Archiv des Autors: Eve

Was kann daran nur schön sein?

Was kann daran nur schön sein? Was hat das bloß mit Urlaub zu tun? Dann nimmst du ja mind. 10 kg ab?

Ja es stimmt, wir schwitzen, wir ackern uns die Berge hoch, die Oberschenkel brennen … die Sonne auch … das Herz pocht uns zum Halse raus … bubupp, bubupp … je höher der Berg, desto schneller … jedes Kilo auf dem Rad zieht uns wie ein Gummiseil nach unten statt nach oben … jeder kräftige Tritt zählt, keine Pause, immer weiter … zählen, durchhalten … auch dieser Berg hat ein Ende … w as kommt bloß nach der nächsten Kurve? … noch steiler oder etwas flacher? …. Schatten wäre auch schön … wann kommt mal wieder eine Wasserquelle? … Mir rinnt der Scheiß in die Augen …

Was ist daran schön? Mit dem Rad zu reisen, bedeutet, mit deiner Körperkraft voranzukommen, mit kräftigen Pedaltritten den Gipfel zu erobern, die Farben und Düfte wahrzunehmen, phantastische Landschaften, Dörfchen, antike Städte, Seen, Flussläufe und Tiere zu entdecken … mit Gefühlen verknüpfen, ihnen Bedeutung verleihen und in Erinnerung behalten … ein sehr authentisches und langsames Erleben … nicht mehrere Dinge gleichzeitig … vom Alltagsstress entfernen, indem du in die Natur eintauchst, das Wetter in aller Intensität erlebst … das Gewitter genauso wie die Hitze … wenn du dann abends dein Zelt aufbaust (schluchz!) … so viel essen kannst, wie du willst und erschöpft einschläfst … dann ist das Glück pur …

Ob sich an meinem Körper etwas verändert hat? Ja, klar … etwas weniger Gewicht, aber das ist nicht das Entscheidende, da ohne Essen keine Energie … isst du zu spät, hast du keine Kraftreserven mehr, dir wird schwindelig und du kannst bald nicht mehr … das ist nicht mehr spaßig … aber dein Körpergefühl verändert sich … Du nimmst ihn wieder intensiver wahr … besonders die Beine, die Oberschenkel, die zu Kraftpaketen 😉 mutiert sind, die mich im mittleren Ritzel kurze Anstiege schnell hochbringen … wie sie sich schon anfühlen! … „Sind das wirklich meine?“ denke ich, wenn ich die Hand drauf lege? … unglaublich diese Trainingseffekte … unsere Körper fühlen sich insgesamt gut und gesund an … jedenfalls allemal besser, als nach „Strandtagen“ …

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Wo ist unser Zelt?

Wie kann man nur ein Zelt verlieren? Es ist eigentlich nicht zu übersehen, es sei denn, es wurde geklaut. Wir wissen es noch nicht genau, nur eins wissen wir: Es ist weg! Unser heiß geliebtes Eureka-Zelt, das im Nu auf-und abzubauen ist … leicht und großräumig … wie konnte das passieren? …

Also gestern nahmen wir den Zug von Florenz zum Lago di Trasimeno, genauer nach Castiglione del Lago, weil es erstens regnete und weil wir zweitens auf gar keinen Fall wieder die Berge mit über 10 % Steigung hoch schieben wollten. Hinzu kommt dieser Party-Campingplatz “ Michelangelo“, hoch über Florenz, zwar mit schöner Aussicht, aber direkt neben einem Club mit mega lauter Musik, saufenden jungen Leuten drumherum, Müll und Chaos … also zum Entspannen weniger geeignet.

Es regnete wie aus Eimern als wir zum Bahnhof fuhren, volle, enge und laute Straßen und wir mit unseren voll gepackten Rädern mittendrin … Horror…mich stresst das, wenn Busse und LKW’s ganz eng an uns vorbei rasen, uns vollspritzen … jedenfalls nix für schwache Nerven …

Am Bahnhof sperrte ich mich erst einmal gleich selbst in den Aufzug ein, da ich ohne Italienischkenntnisse die Anleitung nicht verstand. Mein Rad stand vor dem Aufzug, ich mit Gepäck dadrin und Rolf war dabei sein Rad samt Gepäck auf das andere Gleis zu bringen … so bekam er meine Not nicht mit … Ich klopfte wie wild an die Scheibe, denn es wurde eng, der Zug sollte bald kommen … letztlich befreiten mich 2 Italiener … Als der Zug einfuhr, sah ich Rolf nur noch nach vorne fahren, die Gepäckrolle, lag noch auf seinem Rad … als ich eintraf, beeilte ich mich mit dem Einladen der Packtaschen, denn die italienischen Züge warten nicht lange…1,2,3,4 Packtaschen rein, dann beide Räder, Türe zu und los geht’s.

