer herum.

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Unsere Resort liegt wunderbar ruhig umrahmt  von den Nilgiri-Bergen  und wird gut überwacht – Videokameras und Wachpersonal – wer abends vom Restaurant zum Cottage geht, wird vom Wachpersonal begleitet. Vor einigen Monaten war noch ein Elefant auf dem Gelände und hat am Tamarindenbaum geknabbert.  Abends sehen wir erschrocken ein riesiges Feuer auf dem Bergkamm, dass sich immer weiter ausbreitet. Auf unsere Frage hin, ob dies nicht gelöscht würde, antwortet uns die Chefin, dass es hier keine Hubschrauber dafür gäbe und dass das Feuer von alleine wieder ausginge. Wir beobachten hier, einige wohlhabende indische Familien, die ihre Kinder wie Babies betüddeln und europäische „Birdwatcher“, die hier auf die Pirsch gehen. Die umweltfreundliche Philosophie – es gibt gefiltertes Wasser – die „Jenseits von Afrika-Steppenlandschaft“ um uns herum,  das wohl beste Essen in Bokkapuram, das eiskalte Bier und die chillige Pool-Area bieten so viel, dass wir noch gerne einen Tag länger bleiben möchten.

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Bei der Night-Safari mit unserem Guide schätzen wir, dass er uns mehr zu den Tieren erzählen kann und mit seinem Co-Guide ein guter Beobachter ist. Selbstverständlich verschweigen wir, dass wir gestern Abend schon mal hier waren. An einer Stelle hören wir ein Rascheln im Busch und als wir gebannt warten, was da wohl aus dem Gebüsch kommt, vermutet unser Guide einen Bären … doch dann war es „nur“ eine Wildschwein-Herde. Kurz darauf läuft eine große Bisonherde auf die andere Seite. Als es dunkel wird, entdeckt unser Guide auch wieder einen Elefanten, der etwas weiter zur Wasserstelle hin steht. Doch dann, als wir noch mal anhalten und auf ein Gebüsch starren und leuchten, da sehen wir ihn … den indischen Lippenbär … den hält unsere Guide für sehr gefährlich … er überquert noch die Straße und verschwindet im Dickicht … das ist doch ein Highlight … doch ein Zweites folgt, als kurz vor unserem Resort eine Elefantenkuh mit ihrem neugeborenen Baby direkt neben der Straße auftaucht. Unfassbar schön, wie sie da so steht und das Kleine beschützt. Als unser Guide in ein Off-Road-Gelände abbiegt, sehen wir schlafende Hirsche und Bisons. Etwas lustig kündigt er an, dass nur aussteigen darf, wer schnell laufen könne. In dem Moment, als er gerade mit der Taschenlampe aussteigt, ruft er „Oh, the elephant is coming“ und springt wieder in den Jeep, startet ihn und leuchtet den Elefanten an. Dass er den überhaupt so schnell gesehen hat, hat uns so verwundert. Spannend und lustig war’s allemal.

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Das Elefantencamp  hinter Masinagudi, das wir am letzten Tag besuchen, ist zwar kein echtes Highlight, hat uns dennoch viel Spaß bereitet, denn nach der Fütterung der Elefanten kommen die Languren, um die Reste des Elefantenfutters zu klauen und abzuhauen … eine schöne Belustigung für die Kinder.

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Der Affe, der die Kokosnuss klaut, setzt sich auf eine Zaunpfahl und futtert sie. Wir machen Fotos und Filme für die Enkelkinder. So ganz nah traue ich mich doch nicht an sie ran. Ihre spitzen, kleinenZähne schrecken mich doch etwas ab. Das Elefantenfutter besteht aus großen braunen und weißen Brocken, die von den Mahouts durchgeknetet und dann in die Mäuler gestopft werden. Dazu gibt es noch Zuckerrohr und Kokosnüsse.

