Kathmandu – Wiedersehen nach dem Erdbeben

Vom Strandleben in die Großstadt. Von den Philippinen ins Himalaya. Schon beim Landeanflug auf Kathmandu luken die Achttausender durch die Wolkendecke. Durch die Berge vor dem Kathmandu-Tal müssen alle Flugzeuge hindurch. Das Prozedere mit dem Visum klappt nach ein paar Stolpersteinen mit den neuen digitalen Scan-Automaten. Wir freuen uns sehr auf Rolf Schmelzer, der mich bei meinem ersten Besuch im August 2015 zu den Erdbeben-Projekten begleitet hat. Nach einer herzlichen Begrüßung mit Nepal-Tüchern werden wir ins Hyatt-Regency gebracht. 

Willkommen im Hyatt in Kathmandu, Nepal

Ja, richtig gehört! Rolf Schmelzer lädt uns ein als Dankeschön für unseren Einsatz hier nach dem Erdbeben. Mannomann, so luxuriös! In dem wunderschönen Spa organisiere ich meine Massage für morgen und lasse mich von dem Friseur zu einem Hair-Spa überzeugen. Mit lockeren und gut geföhnten Haaren erscheine ich zur Happy Hour.Hier können wir nach Herzenslust über das Fingerfood-Buffet und den Wein herfallen, alles inklusive.Welch ein Genuss … Riesling und Käse! Nach dreieinhalb Jahren haben wir genügend Gesprächsstoff. Die Weine schmecken so köstlich, dass mein Kopf in der Nacht schon brummt. Nach einem gigantischen Frühstücksbüffet und meiner Himalaya Herbs Massage ziehen wir um ins reale Leben. Einmal durch den Park des Hyatts und prompt stehen wir vor dem Ti-Se Guesthouse.

Kathmandu

Natürlich lässt Rolf sich gerne von mir zur Boudanath Stupa führen. Die Kühle vom Morgen weicht nun den warmen Sonnenstrahlen. Wir umrunden die Stupa, staunen hier und da, wie sich Menschen auf die Knie fallen lassen, beten und Gebetsmühlen drehen. Für Timmy (heute Geburtstag) und Papa zünde ich Butterlämpchen an. Weiter geht es nach Thamel zum HUB – dem Büro von  Socialtours nebst angeschlossenem Café. Endlich plaudern wir mit Raj und Birgit bei einem Karma Coffee persönlich. Sein Tipp, zum Visa-Agenten zu gehen, erweist als genial. Im Copy-Shop neben der Immigration sitzt besagter Herr Agent. Für 135€ pro Visum regelt er das Ding, während wir mit unserem 2. Pass weiterreisen können. Falls es Probleme gibt, meldet er sich. Wir hoffen nicht! Da Thamel nun mopedfrei ist, macht das Bummeln hier nun mehr Freude. Wie gerne würde ich mir hier ein paar Klamotten kaufen! Sobald die Sonne untergeht, wird es im Nu kalt. In Sam‘s Bar trinken wir Bier bzw. Lemon-Tee und wärmen uns am Lagerfeuer!  Ein kleines Taxi bringt uns durch den chaotischen Verkehr zurück. Rolf Schmelzer sagt, die Hauptstraße soll bald ganz neu gemacht werden. Okay, doch jetzt beherrschen Staub und Schlaglöcher diese Straße.

Auf den Gebetsfahnen schreibt Eve die Namen unserer nächsten Verwandten …
… und werden anschließend an der Stupa aufgehangen

Nach einer kalten Nacht in Fleecejacke zieht es uns noch mal zur Stupa hin. Dieser magische Ort lässt einen so schnell nicht mehr los. Heute ist ein besonderer Tag, denn man kann sieben Gebetsfahnen kaufen und mit den Namen seiner Liebsten beschriften. Diese sieben Fahnen werden aneinandergebunden, nach oben gebracht und an einer der vier Ecken aufgehängt. Da bin ich natürlich dabei! Alle Familienmitglieder kommen auf die Fahnen. Von einem Rooftop-Café haben wir einen fantastischen Blick. Wir verfolgen mit Adleraugen, wo die Gebetsfahnen letztlich angebracht werden. Da heute noch ein sehr wichtiger Besuch bei Lata ansteht, müssen wir uns losreißen. Ihre Adresse habe ich auf Google Maps gespeichert und so gehen wir naiv davon aus, dass ein Fahrer sie schon finden wird. 

