Archiv des Autors: Eve

Ein perfekter Radreisetag

Wie sieht er wohl aus, dieser perfekte Radreise-Tag? Nach einem reichhaltigem Rühreier-Frühstück, einer warmen Dusche ging’s dann nach dem Packen bei noch kühlen 15 Graf los. Anfangs noch ein Stück leicht berghoch, doch dann immer bergab, mal schneller, mal langsamer. Rolf präparierte die GoPro, damit auch die landschaftlichen Highlights während der Fahrt festgehalten werden können.

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Ein ehemaliger Bahnhof

Die Sonne wärmte uns zunehmend, der Himmel klarte auf und die Bekleidung reduzierte sich in dem Maße wie die Temperatur zulegte. Bis auf die vielen kühlen dunklen gefühlten 100 Tunnel waren es es angenehme 25 Grad. Diese Bahntrasse, die ehemals Wien mit Triest verband, führt durch das wunderschöne Val de Canal immer an der Fella entlang, durch Tarvisio nach Pontebba, ein kleiner typisch italienischer Ort, vorbei an Almwiesen, Wildbächen und den Ausläufern der Julischen Alpen. Unter uns die türkisschimmernde Fella, der blaue Himmel und das Grün der hohen Berge.

Val de Canal (Fella)

Val de Canal (Fella)

… ein unbeschreibliches Panorama! Nur Radweg, ohne Autos & Co . … das ist das Radler-Paradies. Kompliment an die Gemeinden, die den Ausbau der Trasse vorangetrieben haben und in den alten Bahnhöfen nette Bars und Cafés eingerichtet haben, beim Bier trifft sich die Radlerwelt. Nach ca. 70 km legten wir in Chiusaforte, dem Mirker Bahnhof auf italienisch, eine letze Pause ein … ohne Bier geht’s bei unserem Biergartenfreak natürlich nicht!

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Mirker Bahnhof auf italienisch

image… Und schon wieder entpuppten sich die letzten 20 km als Herausforderung. Entweder ging es unerwartet steil hoch, so dass ich zumindest immer mal wieder mein Rad in praller Sonne schieben musste oder Schotterwege und Flussläufe, die unseren Weg urplötzlich querten, verlangsamten unser Tempo. Jedenfalls war es immer wieder anstrengend. So langsam konnten unsere Popos (okay … Rolfs’ konnte es noch) auch nicht mehr auf dem Sattel sitzen, weswegen ich bei jeder Gelegenheit hin und her rutschte. Bei jeder Kurve dachte ich „ Gleich erscheint der Campingplatz. Gleich sehe ich Zelte oder Wohnwagen“… Doch nichts dergleichen. Es zog sich wie Kaugummi dahin und eh ich mich versah, kam schon wieder eine megasteile Steigung auf mich zu. „ Och nö … jetzt doch nicht schon wieder (aber Rolfo wartete immer schön brav auf mich … 😉 ). Bin doch jetzt auf Feierabend eingestellt … will Zelt aufbauen und duschen und vor Allem ESSEN!“ Doch was nützt es? Da musste durch … Also weiterkämpfen und radeln, schieben, radeln usw. Am Abend endlich erreichten wir den Campingplatz Val del Lago, wunderschön direkt am türkisblauen See gelegen. Mit letzter der Kraft und vor Hunger schon schwindelig bauten wir das Zelt auf. Glücklicherweise war von der gestrigen Pasta noch so viel übrig … schnell gebraten und fertig war das Abendessen. Ein kühles Bier an der Bar gab uns den gebührenden Abschluss dieses perfekten Rad-Reisetages!

Die ersten Tage …

Mehr Bahn- als Radreise

Die ersten Tage waren wir in erster Linie damit beschäftigt, den Unwettern zu entfliehen und wir schafften es immer rechtzeitig. In München entschieden wir uns den Zug nach Prien am Chiemsee zu nehmen. Nach einer Übernachtung dort überredete uns die Wetterprognose auch dort den Zug zu nehmen. Mit Zwischenstation in Salzburg ging’s nach Spittal an der Drau. Jedes Mal ging das Unwetter los, sobald wir im Zug saßen – wir hatten alles richtig gemacht …

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Prien am Chiemsee

Endlich radeln …

Nach zwei weiteren Regentagen dort wachte ich auf und irgendetwas fehlte – genau, dieses „tack, tack tack …“, das typische Geräusch der Regentropfen auf dem Zelt. Sollte es wirklich sein? Ja, die Sonne kam wirklich durch und wir konnten unseren Caffè draußen in der wärmenden Sonne trinken. Während die Tschechen wirklich alles zum Trocknen ausgebreitet hatten, schätzen wir unser gutes und vor allem regendichtes Equipment. Das Zelt hat schon mal den absoluten Härtest überstanden … alles war trocken geblieben! Das Unwetter hatte so manches Zelt volllaufen lassen. Nach dem Packen tranken wir den 2. Caffè unter dem Dach, da sich ein weiteres Gewitter ankündigte.

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nach dem Dauerregen …

Endlich konnten wir losradeln, endlich in Bewegung sein … das war’s doch! Die Strecke bis Villach war „easy going“, flach, gut ausgebaut und ausgeschildert immer an der Drau entlang, die wie ein reißender Fluss, braun wie der Amazonas, immer weiter an Tempo zulegte, bis ein Wehr sie „beruhigte“. Die Strecke nach Tarvisio zog sich dann hin, da ständiges bergauf fahren anstrengend war, so dass meine Oberschenkel so nach 70 km langsam anfingen zu brennen. Dass die Sonne vom blauen Himmel schien und uns wärmte, löste Glücksgefühle in uns aus.

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endlich radeln …

Aufgrund der Unwetter gab es immer wieder überschwemmte Radwege, die mich sehr forderten. Einmal kapitulierte ich, brüllte:“ Roooolf, das kann ich nicht!“ Der überschwemmte Weg war tief und lang, umgeben von hohem Gebüsch, so dass seitlich auch keine Möglichkeit bestand. Rolf war mal wieder einfach durchgedüst, das bis zu den Packtaschen schwappende Wasser ignorierend und weder zu sehen noch zu hören. Ich stand alleine vor diesem sch … Wasser, zermarterte mir das Hirn, wie ich da jetzt durchkommen konnte, zog mir schließlich Schuhe und Socken aus und schob das Rad barfuß durch dieses verdammt eisige Wasser auf spitzen Steinen … „Aua, aua, verdammte Sch …!“ brüllte ich immerzu. Das ganze Stück kam mir viel zu lang vor. Endlich erblickte ich Rolf, der es wohl nicht fassen konnte, dass ich so daherkam. Schuhe wieder an und weiter ging’s stetig bergauf und bergab. Als wir die Landesgrenze nach Italien überquerten, genossen wir unser erstes Pflichtgetränk, einen Espresso.

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Willkommensgetränk

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Da die Sonne langsam unterging, wurde es zunehmend kühler. Nach der Abzweigung in Travisio ging es weitere 16 km berghoch auf einer herrlichen alten Bahntrasse, als Fahrradstrasse ausgebaut, nach Kransjka Gora. Ich war echt am Ende meiner Kräfte und wusste nach 5 km nicht, wie ich die restlichen 11 km noch schaffen sollte. Als wir gegen 20 Uhr den „Natura Eco Campingplatz“ erreichten, war ich total im Eimer. Zelt aufbauen, Pasta kochen, endlich essen … ohne Wein und ohne Bierchen … eben Eco! Diese Nacht konnten unsere Schlafsäcke nun zeigen, was sie können. Mit kalten Füßen und zwei Oberteilen verkrochen wir uns jeder in seinen Schlafsack und tatsächlich, sie schafften es, uns wieder auf zu wärmen.

