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Im Land der Zentauren – die Pilion-Halbinsel

Ein Beitrag von Eve & Rolf

Eigentlich gehört dieser Teil Griechenlands nicht zu unserer ursprünglich geplanten Route, aber Erzählungen von Freunden haben uns neugierig gemacht … es sollte sich lohnen!

Mit der Hafenstadt Volos beginnt die Pilion-Halbinsel, die durch das Pilion-Gebirge durchzogen wird. Es gilt als „Land der Zentauren“, ist sagenhaft bewaldet und verbindet ursprüngliche Bergdörfer mit spektakulären, einsamen Stränden. Die Halbinsel ähnelt etwas der italienischen Stiefelform. Das Meer hier nennt sich Pagasitischer Golf oder auch Golf von Volos, eine Bucht der Ägäis. Er befindet sich in der griechischen Region Thessalien und wird östlich durch die Halbinsel Pilion von der übrigen Ägäis getrennt.

Pilion Halbinsel

Von Athen aus machen wir uns mit einer Zwischenübernachtung entlang der Küste an Volos vorbei bis zum Camping Sikia. Nach dem sehr freundlichen Empfang werden uns mit einem Golfwägelchen die möglichen Stellplätze gezeigt. Wow, noch nie haben wir so etwas erlebt. Begrünte und mit Natursteinen ummantelt Terrassen, die wohl mal ein Olivenhain waren, bieten fantastische Stellplätze. Dieser Campingplatz ist ein Meisterwerk aus Stufen und Terrassen, Natursteinwegen, Wiesen, Bäumen und Blumenpflanzen. Es gibt modernste Waschhäuser, Bungalows, ein Restaurant und einen kleinen Strand. Alles ist so gut ausgestattet, dass wir nur noch staunen und das für 27 Euro pro Nacht. Vier Nächte bleiben wir hier, bisher die längste Zeit auf einem Platz.

Kato Gatzea und Kala Nera

Unmittelbar neben Camping Sikia liegen auf beiden Seiten zwei Hafenorte. Am ersten Abend begeben wir uns ins nächste Dorf Kala Nera. Einige typische griechische Restaurants reihen sich an dem kleinen Strand hintereinander. Hotels im Wechsel mit Tavernen – gut besucht, da im TV gerade die Final-Four aus Athen im Basketball übertragen werden.

Am nächsten Abend ist das Dorf auf der anderen Seite des Platzes und das Fischrestaurant „Taverne Skourgias“ unser Ziel. Gemeinsam mit zwei Kölnern, die wir auf Elenas Beach kennengelernt und hier wieder treffen, verbringen wir den Abend bei Redfisch, Sardinen, Ouzo und Wein.

Und schmieden gemeinsam Pläne für den nächsten Tag …

Eine Fahrt mit der berühmten Pilion-Bahn, einer Schmalspurbahn. Die malerische alte Dampflok durch das schöne Pilion-Gebirge fährt in der Nebensaison nur an Wochenenden von Ano Lechonia zur Endstation nach Milies und zurück. Die Fahrt dauert 90 Minuten und kostet 10 Euro pro Person. Die Tickets für die berühmte Schmalspurbahn bekommt man nur über die Webseite.  

Ein Taxi und bringt uns vier nach Milies, da wir nur noch Tickets für die Rückfahrt bekommen haben.

Nachdem ein Schaffner alle Tickets kontrolliert und uns die Sitzplätze in dem hölzernen Waggon zugewiesen hat, rappelt die Schmalspurbahn los, mit maximal 20 km/h durch Tunnеl, über abenteuerliche Βrücкen und Schluchten. Der Blick auf die unbеrührte Natur und auf den Pagasitischen Golf ist wunderschön. In den Kurven versuchen wir ein paar Fotos von den Brücken mit den Waggons zu erhaschen.

Südspitze Agia Kyriaki

Unser nächstes Ziel ist Agia Kyriaki, an der Südspitze des Pilion. Dort wollen in diesem schönen Hafenort auf einem Parkplatz übernachten.

An Kala Nera, Afissos und  Lefokastro vorbei geht die Küstenstraße kurvenreich, gut ausgebaut und verkehrsarm. Das Meer schillert tiefblau oder smaragdgrün mit phantastischen Rundum-Blicken. Den ausgewählten Parkplatz erreichen wir schon bald. Auf Park4Night wird er gut bewertet und von unserer Rezeption empfohlen. Nur ein einziger Reisebus steht an der linken Seite. wir wählen einen der wenigen Schattenplätze.

