Die beiden Länder haben wir im letzten Jahr intensiv bereist (Link …) und da wir auf Griechenland und Bosnien-Herzegowina in diesem Jahr unser Augenmerk richten, sind die beiden Länder dieses Mal nur auf Durchreise ausgerichtet.
Auf diesem Weg ist der Eco Camping Valona bei Vlora unsere erste Station. Eco wird hier groß geschrieben. Stellplätze gibts hier nicht. Alles ist hier in einfacher Holzbauweise hergestellt. Die Duschen, die WCs, die öffentlichen Waschplätze und Kochstellen. Den Höhepunkt bildet am Abend das gemeinsame Grillen am fünf Meter langen Gemeinschaftsgrill. Das Gut dafür – egal ob Fleisch, Fisch oder Gemüse – findet man an der Rezeption in einer Qualität, die manchen Supermarkt verblassen lässt. Anschließend genießt man das Ganze gemeinsam an großen Tischen und lässt so eine große Gemeinschaft entstehen. Und das benutzte Geschirr bringt man gespült wieder zurück. Ein leuchtendes Vorbild in Sachen Umweltschutz. 20 Euro für die Nacht halten wir für mehr als fair.
Der Eco Camping Valona
Der nächste Tag beginnt auf albanischen Rumpelstraßen mit überladenen Heuwägen, Schafen, Mopeds auf der falschen Seite, rasenden Motorrädern etc.
Nach der Grenze zu Montenegro legt die ungeteerte und mit Schlaglöchern übersäte Straße noch eine Schippe drauf. Immerhin die Randbefestigung ist schon zu sehen. Auf die Frage nach dem Weg an einen Bauarbeiter, kommt ein wortkarges „Go“ mit Richtungsangabe. Wortkargheit ist hier das Motto.
Hier sind die Chinesen am Werk
Unterwegs begegnen uns jede Menge bunte Fähnchen mit chinesischen Schriftzeichen und erzeugen Fragezeichen in unseren Köpfen. Die Antwort sehen wir kurz darauf. Ein riesige Staumauer taucht neben uns auf. Aha … auch hier haben sie ihre Finger drin und erzeugen Abhängigkeiten.
Zum Schluss erreichen wir noch die kleine Fähre (10,50 Euro) über die Bucht von Kotor und landen auf dem Autocamp Naluka direkt am Fluss und freuen uns, mal wieder junge Familien mit Kindern um uns herum zu haben.
Mit der Buslinie Blue Line fahren wir am nächsten Tag für 2,50 Euro/Person nach Kotor entlang der fjordähnliche Bucht und mit ihrer eindrucksvollen Kulisse. Durch das Stadttor gelangen wir in die gut erhaltende Altstadt mit kleinen gepflasterten Gassen und venezianischer Architektur.
Doch nach Meteora kommen wir hier vom Regen in die Traufe. Touristengruppen drängen sich durch die kleinen Gassen, Souvenirläden mit dem üblichen Ramsch reihen sich wie Perlen aneinander und Gruppenführungen behindern ein entspanntes Genießen.
Wir haben doch noch ein paar verwaiste Ecken gefunden
Wir stellen immer mehr fest, dass diese vermeintlichen Touristen – Hotspots immer weniger unser Interesse finden. Zuviel Menschen, zuviel Instas, zuviel Hektik, zuviel Tinnef etc. …
Jetzt freuen wir uns darauf, am nächsten Tag endlich Bosnien-Herzegowina erreichen zu können.
Aber bevor wir uns aufmachen, müssen noch die Geschäfte mit den lokalen Verkaufsgenies erledigt werden.
Eigentlich gehört dieser Teil Griechenlands nicht zu unserer ursprünglich geplanten Route, aber Erzählungen von Freunden haben uns neugierig gemacht … es sollte sich lohnen!
Mit der Hafenstadt Volos beginnt die Pilion-Halbinsel, die durch das Pilion-Gebirge durchzogen wird. Es gilt als „Land der Zentauren“, ist sagenhaft bewaldet und verbindet ursprüngliche Bergdörfer mit spektakulären, einsamen Stränden. Die Halbinsel ähnelt etwas der italienischen Stiefelform. Das Meer hier nennt sich Pagasitischer Golf oder auch Golf von Volos, eine Bucht der Ägäis. Er befindet sich in der griechischen Region Thessalien und wird östlich durch die Halbinsel Pilion von der übrigen Ägäis getrennt.