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Natura Eco Camping

Am nächsten Morgen, noch im Halbschlaf fragte ich mich schon, wie ich das Duschen in dieser Kälte  nur überstehen soll, denn es gab nur Outdoor-Duschen. Ich blieb erst einmal so lange wie möglich im Schlafsack liegen und wärmte mich am Caffè, den Rolf wie jeden Morgen kocht. Die Sonne ließ sich ab und an mal blicken, doch bei kühlen 11 Grad wärmte sie uns noch nicht sehr stark. Da Rolf sich so sehr auf diesen Platz hier gefreut hatte, wollte ich ihn nicht enttäuschen und ihm sagen, dass ich gerne woanders hinfahren möchte. Als ich dann auch noch meine Haare nicht föhnen konnte, da es keine Steckdose gab, und mir schon wieder so kalt wurde, war meine Geduld fast am Ende. Glücklicherweise fand Rolf den Preis hier (27€/Nacht) überzogen, dafür, dass wir hier kein Strom und kein Wifi hatten. Das war ja fast wie wild campen. Wir packten, bezahlten, fuhren zum Touristen-Büro, erfuhren dort von einem ganz neuen Platz ca. 3 km hinter dem Ort und genau so war es. Alles war neu, die Toiletten, Duschen usw. Unfassbar schön und sauber, Platz ohne Ende mit Strom und Wifi zum gleichen Preis wie vorher! Die Sonne wärmte mehr als gestern, endlich!

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AlpeAdria 2016

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Lago di Cavazzo: 46.330121, 13.076326
Kranjska Gora: 46.484528, 13.785715
Spittal an der Drau: 46.676297, 13.546143
Prien am Chiemsee: 47.856181, 12.349098
Salzburg : 47.809490, 13.055010
Aquileja: 45.765085, 13.367416
Monfalcone: 45.799100, 13.543400
Pian del Grisa: 45.696075, 13.767176
Izola: 45.531047, 13.634024
Buje: 45.408941, 13.660743
Porec: 45.233710, 13.604402
Rovinj: 45.081000, 13.642400
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Lago di Cavazzo
Lago di Cavazzo, Udine, Italien
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Kranjska Gora
Kranjska Gora, Slowenien
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Spittal an der Drau
Spittal an der Drau, Österreich
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Prien am Chiemsee
Prien am Chiemsee, Deutschland
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Salzburg
Salzburg, Österreich
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Aquileja
Aquileia, Italy
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Monfalcone
Monfalcone Friuli Venezia Giulia, Italien
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Pian del Grisa
Camping Pian del Grisa, Trieste, Italy
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Izola
Camping Belvedere, Slovenia
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Buje
Buje, Croatia
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Porec
Poreč, Croatia
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Rovinj
Rovinj Kroatien

Was wir in Indien gelernt haben …

Wo Kopfschütteln „Ja“ bedeutet

Unsere erste Begegnung hatten wir mit dem Tuk-Tuk-Fahrer am Busbahnhof in Kollam, den wir ziemlich erschöpft gegen 23 Uhr erreichten. Wir fragen ihn, ob er „Ashtamudi Villas kennt“ und er wackelt von rechts nach links und wieder zurück mit dem Kopf. Sieht lustig aus und denke mir, dass ich das unbedingt mal filmen muss. Aha, also hier in Kerala begegnen wir noch häufiger dieser Geste. Beim Versuch das Kopfwackeln zu imitieren scheitern wir. Bei uns sieht es irgendwie abgehackter aus. Es scheint in der Tat, als hätte der indische Kopf mehr Bewegungsfreiheit als unserer. Unserer Erfahrung nach wird es häufig als «Ja» verwendet. Es kann aber auch bedeuten, dass der Kopfwackler nicht weiß, wovon man spricht, dann ist es eher ein ausweichend-verlegenes «Jaja, klar» oder auch ein «Keine Ahnung», weshalb es zu Missverständnissen kommen kann.

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Indische Esskultur

„Wofür hat Gott uns die Hand gegeben?“ fragt uns ein Tuk-Tuk-Fahrer „damit wir damit essen können!“  Feinmotorisch geschickt rollen Inder den Reis in das Curry, drehen, drücken, drehen und drücken und zack … landet es im Mund. Natürlich wird nur mit der rechten Hand gegessen, die Linke hängt schlapp auf dem Schoß, da damit ja der Hintern abgewischt wird. Jedes noch so einfache Restaurant verfügt über ein Waschbecken mit Seife. In den nobleren Locations bekommt man sogar eine Schale Wasser mit Blütenblättern drauf an den Tisch gebracht.

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Höflichkeit, Hilfsbereitschaft und Kontrolle in Indien

Typische europäische Höflichkeitsfloskeln sind Indern eher fremd. Ein „Hello“, „Goodbye“ oder „Thank you“ beispielsweise fällt hier so gut wie nie. Manchmal werden wir mit einem strahlenden Lächeln beschenkt. Wenn wir mit unseren Rucksäcken beladen versuchen, uns in ein Tuk-Tuk zu quetschen, schauen uns die Männer zwar zu, helfen uns in aller Regel aber nur, wenn wir sie danach fragen. Ausnahmen gibt’ s natürlich auch, wie der ein oder andere Taxi oder Tuk-Tuk-Fahrer. Unfreundlich kommen uns die Polizisten, Wachmänner und andere wichtige Typen vor, wie beispielsweise in Flughäfen und Bahnhöfen, die uns meistens ohne Blickkontakt abfertigen, uns falsche Auskünfte geben, zum x-ten Mal die Bordkante, die Visa oder die anderen Formulare kontrollieren. Mit ernster Miene schauen sie auf das – verkehrt herum gehaltene –  Visum, studieren es gründlich, klappen den Pass zu und lassen uns mit einem „Okay“ durch. Ein paar Meter weiter steht schon das nächste „Machtmännchen“ und das Spiel beginnt von vorn. In keinem anderen Land wurden wir so oft kontrolliert wie in Indien.

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„Incredible situations“

… nenne ich die Situationen, in denen du mit deinem Latein am Ende bist … kein bisher gelerntes Muster, Modell oder Schema kann dir weiterhelfen … nichts ist so, wie du es kennst … deine Interpretationsmöglichkeiten sind zu beschränkt, als dass du irgendetwas verstehen könntest … und, wenn du glaubst, du hast irgendetwas verstanden, kommt es eh anders und du beginnst wieder von vorne. Wer das mag, ist in Indien richtig. Hier kannst du viel lernen.

Beispiele dafür kannst du erleben, wenn du mit der indischen Eisenbahn fahren möchtest. Allein das Kaufen der Tickets, das Auffinden des richtigen Abteils und Sitzes usw. sind so undurchsichtig, dass du besser bis zum Schluss daran zweifelst, dass du im richtigen Zug sitzt. Auf die Aussagen der teilweise freundlichen Inder kannst du dich leider nicht immer verlassen, da das Kopfwackeln viel mehr als nur ein „ja“ bedeuten kann. Also, „keep cool“, warte ab, was passiert. Rege dich erst auf, wenn es soweit ist.

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Hand in Hand über die Straße

Befreundete Männer und Frauen gehen Hand in Hand über die Straße, was nichts mit erotischer Liebe zu tun hat. Andererseits tauschen Frauen und Männer auf offener Straße keine Zärtlichkeiten aus, da. Auch die Kleidung sollte entsprechend bedeckt sein. Auch wenn Inderinnen mit kurzen Ärmeln oder auch einmal bauchfrei zu sehen sind, die Dekolleté und Schultern sind immer bedeckt und die Röcke lang. Besonders in Kirchen und Tempelanlagen ist es ratsam, ein Tuch oder einen Sarong dabei zu haben.

