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Auroville – ein alternatives Lebensmodell und mehr als ein Dorf für Hippies und Freigeister

Auroville möchte eine universelle Stadt sein, in der Männer und Frauen aller Länder in Frieden und fortschreitender Harmonie leben können, jenseits aller Bekenntnisse, politischer Überzeugung und nationaler Herkunft. Aurovilles Aufgabe besteht darin, die wahre menschliche Einheit zu verwirklichen.

Mira Alfassa, Gründerin Aurovilles

Im Netz kursieren die wildesten Vorurteile von Sekte bis Kommune, in der die Halbnackten mit Blumenketten auf Gitarren klimpern. Denn neugierig wie wir sind, wollen wir uns selbst ein Bild von der sogenannten Stadt der Zukunftmachen. Rolf und ich sind weder esoterisch noch religiös, dafür offen für Neues. Immerhin haben wir acht Tage Zeit für Auroville. Bei meiner Schwester, Saskia,  die bereits zweimal in Auroville war, sind wir in guten Händen, denn sie weiß wie und wo wir beginnen können. 

Als erstes organisieren wir uns eine schöne Unterkunft am nicht so schönen Strand. Hauptsache Wind, denn es ist weiterhin heiß und feucht. Strände in Tamil Nadu laden weniger zum Verweilen ein, da sie erstens von Fischern und deren Booten und zweitens von der lokalen Bevölkerung als Toilette und Müllplatz genutzt werden. Mit unserem Taxifahrern durchforsten wir die Unterkünfte am Meer. Obwohl das Samarpan Guesthouse mit 3000 IR (39€) etwas über unserem Budget liegt, überwiegen die Vorteile so schwer, dass wir bleiben. 

Auch wenn es unser Budget sprengt – wir lassen es uns gut gehen …

Der italienische Besitzer hat hier eine für diese Gegend schön gestaltete mediterrane Anlage mit einem gepflegten Garten und Pool geschaffen. Um in das ca. 5 km entfernte und weitläufige Auroville zu kommen, leihen wir uns für die nächsten Tage vier Roller. Weil Auroville bargeldlos funktioniert, braucht auch jeder eine Auro-Card, die man im Guesthouse gegen eine Kaution von 500 IR bekommt. Diese müssen nur noch in Auroville  aufgeladen werden. Komisch oder? Bargeldloses Auroville und dennoch eine Geldkarte! Also jetzt aber endlich los. Helme auf die schwitzigen Köpfe und los geht’s. Vier Scooter hintereinander auf staubigen und buckligen Wegen in Richtung Hauptstraße, die mit ihrem tosenden und chaotische Verkehrsgewühle auf unsere erste Überquerung wartet. Denn gegenüber führt die Straße direkt nach Auroville. Wie sollen wir nur zu Viert hier rüberkommen? Schweiß rinnt unter dem Helm hervor. Ich schaue rechts, links, rechts links… jetzt rüber… ach nein… das reicht nicht… puh, wie anstrengend ist das denn! Rolf ist da durchsetzungsfähiger … 

Die eigentlichen Könige der Straße, die viel zu schnellen Busse und LKWs, lassen wir vorbeiziehen. Jede noch so kleine Lücke bietet einem von uns die Chance rüberzufahren. Endlich drüben, geht’s weiter voran immer schön im Fahrtwind kühlen. Das tut gut. 

Das Finanzcenter zu finden stellt sich uns als nächste Aufgabe. Keine Schilder, dafür kopfwackelnde Inder, die niemals zugeben würden, dass sie den Weg auch nicht wissen. Meine Schwester, die mit Mama Google nicht so eng verbunden ist, fährt nach Gefühl vorneweg. Komisch, sie kann sich doch nicht mehr so genau erinnern, wie gedacht. So wenden wir das ein oder andere Mal. Rolf schüttelt genervt den Kopf. „Eve, mach du die Navigation!“, höre ich ihn hinter mir. Während wir mit unseren Rollern über staubige, rote Pisten cruisen, begegnen und überholen uns permanent grauhaarige westliche Frauen wie Männer zwischen 50 und 70 Jahren. Sie scheinen zu den Pionieren von Auroville zu gehören, die hier vor 50 Jahren auf trockener roter Erde die ersten Bäume gepflanzt haben. Bis auf die German Bakery, die Pizzeria Tanto, das Café Bread &Chocolate und einigen Europäern auf E-Bikes sieht alles so aus wie sonst, nur mit weniger Müll. An der Rechtskurve hilft uns zur Orientierung der Shiva-Tempel mit ohrenbetäubender Musik. Nach dem Dorf Kuillapalayam säumen Bäume die Straßen wie eine Allee. Es wird immer grüner und dichter, die Luft immer frischer. Der Wind kühlt uns etwas ab. Der Verkehr ist bis auf ein paar gelbe Schulbusse und Lastwagen eher ruhig, so dass das Scooter fahren entspannt ist.

Unser Hunger treibt uns über rote Schotterpisten zur größten Gemeinschaftskantine von Auroville, Solar Kitchen.Hier stärken wir uns nach dem Aufladen der Karten mit gesundem Bio-Essen. Natürlich vegetarisch, natürlich leise – manche Tische sind mit einem Silence-Schild ausgestattet, natürlich selbst spülen. Rolf stochert etwas in seinem Gemüse herum. Es schmeckt ihm bedingt. Täglich werden hier über 1000 Mahlzeiten für die Schulen und andere Kantinen in Auroville vorbereitet. 

Im Visitor Center informieren wir uns anhand der Ausstellung und eines fortlaufenden Films über die Geschichte und die Philosophie Aurovilles. Uns wird klar, dass du viel Zeit und Mühe brauchst, um Auroville wirklich kennen zu lernen, sich das Konzept, die Idee, die Angebote und Möglichkeiten zu erarbeiten. 

Das kulturelle Angebot ist so vielfältig, dass es uns fast überfordert. Dutzende Workshops in den unterschiedlichsten Yoga-Stilen, Meditation, Ayurveda, Massagen, Feldenkrais, Hypnose, Kunst, Kino, Gärtnern, Astrologie, Om Chor, Fitness, Coaching, Tanzen, Sound-Baden oder ein Sound-Garten, Akupunktur, Capoeira, Kampfsport, Pranayama und einige Angebote zum Thema Alternative Energien und ökologische Landwirtschaft. Entweder suchst du auf der Homepage oder blätterst in dem Ordner im Visitor Center. Wegen der Hitze finden die meisten Veranstaltungen früh morgens oder am späten Nachmittag statt. 

Sound-Baden

Wir probieren das Sound-Badenan einem Abend. In der Mitte eines großen schönen Raumes liegen unzählige Musik- und Klanginstrumente. Matten mit Kissen liegen im Kreis bereit. Leise treten ca. 40-50 Interessierte ein und suchen sich ein Plätzchen. Während wir mit geschlossenen Augen auf den Matten liegen, lauschen wir den Klängen, die aus unterschiedlichen Richtungen kommend, eine Geschichte erzählen. Laut und leise, hell und dunkel, tief und hoch, wie Vögel, wie Gewitter, wie Frühling, wie Abend … Eine Stunde Klanggeschichte, eine Stunde verzaubern lassen vom Genusshören. 

Watsu – Wasser – Shiatsu

Was ist wohl Watsu, frage ich meine Schwester, als sie mir vorschlägt, einen Termin dafür zu vereinbaren.. Begeistert erzählt sie mir von ihren Erlebnissen, als sie das letzte Mal hier war. Na dann ist das auch etwas für mich. Das sollte ich mir doch nicht entgehen lassen. Im Internet lese ich, dass Watsu auf den Lehren des Zen-Shiatsu beruht. Die physikalischen Eigenschaften des Wassers werden dazu genutzt, den durch den statischen Auftrieb von der Schwerkraft entlasteten Körper passiv zu dehnen und zu strecken.  

Unsere Männer zeigen weniger Interesse an Watsu, folglich fahren wir ins Quiet-Healingcenter.  Watsu ist ziemlich gefragt. Doch an unserem letzten Tag in Auroville sollen wir doch noch in den Genuss dieser außergewöhnlichen Erfahrung kommen. Mit Schwimmsachen bepackt stehen wir um 12 Uhr auf der Matte. Vor der Therapie bekommt jeder von uns ein ausführliches Briefing von seinem Therapeuten über die bevorstehende Behandlung, z.B. welches Zeichen er uns gibt, wenn er uns ganz untertaucht. Zu diesem Zweck hat er eine Nasenklammer dabei, die er uns später in die Hand drückt. 

In 35 Grad warmen Wasser bekomme ich mit Auftriebskörpern an den Fußgelenken ein erstes Gefühl dafür, dass meine Füße nach oben wollen. Mein Therapeut, Pascal, steht im brusttiefen Wasser und hält mich unter den Armen fest. Ich soll die Augen schließen und nichts tun. Er bringt mich in die Rückenlage und trägt mich mich durch das Wasser. Indem er meine Beine anwinkelt, mich zur Seite dreht, die Arme nach oben und hinten durch zieht, dehnt er meine Beine, meine Taille, meine Arme, den Rücken, den Hals … alles ganz langsam. Ich selbst darf nichts aktives tun. Ich verlasse mich komplett auf ihn. Er zieht mich durch das Wasser, wobei ich die Strömung des Wassers spüre. Das Wasser streichelt meine Haut großflächig. Hui, ist das ein berauschendes Gefühl! Unter Wasser erklingt sanfte Musik. Ein vorgeburtliches Gefühl macht sich breit, als er mich in die Babystellung bringt und festhält. Die Beine über seinem Arm, mein Kopf an seiner Brust umschließt er mit dem anderen Arm meinen Oberkörper, zieht mich sanft durch das Wasser. So muss es im Mutterleib gewesen sein. Wow … wie wunderbar! Noch nie habe ich mich so geborgen gefühlt.Als er mir das Zeichen zum Untertauchen gibt, befestige ich die Nasenklammer. Ich hole tief Luft, er drückt mich tiefer nach unten, dreht mich zur Seite, zieht mich an einem Arm und einem Bein durch das Wasser und holt mich auch wieder nach oben. Ich atme aus… wow… so dunkel da unten, so ruhig und schwerelos… vielleicht fühlt sich so der Tod an… gar nicht so übel… das kann ja noch ganz nett werden.Immer wieder taucht er mich in verschiedenen Positionen unter, nie zu lange, nie unangenehm. Ich vertraue ihm total. Wie ein Wal gleite ich schwerelos dahin, tauche mal auf, um dann wieder im Dunkeln zu verschwinden. Nach einer Stunde entspanntes Dahingleiten in Schwerelosigkeit, komme ich mir beim Hinausgehen wie ein tonnenschwerer Elefant vor. Was für ein grandioses Erlebnis!  

