Wir haben die schlimmsten Geschichten über die Fährgesellschaft Grimaldi im Kopf, als wir in Ancona den Fährhafen ansteuern. Aber es kommt alles anders …
Der CheckIn geht ratzfatz. Die Fähre ist halbleer. Unsere Doppelkabine sauber. Das Restaurant top und außer uns nur wenige Mitreisende – das kennen wir anders. Am Abend des nächsten Tages legen wir in Igoumenitsa an und steuern – wie im letzten Jahr – den in der Nähe gelegenen Campingplatz Elena‘s Beach an und verbringen dort die ersten Tage.
Fährhafen Ancona und angekommen in Griechenland
Heute beginnt unsere eigentlicher Roundtrip über den Peleppones. Aber vor müssen wir – wie so oft – noch eine Besichtigungstour durch unseren Camper machen. Wir kommen immer in einen angenehmen Austausch, da diese Interessenten nahezu auf die gleiche Art und Weise ticken wie wir. Was wir noch nicht wissen: Das wird auf längere Zeit der letzte Austausch mit Gleichgesinnten sein. Die nächsten Tage (und Wochen) wird uns nahezu nur noch eine besondere Spezies von Campern begegnen. Joghurtbecher in riesigen Ausmaßen, Moped oder E-Bikes, meistens der männliche Teil in hohem Maße übergewichtig und der Bewegungsdrang konzentriert sich auf die Strecke von Kühlschrank zum Liegestuhl. Achso … und fast vergessen: ein Hund. Das haben wir so nicht erwartet.
Unser erster Stop: eine Schildkröte, die heil über die Straße wollte …
Durch die verwinkelten Gassen der Altstadt mit typische Souvenirs aus Griechenland, Olivenöl und Kitsch aller Art treibt uns der Hunger in eine typisch griechische Taverne. Zwei kühle Bier und Souvlaki Pita sind genau das, was wir gerade gesucht haben. Die noch überschaubaren Touristen und Griechen lassen uns erahnen, welche Menschenmassen sich hier in der High-Season drängeln.
Viele Tavernen mit ihren modernen Stühlen und Tischen wirken leider weniger traditionell griechisch. Blaue Holzstühle und Tische mit karierten Tischdecken sehen wir nur wenige. Mit einer Packung Oliven im Rucksack machen wir uns auf den Rückweg zum Campingplatz.
Der nächste Morgen beginnt mit Caffè und dem Studium der Spezies Camper. In diesem Fall ist es eine fünfköpfige Familie aus Slowenien. So weit so normal, aber da sind drei mindestens jugendliche, wenn nicht sogar erwachsene Mitreisende, davon offensichtlich auch ein Pärchen und dann mit den Eltern unterwegs – wir wundern uns.
Dann frühstücken sie. Übrig bleibt ein 100-Liter-Müllsack. Kein Wunder. Der Airfryer ist noch das kleinste Küchenequipment.
Jedenfalls – wir werden bestens unterhalten.
Das heutige Ziel ist Olympia, 350 Kilometer entfernt, davon viele neue Autobahnkilometer, die sich auch in den Mautgebühren ausdrückt. 61 Euro sind eine stattliche Gebühr.
Der erste Campingplatz in Olympia (Camping Diana) gleicht eher einem Parkplatz. Steil und kurvig geht es zum Camping Alfios, der von der resoluten Oma geführt wird. Der schön gelegene Campingplatz verfügt über einen Pool ohne Wasser, eine Taverne und etwas veraltete dennoch saubere Sanitäranlagen. Irgendwie hat dieser Platz Charme und Olympia ist auch zu Fuß und mit dem Rad – so denken wir – problemlos zu erreichen.
Da Olympia mehr ist als ein Haufen alter Steine, schlage ich zur Vorbereitung auf unseren Besuch den Film „Olympiaden der Antike – ZDF 2000“ vor. Diese Dokumentation informiert über die Geschichte, die Gebäude, die Tempel, die Disziplinen und Rituale etc. Ich bin tief beeindruckt zum einen von der Brutalität und zum anderen von den Athleten, die unfassbare Leistungen erbringen.
Die mangelnden Regeln beispielsweise für das Boxen oder Wagenrennen führten zu qualvollen Verletzungen bis zum Tod. Die Spiele dienten nicht nur dem Wettbewerb, sondern auch dem Frieden zwischen den griechischen Stadtstaaten. Aus aller Welt reisten alle 4 Jahre über 40.000 Besucher an, um sich die Spiele anzusehen.
Mit großem Interesse und unserem Vorwissen machen wir uns auf dem Weg runter zur Ausgrabungsstätte und dem angegliederten Museum, um uns über die Geschichte, Fundgegenstände usw. zu informieren. Mit diesem gesammelten Wissen laufen wir zu dem riesigen Ausgrabungsgelände.
Für den Besuch der Anlage und der beiden Museen bezahlen wir zusammen nur 10 statt 40 Euro. Senior zu sein, kann auch sehr vorteilhaft sein (auch wenn wir häufig über diese Spezies lästern).
Digitale Audioguides helfen dabei, sich das antike Olympia besser vorstellen zu können.
Nach der flachen Region rund um den Skutari-See geht es auf die SH 25 in die Albanischen Alpen. Eine sehr abgelegene und wunderschöne Region Albaniens bietet uns fantastische Ausblicke auf die riesigen schroffen Berge, die sich hinter jeder Kurve aus einer anderen Perspektive zeigen. Mit wenig Verkehr geht’s über die Serpentinen zum Pass “Leqet e Hotit“, durch Tamare am Cem River entlang bis zu dem „Restorant & Camping Selca Cem“. Empfehlen können wir zwei fantastische gegrillte Forellen.