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Als Frau in Indien reisen …

Wir (2 Frauen) haben hier gute Erfahrungen gemacht … keine Grapscherei, keine gefährlichen Situationen. Im Bus immer nach vorne setzen und möglichst am Fenster oder in der Mitte sitzen, damit der neben dir stehende Mann sich nicht so nah an dich drücken kann Da das Finden des richtigen Zuges/ Busses bzw. das Umsteigen vom Zug in den Bus besonders „incredible“ ist, haben wir uns meistens jemanden gesucht, der „intelligent“ aussieht, da er dir in gutem Englisch und mit Höflichkeit weiterhilft, z.B. das nächste Ticket zu kaufen, den Busbahnhof zu finden o.Ä. Dann müsste die Weiterreise klappen! Wir haben uns nicht eingeschränkt oder stark belästigt gefühlt. Dass uns die Männer anstarren, halte ich für menschlich, da wir nun mal sehr auffallen. Dass sie dann auch noch so unglaublich gerne ein „Selfie“ mit dir haben möchten, ist lustig wie nervig, je nachdem, in welcher Situation du gerade steckst. Wenn sich dann noch jemand in Unterhose auf die Liege am Strand direkt neben dich legen möchte – obwohl andere Liegen frei sind – reicht ein entschiedenes „No“ und er zieht auch wieder davon. Also … no problem!

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Toiletten für Frauen sind ein Thema für sich. Da hat Indien noch was zu tun … in Zügen geht das eher in AC-Abteilen, sonst besser einhalten und so wenig wie möglich trinken. Auch in Beach-Restaurants ist davon abzuraten.

Reisen ist wie eine Dusche fürs Gehirn. Du siehst einfach Dinge und Menschen, die du dir nicht vorstellen konntest. So anstrengend es zeitweise auch ist, macht es auch entspannter. Du kommst nach Hause und hast so viel gesehen, so viele Erfahrungen gemacht und Situationen bewältigt. Reisen ist Training für Toleranz und Weltoffenheit … auf zu neuen Abenteuern …

India, we’ll come back …

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Indien

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Kollam: 8.893212, 76.614140
Coimbatore: 11.016844, 76.955832
The Backwaters: 9.939625, 76.259498
Palolem Beach: 15.006234, 74.032950
Goa: 15.299326, 74.123996
Margao: 15.283219, 73.986191
Ooty: 11.562277, 76.534522

Mit der Nilgiri Mountain Railway von Mettupalayam nach Ooty und weiter zum Mudumalay Tiger Reservat

Die Schmalspurbahn von Mettupalayam nach Ooty, die auf der UNESCO-Weltkulturerbeliste steht, hat spezielle Kammräder an der Lokomotive, die in eine dritte verzahnte Schiene auf dem Boden greifen, um die unglaublichen steilen Steigungen zu bewältigen. Jeden Morgen um 7:10 Uhr verlässt sie Mettupalayam in Richtung Ooty (2. Klasse 30 IR, 5 Std.). Da man laut Lonlely Planet die  Fahrt unbedingt einige Wochen vorher buchen sollte, haben wir bereits in Kollam eine Reservierung besorgt, wobei uns Francis wieder geholfen hat.

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Um 6:30 fahren wir mit dem Tuk-Tuk zum Bahnhof und schon beginnt das übliche Spiel. Nachdem das reservierte Ticket  geprüft ist, bittet mich ein Mann draußen vor der Tür, der für uns wie ein Passagier aussieht, ihm das Ticket zu zeigen. Wie so oft,  verstehen wir die Situation nicht, schauen ihn fragend an, er wiederholt seine Aufforderung, wir geben ihm das Ticket, er checkt eine App und trägt uns 2 Sitzplätze ein. Indien ist immer für eine Überraschung gut … “incredible situations“ nenne ich diese Situationen, die so unglaublich und  so vieldeutig sind, dass wir mit unseren Interpretationen nicht weit kommen. Einfach drauf einlassen, abwarten, was passiert und 1000mal fragen ist die Devise.

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Auf dem Gleis angekommen, sagt uns der „Stationmaster“, dass wir auf der Warteliste stehen. Ein weiterer Mitarbeiter der Nilgiri Railway kümmert  sich um uns und weist uns einen Sitzplatz in einem 8er Abteil zu, dass aus unserer Sicht eigentlich schon voll ist.  Da es keinen Platz für die Rucksäcke gibt, schiebe ich meinen unter die Sitzbank und bringe Bettinas in den Lade-Waggon. Kaffee und Masala Chai kann ich noch besorgen, bevor die Dampfmaschine ihre Arbeit aufnimmt. Sie schiebt die Waggons gemächlich und mit Getöse die Berge hinauf, über uralte Holzbrücken, die über riesige Schluchten führen. Während der Fahrt bieten sich tolle Ausblicke auf  Wälder, Bergpanoramen und Teeplantagen.

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An den Haltestellen, wenn die  Dampflok mit Wasser befüllt wird, vertreten wir uns die Beine vom engen Sitzen, machen Fotos oder genießen den Ausblick auf die Berge. Unser Ziel, Ooty, erreichen wir nach 5 Stunden. Ooty (ca. 2000 m hoch), die „Königin der Hill Stations“ vereint indische Betriebsamkeit und Hindu-Tempel mit Parks und charmanten Bungalows aus der Zeit Britisch-Indiens. Das angenehm trockenere und kühlere Klima, vor allem Nachts, zieht Touristen sowie Einheimische an. Das Highlight von Ooty sind die wunderschönen Nilgiris. Hier kann man durch Stammesdörfer und  Teeplantagen und durch artenreiche Waldgebiete wandern … doch nur mit Guide, denn Tiger und Elefanten sind hier zu Hause und haben erst 2014 drei Menschen getötet.

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Mit dem Taxi fahren wir die kurvenreiche und steile Strecke hinunter zum „Jungle Hut“ im Mudumaly-Tiger-Reservat, das die höchste Tigerdichte in ganz Indien haben soll. Und den wollen wir schließlich sehen. Die ausgetrocknete Landschaft mit ihren dünnen, blattlosen Bäumen und stacheligem Gestrüpp erinnert mehr an eine  afrikanische Steppenlandschaft als an eine Dschungel. Seit ca. 6 Monaten hat es nicht mehr geregnet.

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In unserem Resort „Jungle Hut“ verteilen sich die geräumigen Cottages auf einer großen Anlage, auf der bei unserer Ankunft Hirsche und Schafe auf dem vertrockneten Boden „grasen“. Unser Taxifahrer vermittelt uns einen „preiswerteren“ Safaritour-Fahrer, der uns um 16 Uhr abholen soll. Trotz der Höhe ist es nicht sehr heiß, aber dafür trocken. Da man hier nur mit Verpflegung buchen kann, essen wir erst einmal. Wow … was für eine Auswahl es hier gibt. Natürlich werden auch von hier Safari-Touren (ca. 2500IR/ 35€, 2 Std.) von einem professionellen Guide angeboten. Da wir gerne vergleichen wollen, beginnen wir am gleichen Abend mit der 1. Variante (einstündig für 800 IR, ca. 11€). Am verabredeten Treffpunkt am Tempel außerhalb des Resorts, da dies keiner  sehen darf, geraten wir wieder in eine dieser „incredible situations“ … ein einziger Jeep steht weit und breit zur vereinbarten Zeit am Tempel. Unsere Idee, das könnte unser Typ sein, entpuppt sich wieder als zweifelhaft. Das für Indien typische Kopfwackeln des Fahrers auf unsere Frage hin hilft uns auch nicht weiter. Also rätseln wir weiter herum und harren der Dinge, die passieren. Und prompt biegt nach 10 min ein zweiter Jeep um die Ecke, der Anzeichen macht, dass wir mit ihm fahren. Nach kurzer Zeit befinden wir uns auf der Hauptstraße durch das Reservat, auf der Einheimische, Busse und andere Fahrzeuge mit Sondergenehmigung fahren dürfen- unserer Ansicht nach zu viele für ein Schutzgebiet. Als unser Guide laut „Peakock“ ruft und dafür anhält, dachte ich „Och nö, nicht schon wieder!“ Auch für ein Huhn stoppt er seinen Jeep. Da auf der rechten Seite der Straße die einzige Wasserstelle (ein gestauter Kanal) liegt, müssen alle Tiere zwangsläufig diese Straße überqueren. Geschickt gemacht, oder …?