Kleine Entstehungsgeschichte von Auroville 

Die Französin, Mira Alfassa, auch The Mother genannt, kam 1914 nach Pondicherry. Sie verwirklichte Sri Aurobindos Gesellschaftstheorie einer universellen Stadt. Sri Aurobindo (1872-1950), der von seiner Familie mit sieben Jahren nach England geschickt und dort in Englisch, Latein und Griechisch, in Geschichte, Geographie, Arithmetik und Französisch ausgebildet wurde, setzte sich nach seiner Rückkehr mit alternativen Lebensformen auseinander. Er forderte die vollständige Unabhängigkeit Indiens. Während er sich politisch weiter engagierte, wandte er sich verstärkt dem Studium der indischen Yoga-Lehren und Übungen zu. Sri Aurobindo, der Freiheitskämpfer, Poet und Guru entwickelte eine neue Lebensform, die er selbst als Integrales Yoga bezeichnete – Integral = umfassend; Yoga = Bewusstseinsentwicklung im Sinne einer modernen, zukunftsweisenden, umfassenden Bewusstseinsentwicklung. In Pondicherry gründete er einen Ashram, dessen verantwortliche Leitung er Mirra Alfassa, die er mit der Göttlichen Mutter identifizierte, vollständig übertrug, um sich zurückzuziehen. The Mother, Mira Alfassa setzte die Theorien des Philosophen Sri Aurobindo um. Sie war seine rechte Hand. Sri Aurobindo lebte bis zu seinem Tod 1950 zurückgezogen in seinem Haus und verfasste seine Philosophie in Büchern und Schriften. Bemerkenswert ist, dass die Beiden die Unterstützung vom indischen Staat und einer UNESCO Resolution bei der Umsetzung bekommen haben. Das war der Startschuss für das Projekt Auroville, die Stadt der Morgenröte. 

Auf dem Weg nach Auroville wird deutlich, dass Auroville keine dicht besiedelte Stadt ist, sondern aus über 100 Communities, die weit verstreut und zum Teil versteckt in den Wäldern liegen, besteht. Diese Wälder und Felder sind das Resultat unermüdlicher Pflanz-und Farmarbeiter, der ersten Pioniere vor 50 Jahren, denn das gesamte Land war abgeholzt, trocken, karg und rissig. Der Wind wehte vom Meer die braune Erde in die Gesichter der Pioniere. Dieser Wald ist heute die grüne Lunge, die für reichlich Sauerstoff und kühle Luft in dieser tropischen Hitze sorgt. Manche Communities zeichnen sich durch futuristische Architektur, andere durch einfache Hütten aus Holz oder einfachen mehrstöckigen Häusern. Die Communities verfolgen unterschiedliche Lebensmodelle und Schwerpunkte wie z.B. Kunstprodukte, Musik, Ökologischer Anbau etc. Jeder kann sich seine passende Community suchen und dort leben. Eigentum gibt es nicht. Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung gibt es dagegen zu Genüge. Das Sport-und Kulturangebot für die Aurovillianer und deren Kinder ist immens und kostenlos. Das beeindruckt uns sehr! Neben einem schönen Schwimmbad, in dem Eltern beim Babyschwimmen ihre Kleinsten ans Wasser gewöhnen,  befinden sich Tennisplätze und ein überdachter Basketballplatz. 

Auroville ist kein Ponyhof, kein Bildungsurlaub, keine Hippie-Kommune und keine Sekte. Auroville ist ein alternativer Lebensentwurf zwischen Kommunismus und Kapitalismus, zwischen internationaler Gemeinschaft und Individualität. Ohne Bürgermeister, Politiker, Autoritäten und Religion leben hier fast 3000 Aurovillianer in einer spirituellen und ökologisch-bewussten Gemeinschaft.

Auroville – ein Raum zum Experimentieren

Dass Auroville ein guter Ort zum Leben ist, ist uns nach den ersten Tagen bereits deutlich geworden. Ohne Polizei und Kriminalität, ohne Neid und Konkurrenz lebt man hier friedlich zusammen. Allein das kostenlose Kultur-und Sportangebot, das gesunde und frische Essen aus ökologischen Anbau, die E-Bike und E-Busse, die kostenlosen Kindergärten und Schulen, die Idee der Nachhaltigkeit usw. machen das Leben hier lebenswert. Die experimentierfreudigen Aurovillianer entwickeln alternative Energien (Biogas-, Solar- und Windenergie) und Ideen für ein nachhaltiges Leben. Sie betreiben ihre Landwirtschaft ökologisch. Sie backen Pizza oder Kuchen, stellen Mozzarella und anderen Käse her. Die Produkte, die in Auroville produziert werden, können nicht nur in Auroville, sondern auch in den umliegenden Supermärkten gekauft werden. Eingekauft wird hier übrigens unverpackt. Ganz modern und selbstverständlich! Jeder bringt sich für das Gemeinwohl mit ein, ganz im Sinne der Gründer.

Aurovillianer können ohne einengende Normen und Verbote ihre vielfältigen kreativen Fähigkeiten überall einbringen. Vieles ist möglich … einfach mal anfangen! Auroville ist ein Projekt, in dem ständig  Neues ausprobiert wird, ein Prozess, dessen Ende offen ist. Dazu gehören Fehler, Scheitern, Frustrationen und Neubeginn. Diese positiven Fehlerkultur, an der es in Deutschland mangelt, ist der Motor für Fortschritt und Kreativität. Auroville wird auch als Stadt der Zukunft bezeichnet, als Vision einer neuen Welt, in der neue Lebenskonzepte erforscht und erprobt werden. Besuchergruppen aus der ganzen Welt, Studenten der Architektur, der Agrarwissenschaft, der Pädagogik usw. besuchen und lernen in Auroville.  

Viele, wie beispielsweise unser Guide, nehmen in Chennai ein Studium auf und kehren anschließend wieder zurück nach Auroville, um hier zu arbeiten. Ein Leben außerhalb von Auroville scheint unvorstellbar. Apropos Arbeit… in Auroville arbeitet man maximal 5-6 Stunden pro Tag. Was jeder arbeitet, mit welchen Ressourcen er sich einbringt, entscheidet jeder Aurovillianer für sich. Jeder erhält ein Grundeinkommen von ca. 150€, wovon er die Hälfte in Auroville ausgeben muss. Eigentum und Besitz gibt es nicht. Wenn jemand hier ein Haus gebaut und viel Geld investiert hat, hat er zwar ein Wohnrecht, aber kein Eigentum. Manche der selbstständigen Aurovillianer, die beispielsweise Restaurants, Geschäfte, Gästehäuser betreiben, müssen 30% ihrer Einnahmen abgeben. Die Idee eines geldlosen Systems konnte noch nicht in Gänze umgesetzt werden, da Dienstleistungen von außen notwendig sind. Geld kommt schon alleine dadurch in Umlauf, dass jeder Novize sich hier selbst finanzieren muss. 

Matrimandir – das spirituelle Zentrum

Unser Guide, Mister B aus Amerika, der eigentlich Bill heißt, aber das „ill“ irgendwann gestrichen hat, zeigt uns das spirituelle Herz Aurovilles, das Matrimandir, das Meditationszentrum, das von einem stilvoll angelegten Garten in Form einer Galaxie umringt ist. Wiesen, Wege, Beete, Büsche und Wasserläufe sind geometrisch angeordnet. Der Prozess muss Jahrzehnte gedauert haben. Diese goldene Kugel löst unterschiedliche Assoziationen aus … wie ein UFO… wie ein goldenes Ei… thront sie etwas erhoben über diesen grünen Garten. 

Matrimandir – das spirituelle Zentrum von Auroville

Im Inneren erfahren wir mit weißen Socken bestückt, welche Ideen Mira Alfassa mit dem Bau dieser Kuppel umsetzen wollte. Wir wandeln einen spiralförmigen Weg nach oben. Ganz still und leise schreiten wir in dieser Menschenkette andächtig nach oben mit Blick auf den Lichtstrahl aus der Decke, der schnurgerade abwärts strahlt. Oben angekommen wird es kühler. Wir betreten etwas aufgeregt den weißen Meditationsraum. Wir staunen, wie groß und rund er ist. Alles ist weiß, selbst die Meditationskissen auf dem Boden. In der Mitte fesselt eine Glaskugel, die auf einem goldenen Ständer ruht, direkt unsere Aufmerksamkeit, denn das Sonnenlicht, das durch drei Spiegel gebündelt wird, durchdringt aus einer Öffnung in der Decke wie ein Laserstrahl die Glaskugel. Leise nehmen alle nach und nach Platz und versinken in Meditation. Mit Blick auf die durchsichtige Kristallkugel, in der sich das Sonnenlicht und die Wolken von oben spiegeln, meditieren wir ca. 20 Minuten. Wir fühlen uns so klein, angesichts dieses Universums um uns. Dieser weiße runde Raum mit einem Kreis aus zwölf weißen Säulen, die einfach so in die Luft ragen ohne etwas zu tragen, berührt und bewegt. Keine Frage. 