Pilion Halbinsel
Von Athen aus machen wir uns mit einer Zwischenübernachtung entlang der Küste an Volos vorbei bis zum Camping Sikia. Nach dem sehr freundlichen Empfang werden uns mit einem Golfwägelchen die möglichen Stellplätze gezeigt. Wow, noch nie haben wir so etwas erlebt. Begrünte und mit Natursteinen ummantelt Terrassen, die wohl mal ein Olivenhain waren, bieten fantastische Stellplätze. Dieser Campingplatz ist ein Meisterwerk aus Stufen und Terrassen, Natursteinwegen, Wiesen, Bäumen und Blumenpflanzen. Es gibt modernste Waschhäuser, Bungalows, ein Restaurant und einen kleinen Strand. Alles ist so gut ausgestattet, dass wir nur noch staunen und das für 27 Euro pro Nacht. Vier Nächte bleiben wir hier, bisher die längste Zeit auf einem Platz.
Kato Gatzeaund Kala Nera
Unmittelbar neben Camping Sikia liegen auf beiden Seiten zwei Hafenorte. Am ersten Abend begeben wir uns ins nächste Dorf Kala Nera. Einige typische griechische Restaurants reihen sich an dem kleinen Strand hintereinander. Hotels im Wechsel mit Tavernen – gut besucht, da im TV gerade die Final-Four aus Athen im Basketball übertragen werden.
Der Campingplatz und die Nachbardörfer
Am nächsten Abend ist das Dorf auf der anderen Seite des Platzes und das Fischrestaurant „Taverne Skourgias“ unser Ziel. Gemeinsam mit zwei Kölnern, die wir auf Elenas Beach kennengelernt und hier wieder treffen, verbringen wir den Abend bei Redfisch, Sardinen, Ouzo und Wein.
Und schmieden gemeinsam Pläne für den nächsten Tag …
Eine Fahrt mit der berühmten Pilion-Bahn, einer Schmalspurbahn. Die malerische alte Dampflok durch das schöne Pilion-Gebirge fährt in der Nebensaison nur an Wochenenden von Ano Lechonia zur Endstation nach Milies und zurück. Die Fahrt dauert 90 Minuten und kostet 10 Euro pro Person. Die Tickets für die berühmte Schmalspurbahn bekommt man nur über die Webseite.
Ein Taxi und bringt uns vier nach Milies, da wir nur noch Tickets für die Rückfahrt bekommen haben.
Nachdem ein Schaffner alle Tickets kontrolliert und uns die Sitzplätze in dem hölzernen Waggon zugewiesen hat, rappelt die Schmalspurbahn los, mit maximal 20 km/h durch Tunnеl, über abenteuerliche Βrücкen und Schluchten. Der Blick auf die unbеrührte Natur und auf den Pagasitischen Golf ist wunderschön. In den Kurven versuchen wir ein paar Fotos von den Brücken mit den Waggons zu erhaschen.
Die Pilion-Bahn
Südspitze Agia Kyriaki
Unser nächstes Ziel ist Agia Kyriaki, an der Südspitze des Pilion. Dort wollen in diesem schönen Hafenort auf einem Parkplatz übernachten.
An Kala Nera, Afissos und Lefokastro vorbei geht die Küstenstraße kurvenreich, gut ausgebaut und verkehrsarm. Das Meer schillert tiefblau oder smaragdgrün mit phantastischen Rundum-Blicken. Den ausgewählten Parkplatz erreichen wir schon bald. Auf Park4Night wird er gut bewertet und von unserer Rezeption empfohlen. Nur ein einziger Reisebus steht an der linken Seite. wir wählen einen der wenigen Schattenplätze.
So ganz wohl fühlen wir uns mit dem einsamen Stellplatz da oben doch nicht, da zu einsam. So können wir jedenfalls keinen entspannten Abend hier verbringen. Um 18:30 Uhr ist der Hunger groß und die Geduld klein. Was nun? Vielleicht gibt es unten am Hafen doch noch eine Möglichkeit.