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Dann sehen wir immer wieder  Hirsche und auch Bisons, die nah der Straße weiden. Der Bisonbüffel sieht beeindruckend groß und mächtig aus. Ich frage den Guide, wann er denn das letze Mal hier einen Tiger gesehen hätte … “vor drei Monaten“, … aha, denken wir, da stehen unsere Chancen ja eher schlecht. Sein Englisch ist eh so rudimentär, dass wir das Fragen besser einstellen. Am Ende des Kanals, als wieder Kühe die Straße blockieren, legen wir eine Pause ein, bewundern die Bäume mit den schönen roten Blüten und machen Jeep-Fotos.

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Die Einheimischen versuchen so gut es geht ihre Häuser gegen Elefanten zu schützen,  indem sie Mauern oder Zäune um ihre Häuser, Gärten und Äcker bauen. Auf dem Rückweg, als es bereits  dunkel wird, sehen wir  noch ein paar Wildschweine und sogar einen recht großen Elefanten, der leider etwas weiter an einem Baum steht. Kurz vor der Abbiegung zu unserem Resort turnen ein paar Langure auf einer Mauer herum.

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Unsere Resort liegt wunderbar ruhig umrahmt  von den Nilgiri-Bergen  und wird gut überwacht – Videokameras und Wachpersonal – wer abends vom Restaurant zum Cottage geht, wird vom Wachpersonal begleitet. Vor einigen Monaten war noch ein Elefant auf dem Gelände und hat am Tamarindenbaum geknabbert.  Abends sehen wir erschrocken ein riesiges Feuer auf dem Bergkamm, dass sich immer weiter ausbreitet. Auf unsere Frage hin, ob dies nicht gelöscht würde, antwortet uns die Chefin, dass es hier keine Hubschrauber dafür gäbe und dass das Feuer von alleine wieder ausginge. Wir beobachten hier, einige wohlhabende indische Familien, die ihre Kinder wie Babies betüddeln und europäische „Birdwatcher“, die hier auf die Pirsch gehen. Die umweltfreundliche Philosophie – es gibt gefiltertes Wasser – die „Jenseits von Afrika-Steppenlandschaft“ um uns herum,  das wohl beste Essen in Bokkapuram, das eiskalte Bier und die chillige Pool-Area bieten so viel, dass wir noch gerne einen Tag länger bleiben möchten.

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Bei der Night-Safari mit unserem Guide schätzen wir, dass er uns mehr zu den Tieren erzählen kann und mit seinem Co-Guide ein guter Beobachter ist. Selbstverständlich verschweigen wir, dass wir gestern Abend schon mal hier waren. An einer Stelle hören wir ein Rascheln im Busch und als wir gebannt warten, was da wohl aus dem Gebüsch kommt, vermutet unser Guide einen Bären … doch dann war es „nur“ eine Wildschwein-Herde. Kurz darauf läuft eine große Bisonherde auf die andere Seite. Als es dunkel wird, entdeckt unser Guide auch wieder einen Elefanten, der etwas weiter zur Wasserstelle hin steht. Doch dann, als wir noch mal anhalten und auf ein Gebüsch starren und leuchten, da sehen wir ihn … den indischen Lippenbär … den hält unsere Guide für sehr gefährlich … er überquert noch die Straße und verschwindet im Dickicht … das ist doch ein Highlight … doch ein Zweites folgt, als kurz vor unserem Resort eine Elefantenkuh mit ihrem neugeborenen Baby direkt neben der Straße auftaucht. Unfassbar schön, wie sie da so steht und das Kleine beschützt. Als unser Guide in ein Off-Road-Gelände abbiegt, sehen wir schlafende Hirsche und Bisons. Etwas lustig kündigt er an, dass nur aussteigen darf, wer schnell laufen könne. In dem Moment, als er gerade mit der Taschenlampe aussteigt, ruft er „Oh, the elephant is coming“ und springt wieder in den Jeep, startet ihn und leuchtet den Elefanten an. Dass er den überhaupt so schnell gesehen hat, hat uns so verwundert. Spannend und lustig war’s allemal.

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Das Elefantencamp  hinter Masinagudi, das wir am letzten Tag besuchen, ist zwar kein echtes Highlight, hat uns dennoch viel Spaß bereitet, denn nach der Fütterung der Elefanten kommen die Languren, um die Reste des Elefantenfutters zu klauen und abzuhauen … eine schöne Belustigung für die Kinder.

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Der Affe, der die Kokosnuss klaut, setzt sich auf eine Zaunpfahl und futtert sie. Wir machen Fotos und Filme für die Enkelkinder. So ganz nah traue ich mich doch nicht an sie ran. Ihre spitzen, kleinenZähne schrecken mich doch etwas ab. Das Elefantenfutter besteht aus großen braunen und weißen Brocken, die von den Mahouts durchgeknetet und dann in die Mäuler gestopft werden. Dazu gibt es noch Zuckerrohr und Kokosnüsse.

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Ooty

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Ooty 11.562277, 76.534522

Von Kollam nach Coimbatore

Durch die Zeitverschiebung in Deutschland weckt uns mein Handy eine Stunde zu früh, was wir nicht direkt bemerken. So stehen wir um 5 Uhr auf und wunderten uns, das Francis nicht im 5:15 mit seinem Tuk-Tuk vor dem Eingang steht. Nach ca. 15 unruhigen Minuten wecken wir einen der Mitarbeiter, der auf dem Tisch schläft und uns verwundert anschaut. Aha … eine Stunde zu früh 😞…

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Leider bringt Francis uns nicht zum Bahnhof hinein und nun beginnt unser indisches Suchspiel „Züge finden in Indien“. Wie zuvor stehen wir nur auf der Warteliste, obwohl wir ein Ticket haben. Scheinbar mögen die Inder diese Wartelistenaktion, da man so noch mal zu einem Schalter muss. Per Hand wird die Sitzplatznummer, die Stelle des Bahnsteigs und die Waggon-Nr. eingetragen … nur welche Nummer bedeutet was? Wir verwechseln natürlich die Waggonnummer (S4) mit der Nummer der Einstiegsstelle (13)  und laufen den ganzen Bahnsteig hinunter, fragen nach und werden wieder an das andere Ende geschickt. Da um 7:10 Uhr ein Zug einfährt, denken wir, dass dies unser Zug sein muss. Wir suchen Waggon Nr. S4, finden ihn nicht, fragen wieder nach, werden weit ans Ende geschickt, wir laufen mit den Rucksäcken wie verrückt und steigen kurz bevor er losfährt ein … doch dann frage ich 3 Männer im Zug, ob er nach Coimbatore fährt und als sie dies dann verneinen, rufe ich „Bettina raus!“ und prompt stehen wir wieder auf dem Bahnsteig. That’s Indian Railway!

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Am richtigen Gleis steht zur richtigen Zeit ein Zug, aber nicht deiner. Vom ersten Schrecken erholt, stellen wir uns in Abschnitt 13 und warten auf den nächsten Zug. Natürlich versichern wir uns vorher, ob dies auch wirklich unser Zug ist und ja, er war es … doch, oh Schreck, dieser Zug unterscheidet sich extrem von unserem ersten Zug. Es ist stickig, heiß und schmutzig … sehr einfache Kategorie eben … local class … wir kommen schnell in Kontakt mit der alten Dame uns gegenüber, die ein Ayurveda-Institut in Kerala betreibt und schon einige Male u. A. in Frankfurt, Bremen und auch Leverkusen war. Dort kennt sie auch eine Evelyn, die in einem Labor arbeitet und die sie regelmäßig besucht. So klein ist die Welt. Wir tauschen uns über Ayurveda, Leverkusen, Deutschland und unsere bisherige Reise aus und lachen viel miteinander. Natürlich bekommen wir eine Visitenkarte mit Einladung nach Trivandrum. Auch die Zugkellner, die stetig „Coffee … Chai“ oder „Samosas“ rufen, bleiben gerne bei uns hängen und machen Späße mit uns, vor allem weil ich zu Beginn 4 Kaffee geordert habe, ohne zu wissen wie die Toilette aussieht … Zwischendurch versuchen wir auf der oberen Liege zu schlafen, doch die Luft ist oben so stickig heiß, dass es kaum möglich ist. Auf den Sitzen und an den Rückenlehnen klebt der Schweiß von tausend Indern und unserer kommt jetzt noch dazu. Diese 7,5 Stunden bei gefühlten 40 Grad in diesem Zug sind wahrlich eine wahre Herausforderung.

