{"id":2345,"date":"2018-04-06T18:01:59","date_gmt":"2018-04-06T17:01:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bungarten.de\/wordpress\/?p=2345"},"modified":"2019-02-28T06:09:50","modified_gmt":"2019-02-28T05:09:50","slug":"recycling-in-dharavi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bungarten.de\/wordpress\/2018\/04\/06\/recycling-in-dharavi\/","title":{"rendered":"Recycling in Dharavi"},"content":{"rendered":"<p><strong>Do., 05.04.2018<\/strong><\/p>\n<p>Nach einer k\u00fchlen Air-Con-Nacht und einem reichhaltigen Fr\u00fchst\u00fcck steht unser Guide schon bereit f\u00fcr unsere private Tour Wir steigen zu unserem Fahrer ins Auto und los geht\u2019s. W\u00e4hrend der Fahrt erkl\u00e4rt unser Guide uns die Geschichte Mumbais und unsere anstehenden Stationen. Zuerst stoppten wir am Victoria Station, der t\u00e4glich von \u00fcber 2,5 Mill. Menschen genutzt wird und architektonisch aussieht wie ein Bahnhof in London. Innen gleicht er einer Kirche. Die Menschenmassen schl\u00e4ngeln sich wie Ameisen dadurch. Nach dem Crawford Markt geht es nach Dhobi Ghat, dem gr\u00f6\u00dften Waschsalon der Welt. Hier werden Hemden, Hosen, Handt\u00fccher, Bettlaken, Kopfkissen, Unterw\u00e4sche, einfach alles mit blo\u00dfen H\u00e4nden gewaschen. Ich beobachte einen Mann, nur in Shorts bekleidet, im taubengrauen Wasser eines zwei mal zwei Meter gro\u00dfen Wasserbeckens aus Beton. Immer wieder schl\u00e4gt er ein Bettlaken auf den Stein. Die meisten der W\u00e4scher am Dhobi Ghat kommen aus dem nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh. Mehr als 5000 M\u00e4nner arbeiten an den 826 Becken und reinigen die W\u00e4sche f\u00fcr Hotels, Restaurants, Krankenh\u00e4user und Privathaushalte.<\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-2347\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.bungarten.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/6689832F-F32A-4712-8B47-ACB3075EF6D9.jpeg?resize=625%2C469&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"625\" height=\"469\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.bungarten.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/6689832F-F32A-4712-8B47-ACB3075EF6D9.jpeg?resize=650%2C488&amp;ssl=1 650w, https:\/\/i0.wp.com\/www.bungarten.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/6689832F-F32A-4712-8B47-ACB3075EF6D9.jpeg?resize=800%2C600&amp;ssl=1 800w, https:\/\/i0.wp.com\/www.bungarten.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/6689832F-F32A-4712-8B47-ACB3075EF6D9.jpeg?resize=624%2C468&amp;ssl=1 624w, https:\/\/i0.wp.com\/www.bungarten.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/6689832F-F32A-4712-8B47-ACB3075EF6D9.jpeg?w=1250&amp;ssl=1 1250w, https:\/\/i0.wp.com\/www.bungarten.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/6689832F-F32A-4712-8B47-ACB3075EF6D9.jpeg?w=1875&amp;ssl=1 1875w\" sizes=\"auto, (max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/p>\n<p>Auf dem Weg zum gr\u00f6\u00dften Slum Mumbais kl\u00e4rt unser Guide uns \u00fcber die Entwicklung der Slums in Mumbai und \u00fcber die Entstehung von Dharavi auf. Unser Touranbieter \u201eReality Tours and Travel\u201c bietet F\u00fchrungen durch diesen Slum an und finanziert mit 80% des Umsatzes eine Schule in Dharavi. Unser Guide, der selbst aus diesem Viertel stammt, f\u00fchrt uns durch die verwinkelten Gassen des Slums. Er erkl\u00e4rt, dass in Dharavi j\u00e4hrlich rund 700 Millionen Euro mit Handel, Handwerk und Dienstleistungen umgesetzt werden. Wir sind gespannt, verlassen das Auto am Rand des Viertels und tauchen ein in das Gewirr der Gassen, indem wir uns durch einen Spalt zwischen zwei H\u00fctten schieben. Bisher riecht es wie \u00fcberall