So ganz wohl fühlen wir uns mit dem einsamen Stellplatz da oben doch nicht, da zu einsam. So können wir jedenfalls keinen entspannten Abend hier verbringen. Um 18:30 Uhr ist der Hunger groß und die Geduld klein. Was nun? Vielleicht gibt es unten am Hafen doch noch eine Möglichkeit.

Mein erster Versuch bei der Taverne „To Karnagio“ ist ein Volltreffer. Was soll ich sagen? Costas empfängt uns herzlich mit einem „No Problem“ und Rolf geht freudestrahlend unseren Max holen.

Mit fantastischem Blick auf die drei Segelyachten und das Meer vor uns genießen wir Thunfisch und Kalamares. Mit dem Max im Rücken können wir ganz entspannt den Abend ausklingen lassen. Einfach perfekt. Diese Herzlichkeit und Gastfreundschaft der Griechen ist ein unbeschreibliches Geschenk.

Voller Dankbarkeit für einen tollen Abend mit Costas, köstlichem Essen und einem Stellplatz für uns direkt vor dem Restaurant schlafen wir ein.

Am nächsten Morgen setzen wir uns mit unserem Caffè auf eine Bank und genießen das morgendliche Treiben im Hafen. Ein schon etwas in die Jahre Kutter legt gerade ab und bemüht sich die Werft zu erreichen. Mit Hilfe einer Slipanlage gelingt es ihm – sieht alles sehr reparaturwürdig aus.

Als nächstes fällt uns eine Betonmischmaschine auf, die sich fleißig vor sich hin dreht. Sehr verwundert sind wir dann, als beim Entleeren plötzlich ein Octopus nach dem anderen auftaucht und anschließend vom Restaurantbesitzer weiter verarbeitet werden und Tentakeln zum trocknen in der Sonne aufgehängt werden.

Ist wohl nix mehr mit stundenlang den Octopus auf die Steine kloppen, um ihn zart zu bekommen – neue Sitten.

Nach dieser wunderbaren Übernachtung am Hafen machen wir uns auf den Weg zum nächsten Etappenziel: die Meteora Klöster.

Vom Glück als Paar zu reisen

Nach dem Motto „ Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“ stürzten wir uns in das größte und folgenreichste Experiment unserer Beziehung. Dass Liebe Arbeit ist, wird auch auf Reisen so sein.

Nach unseren Erfahrungen in den ersten Monaten in Indonesien spüre ich die ersten Veränderungen. Unser Leben ist nun voller Abenteuer, Action und Herausforderungen. Und wir haben Zeit … unendlich viel Zeit. Darauf hatte ich mich auch so sehr gefreut, wo ich doch so oft am Wochenende viel zu viel gearbeitet habe, statt mich zu entspannen oder mit Rolf  Fahrrad zu fahren. Je abenteuerlicher und abgelegener es wird, je mehr spüre ich, wie sehr ich Rolf brauche. Dass uns unsere Beziehung im Verlauf dieser Reise immer wichtiger wird, denn ohne den anderen, würden wir diese schwierigen und auch frustrierenden, überfordernden oder nervigen Situationen schlechter aushalten, wird immer deutlicher. Die Glücksmomente bereiten noch mehr Freude und die Frustmomente sind nur noch halb so schlimm … frei nach “Geteiltes Glück ist doppeltes Glück“.

Indonesien, Kei Islands,Yoga am Strand.

Auch unsere Rollen werden klarer und intensiver. Wir sind Freunde und Reisepartner, aber auch Liebespartner. Dass wir uns auf den anderen verlassen können, wird überlebenswichtig. Ohne Visum am Flughafen zu stehen, würde zur Odyssee, wenn der andere es trotz Absprache nicht organisiert hat. Mit den Rollen klären sich die Aufgaben. Während Rolf der perfekte Finanzmanager ist, bin ich als Reiseleitung unentbehrlich. Wo fahren wir nochmal hin? Wie kommen wir von Hanoi nach Ninh Binh? Ist das Frühstück mit drin? Gibt es auch Wifi? Wie heißt das Hotel? Wie lange bleiben wir dort? Was machen wir eigentlich da? Diese sich wiederholenden Fragen beantworte ich immer wieder geduldig, während er mir unsere Ausgaben akribisch vor Augen führt und die Kontobewegungen im Blick behält. Ohne den anderen geht irgendwie nichts mehr. Natürlich fallen wir auch in Löcher, die unsere Stimmung runterziehen. Wenn der andere uns da wieder rausholen kann, umso besser. Außerdem ergibt es wenig Sinn, hier länger im dunklen Loch zu bleiben. Also, Kopf hoch, Krone richten und weiter geht’s.