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Ooty

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Ooty 11.562277, 76.534522

Von Kollam nach Coimbatore

Durch die Zeitverschiebung in Deutschland weckt uns mein Handy eine Stunde zu früh, was wir nicht direkt bemerken. So stehen wir um 5 Uhr auf und wunderten uns, das Francis nicht im 5:15 mit seinem Tuk-Tuk vor dem Eingang steht. Nach ca. 15 unruhigen Minuten wecken wir einen der Mitarbeiter, der auf dem Tisch schläft und uns verwundert anschaut. Aha … eine Stunde zu früh 😞…

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Leider bringt Francis uns nicht zum Bahnhof hinein und nun beginnt unser indisches Suchspiel „Züge finden in Indien“. Wie zuvor stehen wir nur auf der Warteliste, obwohl wir ein Ticket haben. Scheinbar mögen die Inder diese Wartelistenaktion, da man so noch mal zu einem Schalter muss. Per Hand wird die Sitzplatznummer, die Stelle des Bahnsteigs und die Waggon-Nr. eingetragen … nur welche Nummer bedeutet was? Wir verwechseln natürlich die Waggonnummer (S4) mit der Nummer der Einstiegsstelle (13)  und laufen den ganzen Bahnsteig hinunter, fragen nach und werden wieder an das andere Ende geschickt. Da um 7:10 Uhr ein Zug einfährt, denken wir, dass dies unser Zug sein muss. Wir suchen Waggon Nr. S4, finden ihn nicht, fragen wieder nach, werden weit ans Ende geschickt, wir laufen mit den Rucksäcken wie verrückt und steigen kurz bevor er losfährt ein … doch dann frage ich 3 Männer im Zug, ob er nach Coimbatore fährt und als sie dies dann verneinen, rufe ich „Bettina raus!“ und prompt stehen wir wieder auf dem Bahnsteig. That’s Indian Railway!

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Am richtigen Gleis steht zur richtigen Zeit ein Zug, aber nicht deiner. Vom ersten Schrecken erholt, stellen wir uns in Abschnitt 13 und warten auf den nächsten Zug. Natürlich versichern wir uns vorher, ob dies auch wirklich unser Zug ist und ja, er war es … doch, oh Schreck, dieser Zug unterscheidet sich extrem von unserem ersten Zug. Es ist stickig, heiß und schmutzig … sehr einfache Kategorie eben … local class … wir kommen schnell in Kontakt mit der alten Dame uns gegenüber, die ein Ayurveda-Institut in Kerala betreibt und schon einige Male u. A. in Frankfurt, Bremen und auch Leverkusen war. Dort kennt sie auch eine Evelyn, die in einem Labor arbeitet und die sie regelmäßig besucht. So klein ist die Welt. Wir tauschen uns über Ayurveda, Leverkusen, Deutschland und unsere bisherige Reise aus und lachen viel miteinander. Natürlich bekommen wir eine Visitenkarte mit Einladung nach Trivandrum. Auch die Zugkellner, die stetig „Coffee … Chai“ oder „Samosas“ rufen, bleiben gerne bei uns hängen und machen Späße mit uns, vor allem weil ich zu Beginn 4 Kaffee geordert habe, ohne zu wissen wie die Toilette aussieht … Zwischendurch versuchen wir auf der oberen Liege zu schlafen, doch die Luft ist oben so stickig heiß, dass es kaum möglich ist. Auf den Sitzen und an den Rückenlehnen klebt der Schweiß von tausend Indern und unserer kommt jetzt noch dazu. Diese 7,5 Stunden bei gefühlten 40 Grad in diesem Zug sind wahrlich eine wahre Herausforderung.

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An größeren Bahnhöfen strömen jede Menge fliegende Händler in die Abteile und wollen alles Mögliche verkaufen: Schlüsselanhänger, Kitschfiguren, „frisch gepresste“ Säfte, Wasser, Cola, Seven-Up, Tee und Kaffee aber auch Schmuck und selbstverständlich leckeres, indisches Essen. Nach dem Essen wird einfach alles aus dem Zugfenster geworfen. Das scheint hier so üblich zu sein, denn es gibt wirklich nirgends einen Mülleimer. Ich hab in ganz Indien nur wenige gesehen. Wahrscheinlich werden auf diese Weise wieder Arbeitsplätze geschaffen, denn zumindest an den Bahnhöfen tummelten sich einige Menschen, die den groben Unrat sofort in blauen Müllsäcken verschwinden ließen. Aber wie gesagt nur den wirklich groben Unrat. Alles andere liegt einfach so rum.