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An größeren Bahnhöfen strömen jede Menge fliegende Händler in die Abteile und wollen alles Mögliche verkaufen: Schlüsselanhänger, Kitschfiguren, „frisch gepresste“ Säfte, Wasser, Cola, Seven-Up, Tee und Kaffee aber auch Schmuck und selbstverständlich leckeres, indisches Essen. Nach dem Essen wird einfach alles aus dem Zugfenster geworfen. Das scheint hier so üblich zu sein, denn es gibt wirklich nirgends einen Mülleimer. Ich hab in ganz Indien nur wenige gesehen. Wahrscheinlich werden auf diese Weise wieder Arbeitsplätze geschaffen, denn zumindest an den Bahnhöfen tummelten sich einige Menschen, die den groben Unrat sofort in blauen Müllsäcken verschwinden ließen. Aber wie gesagt nur den wirklich groben Unrat. Alles andere liegt einfach so rum.

Als wir dann gegen 15:30 Uhr endlich Coimbatore erreichen, suchen wir unseren Taxifahrer, finden ihn jedoch nicht direkt, laufen die Treppe rauf in die falsche Richtung zum anderen Ausgang des Bahnhofs, wo uns auch die Polizei nicht weiterhelfen konnte, auf die andere Seite zu gelangen. Während wir mit dem Tuk-Tuk rüberfahren, klingelt mein Handy. Gowshi, unser Fahrer erwartet uns. Nach einem kalten Drink geht’s nun gemütlicher in seinem Auto mit AC weiter nach Mettupalayam.

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Das Hotel, das er uns empfiehlt, ist zwar sauber aber mehr als geschmacklos eingerichtet. Für knapp 1800 IR (ca. 25€) bleiben wir, gehen kurz duschen, damit Gowshi uns die Stadt zeigen kann. Nach einer Rundfahrt durch das Gewühle, einem Fotostop, an dem er unbedingt Fotos mit uns machen wollte, suchen wir ein Restaurant auf, dass ebenso geschmacklos wie das Hotel eingerichtet ist. Unter geschmacklos verstehen wir hier gekachelte Böden, Plastikstühle, kahle und oft schmutzige Wände. Beim Essen haben wir zusammen um so mehr Spaß, denn unsere Themen über Liebe und Heiraten in Indien und Deutschland, über die Müllprobleme und Bier trinken, bringen ihn immer wieder aus der Fassung. Mit weit aufgerissenen Augen lacht er sich kaputt. Natürlich gibt es hier kein Bier, doch in unserem Hotel ergattern wir noch 2 große Flaschen und verschwinden damit ins Bett.

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Coimbatore

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Coimbatore 11.016844, 76.955832

Kollam

Ashtamudi Villas in Kollam

 Was für eine Wohltat an diesem ruhigen Örtchen zu sein. Wie die meisten indischen Städte ist es in Kollam auch laut und der Straßenverkehr chaotisch mit dem üblichen Gewusel, weswegen wir diese Abgeschiedenheit hier am See in diesem tropischen Garten sehr mögen. Es ist sehr amüsant mit den anderen Travellern aus Frankreich, England, Deutschland usw. hier an einem Tisch zu sitzen, zu essen und zu quatschen. Mein 1. keralisches Frühstück war doch etwas scharf für mich. Die Currys hier sind ausgezeichnet … Paneer Butter Masala ist mein Favorit!

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Ayurvedische Massage

 An dem Nachmittag nach unserer Kanutour wollen wir eine original ayurvedische Massage probieren. Francis erklärte uns schon auf der Hinfahrt, dass dies eher eine Klinik sei. Das Gebäude schien schon etwas in die Jahre gekommen zu sein und an der Rezeption staunten wir über die Vielzahl an Kräuterölen. Doch ohne eine Untersuchung beim Arzt geht hier gar nichts.

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Bettina liegt  splitterfasernackt auf dem Holztisch … sie wird komplett eingeölt … komisch ist  ihr, dass der Raum eher schmuddelig aussieht, dass sie dann noch bei 38 Grad Außentemperatur in eine „Steambox“ (Dampfbox) gesteckt wird, in der es dann noch wärmer war. Bettina fühlte sich gegart wie ein Hühnchen. Duschen muss sie sich zum Schluss in einem schmuddeligem Bad.

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„Verschrieben“ hat mir der Arzt eine Gesichtsbehandlung und eine Art Lymphdrainage gegen meine geschwollenen Füße. Als ich in den Raum komme, mischt eine Frau eine Ölmischung aus verschiedenen Kräuterölen zusammen. Ich schaue mich um … Mich erinnerte der Raum eher an einen Folter- und Leichenkeller … diese Holztische mit Abfluss, dieser Galgen über mir (eine Stange mit Schlingen dran), diese sterile Atmosphäre, keine Deko oder andere nette Assecoires, schmutzige Wände und einen Ventilator, der so stark brummt und wackelt, dass ich darum bitte, ihn trotz großer Hitze auszustellen. Folglich wird eine Frau beauftragt, mich mit der Zeitung zu befächeln. Meine geschwollenen Füße werden von 2 Frauen mit Öl kräftig bearbeitet, während ich auf dem Holztisch liege … neben mir eine Herdplatte mit kochendem Wasser.

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Mir ist unbeschreiblich heiß. Wenn es mir zu weh tut, zucke ich und rufe „Pain“. Bei der anschließenden Gesichtsbehandlung hält sie mir einen Schlauch aus dem Kochtopf ans Gesicht. Der versprüht heißen Wasserdampf auf mein Gesicht. Oh Gott … mir wird noch heißer. Ohne das Fächeln der Frau wäre das nicht auszuhalten. Dann bekomme ich eine Gesichtsmaske, werde im Gesicht gezupft und gerieben, eine Maske wird mir aufgetragen, die Augen verdeckt … ich spüre den Wind der fächelnden Zeitung, mein Rücken schmerzt langsam von der harten Unterlage … die Haare werden  mit eingeölt … ich schwitze immer mehr bei dieser tropischen Luftfeuchtigkeit von ca. 80% … zum Schluss werde ich in ein schmuddeliges Bad gebracht, wo ich mir das Gesicht abwaschen soll … Tja, mit Wellness hat das nun wirklich nichts zu tun.

 Francis, unser Tuk-Tuk-Fahrer von „Ashtamudi Villas“ und die indische Küche

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Dieser tolle Typ verdient eine extra Portion Anerkennung, denn er hat wirklich alles für uns getan. Ob Zugtickets  besorgen, ATM’s finden, uns zum Festival begleiten usw., immer wieder bringt er uns zum Lachen, sein Englisch ist exzellent und sein Lebensgefühl positiv. Abends entführt er uns in ein vegetarisches  Restaurant, in dem die Inder essen.

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 Auch zu den Masala Dosas, die er uns nach der Kanutour empfiehlt, sind die Dips besonders lecker. Dosas sind große pikante Pfannkuchen, die auch schon mal als Pyramide serviert werden. Puri sind Teigfladen, die beim Frittieren riesig groß aufgehen und aussehen wie ein Ballon. Naan ist das im Tandoor gebackene, flache Brot, wozu gerne  Raita, ein mild gewürzter Joghurt mit Gurke und Ananas, serviert wird. Sehr scharf ist das Curry Vindaloo, Dhal und auch das Butter Chicken Masala. In den Zügen werden meistens Samosas, frittierte Teigtaschen mit Gemüse, und Idli (Reisbällchen) serviert.