Ein plötzlich auftauchender greller Lichtstrahl, das Zeichen für das Ende der Mediation. Schweigend stehen alle auf und laufen die Spirale wieder andächtig hinunter. Draußen in der Sonne sehen wir, dass das Matrimandir von zwölf Meditiationsräumen umgeben ist, die wie Blütenblätter die Kugel umschließen. Diese runden Räume dienen ebenso der Meditation. Hinter dem Matrimandir in dem Amphitheater, in dem vor einigen Wochen die große Feier zum 50jährigen Jubiläum stattgefunden hat, befindet sich die steinerne Lotusblume, in dessen Inneren haben die ersten Pioniere eine Handvoll Erde aus über 120 Ländern gestreut. In dem Park befindet sich ein riesiger uralter Banyanbaum mit Luftwurzeln, die ihn in der Breite tragen. Ein einziger dicker Stamm und viele Dünnere bilden ein kleines Wäldchen. Wie lange Arme bilden sie eine Art Schirm. Die Äste bilden, wenn sie immer länger werden, diese Luftwurzeln und bilden dadurch eine neuen Stamm. Ein wunderbarer schattiger Platz in diesem Garten. Dieser Baum dient unter anderem als Metapher für die Lehren der Begründer.

Aurovilles Kindergärten, Schulen und weitere Projekte

 Selbstverständlich möchte ich als Berufsschullehrerin, die ErzieherInnen ausbildet, auch einen Kindergarten besuchen. Das dies den Rahmen hier sprengen würde, habe ich meine Erlebnisse dort in einem separaten Blogpost neben einigen weiteren nachhaltigen Projekten in Auroville niedergeschrieben. Ihr findet den Beitrag hier …

Auroville – ein Fazit

Das Ziel, dass der Mensch in Harmonie und Einklang mit sich selbst und der Natur lebt, fasziniert uns selbstverständlich. Wer wünscht sich das nicht? Auroville ist ein Zentrum für Innovatoren und Veränderer, die an einem kollektiven Klima positiver Entwicklung und Fortschritt interessiert sind, insbesondere in den Bereichen nachhaltiges Leben und umweltfreundliche Praktiken. Ob Auroville als Wegbereiter und Vorbild auf die große Welt draußen einwirken kann? 

Acht Tage reichen wahrlich nicht aus, um tiefer in Auroville einzutauchen. Beim nächsten Mal würden wir eher in einem Guesthouse in Auroville wohnen wollen, um einfach mehr an den kulturellen Angeboten teilhaben zu können. Da es im März schon sehr heiß und feucht ist,  würde ich lieber früher hierher kommen. Ich wünsche mir, dass unsere Städte für alle Bewohner und Kinder kulturelle Veranstaltungen, Sportangebote und den öffentlichen Nahverkehr kostenfrei zur Verfügung stellen. Wie? Ganz einfach… die Reichen höher besteuern!

Was haben wir sonst so gemacht?

Rolf und ich wollen mal das Meer von Nahem sehen. Die rauhen Wellen und die vielen Fischerboote, in welchen die Inder stehend über das Wasser treiben, haben wir von unserer Terrasse beobachten können. Also folgen wir dem Weg zum Strand, der rechts und links voller Müll ist. Doch was ist das? Wir trauen unseren Augen nicht. Keine Touristen, dafür Fischerboote. Keine Liegen oder Schirme, dafür Müll und Bauschutt. Der Strand in Tamil Nadu gehört gehört eindeutig den Tamilen, deren Haut extrem schwarz ist. Mangels Toiletten zieht sich der Inder schnell den Dhoti hoch und flupps verschwindet die Kacka im Meer, mit der Hand noch schnell nachgewischt und fertig. Abends und morgens ist hier High Season. An anderen Stellen riecht es nach altem Fisch oder Müllresten. Überall sehen wir vom Meer zerstörte Häuser und Mauern. Einige haben ihre komplette Lebensgrundlagen verloren. Die Inder erklären, dass durch den Bau des Hafens in Pondicherry jedes Jahr die Wellen näher an Ufer kommen und Sand abgraben. Dabei ist ihre Zerstörungskraft so groß, dass sie ganze Häuser mitreißen. Entsprechend sieht es aus wie auf einer Baustelle. Unser Spaziergang ist schnell beendet. So ist es eben. Für die Tamilen hat der Strand keinen touristischen Wert. Für sie hat er andere Funktionen. 

Die Zerstörungen sind schon gewaltig

Da es in unserem Resort kein Restaurant gibt, werden wir Stammkunde der Pizzeria Tanto, die einfach die besten und knusprigsten Pizzas hinzaubert. Das beste ist, sie liefern auch noch. Zur Krönung des Abends geht nur noch ein Tatort und ein Bier. Leichter gesagt als getan. Mit Rolf fahre ich sogar über 10 km bis nach Pondicherry, um in einem Alkoholshop einen Vorrat an Gerstensaft zu ergattern. Mit schweren Rucksäcken geht’s zurück. Und der Tatort? Das ruckelige Wifi bewirkt Pausen und Wiederholungen. Was soll’s. Hauptsache, wie zu Hause, zumal mit Schwester und Schwager. Einfach gemütlich! Manchmal braucht man das als Langzeitreisende.

Tatort gucken …

Selbstverständlich steht Pondicherry auch am letzten Abend auf unserem Programm. Zusammengequetscht in einem Tuktuk düsen wir zu viert ins 10 km entfernte französisch geprägte Städtchen. Ganz anders sehen die Häuser und Straßen hier aus. Irgendwie ordentlicher, schöner angestrichen, wobei mir die grau-weißen Häuser nicht so zusagen. Auf der Strandpromenade zu flanieren, ist hier Pflichtprogramm. Liebespaare auf Bänken, Familien mit Kindern und viele Franzosen schlendern hier entlang. Die Hotels und Restaurants wirken mondän und wie aus einem anderem Film. So chic! Am Ghandi-Denkmal vorbei entdecken wir Kunstwerke. Hier sind Porträts von berühmten Menschen auf geflochtenen Palmblättern gemalt. In einem französisch gestyltem Restaurant essen wir draußen im Garten. Wie üblich, schwitzen wir und bitten darum, den Ventilator – auch draußen – anzustellen. Sogar kaltes Bier wird uns serviert. 

Am nächsten Tag geht es zurück nach Chennai, um von dort zu unserer letzten Station in Indien, Goa, weiter zu reisen …   

Rajasthan, Teil 1

Teil 1 befasst sich mit der Zugfahrt von Varanasi nach Agra mit dem Taj Mahal, Ranthambore, Jaipur und Puskar.

Wie finde ich meinen Platz im indischen Nachtzug?

Ach du indische Eisenbahn, obwohl wir früh am Bahnhof waren, um den Nachtzug von Varanasi nach Agra zu nehmen, ist es uns nicht möglich die Stelle am Gleis zu finden, wo unser Waggon A2 halten wird … ein Inder schickt uns in Richtung Kopfende … der Zug fährt ein … doch der Waggon A2 ist genau am anderen Ende, sagt uns der nächste hilfsbereite Inder … also alles wieder zurück … die Züge sind ja bekanntlich lang … sehr lang … schweißtreibend diese Schlepperei … die Beschriftung an unserem Waggon fehlt, doch ich erkenne ein handschriftliches A2, wir steigen ein, doch es ist A1 … der nächste Waggon soll es sein… wir finden nur einen Platz, da wir nicht wissen, was „SL“ auf unserem Ticket heißt… hilflos stehen wir in dieser Enge … Inder von vorne, Inder von hinten, wir mittendrin mit den Rucksäcken … kein Platz und kein Plan … ich rufe zu Rolf „Ich kann nicht mehr!“… am liebsten möchte ich raus laufen und einen Flug buchen …

Ein freundlicher Inder weiß uns zu helfen. SL heißt Side-Low, d.h. meine Liege befindet sich an der rechten Seite unten, Rolfs in der Vierergruppe oben. Ohne Essen und Trinken im Gepäck sind wir nicht gerade gut gewappnet. Auf meiner Liege machen wir es uns mit den Laken und Kissen gegenübersitzend so bequem wie möglich, während der Zug sich langsam in Bewegung setzt. Jeder Nicht-Inder, der seinen Platz hier findet, sieht geschafft aus. Welch ein Glück, dass tatsächlich Essen bestellt werden kann. Noch zwei Stunden müssen wir ausharren, dann kommt unsere Alu-Schale mit viel flüssigem Curry und Reis. Nicht einfach zu essen. So dämmern wir nach dem Essen mit Ohrenstöpsel und Hörbuch langsam jeder auf seiner Liege dahin. 

Die Farben von Rajasthan

Tja Mahal – das Monument der ewigen Liebe

Mr. Singh, unser Fahrer für die Rajasthan-Tour findet uns am Bahnhof von Agra und lacht lauthals über unsere Nachtzug-Story. Na ja, im Nachhinein ist alles lustiger!Wie wir später feststellen, lacht er eigentlich immer, egal was wir erzählen. Kamelkutschen und Männer mit großen Turbanen und buschigen Schnurrbärten sind die ersten Zeugen, dass wir nun das Eingangstor zu Rajasthan betreten. Rikschas, Mopeds, Fahrräder, Busse, Handkarren, Kamele, Kühe, Hunde und natürlich Fußgänger teilen sich den wenigen Platz auf der Straße.  Regeln bestehen wohl, werden aber nicht beachtet. Jede noch so kleine Lücke wird gefüllt. Agra, die Stadt, die mit dem Denkmal der ewigen Liebe immerhin zu Weltruhm gekommen ist, kann uns mit seinem Chaos, den Abgasen, dem Dauergehupe und dem Abfall erst einmal nicht überzeugen. Wir umfahren die Altstadt bis zu unserem Homestay The Coral House. Die freundliche und geschäftstüchtige Inderin empfängt uns herzlich, das Zimmer ist top und wir happy.