in Mumbai, der Megastadt von 20 Millionen Menschen: nach hei\u00dfer verbrauchter Luft, Urin und M\u00fcll. Endlich mal kein Gehupe, etwas mehr Stille. Unter dem schmalen Weg f\u00fchrt eine Abwasserrinne hindurch, ein paar Betonplatten liegen lose darauf. Wir balancieren \u00fcber die Platten auf den Matschwegen. Zum Gl\u00fcck haben wir unsere Sportschuhe an. Unser Guide f\u00fchrt uns vorbei an B\u00e4ckereien, die f\u00fcr ganz Mumbai backen, und Werkst\u00e4tten, in denen Leder gegerbt und zu Taschen vern\u00e4ht wird. \u00dcberall wird geh\u00e4mmert, ges\u00e4gt, geschraubt, gewaschen. Immer wieder sehen wir riesige Mengen Plastikm\u00fcll, die gereinigt, geschreddert, auf den D\u00e4chern getrocknet und zu Pellets eingeschmolzen werden, h\u00e4ufig unter gesundheitssch\u00e4dlichen Arbeitsbedingungen. Einmal klettern wir auf Stahlleitern nach oben auf ein Dach und haben ein Blick \u00fcber die D\u00e4cher des Slums. In den kleinen H\u00fctten stehen M\u00e4nner, umnebelt von Staub und Rauch, ihre Oberk\u00f6rper sind ru\u00dfig und verschwitzt, um die Leibesmitte tragen sie das traditionelle H\u00fcfttuch, den lunghi. In einem Brennofen schmelzen sie irgendetwas, was recycelt wird. Das sind so unglaubliche Arbeitsbedingungen!<\/p>\n<p><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2348\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.bungarten.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/47A6C876-668E-4E05-8CA6-1A7E0B57A61D.jpeg?resize=220%2C165&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"165\" \/> <img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-2349\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.bungarten.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/1BED34FD-64D0-491D-8C91-3A6F5EADB48D.jpeg?resize=220%2C165&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"220\" height=\"165\" \/><\/p>\n<p>\u201eIn Dharavi wohnen rund eine Million Menschen. Hier arbeiten viele M\u00e4nner aus dem Norden. Sie bleiben ca. 9 Monate hier. W\u00e4hrend des Monsuns fahren sie zu ihren Familien&#8220;, sagt unser Guide, \u201eweil sie kein Geld f\u00fcr die Miete haben, schlafen sie oft in den Werkst\u00e4tten.\u201c Dass wir Mumbais Realit\u00e4t ein so gro\u00dfes St\u00fcck n\u00e4her gekommen sind, sp\u00fcren wir beide sehr. Wir gehen zu der Schule, sehen die Klassenr\u00e4ume und die Ausstattung mit Computern, die von seinem Arbeitgeber Reality Tours and Travel finanziert worden sind. Zum Schluss in dem B\u00fcro, wo wir unseren Schwei\u00df trocknen und Wasser trinken k\u00f6nnen, h\u00e4ngen die Auszeichnungen f\u00fcr sozial verantwortlichen Tourismus.<br \/>\nNat\u00fcrlich haben wir vorher \u00fcberlegt, ob wir so eine Tour \u00fcberhaupt machen k\u00f6nnen. Jetzt k\u00f6nnen wir dies nur best\u00e4tigen und sind froh dar\u00fcber, einen Beitrag dazu geleistet zu haben.<br \/>\n\u201eInsgesamt\u201c, erkl\u00e4rt unser Guide \u201egibt es Projekte, die Slumh\u00fctten abzurei\u00dfen und (teilweise) durch soziale Wohnungsbauten zu ersetzen. Doch dies ist f\u00fcr die meisten Slumbewohner keine gute Alternative, da ihnen ihre Gemeinschaft in diesen anonymen Hochh\u00e4user abhanden kommt.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Do., 05.04.2018 Nach einer k\u00fchlen Air-Con-Nacht und einem reichhaltigen Fr\u00fchst\u00fcck steht unser Guide schon bereit f\u00fcr unsere private Tour Wir steigen zu unserem Fahrer ins Auto und los geht\u2019s. W\u00e4hrend der Fahrt erkl\u00e4rt unser Guide uns die Geschichte Mumbais und unsere anstehenden Stationen. Zuerst stoppten wir am Victoria Station, der t\u00e4glich von \u00fcber 2,5 Mill. 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