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Sarajevo

Von weitem sehen wir schon die hohen grauen Felsberge Prenj und Čvrsnica. Der Jablaničko-See (31 km lang) zu linken Seite schimmert smaragdgrün. Jablanica ist eingebettet in das malerische Neretva-Tal und berühmt für seine Geschichte, Natur und kulinarischen Traditionen, wie die traditionellen Jablanica-Lammspieße.  

Als erstes schauen wir uns die Old Neretva Train Bridge an und und dann entdeckt Rolf Cevapcici im Teigfladen. Ich nehme ein Cheese-Börek. Es ist heiß und ich mag nicht mehr in der Sonne laufen. Auf dem Weg in die Schlucht landen wir tatsächlich in der Grillroad mit dieser regionalen Delikatesse am offenen Feuer. 

Nach einigen Fotostopps fahren wir zum Camping Sarajevo, der etwas versteckt liegt. Ohne Google Maps ist er besser zu finden. Wir checken ein und erkundigen uns, wie wir mit Bus und Bahn in die Stadt kommen.  Es scheint wegen einer Baustelle doch schwieriger zu sein. Zufällig stehen Parmi und seine Frau neben uns, die auch heute noch nach Sarajevo möchten. Wir beschließen uns zu viert ein Taxis zu teilen. Wegen der Hitze möchten wir erst gegen 16 Uhr starten. 

In Sarajevo angekommen verabreden wir uns um 19:30 Uhr für die Rückfahrt. Wir durchqueren die Altstadt mit dem Bazar „Bascarsija“ und die Kupferschmiedestraße „Kazandžiluk“ sowie die Latin Bridge. Es ist viel los in der Stadt, die Bars sind gut mit Einheimischen gefüllt, die Moscheen gut besucht und junge gestylte Frauen mit viel zuviel Schminke & Co gehen auf die Rolle. Zum Abschluss ergattern wir uns noch in einer Bar ein Plätzchen und genießen ein Bier. Zum Schluss kann Rolf dem Geruch von gegrillten Cevapcici nicht widerstehen und nimmt welche mit. Das Treffen am Taxiplatz klappt prima und so fahren wir zu viert zurück.

Der nächste Tag

Da für 14 Uhr unsere gebuchte Führung auf dem Programm steht, lassen wir den Morgen ruhig angehen und nehmen gegen 11 Uhr das Taxi in Richtung Markthalle. Da heute Sonntag ist, haben zwar nicht alle Stände geöffnet, aber für ein paar kulinarische Entdeckungen reicht es allemal: Wir probieren uns durch lokalen getrockneten Schinken sowie würzigen Käse und decken uns direkt mit ein bisschen Vorrat für den Van ein.

Anschließend schlendern wir durch die malerischen Gassen der Altstadt in ein anderes Viertel. In einem gemütlichen Café legen wir eine Pause ein. Mein Eiskaffee ist bei den sommerlichen Temperaturen genau das Richtige, während Rolf einen echten bosnischen Kaffee testet. In Bosnien hat Kaffeekultur einen riesigen Stellenwert – serviert wird der kräftige Kaffee ganz traditionell im kleinen Kupferkännchen (Džezva) und passender Fildžan-Tasse auf einem verzierten Tablett. Bevor es zum Treffpunkt geht, schlendern wir noch am bekannten Sebilj-Brunnen auf dem Baščaršija-Platz vorbei, um den sich scharenweise Tauben tummeln.

An der Lateinerbrücke fällt uns vor dem Sarajevo-Museum noch das historische Auto ins Auge – ein Nachbau des Wagens, in dem Erzherzog Franz Ferdinand 1914 attentiert wurde und das den Ersten Weltkrieg auslöste.

Auf den Spuren der Geschichte: Die Belagerung von Sarajevo

Am Treffpunkt für unsere Tour erwartet uns eine Überraschung: Wir sind heute tatsächlich die einzigen Teilnehmenden! Unser Guide Mohammed begrüßt uns herzlich auf Deutsch. Der Einstieg in die Tour fällt uns allerdings schwer aufs Gemüt. Zu Beginn schauen wir einen Einführungsfilm über die Belagerung von Sarajevo (1992–1995). Die Aufnahmen und Schicksale nehmen uns unglaublich mit und rühren uns zu Tränen. Es ist kaum zu ertragen und schwer zu begreifen, welches Leid den Menschen hier vor gar nicht allzu langer Zeit angetan wurde.

Anschließend geht es weiter zum Sarajevo-Tunnel-Museum, das direkt hinter dem Flughafen liegt. Unser Guide erzählt auf dem Weg ununterbrochen und mit enormer Lautstärke von den historischen Hintergründen – vor lauter Informationen rauchen uns schon fast die Köpfe, bevor wir überhaupt am Gelände ankommen. Vor Ort erklärt er uns eindringlich den Bau und die lebenswichtige Funktion des Tunnels, der während der Belagerung die einzige Verbindung der Stadt zur Außenwelt war. Den eng abgestützten, dunklen Tunnel selbst durchqueren wir alleine – ein beklemmendes Gefühl, wenn man bedenkt, was hier transportiert wurde.

Auf dem Rückweg ins Zentrum zeigt uns Mohammed aus dem Wagen heraus noch weitere prägende Orte der Stadtgeschichte, darunter das Gebäude der Nationalversammlung, das Fernsehgebäude sowie den historischen Jüdischen Friedhof.

Zurück im Zentrum steuern wir den Taxistand an, wo wir uns wieder mit Parmi und Gaby verabredet haben. Da wir seit dem Frühstück nichts Richtiges mehr im Magen hatten, besorgen wir uns auf die Schnelle noch eine Portion Pommes mit Chicken zur Stärkung. Zu viert geht es schließlich entspannt per Taxi zurück zum Campingplatz. Ein Tag voller krasser Kontraste – zwischen wunderschöner Gastfreundschaft, Kaffeegenuss und der tiefen, oft schmerzhaften Geschichte dieser beeindruckenden Stadt.