Taj Mahal

Zwei Stunden später machen wir uns auf zum wohl schönsten muslimischen Bauwerk, welches der Großmogul Shah Jahan 1731 für seine große Liebe Mumtaz Mahal, die bei der Geburt ihres 14. Kindes starb, als Mausoleum erbauen ließ. Nach der Passage der Sicherheitsvorkehrungen, d.h. keine spitzen Gegenstände, Feuerzeuge usw. und dem Bezahlen des Touristenpreises (immer um ein Vielfaches höher als für Einheimische) betreten wir bepackt mit Überschuhen für das Betreten des weißen Marmors das Gelände. Wenige Menschen bewegen sich in Richtung des großen Tores. Ich bin im Gegensatz zu Rolf schon nervös, denn gleich werde ich das wohl größte Denkmal ewiger Liebe sehen. Wie romantisch! Wie aufregend! Rolf wirkt entspannt wie ein Yogi. Dann sehe ich es, geradeaus geht mein Blick durch dieses Tor. Wahnsinn, so weiß, ganz in Marmor, so symmetrisch und ästhetisch. Wie es sich emporhebt, wie eine weiße Lotusblüte entfaltet es seine Schönheit aus den schlammigen Gewässern von Agra. Das Symbol für Reinheit des Herzens und Treue.

Die Gartenanlage mit ihren Bänken, Blumen und Springbrunnen wirkt außerordentlich gepflegt, denn draußen vor den Toren herrscht indisches Chaos. Wir knipsen was das Zeug hält. Als Symbol der Liebe zieht das Taj Mahal unzählige indische Liebespaare an. Viele Frauen tragen auffallend schöne Saris, um sich hier einem Fotoshooting hinzugeben. Die besten Fotospots sind dauerbelegt. Zum Sonnenuntergang versuchen wir das Taj Mahl von der gegenüber liegenden Flussseite im warmen Abendlicht zu erhaschen. Die Farbe des Marmors verändert sich in jeder Minute. Auf dieser Seite des Flusses wollte Shah Jahan der Symmetrie wegen noch sein eigenes Mausoleum – eine schwarze Version des Taj Mahal – bauen. Wir sehen nur die Grundmauern. Zu mehr ist er wohl nicht mehr gekommen. Jetzt liegt er neben seiner Frau in der Grabkammer. 

Das gemeinschaftliche Abendessen in unserem Homestay führt uns noch tiefer in die nordindische Küche ein. Vor allem vegetarische Leckereien bestimmen ab nun unseren Speiseplan. Paneer (indischer Frischkäse) Palak (Spinat) oder Paneer Butter Masala und Aloo Gobi (Blumenkohl-Curry) sind meine Favoriten, während Rolf auch auf Tandoori  Chicken Appetit hat. Butter Naan und Garlic Naan mit Raita werden unsere ständigen Begleiter. Das Kingfisher Bier, das nie auf der Karte steht und immer heimlich besorgt und verdeckt dargereicht wird, kommt mit Pappadams daher, sehr pfeffrig gewürztes knackiges Brot.

Ranthambore – ohne Tiger im Tigerreservat

Das Auffinden unserer Unterkunft gleicht einer Schnitzeljagd. Da sie unter dem gebuchten Namen weder auf Google Maps erscheint noch den Einheimischen bekannt erscheint, drehen wir mehrmals um, wenden, fahren in Sackgassen, fragen und fragen, doch ernten wir nur Schulterzucken. Schließlich entdecken wir ein kleines Hinweisschild, größtenteils verdeckt, an der Fassade selbst steht etwas anderes. Genervt frage ich an der Rezeption nach – wir sind richtig. Der Besitzer hat gewechselt – Aha … Auch so ein merkwürdiges Hotel mit einem Rooftop, das den Namen nicht verdient.

Am frühen Morgen wollen wir den Bengalischen Tiger sehen. Dafür sind wir schließlich hier. Mein dritter Versuch in Indien. Dass es nicht leicht würde, ist uns schon klar. Doch die Versprechen in Reiseführer und Internet sind groß, versprechen sie doch eine nahezu hundertprozentige Sichtung. Das beliebteste Tigerreservat Indiens war einst das Jagdrevier des Maharadschas.

In dem Jeep weht uns und den anderen indischen Gästen der kalte Wind vor Sonnenaufgang um die Nase. Über staubige, mit Felsbrocken und Schlaglöchern übersäte Pisten durchstöbern wir den trockenen Wald, die Graslandschaften und weite Ebenen vorbei an einem See, an dem wir einen Adler auf der Jagd nach Seeschlangen sehen. Immer noch gespannt auf den Tiger, der unserer Meinung nach gleich an der nächsten Kurve vor uns steht, können wir uns für seine Beute nur bedingt begeistern.

Axishirsche, Sambahirsche grasen, Wildschweine wühlen und wilde Pfauen durchstreifen die Savanne. Zwei Hirsche bieten sich eine Balzkampf mit ihren prächtigen Geweihen. Der Tisch ist reichlich gedeckt! Doch wo steckt er bloß? Unser Ranger lauscht auf die Warnsignale der Hirsche, die den herannahenden Tiger ankündigen. Doch nichts zu hören. Wer so friedlich grast, braucht wohl nichts zu befürchten. Obwohl sich die Fahrer hier auf der Route Nr. 4 stetig austauschen, zeigt sich der Tiger nicht. Nach ca. zwei Stunden rutscht unsere Laune in den Keller, zumal mein Rücken bei diesem Geruckele noch schmerzt.

Balu, der Bär

Auf dem Rückweg sonnt sich ein dickes Sumpfkrokodil am Seeufer. Na immerhin! Plötzlich stoppt der Jeep, der Ranger ruft „A bear!“ Tatsächlich sichten wir den ansonsten nachtaktiven schwarzen Lippenbär mit der Schnauze immer am Boden auf der Suche nach Termiten. Rudyard Kipling gab ihm in seinem Dschungelbuch den Namen Balu, der Bär. Wir erkennen sein dichtes zotteliges Fell und warten, dass er den Kopf mal für ein Foto hebt. Ständig ist etwas dazwischen. Natürlich freuen wir uns Balu mal persönlich gesehen zu haben, doch der Tiger fehlt. Am Ausgang erfahren wir, dass auch auf den Routen 1-4 heute keine Tiger zu sichten waren. 

Jaipur – kein romantisches Märchen in rosarot

Galta Ji Tempel (Affentempel) 

Auf dem Weg nach Jaipur liegt der Galta Ji, ein Tempel in der Hand von 5000 Affen. Leider vermittelt unser Fahrer uns einen Guide, den wir gar nicht wollen. Dieser Guide drängt uns zum Kauf von Erdnüssen, die er dann mit kleine Kunststückeinlagen an die Affen verfüttert. Im Nu hat Rolf den ein oder anderen Affen auf seiner Schulter oder auf seinem Kopf sitzen. Total bescheuert … so etwas machen wir nie mehr! An den Wänden und Fenstern, aus Luken und Löchern klettern Affen herum. Und wieder gibt es heiliges Wasser, das aus dem Berg kommend ein Becken speist. Und wieder werden Inder mit Bussen hierin gebracht, damit sie sich mit dem heiligen Wasser waschen können. Insgesamt wirkt der Tempel verwahrlost. Für uns des Besuchs nicht wert.

Galta Ji Tempel (Affentempel)

Am späten Nachmittag erreichen wir auf Umwegen die Hauptstadt Rajasthans. Die 3,5 Millionen-Stadt empfängt wie alle anderen indischen Großstädte. Hupen, Hupen, Hupen … verstopfte Straßen mit Kühen und Kamelen entlang der rosaroten Fassaden der Altstadt. Einst wurde die Stadt zu Ehren von Prinz Albert rosarot gestrichen. Daher der Name Pink City. Unser Hotel das Krishna Palace war bestimmt mal schön. Wie ein Haveli mit orientalischen Elementen, viel Marmor, doch alles verranzt und schmuddelig. Aus den Wänden schauen Kabel, die Säulen am Eingang werden gestrichen. Das Bad ist schmutzig, die Dusche hat zu wenig Wasser … schon wieder! Wir hoffen auf eine schöne Dachterrasse, doch auch sie gleicht mit ihrem Gerüst mehr einer Baustelle. 

Manchmal kann ich nicht mehr … Heute Abend habe ich großes Heimweh!

Aber Rolf und der nächste Tag lassen die Welt am nächsten Tag dann aber auch wieder besser aussehen …

Amber Fort

Unser Mr. Singh bringt uns am nächsten Morgen in die elf Kilometer entfernte Palastanlage von Amber (1552), die hoch oben auf einem steilen Berghang zu eines der schönstens Forts in Rajasthan zählt. Schon beim Hinaufgehen ist der Anblick grandios. Selbstverständlich werden wir nicht auf einem Elefanten hoch reiten, wie es viele Touristen trotz einschlägiger Warnungen bezüglich nicht artgerechter Haltung tun. Schlangenbeschwörer mit Kobras, selbsternannte Guides, Verkäufer aller Art, Musiker und andere Scharlatane versuchen ihr Glück, Touristen über den Tisch zu ziehen. Einmal „No“ reicht meistens nicht. Dann folgt Stufe zwei mit energischer Stimme „No means No“, und wir gehen weiter. Durch ein wunderschönes Ganesha Tor betreten wir den großen Innenhof des Forts und lassen uns treiben, während wir die aufdringlichen Händler abwimmeln. 