Die Albanischen Alpen
Am Grenzübergang ist die Einreise nach Montenegro relativ unspektakulär.
Camp Lipovo – mehr als nur ein Camp
Kurz nach dem Hauptort Kolašin wird die Straße zum Camp Lipovo wieder einspurig, später schottrig und steiler. Robin, der niederländische Inhaber begrüßt uns sofort freundlich und zeigt das Camp. Was für eine wunderbare Oase der Ruhe! Der Blick auf die umlegenden Berggipfel, der Grill, das Restaurant, die Feuerstelle, einfach eine einladende Atmosphäre. Die Duschen sind fantastisch, dazu noch zwei Waschmaschinen und einen Spülplatz, wie ich ihn zuvor noch nicht gesehen habe, machen dieses Camp zu einem Top-Standort. Und das alles für nur 12 Euro pro Nacht.
MTB-Touren in den wilden Bergen
Insgesamt starten wir zwei Versuche, bei über 33 Grad die Berge Montenegros zu erkunden. Schon der Blick auf Komoot prophezeit unglaubliche Höhenmeter, d.h. 600 hm ist das Minimum. Auf den Hauptstraßen dominieren wilde Truck- und Busfahrer, auf den Nebenstraßen sind es die Steigungen. Spannend sind die Brückenkonstruktionen über die glasklare Tara. Einige Schritte wage ich mich mit meinem Rad darauf, doch löchrige Holzbretter und Eisenplatten knarzen unter mir. Das kann nicht gut gehen, denke ich gerade, als ein Jeep mit Anhänger auf mich zukommt, Gas gibt und einfach drüberbrettert.
Wie ich den Fahrstil hier beschreiben würde? Wild, schnell und ohne Skrupel! Als Radfahrerin springe ich jedenfalls ins Gebüsch, wenn Trucks auf mich zu rasen.
Diese wilden und steilen Berge zwingen uns letztendlich zur Umkehr. Ursächlich sind zum einen die enormen Steigungen und zum anderen die extreme Hitze. Und beim Schieben in praller Sonne vergeht jeglicher Spaß.
Wildes Montenegro im Durmitor Nationalpark
Von hier aus macht es den Eindruck, dass fast alle zum Nationalpark fahren. So auch ein Radlerpärchen, die uns sehr dankbar dafür sind, dass wir eine große Tasche für sie mitnehmen können.
Über eine kurvenreiche und einsame Gegend geht es nach Zabljak, das touristische Zentrum und Ausgangspunkt für Outdoor-Aktivitäten wie Rafting, Kajakfahren, Canyoning, Ziplining, Bergsteigen, Klettern, Wandern, Reiten und im Winter Skifahren.
Es wird angenehm kühler, denn Zabljak liegt auf einer Höhe von 1456 Meter und ist damit die höchstgelegene Stadt Montenegros. Plötzlich verändert sich die Landschaft extrem. Statt grüner Nadelbäume und Büsche fallen die kargen Hügel vor atemberaubender Berglandschaft auf.
Autocamp Mlinski Potok, schwarzer See und ein „gefährlicher Trail“
Direkt hinter dem Besucherzentrum erscheint am Hang das AutoCamp Mlinski Potok inklusive Panorama-Blick auf die majestätische Bergwelt. Als am Nachmittag schwarze Wolken mit starkem Wind aufziehen, geht es blitzschnell. Erst Regen, dann klopfen Hagelkörner auf die Dachfenster plus Donner grollen über die Berge hinweg.
Die Wanderung zum „Schwarzen See“, der von hier aus gut erreichbar ist, stelle ich mir als leichten Spaziergang vor. Die Sonne scheint auch wieder und wir laufen über unzählige noch feuchte Wurzeln und Steine den Waldweg entlang. Der erste See lässt sich gut durch den Wald umrunden, bis zu der Stelle, die ihn mit dem zweiten See verbindet. Ein Naturerlebnis sind die Spiegelungen im See vor dem grün der Wälder. Wegen des Regens gestern ist der Übergang nicht passierbar. Als wir das Schild „Dangerous“ passieren, wird es tatsächlich so. Wie auf einem Klettersteig geht es über glatte Steine und Wurzeln steil hoch und runter, teilweise mit Handlauf. Sportschuhe sind dafür weniger geeignet und die Stöcke hätte ich auch besser mitgenommen.
Trotz des Nebels und des bewölkten Himmels wollen wir am nächsten Tag die unberührte Wildnis Montenegros erleben und fahren über die Südroute tief hinein in den Park. Spektakuläre Gipfel über 2000 Meter mit klaren Gebirgsseen können wir von der rauen Hochebene beobachten. Diese weitläufige Landschaft gehört seit 1980 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Für dieses wunderschönen Naturjuwel bezahlen wir auch gerne die 5 Euro an den Ranger am Viewpoint mit Fotorahmen.
Durmitor Nationalpark
Rolf bewältigt gekonnt die steilen Serpentinen mit wenig Gegenverkehr, denn die meisten fahren die Südroute von Zabljak aus. Zum Sedlo-Pass wäre ich auch gerne mit dem Rad gefahren, denn die Steigungen halte ich für machbar. Doch der stürmige kalte Wind heute hätte mir jeden Spaß daran geraubt. Nach einigen Fotostops verlassen wir diese raue karge Bergwelt und werden von dem nächsten Highlight überrascht. Das Canyon der Piva tut sich vor uns auf.
