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Jablanica: Eine spektakuläre Eisenbahnbrücke und ihre bewegte Geschichte

Ein Beitrag von Rolf

Manchmal entdeckt man auf Reisen Orte, an denen Natur und Geschichte auf ganz besondere Weise zusammenkommen. In Jablanica, in Bosnien und Herzegowina, ist das definitiv der Fall. Hier, mitten in einer beeindruckenden Berglandschaft, liegt eine alte Eisenbahnbrücke, deren ungewöhnliche Konstruktion sofort ins Auge fällt.

Unter ihr fließt die Neretva. Das Wasser leuchtet türkisgrün, die Hänge sind dicht bewaldet, und am Horizont ragen die schroffen Gipfel der umliegenden Berge in den blauen Himmel. Eine traumhafte Kulisse – und zugleich ein Ort, der eine bewegte Vergangenheit hat.

Eine Eisenbahnbrücke mit einem ungewöhnlichen Knick

Schon von Weitem ist die alte Stahlkonstruktion zu erkennen. Das Brückengerüst überspannt den Fluss, bevor sich die Gleise auf der anderen Seite steil nach oben ziehen. Ein Anblick, der zunächst etwas rätselhaft wirkt.

Die Geschichte dieser Eisenbahnverbindung reicht allerdings noch weiter zurück als bis zum Ersten Weltkrieg: Die ursprüngliche Brücke wurde bereits 1888 während der österreichisch-ungarischen Herrschaft errichtet. Sie gehörte zur schmalspurigen Narentabahn, die das Landesinnere mit der Adriaküste verband.

Über Jahrzehnte war die Bahn eine wichtige Verkehrsverbindung durch die bergige Landschaft. Heute erinnert die ungewöhnliche Stahlkonstruktion an diese Zeit und an die Ingenieurskunst, mit der die schwierige Topografie überwunden wurde.

Ein Ort, an dem Geschichte geschrieben wurde

Besonders bekannt wurde Jablanica allerdings durch die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs.

Im März 1943, während der Schlacht an der Neretva, ließen die jugoslawischen Partisanen die Eisenbahnbrücke sprengen. Die Zerstörung war Teil eines taktischen Täuschungsmanövers. Anschließend wurde in kurzer Zeit eine provisorische Holzbrücke errichtet, über die Verwundete, Flüchtlinge und Partisaneneinheiten den Fluss überqueren konnten.

Die Geschichte dieser Brücke ist deshalb weit mehr als eine Geschichte über Eisenbahn und Stahl. Sie erzählt von Krieg, Flucht, Improvisation und dem Versuch, Menschen in einer ausweglos erscheinenden Situation zu retten.

Die Brücke wurde später wieder aufgebaut und 1968 während der Dreharbeiten zum Film Die Schlacht an der Neretvaerneut gesprengt. Die heute sichtbare Konstruktion ist damit auch mit der filmischen Darstellung dieser dramatischen Ereignisse verbunden.

Direkt neben den Überresten befindet sich die Gedenkstätte mit dem Museum zur Schlacht an der Neretva.

Türkisgrünes Wasser und steile Berghänge

Doch bei unserem Besuch beeindruckt uns nicht nur die Geschichte. Auch die Landschaft ist außergewöhnlich schön.

Die Neretva schimmert in kräftigen Türkistönen. Üppiges Grün bedeckt die Hänge, kleine Häuser verstecken sich zwischen den Bäumen, und über allem spannt sich ein weiter blauer Himmel. Von einem erhöhten Standpunkt aus lässt sich die gesamte Szenerie überblicken: die alte Brücke, der Fluss und die steilen bewachsenen Ufer.

Es ist ein faszinierender Kontrast. Auf der einen Seite die friedliche, fast mediterran anmutende Landschaft, auf der anderen Seite die Spuren einer dramatischen Vergangenheit.

Eine Entdeckung, die nachdenklich macht

Jablanica ist ein Ort, an dem man ruhig etwas länger verweilen sollte. Die ungewöhnliche Eisenbahnkonstruktion ist schon für sich genommen sehenswert. Doch wenn man sich mit ihrer Geschichte beschäftigt, betrachtet man sie anschließend mit anderen Augen.

Was zunächst wie ein spektakuläres Relikt aus der Eisenbahnzeit wirkt, wird zum Zeugnis einer der dramatischsten Episoden des Zweiten Weltkriegs in dieser Region.