Amber Fort
Jal Mahan, der Wasserpalast

Nach einem würzigen Chai fahren wir für eine kurzen Fotostopp zum Wasserpalast „Jal Mahan“, der inmitten des Man Sagar Lakes liegt. Durch eines der terrakottafarbenen Tore gelangen wir in die Altstadt. Von dort ziehen wir alleine los in die quirligen Bazare. Häuser mit orientalischer Architektur mit ihren bogenförmigen Eingängen, ihren kleinen Fenstern und Kuppeldächern zwischen den Shops, die bunte Stoffe, Schmuck, Autoreifen, Obst und Gemüse, Teppiche, Götterfiguren, Pashmina Schals und knallbunte Saris verkaufen. Die Pakhoras am Straßenstand schmecken köstlich.

Hawa Mahal (Palast der Winde)

Dieses außergewöhnliche Bauwerk gilt als eine der Hauptsehenswürdigkeiten Indiens. Der rosarote Palast (1799) besteht nur aus einer Fassade mit 935 kunstvoll gestalteten kleinen Erkern und Fenstern für die Haremsdamen, die – ohne gesehen zu werden – die pompösen Umzüge verfolgen konnten. Durch die vielen Fenster geht immer ein kühles Windchen, woher sich der Name ableitet. 

Im kleinen Wind View Café gegenüber des Hawa Mahal genießen wir bei einem Lassi die Aussicht auf den Palast. Auf der Suche nach einem Restaurant wird mit Jaipur zu anstrengend. Dieser Lärm, das ständige Ausweichen vor Kuhfladen, Urin, Autos, Kühen, Tuktuks, der penetrante Gestank, der Smog … dann verliere ich in dem Gewühle auch noch Rolf, der immer noch zu Späßen aufgelegt ist. Ich will nur noch zurück in unser komisches Hotel. 

Pushkar

Nach dem stressigen Einstieg in Varanasi ist Pushkar Erholung. Für indische Verhältnisse ist es hier ruhig. Zwar nervt das Dauergehupe der Mopeds und Tuktuks in den engen Gassen, doch im Vergleich zu Jaipur und Varanasi ist hier noch Platz für unsere Beine. Wer Kleidung, Bücher, Teppiche und vor allem Schmuck shoppen möchte, ist hier genau richtig. In Lauras Rooftop Restaurant finden wir ein lauschiges Plätzchen mit Rundumblick auf den See, der von 52 Ghats umsäumt wird. Wie in Varanasi ist auch hier das Wasser des Sees heilig. Entstanden ist der See der Legende nach dadurch, dass der indische Schöpfergott, Brahma, auf einem Schwan fliegend drei Lotusblätter (Pushpa), die er in seine Händen (kar) hielt, fallen gelassen hat. An diesen drei Stellen entstanden Quellen, die den See bilden und so kam die Stadt zu ihrem Namen.

Bei der Umrundung des Sees müssen wir wie bei allen religiösen Stätten die Schuhe ausziehen. Auf heißen Steinen weiche ich den Kuhfladen und anderen Kackhäufchen aus. Am Ghandi Ghat waschen sich die Inder von ihren Sünden rein. Hier wurde einst  Ghandis Asche in den See gestreut. Auf dem Rückweg zu unserem Green Park Hotel streifen wir durch die schmalen Gassen, vorbei an Kühen und vielen Aussteigern, für die Pushkar wie Varanasi ein spiritueller Treffpunkt ist. 

Als der Kaffee am nächsten Morgen eklig schmeckt und die Toilettenspülung nicht funktioniert, ist meine Geduld am Ende. Wir ziehen um. Das halte ich hier nicht noch zwei Nächte aus! Im Netz sehen sie immer so anders aus! Rolf staunt nicht schlecht über meine Entschlossenheit. Auf der gegenüberliegenden Seite finde ich im Sajjan Bagh Resort ein gepflegtes und schön gestaltetes Resort, mit Garten, Pool und gemütlichen Zimmern für 2000 IR (24€). An unserer Rezeption verdeutliche ich, dass wir nur eine Nacht statt drei bezahlen. Der Manager lässt sich nach etwas Blabla drauf ein, wir packen und ziehen um. Manchmal muss man einfach rigoros sein und ein klares NEIN sagen.

Hier im Garten finden wir Muße zum Schreiben. Im Hard-Rock Café und im Om Shiva Garden Restaurant gibt es vom köstlichen Lassi bis zum kalten Bier, alles, was unser Herz begehrt. Das Cashewnut Curry schmeckt uns besonders gut. Wenn ich nur etwas Platz in meinem Rucksack hätte! Denn in Pushkar gibt’s Silberschmuck, Ledertaschen, Hippie-Kleidung, Tücher, Klangschalen, Götterfiguren und Deko für die Wohnung. Kinder und Frauen laufen uns hinterher, betteln uns an, sagen, dass sie in der Wüste leben, im Zelt, dass es hart sei, dort zu überleben. Sie bedrängen mich so sehr, halten mich am Arm oder reden auf mich ein, dass ich abgeneigt bin, etwas Geld zu geben. Von unserem Fahrer erfahren wir, dass manche Bettler lieber betteln als arbeiten. Von den Geschäften bekämen sie ausreichend zu essen, den Rest des Tages können Sie chillen. Arbeiten wollten sie gar nicht. Betteln wird in Indien scheinbar anders bewertet als bei uns. Nicht als Makel oder Abwertung. 

Hochzeiten sind auch in Indien ein Mega-Event. Besonders nachts trauen wir unseren Ohren nicht, welch laute Musik aus riesigen Boxen die gesamte Umgebung beschallt. Feuerwerk und Trommeln zusätzlich. Ich brauche unbedingt mehr Ohrenstöpsel. Indien ist und bleibt laut. 

Zum Savitri Tempel gibt es sogar eine indische Seilbahn, der ich nicht wirklich vertraue. Angesichts der fast 1000 Stufen nehmen wir die Bahn, die gemächlich nach oben zuckelt. Der starke Wind bringt die Kabine zum Schaukeln und mich zum Schwitzen. Die Bahn bleibt stehen. Ich mag diese Art Abenteuer nicht! … Tod durch abgestürzte indische Seilbahn! Nein, bitte nicht! Rolf bleibt cool. Oben haben wir eine fantastische Aussicht auf Pushkar, den See, die umliegende Bergkette und den Beginn der Wüste. 

Rajasthan,Teil 2, wird sich mit der Wüstenstadt Jaisalmer, den Tücken eines Kamel-Ausritts, Jodhpur und der letzten Station Udaipur inkl. Indischem Kochkurs beschäftigen …

Poon Hill Trek – gezögert, gelitten, gelacht und geweint …

Trekking in Nepal ist ein Muss für Naturliebhaber und Bergfreunde. „Du glaubst doch nicht, dass ich 8 Tage in Pokhara verbringe ohne eine Trekkingtour ins Annapurna Massiv gemacht zu haben“, so Eves Ansage.  Sie hat ja so recht, doch überkommen mich Zweifel. Und je mehr ich darüber nachdenke, je mehr fallen mir ein. Darin bin gut, keine Frage. Angefangen von meinen Knieproblemen, meinem Alter bis hin zu meinem vermeintlich schlechten Fitnesszustand.

Aber es kommt ganz anders! Der Trek wird ein weiteres Highlight unserer Reise. Ich werde unendliche viele und steile Treppen steigen, froh über die Trekkingstöcke und die Eiskrampen sein, in aller Früh und Kälte den Sonnenaufgang über dem Fishtail bestaunen, unseren Salik und Ramesh ins Herz schließen, das gesamte Annapurna-  und Dhaulagiri-Massiv bei traumhafter Aussicht erleben, Eve unterstützen und anfeuern, nachts wärmen und ein Riesenschreck wird mir durch die Glieder fahren …

Doch nun von vorne …

Mr. Happy von Happy Trek rät uns, den Trek gegen den Uhrzeigersinn in 5 Tagen zu gehen. Die 3500 Treppen von Ullerie könnten wir uns ersparen, denn ein Jeep könne uns in Banthanti abholen. Die Nacht vorher sind wir etwas aufgeregt und schlafen entsprechend unruhig. 

Tag 1: Pokhara  – Nayapul – Kimche – Ghandruk (1940m)

Mit Daunenjacken, Schlafsäcken (alles von Happy Trek), warmer Unterwäsche und Socken, Mützen und Handschuhen, Stulpen und Schlauchschals starten wir mit dem Jeep die abenteuerlichste Tour, die wir je erlebt haben, Richtung Kimche. Salik, unser Guide und Ramesh, unser Porter organisieren unsere Permits. Hinter Kimsche endlich raus aus der Schaukelkiste und rauf auf die Berge. Immer noch Reisefieber. Zur Einstimmung geht es schon mal auf steilen Treppen bergauf. Wir ahnen ja noch nicht, wieviele Treppen noch kommen werden. 

Ghandruk

Nach einer guten Stunde erreichen wir Ghandruk, das wohl schönste Dorf auf dieser Tour. Mit seinen alten Steinhäusern und dem alltäglichen Dorfleben bekommen wir hier einen Einblick in das Leben in der Bergwelt des Himalayas. Im Simon Guesthouse bekommen wir sogar ein Zimmer mit Dusche, was wir in den nächsten Tagen vermissen werden. Nach jedem Essen bekommen wir von Salik und Ramesh einen großen Obststeller, liebevoll angerichtet. Wir sollen scheinbar gut essen. Das gibt Power für die nächste Etappe. Bei einem Besuch im Dorf und im Gurung-Museum informiert Salik über die Lebensweise der Gurung.