Mein erster Versuch bei der Taverne „To Karnagio“ ist ein Volltreffer. Was soll ich sagen? Costas empfängt uns herzlich mit einem „No Problem“ und Rolf geht freudestrahlend unseren Max holen.
Mit fantastischem Blick auf die drei Segelyachten und das Meer vor uns genießen wir Thunfisch und Kalamares. Mit dem Max im Rücken können wir ganz entspannt den Abend ausklingen lassen. Einfach perfekt. Diese Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Griechen ist ein unbeschreibliches Geschenk.
Voller Dankbarkeit für einen tollen Abend mit Costas, köstlichem Essen und einem Stellplatz für uns direkt vor dem Restaurant schlafen wir ein.
Am nächsten Morgen setzen wir uns mit unserem Caffè auf eine Bank und genießen das morgendliche Treiben im Hafen. Ein schon etwas in die Jahre Kutter legt gerade ab und bemüht sich die Werft zu erreichen. Mit Hilfe einer Slipanlage gelingt es ihm – sieht alles sehr reparaturwürdig aus.
Als nächstes fällt uns eine Betonmischmaschine auf, die sich fleißig vor sich hin dreht. Sehr verwundert sind wir dann, als beim Entleeren plötzlich ein Octopus nach dem anderen auftaucht und anschließend vom Restaurantbesitzer weiter verarbeitet werden und Tentakeln zum trocknen in der Sonne aufgehängt werden.
Ist wohl nix mehr mit stundenlang den Octopus auf die Steine kloppen, um ihn zart zu bekommen – neue Sitten.
Im Hafen von Agia Kyriaki
Nach dieser wunderbaren Übernachtung am Hafen machen wir uns auf den Weg zum nächsten Etappenziel: die Meteora Klöster.
Wir haben die schlimmsten Geschichten über die Fährgesellschaft Grimaldi im Kopf, als wir in Ancona den Fährhafen ansteuern. Aber es kommt alles anders …
Der CheckIn geht ratzfatz. Die Fähre ist halbleer. Unsere Doppelkabine sauber. Das Restaurant top und außer uns nur wenige Mitreisende – das kennen wir anders. Am Abend des nächsten Tages legen wir in Igoumenitsa an und steuern – wie im letzten Jahr – den in der Nähe gelegenen Campingplatz Elena‘s Beach an und verbringen dort die ersten Tage.
Fährhafen Ancona und angekommen in Griechenland
Heute beginnt unsere eigentlicher Roundtrip über den Peleppones. Aber vor müssen wir – wie so oft – noch eine Besichtigungstour durch unseren Camper machen. Wir kommen immer in einen angenehmen Austausch, da diese Interessenten nahezu auf die gleiche Art und Weise ticken wie wir. Was wir noch nicht wissen: Das wird auf längere Zeit der letzte Austausch mit Gleichgesinnten sein. Die nächsten Tage (und Wochen) wird uns nahezu nur noch eine besondere Spezies von Campern begegnen. Joghurtbecher in riesigen Ausmaßen, Moped oder E-Bikes, meistens der männliche Teil in hohem Maße übergewichtig und der Bewegungsdrang konzentriert sich auf die Strecke von Kühlschrank zum Liegestuhl. Achso … und fast vergessen: ein Hund. Das haben wir so nicht erwartet.
Unser erster Stop: eine Schildkröte, die heil über die Straße wollte …
Durch die verwinkelten Gassen der Altstadt mit typische Souvenirs aus Griechenland, Olivenöl und Kitsch aller Art treibt uns der Hunger in eine typisch griechische Taverne. Zwei kühle Bier und Souvlaki Pita sind genau das, was wir gerade gesucht haben. Die noch überschaubaren Touristen und Griechen lassen uns erahnen, welche Menschenmassen sich hier in der High-Season drängeln.
Viele Tavernen mit ihren modernen Stühlen und Tischen wirken leider weniger traditionell griechisch. Blaue Holzstühle und Tische mit karierten Tischdecken sehen wir nur wenige. Mit einer Packung Oliven im Rucksack machen wir uns auf den Rückweg zum Campingplatz.