Wieder einmal zeigt sich auf unserer Reise durch den Balkan, wie eng landschaftliche Schönheit und bewegte Geschichte miteinander verbunden sein können. Und manchmal sind es gerade solche Orte, die uns noch lange nach dem Besuch im Gedächtnis bleiben.

 

Ein Geheimtipp in Bosnien: Übernachtung und frische Forellen beim Restaurant Baščica

Ein Beitrag von Rolf

Manchmal führt einen der Weg auf einer Reise an Orte, die so idyllisch und überraschend sind, dass man am liebsten für immer dort verweilen würde. Unser Besuch beim Restaurant Baščica in Bosnien war genau so ein Highlight. Schon die Anfahrt hielt eine kleine Überraschung bereit: Die Straße führte uns direkt unter einer imposanten, gewaltigen Staumauer hindurch – eine beeindruckende Kulisse für die Reise im Camper!

Tische direkt im Fluss und kühles Sarajevsko

Beim Restaurant Baščica angekommen, wird schnell klar, dass dieser Ort etwas ganz Besonderes ist. Wir werden auf das herzlichste von Anis und seinem Vater begrüßt. Das Restaurant liegt eingebettet in saftiges Grün direkt an einem kristallklaren, plätschernden Gebirgsfluss. Das absolute Highlight: Ein Teil der Holzplätze und Sitzecken ist auf Stegen direkt über und im rauschenden Wasser gebaut! Hier kann man bei einem kühlen Bier die Füße fast ins Eiskalte Nass halten.

Apropos Kühlung: Ein Kühlschrank ist hier gar nicht nötig. Die Getränkekisten mit lokalem Sarajevsko und Tuborg stehen einfach direkt im glasklaren, strömenden Flusswasser und werden so auf perfekte Naturtemperatur gebracht.

Sogar die Strichliste für die Kaltgetränke wird hier noch ganz entspannt per Hand im kleinen Notizbuch geführt – ehrliche, unkomplizierte Gastfreundschaft, wie wir sie auf unseren Touren so schätzen.

Frischer geht es nicht: Forellen aus eigener Zucht

Auch kulinarisch ist das Baščica ein absoluter Traum für Fischliebhaber. Direkt im seichten, glasklaren Wasser neben den Sitzplätzen zieht die hauseigene Forellenzucht ihre Kreise. Frischer kann der Fisch auf dem Teller wirklich nicht sein – ein absoluter Genuss mitten in der Natur.

Gemütlicher Ausklang direkt am Bach

Besonders genial für Vanlife-Reisende: Wir durften mit unserem Max direkt vor Ort übernachten! Nach einem fantastischen Essen und entspannten Stunden am Wasser saßen wir am Abend zusammen, stießen mit einem kühlen Bier an und genossen die einmalige Kulisse, während unser Max im Hintergrund warm eingeparkt stand. Das sanfte Rauschen des Baches im Hintergrund war die beste Einschlafmelodie, die man sich wünschen kann.

Nach einer fantastischen Nacht direkt am rauschenden Gebirgsbach und dem sanften Rauschen vor der Van-Tür startet der neue Tag hier am Restaurant Baščica einfach unschlagbar. Die Sonne straht vom blauen Himmel und taucht das Tal in ein herrlich warmes Licht.

Natur pur und gemütliche Ecken

Direkt am Ufer des glasklaren Flusses laden kleine Holztische mit überdachten Bänken dazu ein, den Tag ganz entspannt mit einem Kaffee in der Hand zu beginnen. Das Wasser ist so klar, dass man jedes Steinchen am Grund zählen kann.

Die kleine Holzhütte des Restaurants schmiegt sich perfekt in die grüne Kulisse aus Bäumen und Bergen. Alles atmet hier diese wunderbare, bodenständige Ruhe, die das Reisen in Bosnien so auszeichnet. Sogar an eine kleine „Tipp Box“ für Trinkgelder ist liebevoll gedacht.

Ein kleiner Holzmast mit bepflanzten Holzschildern zeigt uns charmant den Weg durch das kleine Areal.

