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Die ersten Tage

Montag Nacht, kurz vor Mitternacht, ging es los am Kölner Hauptbahnhof. So’n City-Night-Liner macht das Reisen über Nacht schon ziemlich komfortabel – auch wenn wir dieses Mal nur Schlafsessel gebucht hatten. Für die Rückfahrt in vier Wochen geht’s ab Orvieto dann etwas luxuriöser zu – im Schlafabteil mit Betten.

In München kamen wir mit 1 1/2 Stunden Verspätung an, da es zwischendurch eine Durchsuchungsaktion der Polizei gab, die wir aber unbeschadet überstanden (unsere Fahndungsfotos waren wohl veraltet).

Am nächsten Tag gegen Mittag Ankunft an unserem Ziel – dem Brenner – im strömenden Regen. Das ließ uns die Tagesetappe bereits in Sterzing beenden, das Zelt nicht aufbauen und eine Pension suchen. Der Abend brachte dann das sensationelle Halbfinale gegen Brasilien in einer Pizzeria im ZDF – ich hatte noch nicht das Gefühl in Italien zu sein.

Der nächste Tag änderte am Wetter nicht viel. Der Regen war zwar weniger geworden, die Temperatur stieg aber immer noch nicht über 13 Grad. Die Dolomiten rückten näher und die Anstiege nahmen uns. In San Lorenzo war dann Schluss, der Aufbau des Zeltes im Nu erledigt und genügend Holländer, um den Witz des Tages loszuwerden, waren auch da: „ Spricht mich ein Holländer an: „Wir spielen heute gegen Argentinien.“ Daraufhin ich: „So ein Zufall. Wir am Sonntag auch …“.“ (Aus dem Gag wurde Wahrheit).

Die Nacht war heftig … 6 Grad und unsere Schlafsäcke haben die Komfortzone von 15 Grad – wir hatten uns zu sehr auf die Temperaturen in der Toskana eingerichtet. Eve bibberte, war unausgeschlafen und gaaanz schlecht drauf …

Dolomiten 2014 from Rolf Bungarten on Vimeo.

Der darauf folgende Tag sollte etwas Sonne, kaum Regen und die höchsten Anstiege bringen, die kaum noch Reserven bei unseren Schaltungen ließen, was uns dazu brachte, für Eve ein kleineres Ritzel einbauen zu lassen (ich weiß nicht, warum wir nicht schon früher darauf gekommen sind). In Niederberg fanden wir einen Radladen, der das am nächsten Tag erledigen wollte. Eine Unterkunft war nicht so einfach zu finden, da zur gleichen Zeit der „Dolomiti Superbike“ stattfand. Wir stehen immer wieder fassungslos vor den Massen an radbekleideten Italienern, die mehr bunten Papageien ähneln – dezente Farben sind nicht die Welt eines Bicci …

Dolomiten 2014 from Rolf Bungarten on Vimeo.

Der nächste Tag sollte dann das große Aha-Erlebnis für Eve bringen: Bei den heftigsten Steigungen waren plötzlich noch Reserven bei der Schaltung vorhanden – ein unbeschreiblich positives Gefühl für sie, vor Allem auch in psychischer Hinsicht, denn von nun an, brauchte sie nicht mehr absteigen und schieben, wenn der Anstiegt mal wieder über 10% ging.

Der Höhepunkt war dann unsere Ankunft am Toblacher See (s. Bild) mit dem traumhaft gelegenen Campingplatz und einem Waschhaus à la Neptunbad.

Hier bleiben wir erst mal …

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Eine Woche in Ligurien …

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Kaum sind wir angekommen, geht’s auch wieder zurück. Klimatisch müssen wir uns jedenfalls nicht umstellen. Minusgrade hatten wir zwar nicht, Schnee auch nicht, dafür aber jede Menge Regen – aber wie heißt es so schön: Es kommt immer darauf an, was man daraus macht. Bei mir fängt das Genießen schon in dem Augenblick an, wenn ich aus dem Flieger steige, italienischen Boden betrete, es nicht weit zur nächsten Bar (Café) habe und einen Espresso so bekomme, wie ich ihn mag und nicht die Plörre aus unseren Gefilden (ok, hier und da gibt’s ihn bei uns auch schon besser).

Was letztlich hängen bleibt, ist eine Woche der Entspannung mit den Dingen, die ich liebe: Eve, Frühstück in den Bars (es war letztlich immer dieselbe) mit den Paninis, Focacce oder Sciaccine und Cappuccinos, kommentiert vom lauten Treiben der Bewohner Levantos – ich könnte mich stundenlang dort aufhalten.

Woran ich mich noch nicht gewöhnen kann, ist das, was wir anschließend gemacht haben: Wandern. Es handelt sich dabei zwar um eine meinem Alter entsprechende Tätigkeit, aber irgendwie kann ich mich (noch) nicht damit anfreunden. Mir fehlt dabei der Fahrradsattel unter meinem Allerwertesten und wie sagte Eve so schön: »…dabei will kein Flow aufkommen.« Aber jedenfalls konnten wir die wirklich schöne Landschaft genießen, anstrengend war’s außerdem und zwischendurch hat sogar die Sonne geschienen.

Aber das Alles ist jetzt bereits Vergangenheit, wir sitzen im Zug nach Milano, heute Abend landet der Flieger wieder in Köln und uns bleibt nichts anderes übrig, als Espresso und Cappuccino wieder selbst zu machen, denn auch dabei zählt, »was man daraus macht …«

P.S. Ein kleine (für Eve typische) Episode am Rande. Eve wundert sich, warum ihr beim googeln nach Funktionskleidung als Resultat immer nur Reizwäsche angezeigt wird. Weil sie anstelle von »under armour« immer »mon amour« eingab …