Der nächste Morgen beginnt mit Caffè und dem Studium der Spezies Camper. In diesem Fall ist es eine fünfköpfige Familie aus Slowenien. So weit so normal, aber da sind drei mindestens jugendliche, wenn nicht sogar erwachsene Mitreisende, davon offensichtlich auch ein Pärchen und dann mit den Eltern unterwegs – wir wundern uns.
Dann frühstücken sie. Übrig bleibt ein 100-Liter-Müllsack. Kein Wunder. Der Airfryer ist noch das kleinste Küchenequipment.
Jedenfalls – wir werden bestens unterhalten.
Das heutige Ziel ist Olympia, 350 Kilometer entfernt, davon viele neue Autobahnkilometer, die sich auch in den Mautgebühren ausdrückt. 61 Euro sind eine stattliche Gebühr.
Der erste Campingplatz in Olympia (Camping Diana) gleicht eher einem Parkplatz. Steil und kurvig geht es zum Camping Alfios, der von der resoluten Oma geführt wird. Der schön gelegene Campingplatz verfügt über einen Pool ohne Wasser, eine Taverne und etwas veraltete dennoch saubere Sanitäranlagen. Irgendwie hat dieser Platz Charme und Olympia ist auch zu Fuß und mit dem Rad – so denken wir – problemlos zu erreichen.
Da Olympia mehr ist als ein Haufen alter Steine, schlage ich zur Vorbereitung auf unseren Besuch den Film „Olympiaden der Antike – ZDF 2000“ vor. Diese Dokumentation informiert über die Geschichte, die Gebäude, die Tempel, die Disziplinen und Rituale etc. Ich bin tief beeindruckt zum einen von der Brutalität und zum anderen von den Athleten, die unfassbare Leistungen erbringen.
Die mangelnden Regeln beispielsweise für das Boxen oder Wagenrennen führten zu qualvollen Verletzungen bis zum Tod. Die Spiele dienten nicht nur dem Wettbewerb, sondern auch dem Frieden zwischen den griechischen Stadtstaaten. Aus aller Welt reisten alle 4 Jahre über 40.000 Besucher an, um sich die Spiele anzusehen.
Mit großem Interesse und unserem Vorwissen machen wir uns auf dem Weg runter zur Ausgrabungsstätte und dem angegliederten Museum, um uns über die Geschichte, Fundgegenstände usw. zu informieren. Mit diesem gesammelten Wissen laufen wir zu dem riesigen Ausgrabungsgelände.
Für den Besuch der Anlage und der beiden Museen bezahlen wir zusammen nur 10 statt 40 Euro. Senior zu sein, kann auch sehr vorteilhaft sein (auch wenn wir häufig über diese Spezies lästern).
Digitale Audioguides helfen dabei, sich das antike Olympia besser vorstellen zu können.
Nach der flachen Region rund um den Skutari-See geht es auf die SH 25 in die Albanischen Alpen. Eine sehr abgelegene und wunderschöne Region Albaniens bietet uns fantastische Ausblicke auf die riesigen schroffen Berge, die sich hinter jeder Kurve aus einer anderen Perspektive zeigen. Mit wenig Verkehr geht’s über die Serpentinen zum Pass “Leqet e Hotit“, durch Tamare am Cem River entlang bis zu dem „Restorant & Camping Selca Cem“. Empfehlen können wir zwei fantastische gegrillte Forellen.
Die Albanischen Alpen
Am Grenzübergang ist die Einreise nach Montenegro relativ unspektakulär.
Camp Lipovo – mehr als nur ein Camp
Kurz nach dem Hauptort Kolašin wird die Straße zum Camp Lipovo wieder einspurig, später schottrig und steiler. Robin, der niederländische Inhaber begrüßt uns sofort freundlich und zeigt das Camp. Was für eine wunderbare Oase der Ruhe! Der Blick auf die umlegenden Berggipfel, der Grill, das Restaurant, die Feuerstelle, einfach eine einladende Atmosphäre. Die Duschen sind fantastisch, dazu noch zwei Waschmaschinen und einen Spülplatz, wie ich ihn zuvor noch nicht gesehen habe, machen dieses Camp zu einem Top-Standort. Und das alles für nur 12 Euro pro Nacht.