Tag 2: Ghandruk (1940m) – Bhaisikharka – Tadapani (2660m)

Um den Sonnenuntergang über dem Fishtail zu erleben, quäle ich mich aus dem warmen Bett. Ein wahnsinnig schöner Anblick. Während wir unser Powerfrühstück „Porridge“ zu uns nehmen, wärmt die Sonne wunderbar. Mit Blick auf das Dhaulagiri- und Annapurna-Massiv laufen wir heute vorwiegend über steile Treppen nach oben. In Baisikhara machen wir eine längere Pause, trinken Hot Lemon, essen Bananen und Snickers. Mit den beiden Jungs wärmen wir uns immer weiter an. Bald nennen Sie uns nur noch Baa (Papa) und Aama (Mama) – gefällt uns besser als Oma und Opa, wie wir auch schon genannt wurden. Wir sollen sie mit Chora (Sohn) ansprechen, denn wir seien wie eine Familie. 

Morgens früh um 7

Salik zeigt auf den vor uns liegenden Berg auf die Stelle, wo wir ihn überqueren werden. Also weiter nach oben, Treppe für Treppe, Kurve um Kurve. Allmählich  verlassen wir den grünen Dschungel mit den Rhododendron-Bäumen, die leider noch nicht in Blüte stehen, und gelangen in den Schnee. Die Eiskrampen werden unsere besten Freunde, nachdem wir uns daran gewöhnt haben. Die eisigen Stellen hätten wir ohne sie kaum geschafft. Das letzte Stück hat es dann noch mal so richtig in sich. Eve gibt alles, um oben anzukommen. Endlich am Hotel Panorama Point oben nach 5 h angekommen, genießen wir die letzten Sonnenstrahlen. Der Bollerofen im Restaurant ist die Rettung vor dem kalten Wind draußen. Das wird hier eine richtig kalte Nacht, denn draußen ist überall Eis.Hot Lemon wird unser Lieblingsgetränk – Bier ist erstmal außen vor. Das Zimmer ist noch kleiner und spärlicher als das Letzte. Die dünnen Holzwände schützen keineswegs vor der Kälte. Mit zwei dicken Decken auf den Schlafsäcken wärmen wir uns.

Ohne Eiskrampen an den Schuhen läuft hier nix

Tag 3: Tadapani (2660m) – Deurali (3188m)

Wieder klopft es früh an unserer Tür … Salik ruft zum Sonnenaufgang und wieder bin ich fasziniert von dieser Kulisse beim Sonnenaufgang – keine Wolke am Himmel. Gerade bin ich dabei, meinen Kaffee zu genießen, höre ich hinter mir ein Poltern und Eves Schreie. Mir fährt der Schreck und die Panik in die Glieder, als ich sehe, dass Eve auf der vereisten Treppe ausgerutscht und auf den Rücken geknallt ist. Mir gefriert das Blut in den Adern. Vorsichtig helfen wir ihr auf und stellen mehr oder weniger erleichtert fest, dass es wohl “nur” Prellungen sind, die Eve aber auf unserer heutigen Königsetappe heftigst leiden lassen. 

Von Anfang an tragen wir die Eiskrampen, ohne die wir es wohl nur unter größten Anstrengungen geschafft hätten – wenn überhaupt. Ungläubig verfolgen wir die uns entgegenkommenden Chinesen (Ach … die Chinesen wieder !), ohne diese Hilfen, auf dem Hosenboden herunterrutschend, von ihren Guides abgebremst, damit sie nicht im Abgrund verschwinden … 

Immer wieder müssen wir eine Pause machen, da Eve aufgrund der Prellungen Probleme beim Atmen hat. Salik zeigt sich aber immer wieder als umsichtiger Guide, der ihr jederzeit seine Unterstützung gibt. Die Pausen geben uns auch immer wieder Gelegenheit, die immer noch schneebedeckte Landschaft mit zu Eis erstarrten Wasserfällen und die Blicke auf die Giganten zu genießen. Trotzdem freuen wir uns, als das Ziel – Deurali – erreicht ist.

Wir erholen uns bei den letzten Sonnenstrahlen des Tages, bevor wir uns in den Aufenthaltsraum verziehen, wo der Bollerofen wieder eine wohlige Wärme verbreitet. Eve verbringt den Abend, im Schlafsack eingelullt, am Ofen und wir hoffen, dass Ibuprofen und Salbe zu ihrer Besserung beitragen. Irgendwann raffen wir uns auf, verlassen die wohlige Wärme und verziehen uns in unsere Schlafgemächer. In Thermowäsche, Schlafsack und zwei Bettdecken gehüllt, hoffen wir, in der Nacht nicht raus zu müssen, denn überall lauern wieder die Eisplatten.

Tag 4: Deurali (3188m) – über Happy Hill (3250) nach Ghorepani (2870m)

Heute erwartet uns der Deaurali Pass, der höchste Punkt unserer Tour (3308m), mit dem anschließenden Namensgeber des Treks, dem Poon Hill. Nachdem wir den Pass hinter uns gebracht haben, geht es nur noch bergab zum ersten Höhepunkt, dem Happy Hill, von dem wir eine phantastische Sicht auf das Annapurna und Dhaulagiri Massiv mit solch klangvollen Namen wie Himchuli, Nilgiri, Fishtail, Gangapurna, Tukuchepeak und Barahasikha haben – wir können uns nicht satt sehen. So sehen es aber auch viele andere Trekker, die sich um diesen Ausgangspunkt scharen (vor allem wieder … richtig! Chinesen!!). Glücklicherweise war es der einzige Punkt wo es sich so geballt hat – ich möchte nicht in der Hauptsaison hier sein.

Die Blick von Happy Hill …

Die tolle Sicht vom Happy Hill und die Tatsache, dass man am Poon Hill das Ganze nicht toppen kann, überzeugen uns, sich die letzten Höhenmeter dorthin zu sparen und den Abstieg nach Ghorepani in Angriff zu nehmen. Noch ein paar lustige nepalesische Rodelpartien auf Plastiksäcken und wir ziehen los … In Ghorepani erwartet uns eine komfortable Unterkunft mit heißer Dusche, die bei mir aber jäh mit eingeseiften Haaren endet und mit eiskaltem Wasser seinen Abschluss findet – das habe ich nicht verdient! Umso mehr freut sich Eve, die jetzt in Genuss einer neuen Gasflasche mit anschließender heißer Dusche kommt – was tut man nicht alles für seine Liebste 😉 

Den Abend verbringen wir – richtig – am Bollerofen im “Wohnzimmer”, erledigen unsere Socialmedia-Aktivitäten, plaudern mit unseren Chōrāharū, Salik und Samesh, bevor wir uns unter unseren (diesmal ohne Schlafsäcke) Plumeaus verkriechen. 

Tag 5: Ghorepani (2870m) – Banthanti (1210m)

Heute ist Abstieg angesagt, 600 Meter nur bergab, die Eisplatten werden weniger und die Wolken mehr. Nach fünf traumhaften Sonnentagen zieht sich die Wolkendecke langsam zu. Wir schauen nach oben und sehen einen wolkenverhangenen Himmel. Happy Hill ist komplett in den Wolken verschwunden und damit auch die traumhafte Sicht auf die Giganten. Was haben wir für ein Glück mit unserem täglichen Sonnenschein und der klaren Sicht gehabt.

Salik, unser Guide, immer für ein Spässchen zu haben

Die dichten Wälder haben uns wieder eingehüllt. Es geht vorbei an Flussläufen, über Brücken und steile Stufen – meine Knie mucken nicht auf. Noch einmal begegnen wir Trägern, die, nur mit Turnschuhen an den Füßen, 40 Kilogramm und mehr hoch schleppen – unglaublich! Die einzige Alternative, alles Notwendige zum Leben auf die Berge zu transportieren, sind Mulis, ebenfalls schwer bepackt.

Die einzigen Möglichkeiten, Material und Dinge des täglichen Lebens zu transportieren

 Schließlich erreichen wir Banthanti und fallen uns alle überglücklich in die Arme, dass wir dieses Abenteuer mit so tollen Menschen erleben durften und wie belohnen wir uns? Mit dem ersten Bier seit unserem Aufbruch … köstlich! Zum letzten Mal genießen wir ein Abendessen, die liebevoll hergerichtete Obstplatte von Salik und Ramesh und die Nacht in einem Teahouse.

Tag 6: Rückkehr nach Pokhera

Am nächsten Tag steht nur noch die Rückfahrt mit dem Jeep nach Pokhara an, wo wir uns mit Tränen in den Augen von Salik und Ramesh verabschieden, die uns doch sehr ans Herz gewachsen sind und uns ein Erlebnis der besonderen Art, ein unvergessliches Abenteuer beschert haben – dafür sind wir euch unendlich dankbar. Auch für die perfekte Organisation von Happy Trek, die es uns an nichts hat fehlen lassen – DANKE!

Wir waren ein tolles Team

Wir verbringen noch eine letzte Nacht in Pokhara, genießen den Luxus im Hotel, den perfekten Cappuccino, bevor wir am nächsten Tag mit dem Bus zurück nach Kathmandu fahren. Wir treffen uns noch einmal mit Rolf Schmelzer, mit dem wir einige wunderschöne Tage in Kathmandu und Chitwan erleben durften, und verbringen zusammen noch einen kurzweiligen Abend – Danke Rolf, für diese gemeinsame Zeit, es war mir eine große Freude (unser gemeinsame Art von Humor hat dazu beigetragen)!

Am nächsten Tag steht das nächste Abenteuer an: Indien. Für mich eine vollkommen neue Erfahrung und ausgerechnet Varanasi als Start – heftiger geht nicht! Aber es sollte besser laufen, als ich mir das vorgestellt hab – Eve steht schon mit ihrem Blogpost in den Startlöchern … 

Kathmandu – Wiedersehen nach dem Erdbeben

Vom Strandleben in die Großstadt. Von den Philippinen ins Himalaya. Schon beim Landeanflug auf Kathmandu luken die Achttausender durch die Wolkendecke. Durch die Berge vor dem Kathmandu-Tal müssen alle Flugzeuge hindurch. Das Prozedere mit dem Visum klappt nach ein paar Stolpersteinen mit den neuen digitalen Scan-Automaten. Wir freuen uns sehr auf Rolf Schmelzer, der mich bei meinem ersten Besuch im August 2015 zu den Erdbeben-Projekten begleitet hat. Nach einer herzlichen Begrüßung mit Nepal-Tüchern werden wir ins Hyatt-Regency gebracht. 

