Von Kotor nach Mostar – Touristenmassen, Polizeikontrolle und ein kleines Paradies an der Buna

Ein Beitrag von Eve

Auf nach Bosnien – was will die Polizei von uns?

Am nächsten Morgen ist es schon wieder heiß. Wir packen zusammen, bezahlen unsere 30 Euro Campinggebühr und machen uns auf den Weg Richtung Bosnien-Herzegowina. Auf einer schmalen Landstraße kommen uns plötzlich mehrere LKWs mit Lichthupe entgegen. „Was ist denn da los?“, fragt Rolf nervös. Er hält in der nächsten Bucht an, kontrolliert die Räder und schaut einmal rund ums Wohnmobil. Oben, unten, alles scheint in Ordnung.

Wieder Lichthupe.

Kurz darauf sehen wir eine Polizeikontrolle. Ein Polizist schwenkt seine rote Kelle und deutet nach rechts. Waren wir zu schnell? Rolf geht gedanklich schon sämtliche möglichen Vergehen durch. Übergewicht? Blinder Passagier? Oder sonst irgendeine bislang unentdeckte Sünde?

Ein ernstes Polizistengesicht schaut uns entgegen. „Dobre Dan“, sagt Rolf freundlich, aber leicht angespannt. Der Polizist zeigt kurz und deutlich geradeaus.

Das war’s. Wir dürfen weiterfahren! Die Erleichterung ist groß.

Ein kleines Paradies an der Buna

Unterwegs kaufen wir in einem Supermarkt Fleisch zum Grillen. Die Fleischtheke ist beeindruckend gut bestückt.

In Buna angekommen, schauen wir uns zunächst das River Camp Buna an. So richtig gefällt es uns nicht, zumal auf der anderen Flussseite Baustellenlärm dröhnt – also weitersuchen. Camping Laksi soll ebenfalls am Fluss liegen. Doch Google schickt uns auf eine regelrechte Schnitzeljagd und möchte uns schließlich über eine Fußgängerbrücke lotsen. Mit unserem Max natürlich keine besonders gute Idee. Ich frage einen Einheimischen nach dem Weg. Er spricht nur Bosnisch, versucht aber freundlich zu helfen.

Schließlich drehen wir um, überqueren in Buna die richtige Brücke und landen beim Autocamp Eko, einem kleinen Agriturismo direkt am Fluss. Ein älterer Mann öffnet das Tor und winkt uns herein. Irgendwie macht er uns klar, dass wir uns einen Platz aussuchen können.

Wow! Fast alles frei. Nur ein weiterer Camper steht am Ufer. Vor uns fließt die glasklare, kalte Buna. Enten schwimmen auf dem Wasser, und wir finden einen wunderbaren schattigen Platz mit Blick auf den Fluss. Unser Gastgeber wird nicht müde, mir Kirschen vom Baum zu pflücken und meine Hände damit zu füllen.

Stühle raus, hinsetzen und genießen. So mögen wir das!

Am Abend kommt das Fleisch auf den Grill, ich bereite den Salat vor, und wir planen unsere Radtour nach Mostar.

Mit dem Fahrrad nach Mostar – Komoot, was machst du da?

Unser Platz an der Buna ist wirklich ein Highlight. Aber heute wollen wir uns Mostar mit seiner berühmten Brücke anschauen. Mit dem Fahrrad sind es laut Komoot nur etwa 13 Kilometer. Klingt völlig problemlos.

Dachten wir jedenfalls. Es wird warm. Die Wasserflaschen sind gefüllt, die Radklamotten auf das Wesentliche reduziert, und los geht’s. Nach gerade einmal drei Kilometern ist Schluss. Die Route führt über Privatgelände. Wir müssen umkehren. Die nächste Alternative führt über eine stillgelegte Landebahn. Doch auch hier ist plötzlich Ende: gesperrtes Militärgelände. Also wieder zurück.

Und dann landen wir auf einer Hauptstraße. Eng, ohne Randstreifen, ein LKW nach dem anderen rauscht an uns vorbei. Zehn Zentimeter Abstand sind da schon viel.

Langsam kommt Panik auf.Irgendwie überleben wir diese Strecke und erreichen ziemlich gestresst Mostar.

Mostar – schön, aber nicht mehr unser Ding

Obwohl noch Vorsaison ist, sind bereits unglaublich viele Touristen unterwegs. Besonders die vielen Instagram-Fotografen fallen uns auf.

Natürlich ist die berühmte alte Brücke beeindruckend. Wir machen unsere Fotos, schlendern ein wenig herum und suchen uns schließlich ein etwas abgelegenes Restaurant. Aber wir merken immer deutlicher, dass diese vermeintlichen „Must have seen“-Sehenswürdigkeiten nicht mehr so richtig unser Ding sind.

Zu voll, zu hektisch, zu viel Inszenierung.

Eigentlich wollten wir noch ein historisches Museum besuchen. Doch allein der Gedanke an die stressige Rückfahrt lässt uns umplanen. Wir wollen lieber zurück an unseren schönen Fluss.

Der Rückweg wird zur Entdeckung

Zunächst beginnt die Rückfahrt genauso unangenehm wie die Hinfahrt. An der nächsten Ausfahrt suchen wir bei Komoot noch einmal nach einer Alternative. Tatsächlich finden wir eine Route, die uns hoffentlich heil zurückbringt. Sie ist zwar einige Kilometer länger, führt aber über kleine, ruhige Straßen. Zwischendurch lässt uns Komoot zwar wieder etwas im Stich, doch diesmal geht alles gut.

Und dann entdecken wir ganz nebenbei den Buna-Kanal. Was für eine Überraschung!

Ein beeindruckender Ort, den wir ganz für uns allein haben. Keine Touristengruppen, keine Selfie-Schlangen, kein Gedränge. Genau das sind die Momente, die wir auf unseren Reisen lieben.

Völlig entspannt erreichen wir schließlich unseren Campingplatz. Jetzt ein eisgekühltes Pivo direkt am Fluss. Herrlich!

Manchmal sind eben nicht die berühmten Sehenswürdigkeiten die schönsten Reiseerlebnisse, sondern die kleinen Entdeckungen unterwegs.


Entdecke mehr von bin op jöck ...

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

2 Kommentare zu „Von Kotor nach Mostar – Touristenmassen, Polizeikontrolle und ein kleines Paradies an der Buna“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.