Handgemachte Gastfreundschaft und ein echtes Festmahl

Dieser Ort zieht einen mit seiner puren Originalität einfach in seinen Bann. Wie auf einem riesigen, kreativen Schrottplatz ist hier wirklich alles aus alten Materialen selbst gebaut: von den kleinen Brücken über die Bänke bis hin zu den Tischen. Sogar das Mühlrad besteht aus der Felge einer alten Ente! Anis erzählt uns, dass sein Vater als gelernter Maschinenbauer all das eigenhändig erschaffen hat.

Später soll hier noch eine große Feier stattfinden, weshalb Anis gleich ein Lamm holt. Sein Vater bereitet derweil den Grill vor: Er nimmt eine massive Stahlstange und reinigt sie direkt im kühlen Bachlauf. Als das frisch geschlachtete, ausgenommene Lamm auf dem Tisch liegt, muss ich ehrlich gesagt kurz wegschauen – ein ganzes Lamm aus nächster Nähe sieht man schließlich nicht alle Tage. Der Vater schiebt die Stange durch und verdrahtet alles professionell, damit es sich auf dem Spieß nicht dreht. Eingesetzt in die Konstruktion, wird der Spieß tatsächlich direkt über das wassergetriebene Rad gedreht! Einfach genial, was er hier aus eigener Hand konstruiert hat.

Nach dem Frühstück spüle ich unser Geschirr im Bachlauf ab, bevor wir auschecken. Für drei frische Forellen, Salat und drei Flaschen Bier zahlen wir unglaublich faire 25 Euro bei Anis, und Rolf legt noch 5 Euro Trinkgeld oben drauf. Nach einer herzlichen Verabschiedung brechen wir auf in Richtung Jablanica.

Fazit: Ein rundum gelungener Ort, an dem man die Seele baumeln lassen kann. Nach solch gastfreundlichen Tagen zieht es uns bald weiter – im Notizbuch ist der Platz jedenfalls dick unterstrichen! Ein absolut empfehlenswerter Stopp für jeden, der durch Bosnien reist und die Kombination aus authentischem Essen, Natur pur und gastfreundlichem Stellplatz sucht!

Ramsko Jezero in Bosnien und Herzegowina

Ein Beitrag von Eve

Nach einem verregneten Tag im Tune Camp werden wir am Ramsko Jezero am nächsten Morgen mit Sonne, türkisgrünem Wasser und einer traumhaften Berglandschaft belohnt. Neben schönen Naturmomenten erleben wir wieder interessante Begegnungen mit anderen Reisenden.

Abschied von der Buna

Unseren schönen Platz an der Buna genießen wir noch ein letztes Mal. Mit den Schweizern, die mit ihrem Quad neben uns stehen, kommen wir ins Gespräch. Dabei erfahren wir, dass er Bosniake und sie Schweizerin ist. Sie erzählt uns, dass unser Gastgeber den Krieg überlebt hat.

Er hat sich mittlerweile zu uns gesellt, zeigt uns eine riesige Narbe, die sich quer über seinen Bauch zieht und versucht, uns seine Erlebnisse während des Bosnien-Krieges mit Hilfe der Schweizer mitzuteilen. Schade, dass wir uns nicht mit ihm unterhalten können. Er hätte sicherlich viel zu erzählen.

Regen im Tune Camp am Rama-See

Die Wettervorhersage verspricht für den ganzen Tag Regen. Trotzdem machen wir uns auf den Weg, machen noch einen kleinen Abstecher zur Buna-Quelle und fahren rund 100 Kilometer bis zum Ramsko Jezero (Rama-See), einem der größeren Seen Bosniens und Herzegowinas.

Im Tune Camp werden wir herzlich von Ivan empfangen. Auf einem Terrassenplatz stellen wir unseren Max quer zum See auf. Leider regnet es bereits so stark, dass wir es uns lieber im Camper gemütlich machen.

Wir lesen und schreiben, recherchieren im Internet und sortieren Fotos. Der ganze Tag bleibt grau und nass – richtiges Wetter, um es sich drinnen bequem zu machen.

Für eine Überraschung sorgt der Blick auf die Nachbarplätze: Mario und Annett von Abenteuer Globus stehen mit ihrem roten Bus direkt vor uns! Das Tune Camp haben wir natürlich aufgrund ihrer Empfehlung ausgewählt. Nun treffen wir sie hier tatsächlich wieder.