Willkommen im Hyatt in Kathmandu, Nepal

Ja, richtig gehört! Rolf Schmelzer lädt uns ein als Dankeschön für unseren Einsatz hier nach dem Erdbeben. Mannomann, so luxuriös! In dem wunderschönen Spa organisiere ich meine Massage für morgen und lasse mich von dem Friseur zu einem Hair-Spa überzeugen. Mit lockeren und gut geföhnten Haaren erscheine ich zur Happy Hour.Hier können wir nach Herzenslust über das Fingerfood-Buffet und den Wein herfallen, alles inklusive.Welch ein Genuss … Riesling und Käse! Nach dreieinhalb Jahren haben wir genügend Gesprächsstoff. Die Weine schmecken so köstlich, dass mein Kopf in der Nacht schon brummt. Nach einem gigantischen Frühstücksbüffet und meiner Himalaya Herbs Massage ziehen wir um ins reale Leben. Einmal durch den Park des Hyatts und prompt stehen wir vor dem Ti-Se Guesthouse.

Kathmandu

Natürlich lässt Rolf sich gerne von mir zur Boudanath Stupa führen. Die Kühle vom Morgen weicht nun den warmen Sonnenstrahlen. Wir umrunden die Stupa, staunen hier und da, wie sich Menschen auf die Knie fallen lassen, beten und Gebetsmühlen drehen. Für Timmy (heute Geburtstag) und Papa zünde ich Butterlämpchen an. Weiter geht es nach Thamel zum HUB – dem Büro von  Socialtours nebst angeschlossenem Café. Endlich plaudern wir mit Raj und Birgit bei einem Karma Coffee persönlich. Sein Tipp, zum Visa-Agenten zu gehen, erweist als genial. Im Copy-Shop neben der Immigration sitzt besagter Herr Agent. Für 135€ pro Visum regelt er das Ding, während wir mit unserem 2. Pass weiterreisen können. Falls es Probleme gibt, meldet er sich. Wir hoffen nicht! Da Thamel nun mopedfrei ist, macht das Bummeln hier nun mehr Freude. Wie gerne würde ich mir hier ein paar Klamotten kaufen! Sobald die Sonne untergeht, wird es im Nu kalt. In Sam‘s Bar trinken wir Bier bzw. Lemon-Tee und wärmen uns am Lagerfeuer!  Ein kleines Taxi bringt uns durch den chaotischen Verkehr zurück. Rolf Schmelzer sagt, die Hauptstraße soll bald ganz neu gemacht werden. Okay, doch jetzt beherrschen Staub und Schlaglöcher diese Straße.

Auf den Gebetsfahnen schreibt Eve die Namen unserer nächsten Verwandten …
… und werden anschließend an der Stupa aufgehangen

Nach einer kalten Nacht in Fleecejacke zieht es uns noch mal zur Stupa hin. Dieser magische Ort lässt einen so schnell nicht mehr los. Heute ist ein besonderer Tag, denn man kann sieben Gebetsfahnen kaufen und mit den Namen seiner Liebsten beschriften. Diese sieben Fahnen werden aneinandergebunden, nach oben gebracht und an einer der vier Ecken aufgehängt. Da bin ich natürlich dabei! Alle Familienmitglieder kommen auf die Fahnen. Von einem Rooftop-Café haben wir einen fantastischen Blick. Wir verfolgen mit Adleraugen, wo die Gebetsfahnen letztlich angebracht werden. Da heute noch ein sehr wichtiger Besuch bei Lata ansteht, müssen wir uns losreißen. Ihre Adresse habe ich auf Google Maps gespeichert und so gehen wir naiv davon aus, dass ein Fahrer sie schon finden wird. 

Berührender Besuch bei Lata Koirala

Ein Taxifahrer kämpft sich durch die staubigen Straßen, zwischen hupenden Autos, LKWs, Bussen, Mopeds und Fußgängern. Polizisten versuchen in der Mitte einer Kreuzung das schlimmste Chaos zu vermeiden. Zwischen Müll, Staub und Abwasser wurschteln sich Obstverkäufer und Fußgänger hindurch. Schon bald verändert sich die Straße in einen unbeschreiblichen Off-Road-Zustand. Eigentlich nur mit mit einem Jeep befahrbar. Unser Fahrer gibt wirklich alles, telefoniert immer wieder mit Lata, kehrt um, probiert andere Wege. Hui … das hatten wir uns doch etwas einfacher vorgestellt. Doch plötzlich kommt ein „Here we are“ und tatsächlich, wir stehen vor ihrem Haus, das sich hinter eine Art Baustellenzaun verbirgt. Auch hier baut die Regierung eine neue Straße und hat vorausschauend schon mal den Vorgarten in eine Baustelle verwandelt. Über Bretter steigend nähern wir uns der Tür, in der Lata schon wartet. Mit Tränen in den Augen umarmen wir uns intensiv. In einem Kinderzimmer nehmen wir Platz auf dem löchrigem Sofa und schauen uns an. So lange haben wir auf diesen Augenblick gewartet. Nachdem ich Kathmandu Ende August 2015 verlassen habe, ist kurz darauf ihr Mann, Christian, an Dengue-Fieber gestorben. Für Lata, die selbst körperlich gehandicapt ist, war dies ein Schock … ein Trauma. 

Lata

Lata und Christian haben mich damals auf meiner Reise begleitet und sind zu Freunden geworden. Sein Tod hat mich so intensiv berührt, dass ich ein Ölbild von den Beiden gemalt habe. Dank an Alex, dass es vorher in Kathmandu angekommen ist. Nun hängt es hier im Flur. Erinnerungen kommen auf. Christian, ein guter Freund von Rolf Schmelzer, hat als Fotograf einige Hilfsprojekte ins Leben gerufen. Mittlerweile setzt Lata mit ihrer Stiftung „Koirala-Kessler-Foundation“ Christians Lebensziele fort. Mit ihrer Stiftung unterstützt sie verwitwete, alleinerziehende und gehandicapte  Frauen und deren Kinder. Zur Zeit leben fünf Kinder und eine traumatisierte Mutter in dem Haus. Zudem haben Frauen aus der Umgebung die Möglichkeit an Handarbeit-Workshops teilzunehmen, in denen sie Kinderkleidung, Taschen, Untersetzer usw. nähen. Von dem Verkauf und den Spenden finanziert sie die anfallenden Kosten. Von der Regierung bekommt sie für ihre Arbeit keine finanzielle Unterstützung. Zwei junge Frauen unterstützen Lata, da  sie selbst wegen ihrer Muskelerkrankung nur mit Hilfe von Krücken laufen kann. 

Wir staunen über ihren unermüdlichen Einsatz, wo sie es doch selbst so schwer hat. Die 100€, die ich ihr in Rupien von den Spenden unseres Abschiedsfestes schenke, nimmt sie mit großer Freude und Dankbarkeit an. Da ein Mädchen mit Gelbsucht im Krankenhaus liegt, fährt sie mit uns im Taxi zurück. Von dem Geld wird sie einen Teil der Krankenhauskosten bezahlen. Der Abschied fällt mir extrem schwer. Wir drücken uns lange, winken und weinen. Mir geht es sehr nah, zu sehen, wie sie dort lebt, mit ihrer eigenen Behinderung, wie sie andere Frauen noch unterstützt, wie wenig sie hat, wie wenig sie sich wünscht, benötigt und – meine Güte … was sind wir verwöhnt! Ich wünsche ihr weiterhin viel Kraft und Energie, diese Lebensaufgabe zu bewältigen. 

Herzliches Wiedersehen mit Familie Gurung

Bei Regen sieht Kathmandu noch schmuddeliger und chaotischer aus. Mit dem Jeep fahren Rolf und ich mit Rolf S. Richtung Chitwan. Die ersten 30 km durchs Kathmandu-Tal sind zäh. Fast zwei Stunden vergehen auf dieser von Schlaglöchern zersetzten Straße. Die entgegenkommenden indischen LKWs sehen zwar bunt, aber wenig sicher aus. Häufig haben sie einen Schaden oder Platten und werden von völlig übermüdeten Indern gefahren. Nach ca. fünf Stunden erreichen wir endlich Bhim Gurungs Kiosk direkt am Highway nach Chitwan. Dort sitzt er mit seiner Frau und seinem halbjährigen Baby und strahlt uns an. Vor Dreieinhalb Jahren habe ich ihm 1500€ in einem Rucksack zum Neubau seines Hause übergeben. Diesmal zeigt er wirkliche Freude! Im Nu wird Reisschnaps herumgereicht, Fotos von damals gezeigt, viel gelacht und erzählt. Den kleinen Jungen im rosafarbenen Overall habe ich bald auf dem Arm. Bhims Frau dachte schließlich, sie bekäme ein Mädchen. 

Bhims jüngster Nachwuchs

Natürlich gehen wir auch zu dem neuen rosafarbenen Haus. Eineinhalb Jahre hatten sie damals zu zehnt in dem Stall gewohnt, bis sie mit dem Bau anfangen konnten. Immerhin fehlen den versprochenen 3000$ von der Regierung immer noch 1000$. Mit unserer Unterstützung und der von anderen Helfern über Rolf S. konnte die Grundfinanzierung abgesichert werden. Als Bhim erzählt, dass sie wahrscheinlich den Mietvertrag für das Kiosk nicht verlängert bekommen, reagiert er mit „Dann machen wie eben woanders eins auf!“ Für deutsches Sicherheitsdenken unvorstellbar. Zum Abschied überreiche ich ihm die Ölkreiden für seine Tochter, die mit acht Jahren im Internat lebt. Er bedauert, dass er sie nur alle 14 Tage besuchen kann. Mit acht Jahren alleine von zu Hause weg! Auch das ist für uns unglaublich!