Unzählige Tunnel zur Tara-Schlucht
Tara-Schlucht in Bosnien-Herzegowina
Doch dann folgt das nächste Highlight. Die kurvige Straße durch unzählige Naturstein-Tunnel bietet zwischendurch eine fantastische Aussicht auf den türkis-blau schimmernden Fluss Piva. Dieser ist eingebettet in den Canyon und setzt sich farblich so ab, dass es einem die Sprache verschlägt.
Wo Tara, Drina und Piva zusammenfließen ist auch die Grenzstation. Die Ausreise aus Montenegro dauert länger als die Einreise nach Bosnien-Herzegowina. Bei über 35 Grad ist es im Camper angenehmer als draußen.
Hier ist das Rafting-Mekka schlechthin. Menschen in Neopren und Schwimmwesten kommen uns entgegen, als wir ins „Tri vodenice Camp“ inklusive Stehklos einkehren. In allen Rafting-Camps kann man in Holzhüttchen übernachten. Am Abend wird’s richtig laut, denn in jedem Camp geht die Party ab. Auch wir finden Live-Rockmusik auf bosnisch richtig cool. Voller Power heizt die Band hier ein und nicht nur die, auch die offene Feuerstelle im Raum …
Naturpark Lonjsko Polje / Kroatien
An der Grenze zu Kroatien erleben wir noch mal einen Grenzübergang wie früher. Schließlich reisen wir von einem Nicht-EU-Land in ein EU-Land. Bei unerträglichen 35 Grad warten wir über eine Stunde. Und das Internet funktioniert kurz hinter der Grenze wie auf Bestellung.
Bis nach Lonja zieht es sich noch über den Deich neben der Save. Kleine sehr alte Bauernhöfe aus Holz säumen die kleine Straße. In was für einer abgelegene Region sind wir denn hier gelandet? Und da soll sogar noch einen Bauernhof Camp, der Campingplatz Zelen-Gaj und ein Restaurant kommen? Nach ein paar Minuten über den Deich erscheint ein Schild nach rechts. Tatsächlich … hinter dem Hühnerstall sehen wir ein paar Camper und eine große Scheune.
Ein älterer Herr, Josef, der Patron, erklärt mir in gebrochenem Deutsch, wo alles ist. Was hier geboten wird, erkennt man erst auf den 2. Blick: Ruhe, Felder, Hühner, Lagerfeuer-Möglichkeit, Grillhaus, Küche, ein wunderschönes und komfortables im Posavina-Stil erbautes Sanitärhaus, was eigentlich wie eine alte Scheune aussieht.
Sogar das Restaurant, indem auch die Rezeption untergebracht ist, erreichen wir nach 150m und bekommen auch noch eine riesige Portion Gulasch zu essen. Josef setzt sich zu uns und wir erfahren noch so manches Wissenswertes zum Naturpark Lonjsko Polje.
Einiges davon wird uns nochmal vor Augen geführt, als wir am nächsten Tag wieder aufbrechen und auf fast jedem Haus ein Storchennest entdecken.
Sehenswert sind auf jeden Fall die Dörfer entlang der Save: Lonja, Čigoć, Mužilovčica, Kratečko, Gušće, Krapje und Puska.
Ursprungs-Text Eve, den habe ich (Rolf) dann aber in Absprache mit ihr bearbeiten müssen. Es wurde doch etwas ausufernd. (Das hat sie dann auch eingesehen). Layout – wie immer – Rolf
Der Ohrid-See
Unser nächstes Ziel, der Ohrid-See, der zweitgrößte See des Balkan. Die Grenze zu Nord-Mazedonien führt mitten durch den See. Den berühmten Koran-Forellen im See ist das aber egal – uns auch. Wir freuen uns auf sie.
Die Route führt uns über die bestens ausgebaute SH75 (in Albanien noch nicht die Regel), vorbei an Korça, der Bierstadt (ich widerstehe!) zum Camping Erlin, direkt am See gelegen. Nix los hier und wunderschön gelegen.
Ohrid See
Am nächsten Tag radeln wir in das kleine alte Fischerdorf Lin. Die Schönheit dieses Örtchens erschließt sich erst auf dem 2. Blick, denn die wenigen alten Häuser sind dem See zugewandt. Schnell finden wir Rosas B&B, das uns aus einer ARD-Dokumention bekannt ist und die es geschafft hat – wie einige andere aus dem Dorf – den Ort mit einfachen Mitteln und lokalen Produkten wieder zum Leben zu erwecken.
Lin und Rosa‘s Home
Natürlich kommen wir am Abend noch einmal hierher, denn bei Rosa bekommen wir diese köstliche Koran-Forelle. Der Blick durch den Garten auf den See, die Berge und die untergehende Sonne ist wunderschön.
Kruja – Das historische Heiligtum Albaniens
Vom Ohridsee fahren wir über Elbasan an Tirana vorbei auf die A3 nach Kruja. Autobahnen werden hier nicht so ganz ernst genommen. Alle paar Kilometer werden am Straßenrand frisches Obst und Gemüse und sonstige lokale Produkte angeboten. Man fährt rechts ran und kauft ein – auf der Autobahn !! Verkehrsschilder sind hier noch nicht mal Empfehlungen – die werden ignoriert.