Der Rama-See zeigt seine schönsten Farben

Noch ist es ziemlich kalt, als wir am nächsten Morgen aufstehen. Auch die Sonne lässt sich erst einmal Zeit. Doch dann wird es langsam heller, und der Rama-See beginnt, in der malerischen Landschaft aus grünen Hügeln und Karstbergen zartblau bis türkisgrün zu schimmern.

Mit jedem Sonnenstrahl verändert sich das Farbenspiel. Das Blau des Sees geht immer mehr in ein leuchtendes Türkisgrün über, während die Berge ringsum in sattem Grün erstrahlen.

Das Wasser ist spiegelglatt. Eine Ente zieht ihre Schwimmspur durch die makellose Oberfläche und hinterlässt eine feine Linie im Spiegelbild der Landschaft. Ein wunderschöner Anblick!

Ein geselliger Abend mit Steffen und Silke

Am Abend wird es wieder empfindlich kühl. Mit Decke und Jacke sitzen wir trotzdem noch draußen und verbringen die Zeit mit Steffen und Silke, unseren Nachbarn, die auch gestern angekommen sind.

Die beiden betreiben ein Cateringunternehmen, und es ist ausgesprochen interessant und unterhaltsam, ihren Erzählungen von der Arbeit und ihrem Leben in Mecklenburg-Vorpommern zuzuhören.

Dabei erfahren wir auch von ihren besonderen Gewohnheiten: In jeden Badesee müssen sie springen, und die eiskalte Dusche im Garten gehört zum täglichen Ritual. Da können wir nur staunen!

Nach dem verregneten Vortag hat uns der Rama-See mit Sonne, türkisgrünem Wasser und einer traumhaften Landschaft verwöhnt. Und nebenbei haben wir wieder nette Menschen kennengelernt. Genau solche Begegnungen machen unsere Reise mit dem Camper immer wieder besonders.

Von Kotor nach Mostar – Touristenmassen, Polizeikontrolle und ein kleines Paradies an der Buna

Ein Beitrag von Eve

Auf nach Bosnien – was will die Polizei von uns?

Am nächsten Morgen ist es schon wieder heiß. Wir packen zusammen, bezahlen unsere 30 Euro Campinggebühr und machen uns auf den Weg Richtung Bosnien-Herzegowina. Auf einer schmalen Landstraße kommen uns plötzlich mehrere LKWs mit Lichthupe entgegen. „Was ist denn da los?“, fragt Rolf nervös. Er hält in der nächsten Bucht an, kontrolliert die Räder und schaut einmal rund ums Wohnmobil. Oben, unten, alles scheint in Ordnung.

Wieder Lichthupe.

Kurz darauf sehen wir eine Polizeikontrolle. Ein Polizist schwenkt seine rote Kelle und deutet nach rechts. Waren wir zu schnell? Rolf geht gedanklich schon sämtliche möglichen Vergehen durch. Übergewicht? Blinder Passagier? Oder sonst irgendeine bislang unentdeckte Sünde?

Ein ernstes Polizistengesicht schaut uns entgegen. „Dobre Dan“, sagt Rolf freundlich, aber leicht angespannt. Der Polizist zeigt kurz und deutlich geradeaus.

Das war’s. Wir dürfen weiterfahren! Die Erleichterung ist groß.

Ein kleines Paradies an der Buna

Unterwegs kaufen wir in einem Supermarkt Fleisch zum Grillen. Die Fleischtheke ist beeindruckend gut bestückt.

In Buna angekommen, schauen wir uns zunächst das River Camp Buna an. So richtig gefällt es uns nicht, zumal auf der anderen Flussseite Baustellenlärm dröhnt – also weitersuchen. Camping Laksi soll ebenfalls am Fluss liegen. Doch Google schickt uns auf eine regelrechte Schnitzeljagd und möchte uns schließlich über eine Fußgängerbrücke lotsen. Mit unserem Max natürlich keine besonders gute Idee. Ich frage einen Einheimischen nach dem Weg. Er spricht nur Bosnisch, versucht aber freundlich zu helfen.

Schließlich drehen wir um, überqueren in Buna die richtige Brücke und landen beim Autocamp Eko, einem kleinen Agriturismo direkt am Fluss. Ein älterer Mann öffnet das Tor und winkt uns herein. Irgendwie macht er uns klar, dass wir uns einen Platz aussuchen können.