MTB-Touren in den wilden Bergen
Insgesamt starten wir zwei Versuche, bei über 33 Grad die Berge Montenegros zu erkunden. Schon der Blick auf Komoot prophezeit unglaubliche Höhenmeter, d.h. 600 hm ist das Minimum. Auf den Hauptstraßen dominieren wilde Truck- und Busfahrer, auf den Nebenstraßen sind es die Steigungen. Spannend sind die Brückenkonstruktionen über die glasklare Tara. Einige Schritte wage ich mich mit meinem Rad darauf, doch löchrige Holzbretter und Eisenplatten knarzen unter mir. Das kann nicht gut gehen, denke ich gerade, als ein Jeep mit Anhänger auf mich zukommt, Gas gibt und einfach drüberbrettert.
Wie ich den Fahrstil hier beschreiben würde? Wild, schnell und ohne Skrupel! Als Radfahrerin springe ich jedenfalls ins Gebüsch, wenn Trucks auf mich zu rasen.
Diese wilden und steilen Berge zwingen uns letztendlich zur Umkehr. Ursächlich sind zum einen die enormen Steigungen und zum anderen die extreme Hitze. Und beim Schieben in praller Sonne vergeht jeglicher Spaß.
Wildes Montenegro im Durmitor Nationalpark
Von hier aus macht es den Eindruck, dass fast alle zum Nationalpark fahren. So auch ein Radlerpärchen, die uns sehr dankbar dafür sind, dass wir eine große Tasche für sie mitnehmen können.
Über eine kurvenreiche und einsame Gegend geht es nach Zabljak, das touristische Zentrum und Ausgangspunkt für Outdoor-Aktivitäten wie Rafting, Kajakfahren, Canyoning, Ziplining, Bergsteigen, Klettern, Wandern, Reiten und im Winter Skifahren.
Es wird angenehm kühler, denn Zabljak liegt auf einer Höhe von 1456 Meter und ist damit die höchstgelegene Stadt Montenegros. Plötzlich verändert sich die Landschaft extrem. Statt grüner Nadelbäume und Büsche fallen die kargen Hügel vor atemberaubender Berglandschaft auf.
Autocamp Mlinski Potok, schwarzer See und ein „gefährlicher Trail“
Direkt hinter dem Besucherzentrum erscheint am Hang das AutoCamp Mlinski Potok inklusive Panorama-Blick auf die majestätische Bergwelt. Als am Nachmittag schwarze Wolken mit starkem Wind aufziehen, geht es blitzschnell. Erst Regen, dann klopfen Hagelkörner auf die Dachfenster plus Donner grollen über die Berge hinweg.
Die Wanderung zum „Schwarzen See“, der von hier aus gut erreichbar ist, stelle ich mir als leichten Spaziergang vor. Die Sonne scheint auch wieder und wir laufen über unzählige noch feuchte Wurzeln und Steine den Waldweg entlang. Der erste See lässt sich gut durch den Wald umrunden, bis zu der Stelle, die ihn mit dem zweiten See verbindet. Ein Naturerlebnis sind die Spiegelungen im See vor dem grün der Wälder. Wegen des Regens gestern ist der Übergang nicht passierbar. Als wir das Schild „Dangerous“ passieren, wird es tatsächlich so. Wie auf einem Klettersteig geht es über glatte Steine und Wurzeln steil hoch und runter, teilweise mit Handlauf. Sportschuhe sind dafür weniger geeignet und die Stöcke hätte ich auch besser mitgenommen.
Trotz des Nebels und des bewölkten Himmels wollen wir am nächsten Tag die unberührte Wildnis Montenegros erleben und fahren über die Südroute tief hinein in den Park. Spektakuläre Gipfel über 2000 Meter mit klaren Gebirgsseen können wir von der rauen Hochebene beobachten. Diese weitläufige Landschaft gehört seit 1980 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Für dieses wunderschönen Naturjuwel bezahlen wir auch gerne die 5 Euro an den Ranger am Viewpoint mit Fotorahmen.