 Als Fahrer unserer Unterkunft versteht er  sich als Kümmerer und Unterhalter. Er erklärt uns die religiösen Rituale zum Beispiel, warum Jungen und Männer geschminkt und gekleidet wie Frauen herumlaufen, welche Tempel gerade besucht werden, warum so viele Menschen gerade nach Kollam reisen usw.

Bier  trinken in Kerala

Nirgendwo sonst haben wir solche Menschenschlangen vor diesen kleinen Lädchen, die Alkohol verkaufen, gesehen. Abends stellen sich die Fischer dort an, um sich ihr beliebtes Getränk zu kaufen. Man sagt, dass der Verkauf von Alkohol stark kontrolliert wird und dass die Regierung diesen immer mehr beschränken möchte. Dass dies nun auch Auswirkungen auf uns hat, hätten wir nun nicht gedacht, denn die Mitarbeiter des Resorts scheuen keine Mühe für uns mit ihren Mopeds die Bierflaschen einzeln an speziellen Stellen (z.B. Hotels) zu besorgen. Auch für die Bootstour werden für uns extra einige Flaschen per Moped organisiert.

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Kollam

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Kollam 8.893212, 76.614140

Die Backwaters von Kerala

„Eine Bootsfahrt auf den Backwaters von Kerala gehört zu den beeindruckensten Erlebnissen einer Indienreise“

… heißt in fast allen Reiseführern. Auf einer Strecke von ca. 75 km erstreckt sich diese Strecke zwischen Kollam und Kochi. Wer auch immer vor 20 Jahren die Idee hatte, Touristen auf alten Reisbooten (Kettu Vallam) durch die Backwaters zu schippern, hätte sich wohl nie träumen lassen, dass mittlerweile mehr als 500 dieser Boote auf den Wasserwegen unterwegs sind. Diese Hausboote passen sich  mit ihren  Aufbauten aus geflochtenen Palmwedeln und Kokosbast wunderbar in diese grüne Landschaft voller Kokospalmen. In Allapuzzha sind die meisten stationiert, so dass man dort eine größere Auswahl hat. Diese reicht von der Luxusklasse mit AC-Zimmer, Wein und Whirlpool bis zu den schnörkellosen Transportbooten mit lauten Dieselmotoren, engen Schlafzimmern und wenigen Waschmöglichkeiten. Entsprechend sind die Preise … ob mehrtägige Touren oder Tagestrips … alles ist möglich.

Da es hier in Kollam weniger Hausboote gibt und heute auch noch ein Feiertag ist, an dem viele Inder angereist sind,  diese auch gerne mit ihren Familien eine Tour unternehmen, haben wir Schwierigkeiten ein Boot zu bekommen. So entscheiden wir uns erst einmal für ein umweltfreundlicheres Kanu (kettu vallam). Erstes tun wir dem fragilen Ökosystem einen Gefallen und zweitens uns, da wir eine Menge Geld sparen. Von unserer Unterkunft „Ashtamudi Villas“ holt uns der beste Tuk-Tuk-Fahrer von Kollam – Francis – ab. Auf der Fahrt zum Fähranleger zeigt er uns ganz stolz sein Zertifikat.

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Mit Hilfe von 3 Schienen kommt auch das Tuk-Tuk auf die Fähre. Nach weiteren 10 min erreichten wir das Haus des Bootsmannes, der uns freundlich begrüßt. Wir (3 Frauen) haben genügend Platz in dem großen Holzkanu, das er mit dem Bambusstab steuert. Sehr gemächlich treiben wir nun durch die engen Kanäle, die gesäumt von der grünen Vegetation, in denen sich die Palmen spiegeln.

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Als unser Bootsman eine Pause einlegt, erzählt er uns bei einem Masala-Tee  etwas zur Lebensweise hier in den Backwaters. Die Menschen hier leben von dem, was hier wächst … Chashewnüsse, Papayas, Reis, Bananen, sie halten Tiere  oder betreiben Garnelenfarmen.

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Das faszinierende Labyrinth schimmernder Wasserflächen – Seen, Kanäle, Bäche – wird von dichter tropischer Vegetation gesäumt und zeigt ein ländliches Kerala. Unterwegs eröffnen sich ständig neue Ausblicke, von schmalen Kanälen und undurchdringlichem Grün bis zu offenem Gelände und Reisfeldern. Zwischen den Palmen blitzen Häuser, Farmen, Kirchen, Tempel hervor … zwischendurch ein Eisvogel, ein Kormoran, der seine Flügel im Wind trocknet. Wir gleiten langsam dahin und hören nichts, außer dem Vogelgezwitscher.

Manchmal fahren wir unter einfachen Brücken hindurch, an denen wir uns bücken müssen. An einem Dorf halten wir an, wo gerade Kokosbast hergestellt wird. Unfassbar wie schnell die Frauen den Bast zu einem Seil drehen … alles per Hand. Einer muss immer das Rad drehen … nun geht es langsam zurück und eine wunderbare Tour geht nach 2 Stunden zu Ende.

Als wir am Abend erfahren, dass die Hausboottour am nächsten Tag doch klappt, trotz Karfreitag, freuen wir uns sehr. Denn Joseph, der Besitzer des Resorts, sagte uns am Morgen, dass es schwierig sei, da zur Zeit viele Inder wegen der Festtage hierherkommen und ebenso gerne mit ihren Familien auf den Hausbooten fahren. Gemeinsam mit den beiden Münchnern werden wir am nächsten Morgen direkt an der Anlegestelle hier am Resort abgeholt.

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Schon beim Anblick des Bootes sind wir verzückt und stauen noch mehr, als wir hineinklettern … ein mit Ananas, Bananen und Mandarinen belegter Teller auf einem netten Tisch, 2 Stühle davor, blaue Sitzkissen mit orientalischen Ornamenten, bunte Teppiche … wow , wir sind platt, schauen uns direkt die beiden Schlafzimmer und die Bordküche an, in der die beiden alten, eher zahnlosen Männer für uns kochen.

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Im Bug machen wir es uns gemütlich, genießen den Ausblick und fotografieren wie wild. Auf dem Ashtamudi Lake überholen uns rostige, alte Schiffe und andere Reisbarken. Mit unserem Bootsmann halten wir einen Plausch über die Fangmethode mit den chinesischen Fischnetzen. Schließlich fragt er uns, ob wir ein paar Prawns aus dem See probieren möchten und da wir ihn nicht ganz verstehen, willigen wir einfach ein. Schließlich steuert er ein kleines Dorf an und führt uns zu dem Haus des Prawn-Fischers, wo wir für uns Vier ein Kilo Prawns für 1400 IR (ca.20€) kaufen. Unsere beiden Köche zaubern in der Küche ein unfassbar leckeres Essen, denn diese dicken Prawns sind herrlich gewürzt und auf Spießen, die aus dünnen, stabilen Blättern abgezogen sind, gegrillt. Ich habe noch nie Bessere gegessen.

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Mittlerweile befinden wir uns in den schmaleren Kanälen und wir wissen gar nicht, wo wir zuerst hingucken sollen … auf das Essen oder auf die Backwaters, die jetzt in diesen enger Wasserstraßen noch schöner sind. In dem Palmen gesäumten Ufer spiegeln sich die Palmen im Wasser und hinter jeder Kurve erscheint ein neuer Ausblick, der fasziniert. Kinder und junge Männer winken uns vom Ufer zu, Weißkopfadler suchen nach Fischen und streiten sich um Einen.

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Auf dem Rückweg lege ich mich vorne in die Sonne und genieße  die leichte Brise. Das Bier, das Joseph uns extra besorgt hat, macht uns müde und wir dösen so dahin. Als wir gegen 17 Uhr unseren Anleger erreichen, verabschieden wir uns mit einem Fotoshooting von der Belegschaft.