Die anfängliche Idee, das zweite Halbjahr alleine zu reisen, da Rolf ursprünglich sich nur ein halbes Jahr beurlauben lassen wollte, haben wir glücklicherweise verworfen. Je länger wir reisen, je absurder erscheint mir diese auch. Die Vorstellung, Rolf zum Flughafen zu bringen und dort zu verabschieden, nachdem wir ein halbes Jahr unentwegt zusammen waren … nein, nein, das geht auf gar keinen Fall! Sturzbäche von Tränen würde ich vergießen … in solchen Momenten spüre ich es wieder … wie wichtig doch die Beziehung auf so einer Reise wird!

Jedes Land, jede neue Kultur stellt uns vor neue Herausforderungen. Jeder Ortswechsel erfordert, dass wir uns neu orientieren. Unsere Anpassungsfähigkeit ist extrem gefragt. Das schweißt auch die Beziehung zusammen, denn diese neuen Erlebnisse, Anforderungen und Entscheidungen, die es in dieser Art in Köln nicht gibt, gemeinsam zu bewältigen, geben uns noch mehr Kraft.

Vietnam, Kochkurs in Hanoi.

Wie wunderbar es ist, alles miteinander teilen zu können, die traumhaften sowie die schrecklichen Momente, das fürchterliche Essen in Manila oder die usselige Unterkunft in Pushkar, die farbenreichen  Sonnenuntergänge auf Kei Island, die Freude der Familie auf Flores, der Kochkurs in Vietnam, Rolfs Verletzung durch Seeigel auf den Philippinen, unsere Yoga-Stunden in Goa, die anstrengende Trekkingtour in Nepal, die kalten Nächte im Annapurna-Gebiet, die nicht funktionierende Klospülung, unsere unzähligen Restaurantbesuche und so vieles mehr. Was gibt es Schöneres, als all dies mit seinem liebsten Partner zu erleben? Diese Erinnerungen sind unsere Goldmine. Wenn wir (noch) älter sind, können wir darin schwelgen und uns vor Lachen kringeln.

Damit sich jeder auf so einer Reise wohlfühlen kann, ist es gut, die Gewohnheiten des anderen zu kennen. Dass Rolf morgens beim Kaffee seine Ruhe braucht, dass ich wegen Hitzewallungen körperlichen Abstand, Fächer und ein Schweißtuch brauche, dass ihn nasse Klodeckel und mich seine schmutzigen Sandfüße nerven … Auf diese Eigenarten ist Verlass!

Philippinen, Kontakt mit einem Diadem-Seeigel, 80 Stiche in einer Hand.
Philippinen, Unterwegs mit TAO-Philippines auf Palawan.

Natürlich streiten wir uns auch, doch das sind keine verletzenden Auseinandersetzungen. Manchmal gehen wir uns dann eine zeitlang aus dem Weg, finden am gleichen Tag auch wieder zusammen.

Selten verbringen wir Zeit getrennt voneinander. In schwierigen Situationen hilft es sehr, wenn einer die Ruhe bewahren kann. Als eingefleischte Optimistin versuche ich das Positive hervorzuheben und sorge für die Erfüllung der wichtigsten Bedürfnisse wie Essen, Bier, Wifi, Bett. Ich muss auch nicht mehr alles verstehen. Schon mal gar nicht in Indien. Das ist eh nicht möglich, ob der mangelnden Verständigungsmittel und kulturellen Unterschiede. Gleichmut …Om Shanti … alles wird gut …!

Danke, Rolf, dass wir dieses Abenteuer gemeinsam erleben durften!
Indonesien: Kei Islands I.
Indonesien: Kei Islands II.

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