Das Mali Camp erreichen wir am frühen Nachmittag. Mitten in der Natur und doch nah zur Altstadt liegt das hübsche Camp mit Pool. Arbi, der Inhaber aus der Schweiz, erklärt uns den Weg nach oben zu seinem „Organic Garden Restaurant“. Das hört sich verlockend an. Am Abend laufen wir natürlich die vielen Treppen nach oben. Es hat sich gelohnt!
Mali Camping
Den beschwerlichen Weg in die Altstadt können wir uns sparen. Unser Nachbar nimmt uns in seinem Pkw mit.
Kruja ist berühmt für seinen alten Bazar, den wir nun über die uralten glatten Pflastersteine entlang bummeln. Rechts und links werden Antiquitäten wie alte Waffen, Helme, Mühlen usw. und jedmögliche Souvenirs dargeboten. Der Bazar ist schön bunt und hat Charme in diesen alten Steinhäusern.
Kruja, der Bazar
Das Ethnografische Museum ist uns einen Besuch wert, denn die albanische Geschichte, alte Traditionen, Kleidung, Räume und die Lebensweise wird umfassend und lebendig dargestellt. Das Skanderbeg-Museum sehen wir nur von außen. Als Regen aufzieht, machen wir uns auf den Rückweg zum Campingplatz.
Das Ethnografische Museum
Zum Abschied vom Malicamp am nächsten Tag erwerben wir natürlich das beste Olivenöl des Landes. Auf der Website heißt es:
„Das Kruje-Olivenöl ist das hochwertigste Öl Albaniens und eines der seltensten der Welt. Die Bäume sind 500-2500 Jahre alt und wachsen auf 600 m über dem Meeresspiegel während die Meereswinde um sie herum wehen. Nicht umsonst ist die Stadt Kruja als Balkon des Balkans bekannt. Das Kruja Ölivenöl ist von super hoher Qualität. Die Früchte sind 100 % biologisch und werden nicht mit Parasitensprays behandelt. Unser Ölivenöl wird nach einer sehr alten albanischen Tradition hergestellt. Die Oliven werden entkernt und mit Wasser unter einer Temperatur von 30°C durch mehrere aus Stroh und Ziegenhaar gefertigten Scheiben gepresst. Das macht unser Öl extra nativ und schenkt ihm sein volles und unverwechselbares Aroma.“
Koman Stausee: mit der Fähre durch die Fjordlandschaft
Die Fahrt mit der Koman-Fähre wird als sensationell und echtes Highlight beschrieben.
Mit Superlativen ist das ja so eine Sache, von der man sich am besten selbst überzeugt. Sehr abenteuerlich soll die 2,5-stündige Fährfahrt durch die albanischen Fjorde sein. Insbesondere das Beladen der Fähre, auf der jeder Zentimeter genutzt wird, klingt vielversprechend. Wir entscheiden uns für die große Autofähre Alpin, die zwischen Koman und Fierza zweimal täglich verkehrt, und reservieren vorab.
Wenn nur nicht die fürchterliche Straße wäre, um dort hinzukommen!
Broken Road zum Koman-See
Wir machen uns auf den Weg über die SH25 zum Koman-See, die zu den besonders abenteuerlichen Straßen in Albanien zählt. Seit Jahren ist sie eine einzige Baustelle.
Jedenfalls brauchen wir fast vier Stunden für diese knapp 50 Kilometer und ich bin am Ende fix und fertig und freue mich einfach nur noch auf ein eiskaltes Bier, als wir am späten Nachmittag unseren Übernachtungsplatz am See erreichen, um morgen nur noch die zwei Kilometer bis zur Ablegestelle zurückzulegen.
Abfahrt
Unsere Fähre „Alpin“ wirkt größer als gedacht und der Andrang hält sich auch in Grenzen. Auch das Beladen ist weniger abenteuerlich, als vorher gesagt wird. Ich fahre rückwärts über die Rampe und parke mit doch großem Abstand zu dem Auto hinter uns. Das hatten wir uns dramatischer vorgestellt. Pünktlich gegen 11 Uhr startet die Fähre halb beladen. Auf dem oberen Deck, auf dem reichlich Platz ist, haben wir eine fantastischen Blick auf die Fjordlandschaft, die mit ihren schroffen Berghängen mehrere hundert Meter in die Höhe ragen. Das strahlend blaue Wasser bildet eine wunderbaren Kontrast. Je weiter wir in den Canyon kommen, je enger und spektakulärer wird die Schlucht, die kaum mehr als 400 Meter breit ist, an den engsten Stellen misst sie gerade einmal 50 Meter und die meterhohen Felswände kommen extrem nahe. Erst kurz vor Fierze wird die Landschaft wieder flacher.
Aber es weht ein heftiger Gegenwind …
3-Wetter-Taft … Windstärke 6 … die Frisur sitzt
Letztendlich finden wir den Aufwand und die Kosten (135 Euro) für diese Fährfahrt in Relation doch etwas übertrieben. Aber das ist unsere persönliche Meinung.
Anschließend fahren wir in wirklich unzähligen Serpentinen hoch oben die Panoramaroute SH 22 am schwarzen Drin entlang. Immer wieder könnte man eine Fotostop einlegen, so faszinieren uns die Ausblicke ins Tal auf den türkis schimmernden Fluss.
Shkodra
Camping Legjenda, dieses Mal ein klassischer kleiner Campingplatz mit schönem Pool, Waschmaschinen und vielen Toiletten nutzen wir auch mal gerne. Endlich kann ich alles mal waschen. Und im Pool zu schwimmen tut auch mal gut.