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The Backwaters

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The Backwaters 9.939625, 76.259498

Von Goa über Margao nach Kollam (Kerala)

Indische Eisenbahn

Wer mit der indischen Eisenbahn fahren möchte sollte früh buchen. Da es viele Inder gibt, die vorzugsweise ihr Land mit dem Zug bereisen, sind die Plätze Wochen vorher ausgebucht. Wir bekommen nach langer Suche und Beratung von einem sehr hilfsbereiten Inder in der Travel Agency in Palolem gerade noch 2 Plätze, 3. Klasse AC in der Sleeper Class. Da der Zug morgens um 6 Uhr von Margao startet, organisieren wir uns den Taxifahrer, der uns bereits am Flughafen abgeholt hat. Um 4:15 Uhr früh steht er am Taxiplatz in Palolem und fährt uns zum Bahnhof von Margao (ca. (45 min).

Nachdem der Zug pünktlich losgefahren ist, bekommen wir den vollen Service, mit dem wir niemals gerechnet haben: ein frisches Laken, 2 Flaschen Wasser, Kaffee, ein würziges, scharfes Frühstück (Gemüsebällchen / Korma, Toast, Butter, Marmelade und Mangosaft). Während ich schlafe, wird der Boden geputzt und der Müll eingesammelt. Obwohl im LP sehr vor Dieben gewarnt wird und wir infolgedessen unsere Rucksäcke nicht aus dem Auge lassen und die Bauchgurte wachsam tragen, können wir dies nicht bestätigen. Entweder haben wir den „ICE“ der Indian Railway gebucht oder was auch immer … jedenfalls wirken die Passagiere hier sauber und gepflegt. Immerhin bezahlen wir hier ca. 34€ für über 850 km.

abteil

Nachdem ich die „Times of India“ gelesen habe, mache ich es mir gemütlich und genieße den Blick auf die sich verändernde Landschaft. Die Vegetation wird immer grüner. Gegen Mittag wird eine heiße Suppe mit 2 Brotstangen serviert. Bettina schläft, liest und lacht über unseren Mitarbeiter, der sich immer wieder zum Pennen in ein freies Bett legt.

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Als wir nach ca. 12 Std. Kochi erreichen, beginnt das indische Chaos. Wie finden wir den Busbahnhof, den Ticketschalter, den richtigen Bus usw. …  Glücklicherweise habe ich einen gebildeten, englisch sprechenden Ingenieur angesprochen, der uns anbietet, mit uns die Tickets zu besorgen. Er scheint zu wissen, was da auf zu kommen sollte, denn am Busbahnhof hätten wir jedenfalls kaum eine Chance gehabt, das richtige Ticket zu kaufen. Wir stellen uns an und er managt den Kauf. Was er an dem 2. Schalter noch machen musste, verstehen wir sowieso nicht. Während wir in der völlig verranzten Halle mit nicht mehr lesbarer Anschlagtafel warten, bringt er sein Gepäck mit dem Versprechen wiederzukommen ins nahe Hotel. Weder die Schrift auf den Bussen noch die Ansage kann uns weiterhelfen.

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Als wir dann in den Bus steigen wollen, wird’s richtig spannend, denn wie sollen wir mit den Rucksäcken in einen völlig überfüllten Bus steigen, in dem wir die Sitze 4 und 5 reserviert hatten.

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Die Menschentraube hängt zu den Türen hinaus und wir sollen einstiegen. Wir laufen von vorne nach hinten, suchen nach einer Ladefläche für die Rucksäcke, fragen unseren Mann, der letztlich den „Bus-Manager“ auffordert, dafür zu sorgen, dass unsere Sitze frei werden. Ich steige irgendwie ein, sehe, dass auf unseren Sitzen direkt hinter dem Fahrer eine ältere und eine jüngere Frau sitzt, die mich verständnislos anschauen. Überhaupt glotzen uns hier alle an, da wir die einzigen Traveler hier sind. Die beiden Frauen stehen auf, ich quetsche nich irgendwie durch die Menge und versuche meine Rucksack in die Lücke hinter den Fahrersitz zu quetschen. Bettinas noch oben drauf und wir davor, seitlich eingekeilt zwischen den stehenden Männern links und der sitzenden Frau rechts von uns … Und das bei ca. 35 Grad. Natürlich steht der Bus noch eine Weile, damit uns die Schweißbrühe noch den Rücken runterläuft. Wir halten es aus und durch … 4 Stunden lang, so viel stop and go, weil hier gerade einige Festivals stattfinden (Karfreitag) … wir sehen Männer, die geschminkt und gekleidet sind wie Frauen und lassen uns später den Sinn dieses Festes erklären … Der indische Straßenverkehr gleicht einem Slalomkurs, der täglich zu ca. 200 Unfällen führt. Wir sehen zum Glück nur einen verletzten Mann auf der Straße liegen, der wohl beim Überqueren dieses mörderischen Highways überfahren wurde. Als sich ein Typ zu sehr mit seinem Körper an Bettina quetscht, drücke ich ihn zweimal unsanft weg. Anders geht es hier nicht.

Als wir gegen 23:30 den Bahnhof von Kollam erreichen, stehen nur noch 2 Tuk-Tuks dort, deren Fahrer so gut wie kein Englisch sprechen. Wie gerufen stehen gerade 2 junge Männer dort, die wie Studenten aussehen und dem Fahrer übersetzen, wo wir hinwollen. Natürlich verfährt sich der Fahrer, hält noch 2 mal an, um jemanden zu fragen, bis wir dann endlich vor „Ashtamudi Villas“ stehen! Wie glücklich wir sind, als wir freundlich empfangen werden, jeder von uns ein großes Bier bekommt, wir durchatmen können und unsere schöne Villa sehen. Bisher das Beste, was wir hier hatten. Allein das Bad ist so nett gemacht.

Stolz auf uns, diese anstrengende Tour geschafft zu haben, fallen wir ins Bett.

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Goa „Palolem Beach“

Was laufen hier eigentlich für Leute rum? Wer reist denn wohl so nach Goa? Gibt’s da auch Pauschaltouristen mit Rollkoffer? Bestimmt hauptsächlich junge Backpacker, Studenten so um die 25-35Jahre … doch siehe da, es ist ganz anders. Im Dreamcatcher sind einige ältere europäische Damen über 60 J., die im Yoga-Kurs oder auf ihrer Terrasse ihren hageren Körper dehnen. In der Bar sitzend checken sie ihre Emails auf dem iPad oder lesen E-Books. Eine „Oma“ erklärt mir, dass sie 70 Jahre alt sei und nun zum xten Mal versuche, den CheckIn Ihres Rückflugs hinzubekommen, doch die Verbindung hier sei ja so miserabel. Sie besuche jedes Jahr für 4 Monate ihre Tochter, die am Patnem-Beach eine Travel-Agency betreibt.

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Glücklicherweise hält sich die Anzahl der Russen in Grenzen. Mein erster Eindruck von 3 Russen passte prompt zu meinen Vorstellungen. Einige hübsch gekleidete Inderinnen verteilten am Strand Farbtupfer zum Holi-Fest, woraufhin ein Russe sagte: „ If you give me Sex, I give you money!“ Der ratlose Blick der Inderin sagte alles …

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Am Agonda Beach trafen wir auch nicht die typischen Backpacker, denn dort geht es etwas nobler zu. Die ca. 2km lange, fast menschenleere Bucht ist sehr sauber, nur ein paar Resorts zieren den Rand der Bucht, keine Boote, wenige Liegen, natürlich Kühe, einfach ruhig und leer … Gewundert haben wir uns über die Strandverkäufer/innen, die in Palolem verboten sind … ganz anders geht es am Palolem Beach zu, obwohl er direkt nebenan liegt …  bunte Hütten, Restaurants und Bars säumen die Bucht … Fischerboote und Kanus liegen aneinander gereiht … und abends wird der Strand zur Promenade … dann spielen die Inder Fußball, Cricket oder Joggen … indische Familien spielen im Wasser, Fischer holen ihre Boote rein und Kellner bauen die Tische für’s Abendessen im Sand auf … der Strand ist zwar sehr belebt, gilt aber als „Quiet Beach“, von daher gibt es nur „Headphone-Partys“ und die Polizei passt auf.