Durmitor Nationalpark
Rolf bewältigt gekonnt die steilen Serpentinen mit wenig Gegenverkehr, denn die meisten fahren die Südroute von Zabljak aus. Zum Sedlo-Pass wäre ich auch gerne mit dem Rad gefahren, denn die Steigungen halte ich für machbar. Doch der stürmige kalte Wind heute hätte mir jeden Spaß daran geraubt. Nach einigen Fotostops verlassen wir diese raue karge Bergwelt und werden von dem nächsten Highlight überrascht. Das Canyon der Piva tut sich vor uns auf.
Unzählige Tunnel zur Tara-Schlucht
Tara-Schlucht in Bosnien-Herzegowina
Doch dann folgt das nächste Highlight. Die kurvige Straße durch unzählige Naturstein-Tunnel bietet zwischendurch eine fantastische Aussicht auf den türkis-blau schimmernden Fluss Piva. Dieser ist eingebettet in den Canyon und setzt sich farblich so ab, dass es einem die Sprache verschlägt.
Wo Tara, Drina und Piva zusammenfließen ist auch die Grenzstation. Die Ausreise aus Montenegro dauert länger als die Einreise nach Bosnien-Herzegowina. Bei über 35 Grad ist es im Camper angenehmer als draußen.
Hier ist das Rafting-Mekka schlechthin. Menschen in Neopren und Schwimmwesten kommen uns entgegen, als wir ins „Tri vodenice Camp“ inklusive Stehklos einkehren. In allen Rafting-Camps kann man in Holzhüttchen übernachten. Am Abend wird’s richtig laut, denn in jedem Camp geht die Party ab. Auch wir finden Live-Rockmusik auf bosnisch richtig cool. Voller Power heizt die Band hier ein und nicht nur die, auch die offene Feuerstelle im Raum …
Naturpark Lonjsko Polje / Kroatien
An der Grenze zu Kroatien erleben wir noch mal einen Grenzübergang wie früher. Schließlich reisen wir von einem Nicht-EU-Land in ein EU-Land. Bei unerträglichen 35 Grad warten wir über eine Stunde. Und das Internet funktioniert kurz hinter der Grenze wie auf Bestellung.
Bis nach Lonja zieht es sich noch über den Deich neben der Save. Kleine sehr alte Bauernhöfe aus Holz säumen die kleine Straße. In was für einer abgelegene Region sind wir denn hier gelandet? Und da soll sogar noch einen Bauernhof Camp, der Campingplatz Zelen-Gaj und ein Restaurant kommen? Nach ein paar Minuten über den Deich erscheint ein Schild nach rechts. Tatsächlich … hinter dem Hühnerstall sehen wir ein paar Camper und eine große Scheune.
Ein älterer Herr, Josef, der Patron, erklärt mir in gebrochenem Deutsch, wo alles ist. Was hier geboten wird, erkennt man erst auf den 2. Blick: Ruhe, Felder, Hühner, Lagerfeuer-Möglichkeit, Grillhaus, Küche, ein wunderschönes und komfortables im Posavina-Stil erbautes Sanitärhaus, was eigentlich wie eine alte Scheune aussieht.
Sogar das Restaurant, indem auch die Rezeption untergebracht ist, erreichen wir nach 150m und bekommen auch noch eine riesige Portion Gulasch zu essen. Josef setzt sich zu uns und wir erfahren noch so manches Wissenswertes zum Naturpark Lonjsko Polje.
Einiges davon wird uns nochmal vor Augen geführt, als wir am nächsten Tag wieder aufbrechen und auf fast jedem Haus ein Storchennest entdecken.
Sehenswert sind auf jeden Fall die Dörfer entlang der Save: Lonja, Čigoć, Mužilovčica, Kratečko, Gušće, Krapje und Puska.
Ursprungs-Text Eve, den habe ich (Rolf) dann aber in Absprache mit ihr bearbeiten müssen. Es wurde doch etwas ausufernd. (Das hat sie dann auch eingesehen). Layout – wie immer – Rolf
Der Ohrid-See
Unser nächstes Ziel, der Ohrid-See, der zweitgrößte See des Balkan. Die Grenze zu Nord-Mazedonien führt mitten durch den See. Den berühmten Koran-Forellen im See ist das aber egal – uns auch. Wir freuen uns auf sie.