Nach dem Frühstück möchten wir uns doch die geschichtsträchtige Stadt mal anschauen. Nach einem kurzen Stück an der Hauptstraße können wir das erste Mal auf einem Radweg entlang fahren. Shkodra soll ja die fahrradfreundlichste Stadt in ganz Albanien sein
Am Kreisverkehr am Platz der Demokratie , wo wir die Räder abschließen, geht es zu Fuß schnell in das Altstadtviertel Gjuhadol mit seinen hübsch restaurierten und bunten Häusern, vorbei an der imposanten Ebu Beker Moschee. Hier erfreuen wir uns an den bunten Häuser im venezianischen Baustil, wo moderne, gestylte Touristen und Einheimische sich den Tag beim Aperol versüßen.
Shkodra
Die uralte Burg Rozafa, die wir vom Campingplatz aus sehen können, ist zwar ein Muss, denn die Aussicht auf die Stadt bis hin zu den Albanischen Alpen soll wohl sehr schön sein. Doch wir besteigen sie nicht. Uns ist es einfach zu heiß.
Glücklicherweise hat Rolf noch Datenvolumen, d.h. die Navigation funktioniert auch nach der Grenze noch. Der Ksamil Caravan Camping ist easy zu finden. Eine kleine Einfahrt hoch und schon begrüßt uns Alexander herzlich und weist uns einen Platz vor einer Mauer quer gestellt. Alle stehen eng beieinander, was uns nicht sonderlich stört. Unsere Stühle reichen uns hier aus. Auch seine Frau, Linda, strahlt uns an und serviert ihren göttlichen Eiskaffee. Rolf sähe aus wie Einstein und ich sei „so beautiful“. Je zwei Toiletten und Duschen gibt es für 25 Euro/Nacht. Diese sind außergewöhnlich sauber und befinden sich direkt hinter uns. An einem langen Tisch können alle Gäste gemeinsam essen, kochen, den Kühlschrank benutzen usw. Sehr familiär geht es hier zu.
Sehr familiär geht’s hier zu
Zum Abendessen gehen wir mittlerweile ganz schön hungrig in Richtung Beach, um als erstes eine SIM-Karte für unseren Router zu kaufen – er soll die digitale Schnittstelle für alle unsere Online-Geräte einschl. Carplay sein (letzteres bereitet noch Probleme). Denn sonst können wir in Albanien weder navigieren noch ins Internet. Im Vergleich zu unseren Preisen sind 29 Euro für 100 GB günstig.
Gelesen habe ich, dass der Beach von Ksamil tatsächlich zum schönsten Strand Albaniens erklärt wird (Das versehen wir mit einem Fragezeichen). Umringt von Beachbars und Restaurants, aus denen meist laute Musik dröhnt, vollgestellt mit Liegen und Sonnenschirmen, tummeln sich hier meist albanische Touristen. Frauen mit Botox-Lippen, String-Tangas und Silikonbrüsten sind nun doch kein schöner Anblick. Das „Restaurant Rilinda“ hat ein hübsches Ambiente, mit Blick auf den Strand und sehr freundliche Kellner. Meine Ravioli mit Spinat und Ricotta sowie Rolfs Lieblingsgericht „Spaghetti Vongole“, dazu ein kühles Korça-Bier sind ein Genuss.
Länger als eine Nacht bleiben wir nicht hier.
Gjirokaster – Stadt der Steine
Die Temperaturen steigen über 33 Grad, so dass wir die Fenster möglichst geschlossen halten. Nach nur 64 km erreichen wir Gjirokaster, eigentlich ein Höhepunkt jeder Albanienreise. Sie ist kulturell bedeutsam, eine der ältesten Städte Albaniens und seit 2005 Welterbe der UNESCO, immerhin auch Geburtsstadt von Albaniens ehemaligen Diktator Enver Hoxha.
Der kleine Camping Late besteht eigentlich nur aus einer Einfahrt in einen privaten Garten. Ich rufe am Hauseingang „Hallo“ und eine ältere Frau fragt mich nach der Höhe unseres Campers, da ein grün-beranktes Dach diese begrenzt. Sie versteht mich nicht. So „schreibe“ ich mit dem Finger auf den Tisch. Okay, 2,70 m gehen wohl so gerade noch. Für 15 Euro passt es für uns hier prima in diesem schattigen Garten.
Wir passen so gerade unter die Weinreben
Bei gefühlten 36 Grad machen wir uns auf den Weg in Richtung Altstadt, ohne zu wissen, dass diese oben auf dem Berg liegt. Steile, kopfsteinpflasterne Wege schlängeln sich steil nach oben. „Warum ist es denn hier bloß so heiß?“, frage ich mich. Die engen Gassen, die aus dunkelgrauen Kopfsteinpflaster bestehen, verleihen dieser Stadt eine geheimnisvollen Ausstrahlung, heizen sie aber auch enorm auf. Die Dächer sind mit Steinplatten bedeckt, die die Innenräume im Sommer schön kühlen. Rund um den Bazar tummeln sich den Touristen vor den Souvenir-Shops.