Wow! Fast alles frei. Nur ein weiterer Camper steht am Ufer. Vor uns fließt die glasklare, kalte Buna. Enten schwimmen auf dem Wasser, und wir finden einen wunderbaren schattigen Platz mit Blick auf den Fluss. Unser Gastgeber wird nicht müde, mir Kirschen vom Baum zu pflücken und meine Hände damit zu füllen.

Stühle raus, hinsetzen und genießen. So mögen wir das!

Am Abend kommt das Fleisch auf den Grill, ich bereite den Salat vor, und wir planen unsere Radtour nach Mostar.

Mit dem Fahrrad nach Mostar – Komoot, was machst du da?

Unser Platz an der Buna ist wirklich ein Highlight. Aber heute wollen wir uns Mostar mit seiner berühmten Brücke anschauen. Mit dem Fahrrad sind es laut Komoot nur etwa 13 Kilometer. Klingt völlig problemlos.

Dachten wir jedenfalls. Es wird warm. Die Wasserflaschen sind gefüllt, die Radklamotten auf das Wesentliche reduziert, und los geht’s. Nach gerade einmal drei Kilometern ist Schluss. Die Route führt über Privatgelände. Wir müssen umkehren. Die nächste Alternative führt über eine stillgelegte Landebahn. Doch auch hier ist plötzlich Ende: gesperrtes Militärgelände. Also wieder zurück.

Und dann landen wir auf einer Hauptstraße. Eng, ohne Randstreifen, ein LKW nach dem anderen rauscht an uns vorbei. Zehn Zentimeter Abstand sind da schon viel.

Langsam kommt Panik auf.Irgendwie überleben wir diese Strecke und erreichen ziemlich gestresst Mostar.

Mostar – schön, aber nicht mehr unser Ding

Obwohl noch Vorsaison ist, sind bereits unglaublich viele Touristen unterwegs. Besonders die vielen Instagram-Fotografen fallen uns auf.

Natürlich ist die berühmte alte Brücke beeindruckend. Wir machen unsere Fotos, schlendern ein wenig herum und suchen uns schließlich ein etwas abgelegenes Restaurant. Aber wir merken immer deutlicher, dass diese vermeintlichen „Must have seen“-Sehenswürdigkeiten nicht mehr so richtig unser Ding sind.

Zu voll, zu hektisch, zu viel Inszenierung.

Eigentlich wollten wir noch ein historisches Museum besuchen. Doch allein der Gedanke an die stressige Rückfahrt lässt uns umplanen. Wir wollen lieber zurück an unseren schönen Fluss.

Der Rückweg wird zur Entdeckung

Zunächst beginnt die Rückfahrt genauso unangenehm wie die Hinfahrt. An der nächsten Ausfahrt suchen wir bei Komoot noch einmal nach einer Alternative. Tatsächlich finden wir eine Route, die uns hoffentlich heil zurückbringt. Sie ist zwar einige Kilometer länger, führt aber über kleine, ruhige Straßen. Zwischendurch lässt uns Komoot zwar wieder etwas im Stich, doch diesmal geht alles gut.

Und dann entdecken wir ganz nebenbei den Buna-Kanal. Was für eine Überraschung!

Ein beeindruckender Ort, den wir ganz für uns allein haben. Keine Touristengruppen, keine Selfie-Schlangen, kein Gedränge. Genau das sind die Momente, die wir auf unseren Reisen lieben.

Völlig entspannt erreichen wir schließlich unseren Campingplatz. Jetzt ein eisgekühltes Pivo direkt am Fluss. Herrlich!

Manchmal sind eben nicht die berühmten Sehenswürdigkeiten die schönsten Reiseerlebnisse, sondern die kleinen Entdeckungen unterwegs.

Montenegro, Bosnien-Herzegowina und
Kroatien

Ein Beitrag von Eve

Grenzübergang nach Montenegro

Nach der flachen Region rund um den Skutari-See geht es auf die SH 25 in die Albanischen Alpen. Eine sehr abgelegene und wunderschöne Region Albaniens bietet uns fantastische Ausblicke auf die riesigen schroffen Berge, die sich hinter jeder Kurve aus einer anderen Perspektive zeigen. Mit wenig Verkehr geht’s über die Serpentinen zum Pass “Leqet e Hotit“, durch Tamare am Cem River entlang bis zu dem „Restorant & Camping Selca Cem“. Empfehlen können wir zwei fantastische gegrillte Forellen.