Berührender Besuch bei Lata Koirala

Ein Taxifahrer kämpft sich durch die staubigen Straßen, zwischen hupenden Autos, LKWs, Bussen, Mopeds und Fußgängern. Polizisten versuchen in der Mitte einer Kreuzung das schlimmste Chaos zu vermeiden. Zwischen Müll, Staub und Abwasser wurschteln sich Obstverkäufer und Fußgänger hindurch. Schon bald verändert sich die Straße in einen unbeschreiblichen Off-Road-Zustand. Eigentlich nur mit mit einem Jeep befahrbar. Unser Fahrer gibt wirklich alles, telefoniert immer wieder mit Lata, kehrt um, probiert andere Wege. Hui … das hatten wir uns doch etwas einfacher vorgestellt. Doch plötzlich kommt ein „Here we are“ und tatsächlich, wir stehen vor ihrem Haus, das sich hinter eine Art Baustellenzaun verbirgt. Auch hier baut die Regierung eine neue Straße und hat vorausschauend schon mal den Vorgarten in eine Baustelle verwandelt. Über Bretter steigend nähern wir uns der Tür, in der Lata schon wartet. Mit Tränen in den Augen umarmen wir uns intensiv. In einem Kinderzimmer nehmen wir Platz auf dem löchrigem Sofa und schauen uns an. So lange haben wir auf diesen Augenblick gewartet. Nachdem ich Kathmandu Ende August 2015 verlassen habe, ist kurz darauf ihr Mann, Christian, an Dengue-Fieber gestorben. Für Lata, die selbst körperlich gehandicapt ist, war dies ein Schock … ein Trauma. 

Lata

Lata und Christian haben mich damals auf meiner Reise begleitet und sind zu Freunden geworden. Sein Tod hat mich so intensiv berührt, dass ich ein Ölbild von den Beiden gemalt habe. Dank an Alex, dass es vorher in Kathmandu angekommen ist. Nun hängt es hier im Flur. Erinnerungen kommen auf. Christian, ein guter Freund von Rolf S., hat als Fotograf einige Hilfsprojekte ins Leben gerufen. Mittlerweile setzt Lata mit ihrer Stiftung „Koirala-Kessler-Foundation“ Christians Lebensziele fort. Mit ihrer Stiftung unterstützt sie verwitwete, alleinerziehende und gehandicapte  Frauen und deren Kinder. Zur Zeit leben fünf Kinder und eine traumatisierte Mutter in dem Haus. Zudem haben Frauen aus der Umgebung die Möglichkeit an Handarbeit-Workshops teilzunehmen, in denen sie Kinderkleidung, Taschen, Untersetzer usw. nähen. Von dem Verkauf und den Spenden finanziert sie die anfallenden Kosten. Von der Regierung bekommt sie für ihre Arbeit keine finanzielle Unterstützung. Zwei junge Frauen unterstützen Lata, da  sie selbst wegen ihrer Muskelerkrankung nur mit Hilfe von Krücken laufen kann. 

Wir staunen über ihren unermüdlichen Einsatz, wo sie es doch selbst so schwer hat. Die 100€, die ich ihr in Rupien von den Spenden unseres Abschiedsfestes schenke, nimmt sie mit großer Freude und Dankbarkeit an. Da ein Mädchen mit Gelbsucht im Krankenhaus liegt, fährt sie mit uns im Taxi zurück. Von dem Geld wird sie einen Teil der Krankenhauskosten bezahlen. Der Abschied fällt mir extrem schwer. Wir drücken uns lange, winken und weinen. Mir geht es sehr nah, zu sehen, wie sie dort lebt, mit ihrer eigenen Behinderung, wie sie andere Frauen noch unterstützt, wie wenig sie hat, wie wenig sie sich wünscht, benötigt und – meine Güte … was sind wir verwöhnt! Ich wünsche ihr weiterhin viel Kraft und Energie, diese Lebensaufgabe zu bewältigen. 