Bhims neues Haus

Alles im grünen Bereich in Chitwan

Endlich wieder in der Sapana Village Lodge in Sauraha. Auf dem Weg dorthin freue ich mich schon auf die Elefanten, die zur Lodge gehören, auf den großen gepflegten Garten mit den liebevollen gestalteten Häusern direkt am Fluss, wo wir auf der Terrasse sitzend die Nachmittage in der Sonne verbringen werden. Die Kälte und den Nebel am Morgen werden mit Kaffee im Bett überbrückt. Beim Frühstück auf der Terrasse können wir uns einfach an den Anblick der Elefanten am Fluss nicht sattsehen. Ein Schakal, ein Seeadler und ein paar Wasserbüffel schauen auch noch vorbei. Die Tage verlaufen sehr relaxed. Keine fixen Programmpunkte. Ein paar Tage Pause vom Reisen. Dem Elefantenjungen, Samrat, füttert Rolf mit Bananen. Mir ist das immer noch nicht so geheuer. Seine Großmutter, Luckykolli, genießt hier ihre Rente. 

Raubtierfütterung

Ochsenkarrentour durch die Tharu-Dörfer

Wir haben die Gelegenheit mit Samtosh, ein Guide unserer Lodge, die freundlichen Tharu und Ihre Lebensart kennenzulernen. Zuerst durchqueren wir mit  einem Ochsenkarren den flachen Fluss, um auf die andere Seite zu kommen. Da die Ochsen noch jung sind und leider das erste Mal durchs Wasser laufen, wird es arg ruckelig. Die naturverbundenen Tharu, ein Volk der Terai im Süden Nepals, bezeichnen sich als Menschen des Waldes, denn in den Urwäldern zwischen Indien und Nepal haben sie lange Zeit isoliert gelebt. Sie haben eine eigenständige Kultur entwickelt und sind seit jeher Buddhisten. Auch Bhudda war ein Tharu! Man sagt, sie können in der flachen Ebene trotz der Moskitos überleben, gegen Malaria seien sie vermutlich immun. Andere ethnische Gruppen sind im Laufe der Besiedelung wegen der Moskitos in die Berge gezogen. Die kleinen lehmfarbenen Häuser mit ihrer Bemalung fallen sofort auf. Keine Fenster, nur Luftschlitze, gebaut aus Elefantengras und Lehm. Am Hausbrunnen wird sich gewaschen und Geschirr gespült. Auf den Feldern bauen sie Reis, Senf, Mais und Weizen an. Zur Zeit ist der Senf reif, aus dem sie Senföl herstellen. Kühe, Ziegen und Hühner gibt es in fast jedem Haus, meist direkt nebendran im Stall. Abends wird vor den Häusern ein Feuer angezündet. Die Tharus sitzen davor, plaudern und wärmen sich. Die Häuser und Straßen wirken sauber und friedlich. 

Die Tharus scheinen hier ein gutes Leben dank des zahlreichen fruchtbaren Ackerlandes zu führen. Doch die aus Stein gebauten Häuser nehmen immer mehr zu, die kleinen Lehmhäuser dagegen verschwinden zunehmend. Das ist schade, denn ihre Kultur wird so aufgegeben. Damit die Tharus wieder stolz auf ihre Kultur sind, werden Homestays in den Dörfern angeboten und Kulturexkursionen dorthin gemacht.

Dschungelabenteuer auf der 20.000 Lakes Tour

Dass diese Tour ein absolutes Highlight wird, ahnen wir ja noch nicht.Wir haben keine Ahnung, was uns auf dieser Tour überhaupt erwartet. Mit dem offenen Jeep werden wir in 20 min mit dem Ranger, Rolf S. und zwei Frauen in der Ranger-Ausbildung in die sog. Buffer-Zone des Chitwan-NP gebracht. Im Schritttempo durchqueren wir auf Waldwegen den Dschungel. An einem See, der von orangefarbenen Streifen (Eisen) durchzogen ist, legen wir einen Stopp ein. Es sieht sehr mystisch hier aus. Diese Spiegelung der Bäume im Wasser, die wechselnden Farben des Wassers. Mit den Ferngläsern sichten wir Rehe und Hirsche. Ein Stück weiter entdeckt eine der jungen Frauen ein Nashorn im hohen Gras – mit unseren Augen kaum zu erkennen. Mit den Ferngläsern erhaschen wir den Rücken. Unser Ranger erklärt uns, dass wir großes Glück hätten. Wir warten und sichten. Hinter uns drängelt ein Jeep mit Chinesen, den wir gerne vorbei lassen. 

So nah … ein Rhino

Der Jeep fährt vor und zurück. Unser Ranger will warten, denn er vermutet, dass das Nashorn zu uns kommen wird. Und tatsächlich … das Warten hat sich gelohnt. Nach einigen Minuten kommt das große Nashorn-Männchen hinter den Büschen hervor und ist in voller Größe zu sehen. Wir erstarren. Das Nashorn scheint unbeeindruckt von uns weiter zu grasen. Wir können es kaum fassen, was da so nah vor uns steht. Total fasziniert von diesem Urtier, das am Po zwei blutige Wunden hat. Auf dem Rückweg entdecken wir an einem ebenso mystischen See jede Menge Krokodile … zum Glück an der gegenüber liegenden Uferseite. Ein sehr friedlicher Ort inmitten dieses Dschungels. Sobald die Sonne untergeht wird es merklich kälter, besonders in diesem offenen Jeep.

Sapana School – ein neues Konzept in Nepal

Am Abend vor dem Besuch der Schule werden wir von Elsa Geilmann, eine Holländerin, die mit Dhurba (Besitzer der Sapana Lodge) vor vielen Jahren die Idee zu der Schule hatte, herzlich umarmt und begrüßt. Obwohl wir uns seit einigen Jahren nur über Facebook kennen, erscheint uns Dreien diese Begegnung so vertrauensvoll, als wären wir schon lange eng verbunden. Elsa erzählt uns von ihrem Sponsoring, indem sie jedes Jahr ich weiß nicht wieviele Kilometer in der Ägäis vor Kreta schwimmt. Wir tauschen uns über die Entwicklung der Schule aus. Problematisch sei zur Zeit der hohe Anteil an Kindern aus armen Familien, die keinen Beitrag für den Schulbesuch bezahlen können. Die anvisierte Verteilung von 50% ohne und 50% mit Beiträge ist zur Zeit nicht realisierbar. Dies führt zu Unzufriedenheit in den Familien, die die Beiträge bezahlen. Neben der sozialen Organisation der Lodge „Sapana Social Impact“ wird die Schule von einer holländischen Stiftung unterstützt, die von Elsas Freundin, Marie-José van der Sandt, verwaltet wird. Beide Frauen veranstalten einmal pro Jahr eine zweiwöchige Lehrerfortbildung für die Lehrkräfte der Schule und auch für Lehrkräfte von umliegenden Schulen. 

Sapana School

Am nächsten Tag hat Elsa eine Termin so vereinbart, dass die Kinder draußen sind, wenn wir die Räume besichtigen. Wir sind schon sehr gespannt, zu sehen, was ich verändert hat. Im Mai 2016 war die Eröffnung. Vor dreieinhalb Jahren habe ich Montessori Material für diese Schule gekauft. Aus der einstöckigen Schule ist eine Zweistöckige geworden. Das Außengelände fällt uns sofort auf, denn hier gibt es jetzt Spielgeräte, einen Sandkasten, einen Gemüsegarten und einen überdachten Platz zum Essen. Während Rolf fotografiert, zeigt Elsa uns die Räume und Leitsprüche an den Wänden, wie z.B. Each Child is unique and deserves our full attention. Die Räume sind in Spielbereiche aufgeteilt, ähnlich wie in deutschen Kitas. Puzzle, Bauklötze, Spiele usw. werden geordnet und auffordernd dargeboten. Auf den blauen Teppichkreisen mit den Kissen in den Regenbogenfarben kommen die Kinder zum Morgenkreis zusammen. Hier wird gesungen, erzählt und gespielt. Eine Köchin kocht das tägliche Mittagessen, das die Kinder draußen unter den Dach einnehmen. 

Der gute Ruf der Schule spricht sich immer mehr in den umliegenden Dörfern herum. Zur Zeit besuchen fast 30 Kinder zwischen 2 und 6 Jahren die Schule. Das neue Konzept nimmt langsam Gestalt an, dank Elsas und Marie-Josés unermüdlichen Einsatz in der Lehrerfortbildung. Es wird noch viele Jahre dauern, bis sich ein neues Bild vom Kind und vom Lernen in den Köpfen der Eltern und Lehrkräfte gebildet hat. Auch die Eltern nehmen hier gerne an Schulungen Teil. Die Veränderung dauert schließlich auch bei uns noch lange an. Beim Hinausgehen begegnen uns die Kinder mit ihrer Fröhlichkeit. Rolf wird mit High-Five-Händen überfallen.

Jetzt sind alle Spenden aus unserer Abschiedsfeier verteilt

Zum Abschluss übereichen wir unser Geschenk … die Ölkreiden, die ich in Köln besorgt und nach Nepal geschickt habe. Die Lehrkräfte freuen und bedanken sich herzlich. Später schenken wir Elsa die 100€ aus der Spende von unserer Abschiedsparty, in Rupien für den Neubau des Hauses, der für die Lehrkräfte gedacht ist, aber auch einen Multifunktionsraum erhalten soll. Sie freut sich wahnsinnig und drückt uns von Herzen.

Mehr Informationen zur Schule: https://stichting-sapana-school.com/