Die Albanischen Alpen

Am Grenzübergang ist die Einreise nach Montenegro relativ unspektakulär.

Camp Lipovo – mehr als nur ein Camp

Kurz nach dem Hauptort Kolašin wird die Straße zum Camp Lipovo wieder einspurig, später schottrig und steiler. Robin, der niederländische Inhaber begrüßt uns sofort freundlich und zeigt das Camp. Was für eine wunderbare Oase der Ruhe! Der Blick auf die umlegenden Berggipfel, der Grill, das Restaurant, die Feuerstelle,  einfach eine einladende Atmosphäre. Die Duschen sind fantastisch, dazu noch zwei Waschmaschinen und einen Spülplatz, wie ich ihn zuvor noch nicht gesehen habe, machen dieses Camp zu einem Top-Standort. Und das alles für nur 12 Euro pro Nacht.

MTB-Touren in den wilden Bergen

Insgesamt starten wir zwei Versuche, bei über 33 Grad die Berge Montenegros zu erkunden. Schon der Blick auf Komoot prophezeit unglaubliche Höhenmeter, d.h. 600 hm ist das Minimum. Auf den Hauptstraßen dominieren wilde Truck- und Busfahrer, auf den Nebenstraßen sind es die Steigungen. Spannend sind die Brückenkonstruktionen über die glasklare Tara. Einige Schritte wage ich mich mit meinem Rad darauf, doch löchrige Holzbretter und Eisenplatten knarzen unter mir. Das kann nicht gut gehen, denke ich gerade, als ein Jeep mit Anhänger auf mich zukommt, Gas gibt und einfach drüberbrettert.

Wie ich den Fahrstil hier beschreiben würde?  Wild, schnell und ohne Skrupel! Als Radfahrerin springe ich jedenfalls ins Gebüsch, wenn Trucks auf mich zu rasen.

Diese wilden und steilen Berge zwingen uns letztendlich zur Umkehr. Ursächlich sind zum einen die enormen Steigungen und zum anderen die extreme Hitze. Und beim Schieben in praller Sonne vergeht jeglicher Spaß.

Wildes Montenegro im Durmitor Nationalpark

Von hier aus macht es den Eindruck, dass fast alle zum Nationalpark fahren. So auch ein Radlerpärchen, die uns sehr dankbar dafür sind, dass wir eine große Tasche für sie mitnehmen können.

Über eine kurvenreiche und einsame Gegend geht es nach Zabljak, das touristische Zentrum und Ausgangspunkt für Outdoor-Aktivitäten wie Rafting, Kajakfahren, Canyoning, Ziplining, Bergsteigen, Klettern, Wandern, Reiten und im Winter Skifahren.

Es wird angenehm kühler, denn Zabljak liegt auf einer Höhe von 1456 Meter und ist damit die höchstgelegene Stadt Montenegros. Plötzlich verändert sich die Landschaft extrem. Statt grüner Nadelbäume und Büsche fallen die kargen Hügel vor atemberaubender Berglandschaft auf.

Direkt hinter dem Besucherzentrum erscheint am Hang das AutoCamp Mlinski Potok inklusive Panorama-Blick auf die majestätische Bergwelt. Als am Nachmittag schwarze Wolken mit starkem Wind aufziehen, geht es blitzschnell. Erst Regen, dann klopfen Hagelkörner auf die Dachfenster plus Donner grollen über die Berge hinweg.

Die  Wanderung zum „Schwarzen See“, der von hier aus gut erreichbar ist, stelle ich mir als leichten Spaziergang vor. Die Sonne scheint auch wieder und wir  laufen über unzählige noch feuchte Wurzeln und Steine den Waldweg entlang. Der erste See lässt sich gut durch den Wald umrunden, bis zu der Stelle, die ihn mit dem zweiten See verbindet. Ein Naturerlebnis sind die Spiegelungen im See vor dem grün der Wälder. Wegen des Regens gestern ist der Übergang nicht passierbar. Als wir das Schild „Dangerous“ passieren, wird es tatsächlich so. Wie auf einem Klettersteig geht es über glatte Steine und Wurzeln steil hoch und runter, teilweise mit Handlauf. Sportschuhe sind dafür weniger geeignet und die Stöcke hätte ich auch besser mitgenommen.