Die Route führt uns über die bestens ausgebaute SH75 (in Albanien noch nicht die Regel), vorbei an Korça, der Bierstadt (ich widerstehe!) zum Camping Erlin, direkt am See gelegen. Nix los hier und wunderschön gelegen.
Ohrid See
Am nächsten Tag radeln wir in das kleine alte Fischerdorf Lin. Die Schönheit dieses Örtchens erschließt sich erst auf dem 2. Blick, denn die wenigen alten Häuser sind dem See zugewandt. Schnell finden wir Rosas B&B, das uns aus einer ARD-Dokumention bekannt ist und die es geschafft hat – wie einige andere aus dem Dorf – den Ort mit einfachen Mitteln und lokalen Produkten wieder zum Leben zu erwecken.
Lin und Rosa‘s Home
Natürlich kommen wir am Abend noch einmal hierher, denn bei Rosa bekommen wir diese köstliche Koran-Forelle. Der Blick durch den Garten auf den See, die Berge und die untergehende Sonne ist wunderschön.
Kruja – Das historische Heiligtum Albaniens
Vom Ohridsee fahren wir über Elbasan an Tirana vorbei auf die A3 nach Kruja. Autobahnen werden hier nicht so ganz ernst genommen. Alle paar Kilometer werden am Straßenrand frisches Obst und Gemüse und sonstige lokale Produkte angeboten. Man fährt rechts ran und kauft ein – auf der Autobahn !! Verkehrsschilder sind hier noch nicht mal Empfehlungen – die werden ignoriert.
Das Mali Camp erreichen wir am frühen Nachmittag. Mitten in der Natur und doch nah zur Altstadt liegt das hübsche Camp mit Pool. Arbi, der Inhaber aus der Schweiz, erklärt uns den Weg nach oben zu seinem „Organic Garden Restaurant“. Das hört sich verlockend an. Am Abend laufen wir natürlich die vielen Treppen nach oben. Es hat sich gelohnt!
Mali Camping
Den beschwerlichen Weg in die Altstadt können wir uns sparen. Unser Nachbar nimmt uns in seinem Pkw mit.
Kruja ist berühmt für seinen alten Bazar, den wir nun über die uralten glatten Pflastersteine entlang bummeln. Rechts und links werden Antiquitäten wie alte Waffen, Helme, Mühlen usw. und jedmögliche Souvenirs dargeboten. Der Bazar ist schön bunt und hat Charme in diesen alten Steinhäusern.
Kruja, der Bazar
Das Ethnografische Museum ist uns einen Besuch wert, denn die albanische Geschichte, alte Traditionen, Kleidung, Räume und die Lebensweise wird umfassend und lebendig dargestellt. Das Skanderbeg-Museum sehen wir nur von außen. Als Regen aufzieht, machen wir uns auf den Rückweg zum Campingplatz.
Das Ethnografische Museum
Zum Abschied vom Malicamp am nächsten Tag erwerben wir natürlich das beste Olivenöl des Landes. Auf der Website heißt es:
„Das Kruje-Olivenöl ist das hochwertigste Öl Albaniens und eines der seltensten der Welt. Die Bäume sind 500-2500 Jahre alt und wachsen auf 600 m über dem Meeresspiegel während die Meereswinde um sie herum wehen. Nicht umsonst ist die Stadt Kruja als Balkon des Balkans bekannt. Das Kruja Ölivenöl ist von super hoher Qualität. Die Früchte sind 100 % biologisch und werden nicht mit Parasitensprays behandelt. Unser Ölivenöl wird nach einer sehr alten albanischen Tradition hergestellt. Die Oliven werden entkernt und mit Wasser unter einer Temperatur von 30°C durch mehrere aus Stroh und Ziegenhaar gefertigten Scheiben gepresst. Das macht unser Öl extra nativ und schenkt ihm sein volles und unverwechselbares Aroma.“
Koman Stausee: mit der Fähre durch die Fjordlandschaft
Die Fahrt mit der Koman-Fähre wird als sensationell und echtes Highlight beschrieben.