Die Taschen noch neben die Räder gestellt, einen Platz eingenommen und gut ist … wir freuten uns, hier drinnen im Trocknen zu sitzen, während der Regen an die Scheiben prasselte … mit unserer Entscheidung waren wir mehr als zufrieden … Vorfreude auf den Lago machte sich breit, Campingplätze rausgesucht usw. … der Schaffner bestätigte dann auch noch, dass wir die nächste Station nach Arezzo aussteigen müssten … dann gegen 14 Uhr machten wir uns bereit für den Ausstieg … Packtaschen vorne an die Tür gelegt, Rolf stand bei den Rädern, Türe ging auf, es regnete wie Sau und wir luden alles zackig aus, alles ging so schnell, Taschen wieder an die Räder, wir wurden patschnass, dann Rolf’s Aufschrei: „Neeeiiin, die Rolle, wo ist das Zelt … das Zelt ist nicht da!“ … Ich schaute zu Rolf, auf sein Rad, sah die leere Stelle auf dem Gepäckträger, dann dem Zug hinterher… der war nun weg … Wo ist denn unser Zelt? Im Zug hatte ich es ja nicht gesehen!

Rolf war so verzweifelt, dass er laut schrie und wegrannte … 2 Männer von der Bahn kamen rübergelaufen, wollten helfen, riefen in dem besagten Zug an, doch der Schaffner fand nichts … weg … einfach weg … es regnete weiter … grau und verhangen war der Himmel und unsere Stimmung. Wir waren so unendlich traurig … Wo sollten wir schlafen? War unsere Reise nun hier und heute zu Ende? 1000 Fragen gingen uns durch den Kopf? Wo konnte die Gepäckrolle bloß sein? 2 Thermarest-Matten und ein Zelt … eigentlich nicht zu übersehen … Die Männer riefen in Florenz an … die Rolle wurde nicht gesehen …

Rolf fuhr zurück nach Florenz, wollte sich selbst überzeugen … 1,5 Std. hin und wieder zurück … es war 14:30 Uhr … d.h.ich musste mind. bis 18 Uhr warten, bis er wieder da war … im Warteraum des Bahnhofs wickelte ich mir ein Handtuch um meine nassen Beine, stellte die Räder rein und wartete auf das Klingelzeichen auf meinem Handy … Gegen 15:50 Uhr musste er ankommen, die Daumen drückend starrte ich auf die Uhr, dann endlich … nichts gefunden … sprachlos … was sollen wir bloß tun? Darüber hinaus stellte ich auch noch fest, dass wir an dem falschen Bahnhof ausgestiegen waren, d.h. wir waren noch gar nicht am Lago di Trasimeno, sondern 30 km davor, denn es gibt 2 Castiglione ( Fiorentina und del Lago) und wir waren im ersten Ort ausgestiegen.

Keine Ahnung, wo unsere Sachen nun waren … Rolf rief ein Agritourismo an, reservierte und los ging’s … noch mal einen ca. 35 km-Sprint, denn es war mittlerweile schon 19 Uhr … 2 Stunden später kamen wir erschöpft und hungrig dort an …

Zwei Tage in der Emilia Romagna


Bis Bologna kamen wir zügig voran, vor allem auch wegen der sporttauglichen Temperaturen … angenehme 24 Grad, Wolken … und flach … doch schon im Süden der Stadt erhoben sich die ersten Berge. Von nun an ging es durch unwegsames Gelände immer weiter am Reno entlang … ein schönes Gefühl!

Als sich endlich nach ca. 70 km unser Ziel „Camping Piccolo Paradiso“ ankündigte, freute ich mich schon auf das abendliche Programm, noch ein letzter Anstieg, der es in sich hatte und oben angekommen (schiebend), kam Rolf mir kopfschüttelnd entgegen, denn den Platz gibt es seit 3 Jahren nicht mehr. Okay, wildcampen … das war unsere nächste Idee … also suchten wir ein geeignetes Plätzchen, doch von der Hauptstraße waren kaum Abzweigungen zum Fluß hinunter.

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Während ich noch von einem romantischen Lagerfeuer am Fluß träumte, wurde Rolf zunehmend genervter … noch zu nah am Ort fanden wir eh nichts … „Dann fahr‘ du doch vor!“ Hui – ich merkte, es wird langsam Zeit, dass wir was finden.

Unsere Stimmung sank mit dem Verkehrsaufkommen auf dieser ätzenden Straße und das aufziehende Gewitter ließ uns endgültig die Geduld verlieren. Noch einmal links abbiegen, den Berg hoch kurbeln … da musste doch was kommen … aber nein, Fehlanzeige … die Donner verfolgten uns, die ersten Regentropfen, Erschöpfung nach nun mittlerweile 90 km … was tun? … der nächste Ort, das nächste Hotel sollte es sein … so strampelten wir, was das Zeug hielt … dann endlich das einzige Hotel, ein hässliches und teures dazu … Rolf war nur noch genervt …. ich versuchte mich zu sammeln, duschte und aß ein paar Nüsse aus meinem Notvorrat … wie gerne hätten wir in unserem Zelt geschlafen!