Als wir dann gegen 15:30 Uhr endlich Coimbatore erreichen, suchen wir unseren Taxifahrer, finden ihn jedoch nicht direkt, laufen die Treppe rauf in die falsche Richtung zum anderen Ausgang des Bahnhofs, wo uns auch die Polizei nicht weiterhelfen konnte, auf die andere Seite zu gelangen. Während wir mit dem Tuk-Tuk rüberfahren, klingelt mein Handy. Gowshi, unser Fahrer erwartet uns. Nach einem kalten Drink geht’s nun gemütlicher in seinem Auto mit AC weiter nach Mettupalayam.

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Das Hotel, das er uns empfiehlt, ist zwar sauber aber mehr als geschmacklos eingerichtet. Für knapp 1800 IR (ca. 25€) bleiben wir, gehen kurz duschen, damit Gowshi uns die Stadt zeigen kann. Nach einer Rundfahrt durch das Gewühle, einem Fotostop, an dem er unbedingt Fotos mit uns machen wollte, suchen wir ein Restaurant auf, dass ebenso geschmacklos wie das Hotel eingerichtet ist. Unter geschmacklos verstehen wir hier gekachelte Böden, Plastikstühle, kahle und oft schmutzige Wände. Beim Essen haben wir zusammen um so mehr Spaß, denn unsere Themen über Liebe und Heiraten in Indien und Deutschland, über die Müllprobleme und Bier trinken, bringen ihn immer wieder aus der Fassung. Mit weit aufgerissenen Augen lacht er sich kaputt. Natürlich gibt es hier kein Bier, doch in unserem Hotel ergattern wir noch 2 große Flaschen und verschwinden damit ins Bett.

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Coimbatore

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Coimbatore 11.016844, 76.955832

Kollam

Ashtamudi Villas in Kollam

 Was für eine Wohltat an diesem ruhigen Örtchen zu sein. Wie die meisten indischen Städte ist es in Kollam auch laut und der Straßenverkehr chaotisch mit dem üblichen Gewusel, weswegen wir diese Abgeschiedenheit hier am See in diesem tropischen Garten sehr mögen. Es ist sehr amüsant mit den anderen Travellern aus Frankreich, England, Deutschland usw. hier an einem Tisch zu sitzen, zu essen und zu quatschen. Mein 1. keralisches Frühstück war doch etwas scharf für mich. Die Currys hier sind ausgezeichnet … Paneer Butter Masala ist mein Favorit!

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Ayurvedische Massage

 An dem Nachmittag nach unserer Kanutour wollen wir eine original ayurvedische Massage probieren. Francis erklärte uns schon auf der Hinfahrt, dass dies eher eine Klinik sei. Das Gebäude schien schon etwas in die Jahre gekommen zu sein und an der Rezeption staunten wir über die Vielzahl an Kräuterölen. Doch ohne eine Untersuchung beim Arzt geht hier gar nichts.

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Bettina liegt  splitterfasernackt auf dem Holztisch … sie wird komplett eingeölt … komisch ist  ihr, dass der Raum eher schmuddelig aussieht, dass sie dann noch bei 38 Grad Außentemperatur in eine „Steambox“ (Dampfbox) gesteckt wird, in der es dann noch wärmer war. Bettina fühlte sich gegart wie ein Hühnchen. Duschen muss sie sich zum Schluss in einem schmuddeligem Bad.