Gjirokaster
Mein Fächer mitsamt Schwitztuch ist voll im Einsatz. In der nächsten Bar frage ich nach Wasser und Eiswürfel. Selbst auf die mystisch wirkende Burg bekommt uns heute niemand mehr. Letztlich haben wir unter diesen Bedingungen keine Lust mehr auf kulturelle Sehenswürdigkeiten. Schweißnass kommen wir an unserem Stellplatz an. Ein VW-Bus aus der Schweiz steht hinter uns. Die Beiden gehen klugerweise erst spät am Nachmittag in die Altstadt. Den Abend verbringen wir mit den Beiden, die schon mehrfach in Albanien waren.
Wie sieht wohl ein klassisches albanisches Frühstück aus? Wir lassen uns mal von unserem Gastgeber überraschen. Er serviert uns neben Würstchen, Eiern, Tomaten, Gurke und Schafskäse, Brot und Honigmelone auch den türkischen Kaffee.
Vjosa – letzter wilder Strom Europas
Die beiden Schweizer haben uns so begeistert vom Vjosa-Tal berichtet, so dass wir gar nicht anders können, als hin zu fahren.
Über die SH4 fahren wir nach Tepelena. Hier fließt die Vjosa in den Drino, der hier durch das Tal von Gjirokaster herabfliesst. Die Strasse folgt weiter dem Vjosa Tal durchs Hügelland, wo er die tiefe Këlcyra-Schlucht passiert. Von der Straße aus sehe ich zahlreiche schöne Badestellen. Weil eine Muräne in den Fluss gerutscht ist, schimmert er zur Zeit nicht blau, sondern eher grau-braun. Unterwegs in Permet versuchen wir an albanische LEK zu kommen, doch die Gebühren zwischen 7 und 8 Euro halten uns davon ab. Wie biegen ab in Richtung Benje, an der Lengarica, ein Zufluss der Vjosa, entlang bis es rechts hinunter geht – natürlich schottrig und steil.
Zu Hause hatte ich in einer Dokumentation über die Vjosa erfahren, dass sie als einer der letzten Wildflüsse Europas von der albanischen Regierung seit 2023 nach einem langen Kampf zwischen Naturschützern und Investoren zum Nationalpark erklärt worden ist. Geplant waren über 40 Kraftwerke, um den Energiebedarf insbesondere der Küstenregion zu decken. Doch nun kann sich der Fluss seinen Weg selbst suchen und Tieren und Pflanzen eine intakte Umwelt bieten. Auch die Lengarica-Schlucht mit ihren heißen Quellen ist eine ungewöhnliche und einzigartige Attraktion in Albanien.
Der Camping Rafting Restaurant “Mulliri i Bënjës“ liegt direkt an der Lengarica, ein Zufluss zur Vjosa, und gefällt uns auf Anhieb. So naturbelassen, einfach und kreativ erinnert er mich sehr an die Ardéche in Frankreich. Mir ist es mal wieder bei 36 Grad zu heiß und Rolf lockt mich alsbald in den Fluss. Super Idee, denn meine Lebensgeister werden wieder geweckt und meine Laune auch. Im Fluss sitzend habe ich Spaß.
Einen Griechischen Salat am Nachmittag, kalt duschen und mit den Nachbarn aus Holland und Österreich quatschen. „Darf ich mal in euren Camper schauen?“, fragen unsere Nachbar. Und schon geht es wieder los …
Abends im Restaurant essen wir leckere Fritten, Kaçkavall, gelber gegrillter Käse, trinken Korça-Bier und sind happy hier zu sein.
Rafting-Tour
Gestern hat man uns angesprochen, ob wir keine Lust auf eine Rafting-Tour hätten. Eve ist sofort Feuer und Flamme. Ein gelber, ehemaliger schon in die Jahre gekommener Ford-Transit (lustigerweise weisen die Aufkleber noch auf seine Vergangenheit als Taxi aus Düren hin) steht zum Transport zur Einstiegsstelle bereit. Das Rafting-Boot wird ohne Träger auf‘s Dach geschnallt und schon geht die rappelige Tour los.
Zur Einstiegsstelle am Fluss geht‘s über einen Schotterweg, der eigentlich als Offroad-Piste definiert werden müsste. Nach einer Mini-Einweisung mit den drei Signalen „Forward-Backward-Stopp“ geht‘s auch schon los – ich muss vorne hin, die Wellen freuen sich schon auf mich. Der Vjosa führt nicht so viel Wasser, das bedeutet dann schon ein etwas entspannteres Raften – Eve ist sehr zufrieden. Ich hätte es gerne etwas spektakulärer …
Die Stromschnellen schaukeln uns wie ein Karussell hoch und runter, von rechts nach links, gegen die Felswand und zurück, aber wir haben einen souveränen Guide, der uns geschickt durch die Felsbrocken manövriert. Das Wasser spitzt immer wieder hoch ins Boot. Was für ein Spaß! Und dann noch diese Kulisse von sehr rauhen Gesteinsplatten. Eine Stromschnelle hat es besonders in sich. Wir sollen in die Fußschlaufen und die Kommandos werden lauter. Den einen oder anderen haut‘s vom Sitz, aber wir überleben. Offensichtlich hat sie einen Teilnehmer aus einem vorderen Boot herauskatapultiert. Das verlorene Paddel sammeln wir ein. Zur Belohnung wird von einem Kollegen von einer Brücke ein Tüte mit Eiskrem heruntergelassen, die wir geschickt abreißen – köstlich.Nach zwei Stunden hat diese abenteuerliche Tour ein Ende. Noch ein Gruppenfoto und wir sind super happy und zufrieden.