Trotz des Nebels und des bewölkten Himmels wollen wir am nächsten Tag die unberührte Wildnis Montenegros erleben und fahren über die Südroute tief hinein in den Park. Spektakuläre Gipfel über 2000 Meter mit klaren Gebirgsseen können wir von der rauen Hochebene beobachten. Diese weitläufige Landschaft gehört seit 1980 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Für dieses wunderschönen Naturjuwel bezahlen wir auch gerne die 5 Euro an den Ranger am Viewpoint mit Fotorahmen.

Durmitor Nationalpark

Rolf bewältigt gekonnt die steilen Serpentinen mit wenig Gegenverkehr, denn die meisten fahren die Südroute von Zabljak aus. Zum Sedlo-Pass wäre ich auch gerne mit dem Rad gefahren, denn die Steigungen halte ich für machbar. Doch der stürmige kalte Wind heute hätte mir jeden Spaß daran geraubt. Nach einigen Fotostops verlassen wir diese raue karge Bergwelt und werden von dem nächsten Highlight überrascht. Das Canyon der Piva tut sich vor uns auf.

Tara-Schlucht in Bosnien-Herzegowina

Doch dann folgt das nächste Highlight. Die kurvige Straße durch unzählige Naturstein-Tunnel bietet zwischendurch eine fantastische Aussicht auf den türkis-blau schimmernden Fluss Piva. Dieser ist eingebettet in den Canyon und setzt sich farblich so ab, dass es einem die Sprache verschlägt.

Wo Tara, Drina und Piva zusammenfließen ist auch die Grenzstation. Die Ausreise aus Montenegro dauert länger als die Einreise nach Bosnien-Herzegowina. Bei über 35 Grad ist es im Camper angenehmer als draußen.

Hier ist das Rafting-Mekka schlechthin. Menschen in Neopren und Schwimmwesten kommen uns entgegen, als wir ins „Tri vodenice Camp“ inklusive Stehklos einkehren. In allen Rafting-Camps kann man in Holzhüttchen übernachten. Am Abend wird’s richtig laut, denn in jedem Camp geht die Party ab. Auch wir finden  Live-Rockmusik auf bosnisch richtig cool. Voller Power heizt die Band hier ein und nicht nur die, auch die offene Feuerstelle im Raum …

Naturpark Lonjsko Polje / Kroatien

An der Grenze zu Kroatien erleben wir noch mal einen Grenzübergang wie früher. Schließlich reisen wir von einem Nicht-EU-Land in ein EU-Land. Bei unerträglichen 35 Grad warten wir über eine Stunde. Und das Internet funktioniert kurz hinter der Grenze wie auf Bestellung.

Bis nach Lonja zieht es sich noch über den Deich neben der Save. Kleine sehr alte Bauernhöfe aus Holz säumen die kleine Straße.  In was für einer abgelegene Region sind wir denn hier gelandet? Und da soll sogar noch einen Bauernhof Camp, der Campingplatz Zelen-Gaj und ein Restaurant kommen? Nach ein paar Minuten über den Deich erscheint ein Schild nach rechts. Tatsächlich … hinter dem Hühnerstall sehen wir ein paar Camper und eine große Scheune.

Ein älterer Herr, Josef, der Patron, erklärt mir in gebrochenem Deutsch, wo alles ist. Was hier geboten wird, erkennt man erst auf den 2. Blick: Ruhe, Felder, Hühner, Lagerfeuer-Möglichkeit, Grillhaus, Küche, ein wunderschönes und komfortables im Posavina-Stil erbautes Sanitärhaus, was eigentlich wie eine alte Scheune aussieht.

Sogar das Restaurant,  indem auch die Rezeption untergebracht ist, erreichen wir nach 150m und bekommen auch noch eine riesige Portion Gulasch zu essen. Josef setzt sich zu uns und wir erfahren noch so manches Wissenswertes zum Naturpark Lonjsko Polje.

Einiges davon wird uns nochmal vor Augen geführt, als wir am nächsten Tag wieder aufbrechen und auf fast jedem Haus ein Storchennest entdecken.

Sehenswert sind auf jeden Fall die Dörfer entlang der Save: Lonja, Čigoć, Mužilovčica, Kratečko, Gušće, Krapje und Puska.

Unsere gesamte Route: 5500 Kilometer und 9 Länder