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Im „Palolem Coconut-Tree“ finden wir eine neue Hütte, direkt am Meer, sehr basic … immerhin mit 2 Liegen und einer Palme davor, die permanent zum Fotoshooting genutzt wird. Auch der Preis ist basic … 1200 IR (ca. 17€), dafür gibt’s kein Regal, keine Haken oder andere Ablagemöglichkeiten. Unsere Nachbarn sind äußerst trinkfreudig und gesellig. Gestern haben sie – ein englisches älteres Paar – ein weiteres Paar zum Wodkasaufen und Grölen eingeladen … mit ihrer mobilen Box haben sie über’s Handy ihre Musik eingespielt, Kette geraucht und gesoffen … es war unfassbar laut. Doch dank meiner Ohrenstöpsel konnte ich einschlafen, Bettina dagegen hatte eine unruhige Nacht.

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Masseure aus Kerala bieten ihre Dienste an, die wir gerne ausprobieren: Pediküre mit neuem Nagellack. So sauber hätten wir unsere Füße nie hinbekommen. Die Masseurinnen haben einen harten Griff, was man diesen zarten Körpern gar nicht zutraut. Zum Essen gehen wir in das Restaurant auf den Felsen und genießen die Sonnenuntergangsstimmung mit Blick über die ganze Bucht.

Einen ATM finden wir in Canacona (ca. 4km) und am Agonda Beach (ca. 12 km)). Ein Taxi– oder Tuk-Tukfahrer bringt einen z.B. für 300 IR (ca. 4,30 € ) nach Agonda. Ich hebe schrittweise jedes Mal 7400 IR (ca. 100€) ab, da dies am Besten klappt.

Da Inder eher meditativ arbeiten, braucht alles seine Zeit. Bis du im Restaurant gesehen wirst, bis jemand kommt und dir die Karte bringt, bis das 1. Bier kommt, bis der Kellner dir das Essen und dann die Rechnung bringt … alles sehr gemächlich. Alle haben Zeit im Überfluss. Mit großem Hunger oder Durst solltest du nicht ins Restaurant oder an die Bar gehen. Unsere deutsche Betriebsamkeit, unsere Hektik und unser Tempo brauchen einige Tage zur Adaption.

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Wie sind die Inder? Einige schauen uns nicht an, wenn wir sie ansprechen. Sie wirken eher abweisend, starren beispielsweise auf ihren Monitor und sprechen sehr undeutlich und schnell, so dass wir Mühe haben, überhaupt etwas zu verstehen. Verkäufer vor ihren Läden sprechen uns permanent mit „ Come and have a look“ an. Andere sind wieder sehr freundlich und helfen uns sehr. Zum Beispiel am Bahnhof von Margao, wo wir wirklich Angst hatten, unseren Platz/Waggon nicht zu finden. Dort sprach mich ein Mann an, wo ich denn hinwollte. Er besorgte mir einen Chai und versprach mir, uns zum Gleis, zum Zug und zu unserem Platz zu bringen, was er dann auch tat. Wir waren überglücklich, als wir dann am richtigen Platz waren. Dass mich viele – besonders Männer – anschauen, daran habe ich mich gewöhnt. Frauen sind sehr zurückhaltend, aber freundlich.

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Palolem Beach

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Palolem Beach 15.006234, 74.032950

Goa

„Einer der schönsten Strände Goas und sogar einer der schönsten Südostasiens“

solche Aussagen fand ich im Internet, bevor ich mich für  Palolem entschieden habe. Die Bucht ist umringt von Palmen, bunten Hütten, Bars und Restaurants.

Den Strand  teilst du dir nicht nur mit anderen Reisenden und Locals, sondern auch mit vielen Hunden und Kühen, die es sich gerne am Strand gemütlich machen und mir beim Joggen gerne hinterlaufen (also die Hunde nicht die Kühe). Das flache Wasser lädt die Kinder zum Planschen ein. Mich pieksen beim Schwimmen winzige Quallen, was sehr unangenehm ist.

Der Anblick bei Sonnenuntergang ist traumhaft schön, besonders von südlichen Ende der Bucht, wenn man auf die Felsen steigt oder oben von Restaurant den Blick genießt. Die Brandung, die letzten Sonnenstrahlen, die vom Wasser reflektiert werden, umgeben von Palmen und leichter Musik, die aus den Bars kommt. Palolem macht seinem Ruf alle Ehre und ein Besuch ist absolut lohnenswert.

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Unsere „Dreamcatcher-Resort“ ist für das Preisniveau hier mit 2400 IR( ca. 30€) etwas überteuert. Man kann durchaus für 500- 1200 IR (ca. 5-15€) hier eine Hütte bekommen, zumal jetzt eh nicht mehr so viel los ist. Nun gut, wir waren zuvor noch nicht nicht in Indien und haben auf den Tipp meines Sohnes hin die erste Woche hier gebucht. Nun genießen wir es hier in vollen Zügen. Das Resort ist gepflegt und sehr sicher, obwohl der Putz schon mal von den Wänden bröckelt. Scheinbar haben wir auch Holzwürmer, die an unseren Betten knabbern, denn morgens sieht man, was sie nachts geleistet haben .Einen Spa, eine Yoga-Halle, warme Duschen, Bücher, Safe, Taxifahrer, der im 24-Stunden-Dienst zur Verfügung steht…das alles gibt es hier. Auch die bunt gekleideten Inderinnen, die im Resort unentwegt fegen oder am Kleiderstand sitzen und uns stetig mit mit ihrem „Have a look“ begrüßen, verkörpern Stolz,  Anmut und Tradition und sind  überhaupt schön anzusehen. Ja und Mosquitos gibt’s reichlich…direkt am Fluß gelegen, kein Wunder…auf der Terasse unserer Hütte werde ich sofort ausgesaugt… gemütlich sitzen geht nicht …

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Wie unser Tag aussieht? Tja, morgens gehe ich (Eve) 2 Runden am Strand Joggen. Im Rockit Cafe nehmen wir dann unser Frühstück zu uns (450 IR ca. 6€), genießen die noch angenehmen Termperaturen  und den Blick auf’s Meer. Nach dem Lesen und Planen der weiteren Reiseroute trainieren und stretchen wir uns in der Yoga-Halle. Entweder erfolgt anschließend eine ayurvedische Massage oder ein Snack am Strand. In die Sonne legen wir uns gerne am Nachmittag, beobachten das Treiben am Strand und den Sonnenuntergang. Manchmal geht Bettina noch einmal die Bucht rauf und runter, bevor es uns am Abend in eines der Restaurants treibt. Sehr gutes Essen gibt es im Dopadi’s, für Vegetarier und Fischliebhaber  ist das hier eh ein Traum, so viel Auswahl an köstlichen Gerichten und frischen Fisch. Zweimal schon gab’s zum Abendessen auch Live-Musik, meist wunderbare Gitarrensongs, besonders die letzt Gruppe im Rockit Cafe’ spielte alte Rockmusik und Blues…richtig klasse!

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Verlässt man das Resort, fallen einem die Hütten mit Plastikplanen drüber auf, die eher aussehen, wie Ställe…doch die Inder wohnen darin. Auch die vermüllten Stellen hinter den Plastikplanenzäunen sind keine Augenweide. Die Shops in der Main-Road bieten jede Menge Kleidung, Ledertaschen, Schmuck, Hängematten, Stoffe usw. Jedes Jahr werden alle Hütten und Restaurants vor dem Monsun abgebaut. Bald ist es wieder soweit.

Es fällt uns nicht leicht, dieses paradiesische Nest hier zu verlassen. Doch Indien hat noch so viel mehr zu bieten. Wer weiß schon, wann wir noch mal hierher kommen. Gestern haben wir endlich unsere Entscheidung in den Süden zu reisen getroffen und für Mittwoch den Zug nach Kochi gebucht.

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Goa

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Goa 15.299326, 74.123996