Archiv für den Monat: Juli 2014

Von einem See zum Nächsten …

Die Weltmeisterschaft war abgehakt, unsere Tour durch die Dolomiten noch nicht. Zum zweiten Mal hatte ich eine erfolgreiche Fußball-WM in Italien mitverfolgt. 1990 hatte ich noch auf Elba gearbeitet und den Erfolg gefeiert – ich sollte definitiv alle vier Jahre nach Italien fahren … Wegen des anhaltenden Regens waren wir noch einen Tag länger am Lago di Croce geblieben – jetzt aber sollte es zum nächsten Etappenziel – dem Lago di Corlo – gehen.

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Hitze und einige (wenn auch kleine) Anstiege forderten ihren Tribut, sodass wir in Feltre mit dem Gedanken spielten, ein Quartier zu suchen, wir uns aber doch dafür entschieden, die 20 km zum Lago di Corlo in Angriff zu nehmen – es sollte sich lohnen (wie die Bilder zeigen). Ein kleiner Campingplatz, direkt am See gelegen, ließ uns einen weiteren Tag dort verbringen, einen Waschtag einlegen und den 2. Teil unserer Serie „Videos, die keiner braucht …“ „produzieren“.

Cucina campeggio from Rolf Bungarten on Vimeo.

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Von Cortina d’Ampezzo zum Lago di Croce

Die Nächte in den Dolomiten sind feucht und kalt. Ich trage also auch nach dem Duschen am Abend Beinlinge, Radhose, Radschuhe und die Softshelljacke, wünsche mir nichts lieber, als endlich mal die Kleidung zu wechseln …ein Kleid, ein T-Shirt oder ein Rock … das wäre doch mal eine Abwechslung … warum ich nichts Wärmeres dabei habe? Fragt mal Rolf, dann wisst ihr es … Nach der Ankunft mussten wir erst einmal auf den Besitzer des letzten Campingplatzes vom Toblacher See warten, da sie vergessen hatten, uns die Pässe zurück zu geben. Rolf hatte es kurz zuvor gemerkt, mit einem Ruck angehalten und ist in eine Art Schockstarre geraten. Als er alle Taschen durchsucht hatte, war klar, dass die Pässe nicht da waren … Panik, Angst, Schock … Wir sollten wir irgendwo ohne Pass übernachten können? Nachdem ich ihn etwas beruhigt hatte, fuhren wir zum Campingplatz und siehe da, der Chef ließ uns auch mit Führerschein rein.

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Während Rolf also an der Rezeption wartete, fuhr ich zum nächsten Campingplatz zum Einkaufen. Die Dolomiten vor mir waren ein unglaublicher Anblick. Mit Bierchen ließ sich leichter warten … Erleichterung, als unsere Pässe kamen. Beim Kochen fing es natürlich an zu regnen, so dass wir uns zum Essen unter einen Baum flüchteten.

Rolf wärmte mich so gut er konnte und ich hatte so viel Kleidung an wie möglich … nah aneinander liegen, die Schlafsäcke zusammen gemacht und bis unter die Nase gezogen … bloß keine Spalt lassen …. zum Glück sah der nächste Morgen schon anders aus … die Sonne kam hervor, wir packten und los ging’s den steilen Berg hinauf zur Hauptstraße …. die nächste Bar angesteuert und erst mal mit Cappuccino gestärkt … auf verkehrsarmen Nebenstraßen ging unsere Route durch die Dolomiten … ein Bahntrassenweg, der ab und zu von alten Bahnhäuschen gesäumt wurde, führte durch Wälder, an Seen vorbei mit Blick auf die 3 Zinnen … je weiter südlich wir kamen, je wärmer wurde es … die Regensachen hatten wir immer präsent … immer wieder anziehen … ausziehen … in den Tunnel … und wieder raus … und plötzlich war es so warm, dass wir nur noch im Shirt weiterfahren konnten … die Temperaturen stiegen weiter an … das südliche Klima war spürbarer … immer an der Brenta entlang zu unserem Ziel, Lago del Croce … hier wollten wir abends das Endspiel schauen … nach über 80 Km und brennenden Popos kamen wir auch dort an…. wie klug, dass Rolf gleich einen Tisch mit Blick auf den Bildschirm ab 20 Uhr reservierte … bei Pizza und Wein sahen wir das Finale und um uns herum freuten sich alle mit uns …

Venetien from Rolf Bungarten on Vimeo.