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„Verschrieben“ hat mir der Arzt eine Gesichtsbehandlung und eine Art Lymphdrainage gegen meine geschwollenen Füße. Als ich in den Raum komme, mischt eine Frau eine Ölmischung aus verschiedenen Kräuterölen zusammen. Ich schaue mich um … Mich erinnerte der Raum eher an einen Folter- und Leichenkeller … diese Holztische mit Abfluss, dieser Galgen über mir (eine Stange mit Schlingen dran), diese sterile Atmosphäre, keine Deko oder andere nette Assecoires, schmutzige Wände und einen Ventilator, der so stark brummt und wackelt, dass ich darum bitte, ihn trotz großer Hitze auszustellen. Folglich wird eine Frau beauftragt, mich mit der Zeitung zu befächeln. Meine geschwollenen Füße werden von 2 Frauen mit Öl kräftig bearbeitet, während ich auf dem Holztisch liege … neben mir eine Herdplatte mit kochendem Wasser.

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Mir ist unbeschreiblich heiß. Wenn es mir zu weh tut, zucke ich und rufe „Pain“. Bei der anschließenden Gesichtsbehandlung hält sie mir einen Schlauch aus dem Kochtopf ans Gesicht. Der versprüht heißen Wasserdampf auf mein Gesicht. Oh Gott … mir wird noch heißer. Ohne das Fächeln der Frau wäre das nicht auszuhalten. Dann bekomme ich eine Gesichtsmaske, werde im Gesicht gezupft und gerieben, eine Maske wird mir aufgetragen, die Augen verdeckt … ich spüre den Wind der fächelnden Zeitung, mein Rücken schmerzt langsam von der harten Unterlage … die Haare werden  mit eingeölt … ich schwitze immer mehr bei dieser tropischen Luftfeuchtigkeit von ca. 80% … zum Schluss werde ich in ein schmuddeliges Bad gebracht, wo ich mir das Gesicht abwaschen soll … Tja, mit Wellness hat das nun wirklich nichts zu tun.

 Francis, unser Tuk-Tuk-Fahrer von „Ashtamudi Villas“ und die indische Küche

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Dieser tolle Typ verdient eine extra Portion Anerkennung, denn er hat wirklich alles für uns getan. Ob Zugtickets  besorgen, ATM’s finden, uns zum Festival begleiten usw., immer wieder bringt er uns zum Lachen, sein Englisch ist exzellent und sein Lebensgefühl positiv. Abends entführt er uns in ein vegetarisches  Restaurant, in dem die Inder essen.

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 Auch zu den Masala Dosas, die er uns nach der Kanutour empfiehlt, sind die Dips besonders lecker. Dosas sind große pikante Pfannkuchen, die auch schon mal als Pyramide serviert werden. Puri sind Teigfladen, die beim Frittieren riesig groß aufgehen und aussehen wie ein Ballon. Naan ist das im Tandoor gebackene, flache Brot, wozu gerne  Raita, ein mild gewürzter Joghurt mit Gurke und Ananas, serviert wird. Sehr scharf ist das Curry Vindaloo, Dhal und auch das Butter Chicken Masala. In den Zügen werden meistens Samosas, frittierte Teigtaschen mit Gemüse, und Idli (Reisbällchen) serviert.

 Als Fahrer unserer Unterkunft versteht er  sich als Kümmerer und Unterhalter. Er erklärt uns die religiösen Rituale zum Beispiel, warum Jungen und Männer geschminkt und gekleidet wie Frauen herumlaufen, welche Tempel gerade besucht werden, warum so viele Menschen gerade nach Kollam reisen usw.

Bier  trinken in Kerala

Nirgendwo sonst haben wir solche Menschenschlangen vor diesen kleinen Lädchen, die Alkohol verkaufen, gesehen. Abends stellen sich die Fischer dort an, um sich ihr beliebtes Getränk zu kaufen. Man sagt, dass der Verkauf von Alkohol stark kontrolliert wird und dass die Regierung diesen immer mehr beschränken möchte. Dass dies nun auch Auswirkungen auf uns hat, hätten wir nun nicht gedacht, denn die Mitarbeiter des Resorts scheuen keine Mühe für uns mit ihren Mopeds die Bierflaschen einzeln an speziellen Stellen (z.B. Hotels) zu besorgen. Auch für die Bootstour werden für uns extra einige Flaschen per Moped organisiert.

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Kollam

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Kollam 8.893212, 76.614140