Mit Superlativen ist das ja so eine Sache, von der man sich am besten selbst überzeugt. Sehr abenteuerlich soll die 2,5-stündige Fährfahrt durch die albanischen Fjorde sein. Insbesondere das Beladen der Fähre, auf der jeder Zentimeter genutzt wird, klingt vielversprechend. Wir entscheiden uns für die große Autofähre Alpin, die zwischen Koman und Fierza zweimal täglich verkehrt, und reservieren vorab.
Wenn nur nicht die fürchterliche Straße wäre, um dort hinzukommen!
Broken Road zum Koman-See
Wir machen uns auf den Weg über die SH25 zum Koman-See, die zu den besonders abenteuerlichen Straßen in Albanien zählt. Seit Jahren ist sie eine einzige Baustelle.
Jedenfalls brauchen wir fast vier Stunden für diese knapp 50 Kilometer und ich bin am Ende fix und fertig und freue mich einfach nur noch auf ein eiskaltes Bier, als wir am späten Nachmittag unseren Übernachtungsplatz am See erreichen, um morgen nur noch die zwei Kilometer bis zur Ablegestelle zurückzulegen.
Abfahrt
Unsere Fähre „Alpin“ wirkt größer als gedacht und der Andrang hält sich auch in Grenzen. Auch das Beladen ist weniger abenteuerlich, als vorher gesagt wird. Ich fahre rückwärts über die Rampe und parke mit doch großem Abstand zu dem Auto hinter uns. Das hatten wir uns dramatischer vorgestellt. Pünktlich gegen 11 Uhr startet die Fähre halb beladen. Auf dem oberen Deck, auf dem reichlich Platz ist, haben wir eine fantastischen Blick auf die Fjordlandschaft, die mit ihren schroffen Berghängen mehrere hundert Meter in die Höhe ragen. Das strahlend blaue Wasser bildet eine wunderbaren Kontrast. Je weiter wir in den Canyon kommen, je enger und spektakulärer wird die Schlucht, die kaum mehr als 400 Meter breit ist, an den engsten Stellen misst sie gerade einmal 50 Meter und die meterhohen Felswände kommen extrem nahe. Erst kurz vor Fierze wird die Landschaft wieder flacher.
Aber es weht ein heftiger Gegenwind …
3-Wetter-Taft … Windstärke 6 … die Frisur sitzt
Letztendlich finden wir den Aufwand und die Kosten (135 Euro) für diese Fährfahrt in Relation doch etwas übertrieben. Aber das ist unsere persönliche Meinung.
Anschließend fahren wir in wirklich unzähligen Serpentinen hoch oben die Panoramaroute SH 22 am schwarzen Drin entlang. Immer wieder könnte man eine Fotostop einlegen, so faszinieren uns die Ausblicke ins Tal auf den türkis schimmernden Fluss.
Shkodra
Camping Legjenda, dieses Mal ein klassischer kleiner Campingplatz mit schönem Pool, Waschmaschinen und vielen Toiletten nutzen wir auch mal gerne. Endlich kann ich alles mal waschen. Und im Pool zu schwimmen tut auch mal gut.
Nach dem Frühstück möchten wir uns doch die geschichtsträchtige Stadt mal anschauen. Nach einem kurzen Stück an der Hauptstraße können wir das erste Mal auf einem Radweg entlang fahren. Shkodra soll ja die fahrradfreundlichste Stadt in ganz Albanien sein
Am Kreisverkehr am Platz der Demokratie , wo wir die Räder abschließen, geht es zu Fuß schnell in das Altstadtviertel Gjuhadol mit seinen hübsch restaurierten und bunten Häusern, vorbei an der imposanten Ebu Beker Moschee. Hier erfreuen wir uns an den bunten Häuser im venezianischen Baustil, wo moderne, gestylte Touristen und Einheimische sich den Tag beim Aperol versüßen.
Shkodra
Die uralte Burg Rozafa, die wir vom Campingplatz aus sehen können, ist zwar ein Muss, denn die Aussicht auf die Stadt bis hin zu den Albanischen Alpen soll wohl sehr schön sein. Doch wir besteigen sie nicht. Uns ist es einfach zu heiß.