Königsetappe in den Dolomiten

Bei den Tourvorbereitungen hatte uns die Zeitschrift „Trekkingbike“ gewarnt, dass die 32 km lange Strecke von Toblach nach Cortina d’Ampezzo über den Cimabanche Pass der anstrengendste Teil unserer Dolomiten-Transalp werden würde. Die Alpencrosser werden über diese Herausforderung nur ein müdes Lächeln übrig haben, für uns (Eve im Speziellen) mit dem ganzen Gepäck bedeutet das immer wieder die Frage: „Schaffen wir das?“ . Nachdem wir aber in der Zwischenzeit an Eve’s Rad ein kleineres Ritzel haben einbauen lassen, gingen wir zuversichtlich ans Werk. Die Strecke (ein alter Bahntrassenweg) bot natürlich wieder traumhafte Ausblicke auf die Dolomiten und obwohl die ganze Strecke aus Schotter bestand, immer bergauf verlief, konnten wir den Anstieg problemlos bewältigen. In der Erwartungshaltung, dass jetzt endlich das steile Stück hoch zum Pass beginnen müßte (schließlich wurden wir ja vorgewarnt und befanden uns auf der Königsetappe), zuckelten wir Kurve um Kurve nach oben, um dann urplötzlich vor einem Schild zu stehen …

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Wir schauten uns ungläubig an, Eve ließ einen Jubelschrei los und ich konnte es nicht glauben und meinte auf die Euphoriebremse treten zu müssen: „Das kann nicht sein …“. Es ging zwar jetzt stetig bergab, aber irgendwie warteten wir immer noch auf den alles entscheidenden Anstieg – aber er kam nicht … sondern unser Tagesziel Cortina d’Ampezzo.

Das konnte nur zu den Schlussfolgerungen führen: Trekkingbike übertreibt, der Pass wurde abgehobelt oder wir sind einfach fit – wir entschieden uns für Letzteres.

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Die ersten Tage

Montag Nacht, kurz vor Mitternacht, ging es los am Kölner Hauptbahnhof. So’n City-Night-Liner macht das Reisen über Nacht schon ziemlich komfortabel – auch wenn wir dieses Mal nur Schlafsessel gebucht hatten. Für die Rückfahrt in vier Wochen geht’s ab Orvieto dann etwas luxuriöser zu – im Schlafabteil mit Betten.

In München kamen wir mit 1 1/2 Stunden Verspätung an, da es zwischendurch eine Durchsuchungsaktion der Polizei gab, die wir aber unbeschadet überstanden (unsere Fahndungsfotos waren wohl veraltet).

Am nächsten Tag gegen Mittag Ankunft an unserem Ziel – dem Brenner – im strömenden Regen. Das ließ uns die Tagesetappe bereits in Sterzing beenden, das Zelt nicht aufbauen und eine Pension suchen. Der Abend brachte dann das sensationelle Halbfinale gegen Brasilien in einer Pizzeria im ZDF – ich hatte noch nicht das Gefühl in Italien zu sein.

Der nächste Tag änderte am Wetter nicht viel. Der Regen war zwar weniger geworden, die Temperatur stieg aber immer noch nicht über 13 Grad. Die Dolomiten rückten näher und die Anstiege nahmen uns. In San Lorenzo war dann Schluss, der Aufbau des Zeltes im Nu erledigt und genügend Holländer, um den Witz des Tages loszuwerden, waren auch da: „ Spricht mich ein Holländer an: „Wir spielen heute gegen Argentinien.“ Daraufhin ich: „So ein Zufall. Wir am Sonntag auch …“.“ (Aus dem Gag wurde Wahrheit).

Die Nacht war heftig … 6 Grad und unsere Schlafsäcke haben die Komfortzone von 15 Grad – wir hatten uns zu sehr auf die Temperaturen in der Toskana eingerichtet. Eve bibberte, war unausgeschlafen und gaaanz schlecht drauf …

Dolomiten 2014 from Rolf Bungarten on Vimeo.

Der darauf folgende Tag sollte etwas Sonne, kaum Regen und die höchsten Anstiege bringen, die kaum noch Reserven bei unseren Schaltungen ließen, was uns dazu brachte, für Eve ein kleineres Ritzel einbauen zu lassen (ich weiß nicht, warum wir nicht schon früher darauf gekommen sind). In Niederberg fanden wir einen Radladen, der das am nächsten Tag erledigen wollte. Eine Unterkunft war nicht so einfach zu finden, da zur gleichen Zeit der „Dolomiti Superbike“ stattfand. Wir stehen immer wieder fassungslos vor den Massen an radbekleideten Italienern, die mehr bunten Papageien ähneln – dezente Farben sind nicht die Welt eines Bicci …

Dolomiten 2014 from Rolf Bungarten on Vimeo.

Der nächste Tag sollte dann das große Aha-Erlebnis für Eve bringen: Bei den heftigsten Steigungen waren plötzlich noch Reserven bei der Schaltung vorhanden – ein unbeschreiblich positives Gefühl für sie, vor Allem auch in psychischer Hinsicht, denn von nun an, brauchte sie nicht mehr absteigen und schieben, wenn der Anstiegt mal wieder über 10% ging.

Der Höhepunkt war dann unsere Ankunft am Toblacher See (s. Bild) mit dem traumhaft gelegenen Campingplatz und einem Waschhaus à la Neptunbad.

Hier bleiben wir erst mal …

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Toblacher See

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Toblacher See 46.702981, 12.219262