Canyon-Tour
Der heutige Plan sieht eine kleine Radtour zur Ura e Kadiut Brücke, ein antikes Denkmal aus dem Jahre 1700 mit einer anschließenden Wanderung in den Canyon der Lengarica. Entlang dieses Flusses finden sich zwar einige kleine Thermalbecken, aber heute ist Samstag, Wochenende und die Albaner*innen haben keinen Vertrag damit, sich in solche Becken noch hineinzuquetschen – also nix für uns.
Wir sind zwar früh auf Achse, aber der Andrang an der Brücke und den umliegenden Becken ist groß. Also schnell ein paar Bilder von der Brücke und dann ab in den Canyon.
Ura e Kadiut Brücke
Doch dann tut sich eine Hürde auf. Der Canyon verlangt immer wieder eine Querung des zwar wasserarmen Flusses, aber es geht dabei immer über wackelige Flusssteine und trübes Wasser mit schlammigen Untergrund, die nicht erkennen lässt, wohin wir treten.
Und das ist für Eve doch eine große Herausforderung (dafür gibt es einige Gründe). Sie hat zwar ihre Wanderstöcke dabei, aber die Anspannung ist groß, bloß keinen Fehltritt zu tätigen. Es geht nur langsam voran. Aber mit meiner Unterstützung bekommen wir es hin.
Die Schlucht wird immer enger, die Aussicht immer spektakulärer – die Herausforderung ebenfalls. Aber sie bekommt es hin – und ist glücklich. Nach einer Stunde beschließen wir trotzdem, wieder den Rückweg anzutreten – die Anspannung lässt etwas nach. Und angekommen an der Brücke, die wir auch noch überqueren (so schmal ohne Geländer und rutschigen antiken Steinen auch nicht ohne) nehmen wir uns glücklich in die Arme.
Das hätten wir nun wirklich nicht gedacht! Natürlich waren wir beide – da noch kein Liebespaar – früher in den 80er Jahren mehrfach in Griechenland. Zusammen dann 2007 und 2008 auf Korfu mit Frosch-Reisen. Und nun 17 Jahre später fahren wir wieder total drauf ab.
Spät gegen 23 Uhr kommen wir von der Fähre und erreichen nach 10 km den vorab reservierten Camping Elena’s Beach. Erfreulicherweise ist das Tor noch geöffnet und der Nachtwächter weist uns einen Platz weiter oben zu.
Als Rolf am Morgen einen freien Stellplatz direkt am Meer entdeckt, kommen wir auf eine Idee. Ob der wirklich nicht reserviert wurde? „Mindestens 3 Nächte“, sagt der Chef, „dann könnt ihr ihn haben“. Kurz überlegen wir, dann ist alles klar. Ein perfekter Ort – direkt am Strand, ruhig, mit freiem Blick aufs Meer, Bäume für die Hängematte und einer Trattoria mit köstlicher Hausmannskost – was will man mehr? Dieser naturbelassener, familiengeführter Platz ist der perfekte Ort für uns. Das erfrischende Meer lockt mich bei diesen 28 Grad noch nicht. Wenn Rolf schon von „kalt“ spricht! Meine Moussaka und Rolfs Hühnchen mit Fritten sind ein guter Einstieg in die griechische Küche.
Am Meer
Nach unserem Frühstück möchte ich auf den gegenüberliegenden Berg fahren. Bis zur Hauptstraße schiebe ich hoch und durchkreuze das Hafenstädtchen Plataria. Hier beginnt der Anstieg. Anfangs fahre ich so zwischen 6 und 7 km/h, später zwischen 5 und 6 km/h. Mein Puls erreicht Maximalwerte von 152. Im Schatten pausiere ich, um ihn wieder zu reduzieren. Die Sonne brennt auf den Helm und auf die Beine. Nach 240 Höhenmetern und 1,5 Stunden sehe ich ein Steinhäuschen mit parkenden Autos davor. Endlich! Mit hochrotem Kopf schwitze ich die letzten Meter. Da wird wohl eine Bar samt Magic View sein. Eine Gruppe steht vor dem Häuschen, sehr chic gekleidet. Nein, eine kleine Kapelle und unter dem Vordach wird gerade ein Baby getauft.
Eine Bank im Schatten mitsamt Kaugummi drauf wird mein Platz. Diesen entdecke ich später auf meiner Radhose. Mit Rolf verabrede ich mich um 13:30 Uhr in Plataria. Nach 15 Minuten fallen wir uns in die Arme. In der Taverne Thalatta mit Meerblick und frischer Brise essen wir griechische Köstlichkeiten: Gegrillte Dorade und Souvlaki mit den leckersten Fritten. Was für ein entspanntes Hafenörtchen.
Griechenland, du bist so faszinierend. Der Rückweg geht nur aufwärts, jedenfalls bis zur Abzweigung zum Campingplatz. Sehr aufgeheizt lockt uns das kühle Meer. Viel zügiger als gestern bin ich drin und genieße das Schwimmen sehr.
Nach vier Nächten bedanke ich mich herzlich beim Chef, bevor wir nach Lefkada aufbrechen. Aufgrund der schönen Strände mit weißen Kalkklippen wird Lefkada auch die „weiße Perle Griechenlands“ genannt.