Trotz Bett schlief ich schlechter als im Zelt … nix wie weg hier! Der Regen war nun auch vorbei und bei strahlendem Sonnenschein fuhren wir ein Stück zurück auf unsere Route, die dann – siehe da, an einem Haus einfach abging und durch einen wunderschönen, abgelegenen Park führte. Wir guckten uns beide an und konnten es nicht fassen, wie nah doch die Lösung gelegen hat … wir konnten es nur nicht wissen!

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Weiter ging’s nun am Reno entlang, durch etwas wildes Gelände, durch Matsch und Co. Auch vermeintlich gesperrte Routen konnten uns nicht abhalten. Manchmal schoben wir die Räder unter einer Schranke hindurch oder quetschten uns zwischen Betonklötzen hindurch – doch dann versperrte uns ein hoher Zaun die Weiterfahrt, rechts und links ein Bach mit zu starker Strömung … also wieder zurück über’s Feld und gut war’s.

Rolfs’ Navigationskompetenzen sind übrigens herausragend – er findet immer eine Lösung! Unser Ziel, den „Lago Suviana“ konnten wir nach nur 40 km aber umso mehr Höhenmetern erreichen. Immer wieder kurbelten wir uns nach oben, was mir mit meinem kleinen Ritzel auch immer besser gelingt. Mir machen diese Berge keine Angst mehr – ein tolles Gefühl!

Nach dem Zeltaufbau spurtete Rolf zum nächsten Alimentari und kam rucki zucki ohne Gepäck den Berg hoch gerast zurück. Unsere obligatorischen Tomatensalat als Antipasti und Pasta als Primi schmecken wie immer vorzüglich. Noch einen Caffè an der Bar, ein Spaziergang zum See und ab ins Zelt – endlich wieder!

Von Cortina d’Ampezzo zum Lago di Croce

Die Nächte in den Dolomiten sind feucht und kalt. Ich trage also auch nach dem Duschen am Abend Beinlinge, Radhose, Radschuhe und die Softshelljacke, wünsche mir nichts lieber, als endlich mal die Kleidung zu wechseln …ein Kleid, ein T-Shirt oder ein Rock … das wäre doch mal eine Abwechslung … warum ich nichts Wärmeres dabei habe? Fragt mal Rolf, dann wisst ihr es … Nach der Ankunft mussten wir erst einmal auf den Besitzer des letzten Campingplatzes vom Toblacher See warten, da sie vergessen hatten, uns die Pässe zurück zu geben. Rolf hatte es kurz zuvor gemerkt, mit einem Ruck angehalten und ist in eine Art Schockstarre geraten. Als er alle Taschen durchsucht hatte, war klar, dass die Pässe nicht da waren … Panik, Angst, Schock … Wir sollten wir irgendwo ohne Pass übernachten können? Nachdem ich ihn etwas beruhigt hatte, fuhren wir zum Campingplatz und siehe da, der Chef ließ uns auch mit Führerschein rein.

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Während Rolf also an der Rezeption wartete, fuhr ich zum nächsten Campingplatz zum Einkaufen. Die Dolomiten vor mir waren ein unglaublicher Anblick. Mit Bierchen ließ sich leichter warten … Erleichterung, als unsere Pässe kamen. Beim Kochen fing es natürlich an zu regnen, so dass wir uns zum Essen unter einen Baum flüchteten.

Rolf wärmte mich so gut er konnte und ich hatte so viel Kleidung an wie möglich … nah aneinander liegen, die Schlafsäcke zusammen gemacht und bis unter die Nase gezogen … bloß keine Spalt lassen …. zum Glück sah der nächste Morgen schon anders aus … die Sonne kam hervor, wir packten und los ging’s den steilen Berg hinauf zur Hauptstraße …. die nächste Bar angesteuert und erst mal mit Cappuccino gestärkt … auf verkehrsarmen Nebenstraßen ging unsere Route durch die Dolomiten … ein Bahntrassenweg, der ab und zu von alten Bahnhäuschen gesäumt wurde, führte durch Wälder, an Seen vorbei mit Blick auf die 3 Zinnen … je weiter südlich wir kamen, je wärmer wurde es … die Regensachen hatten wir immer präsent … immer wieder anziehen … ausziehen … in den Tunnel … und wieder raus … und plötzlich war es so warm, dass wir nur noch im Shirt weiterfahren konnten … die Temperaturen stiegen weiter an … das südliche Klima war spürbarer … immer an der Brenta entlang zu unserem Ziel, Lago del Croce … hier wollten wir abends das Endspiel schauen … nach über 80 Km und brennenden Popos kamen wir auch dort an…. wie klug, dass Rolf gleich einen Tisch mit Blick auf den Bildschirm ab 20 Uhr reservierte … bei Pizza und Wein sahen wir das Finale und um uns herum freuten sich alle mit uns …

Venetien from Rolf Bungarten on Vimeo.