Lefkada
Hinter dem Hauptort Lefkada schlägt Google uns zwei Routen zur Avra Taverne vor. Obwohl ich die weniger Kurvenreiche wähle, folgen unzählige Serpentinen durch das bergige und üppig grüne Landesinnere. Rolfs Anspannung wächst mit jedem Höhenmeter. Auch das traditionelle Bergdorf Englouvi, auf dessen rustikalen Hauptplatz jede Menge Einheimische das Zusammensein genießen, versprüht Charme. Doch in die engen Gassen, in denen jeder nach Lust und Laune parkt, findet Rolf kaum noch Platz. Er flucht … Es ist heiß, über 33 Grad, doch der Schweiß in meine Händen ist Angstschweiß. Das muss doch bald ein Ende haben. Wann kommt denn endlich eine richtige, breite Straße. Doch sie kommt nicht.
Die Kurven werden so eng, dass wir gar nicht mehr herumkommen. Und plötzlich wird es noch steiler und enger. Irgendwann passt unser Max nicht mehr hindurch. Oh shit! Rolf setzt fluchend zurück. Es geht um Zentimeter. Wir wenden und fahren fast die gesamte Kurverei zurück.
Die Stimmung sinkt in den Keller. Hungrig und geschafft erreichen wir am Nachmittag die Taverne. Hühnchen-Souvlaki für mich und Lamm-Koteletts für Rolf. Die Pommes sind wieder so köstlich. Der Chef ist der reinste Clown, hat immer eine Witz drauf, verkohlt die Gäste und tanzt Sirtaki. Die Stimmung steigt …
Einem Tipp unseres Tischnachbarn folgend fahren wir gestärkt in Richtung Porto Katsiki. Unterwegs gibt es viele Verkaufsstände, wo regionale Produkte aus Lefkada wie Honig, Olivenöl und Kräuter angeboten werden.
Dort, wo die Straße zum Strand von Porto Katsiki führt, stellen wir uns gegenüber der Taverne Oasis an den Klippenrand mit atemberaubenden Blick auf die Küste und das Meer bis zum Horizont. Unter uns der Egremni Beach, wo feiner weißer Kiesstrand auf türkisblaues Meer trifft, nur über den Seeweg oder zu Fuß inklusive der 400 Stufen erreichbar. Den Sonnenuntergang wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen.
Wildcampen in Griechenland wird immer schwieriger. Wir machen es trotzdem.Morjen
Da wir uns den mehrfach zum schönsten Strand gekürten Porto Katsiki doch noch anschauen wollen, fahren wir die steile kurvenreiche Straße hinunter. Die 12 Euro für den Parkplatz müssen dann auch noch sein. Übernachten könnte man hier auch. Was für ein Bild, als wir die Treppe hinunter steigen: Weißer Sand und strahlend türkisblaues Wasser, eingerahmt von dieser Steilklippe. Überaus fotogen würde ich sagen. Den gleichen Gedanken haben wohl auch zwei Insta-Girls, die unästhetisch posend die Treppe versperren.
Abseits davon finden wir jede Menge fantastischer Motive, sowohl zur rechten wie auch zur linken Seite der Bucht. Glücklicherweise ist es noch zu früh für Touristenscharen. Da uns der Kaffee hier mit 5 Euro zu teuer scheint, fahren wir weiter an der Westküste Lefkadas entlang nach Vasiliki, ein kleiner Hafenort.
Porto Katsiki
Im „Olive Garden“ möchte Rolf was wohl kaufen? Doch zuerst laufen wir zu dem kleinen Hafenbecken, von wo auch die Fähren zu den Nachbarinseln wie Meganisi, Kefalonia & Co ablegen. Die Hafenmole mit den kleinen Restaurants und Tavernen ist ein klassisch schönes Fotomotiv. Für unseren „Cold Cappuccino“ habe ich das Livanakis Cafe ausgesucht. Ein Volltreffer! Und wieder werden wir mit „How are you?“ überaus freundlich begrüßt. Wie köstlich ist dieser „Cold Cappuccino“ denn bitte? Die Blautöne des Meeres sind auch in den Souvenirs wiederzufinden, auf Keramikschalen, Ringen, Kettenanhängern, Postkarten, Käppis und Hüten, Blusen und Badehosen. In dem Olivenshop werden wir wie ein Familienmitglied empfangen. Ich bekomme ein Stück Honig in der Wabe und Rolf Olivenöl zum Probieren. Die Chefin erklärt uns mit so viel Begeisterung ihre Produkte, dass wir uns selbstverständlich mit gefüllten Taschen verabschieden. Mit guten Wünschen und Kostproben verlassen wir diesen wundervollen Ort.
Über Nydri geht’s weiter nach Lefkada-Stadt und nach Igoumenitsa. Langsam nähern wir uns der Grenze. Etwas aufgeregt sind wir schon, als wir die „Qafë Botë – Albanian Border Station“ erreichen. Noch auf der griechischen Seite gehe ich mit allen Dokumenten zum Schalter, wo unsere Pässe eingescannt werden und beim albanischen Schalter werden wir nur noch durch gewunken. Fertig und so einfach! Wir sind tatsächlich in Albanien. Unterwegs frage ich bei dem Ksamil Caravan Camping, ob wir eine Platz bekommen können. „Alles okay! Langsam – langsam“, sagt der Chef.
Unser Fazit
Griechenland hat uns mit seinen herzlichen Menschen, dem guten Essen, den traditionellen Dörfer und Tavernen und dem türkisblauen Meer wieder voll in seinen Bann gezogen. Das bergige und üppig grüne Lefkada bezaubert mit seine beeindruckenden Stränden, die umrahmt von weißen Kreidefelsen das Meer in Blautönen schimmern lassen, die einen magisch anziehen. Dafür nimmt man doch ab und zu die engen und steilen Zufahrten in Kauf.