Herzliches Wiedersehen mit Familie Gurung

Bei Regen sieht Kathmandu noch schmuddeliger und chaotischer aus. Mit dem Jeep fahren Rolf und ich mit Rolf S. Richtung Chitwan. Die ersten 30 km durchs Kathmandu-Tal sind zäh. Fast zwei Stunden vergehen auf dieser von Schlaglöchern zersetzten Straße. Die entgegenkommenden indischen LKWs sehen zwar bunt, aber wenig sicher aus. Häufig haben sie einen Schaden oder Platten und werden von völlig übermüdeten Indern gefahren. Nach ca. fünf Stunden erreichen wir endlich Bhim Gurungs Kiosk direkt am Highway nach Chitwan. Dort sitzt er mit seiner Frau und seinem halbjährigen Baby und strahlt uns an. Vor Dreieinhalb Jahren habe ich ihm 1500€ in einem Rucksack zum Neubau seines Hause übergeben. Diesmal zeigt er wirkliche Freude! Im Nu wird Reisschnaps herumgereicht, Fotos von damals gezeigt, viel gelacht und erzählt. Den kleinen Jungen im rosafarbenen Overall habe ich bald auf dem Arm. Bhims Frau dachte schließlich, sie bekäme ein Mädchen. 

Bhims jüngster Nachwuchs

Natürlich gehen wir auch zu dem neuen rosafarbenen Haus. Eineinhalb Jahre hatten sie damals zu zehnt in dem Stall gewohnt, bis sie mit dem Bau anfangen konnten. Immerhin fehlen den versprochenen 3000$ von der Regierung immer noch 1000$. Mit unserer Unterstützung und der von anderen Helfern über Rolf S. konnte die Grundfinanzierung abgesichert werden. Als Bhim erzählt, dass sie wahrscheinlich den Mietvertrag für das Kiosk nicht verlängert bekommen, reagiert er mit „Dann machen wie eben woanders eins auf!“ Für deutsches Sicherheitsdenken unvorstellbar. Zum Abschied überreiche ich ihm die Ölkreiden für seine Tochter, die mit acht Jahren im Internat lebt. Er bedauert, dass er sie nur alle 14 Tage besuchen kann. Mit acht Jahren alleine von zu Hause weg! Auch das ist für uns unglaublich!

Bhims neues Haus

Alles im grünen Bereich in Chitwan

Endlich wieder in der Sapana Village Lodge in Sauraha. Auf dem Weg dorthin freue ich mich schon auf die Elefanten, die zur Lodge gehören, auf den großen gepflegten Garten mit den liebevollen gestalteten Häusern direkt am Fluss, wo wir auf der Terrasse sitzend die Nachmittage in der Sonne verbringen werden. Die Kälte und den Nebel am Morgen werden mit Kaffee im Bett überbrückt. Beim Frühstück auf der Terrasse können wir uns einfach an den Anblick der Elefanten am Fluss nicht sattsehen. Ein Schakal, ein Seeadler und ein paar Wasserbüffel schauen auch noch vorbei. Die Tage verlaufen sehr relaxed. Keine fixen Programmpunkte. Ein paar Tage Pause vom Reisen. Dem Elefantenjungen, Samrat, füttert Rolf mit Bananen. Mir ist das immer noch nicht so geheuer. Seine Großmutter, Luckykolli, genießt hier ihre Rente. 

Raubtierfütterung

Ochsenkarrentour durch die Tharu-Dörfer

Wir haben die Gelegenheit mit Samtosh, ein Guide unserer Lodge, die freundlichen Tharu und Ihre Lebensart kennenzulernen. Zuerst durchqueren wir mit  einem Ochsenkarren den flachen Fluss, um auf die andere Seite zu kommen. Da die Ochsen noch jung sind und leider das erste Mal durchs Wasser laufen, wird es arg ruckelig. Die naturverbundenen Tharu, ein Volk der Terai im Süden Nepals, bezeichnen sich als Menschen des Waldes, denn in den Urwäldern zwischen Indien und Nepal haben sie lange Zeit isoliert gelebt. Sie haben eine eigenständige Kultur entwickelt und sind seit jeher Buddhisten. Auch Bhudda war ein Tharu! Man sagt, sie können in der flachen Ebene trotz der Moskitos überleben, gegen Malaria seien sie vermutlich immun. Andere ethnische Gruppen sind im Laufe der Besiedelung wegen der Moskitos in die Berge gezogen. Die kleinen lehmfarbenen Häuser mit ihrer Bemalung fallen sofort auf. Keine Fenster, nur Luftschlitze, gebaut aus Elefantengras und Lehm. Am Hausbrunnen wird sich gewaschen und Geschirr gespült. Auf den Feldern bauen sie Reis, Senf, Mais und Weizen an. Zur Zeit ist der Senf reif, aus dem sie Senföl herstellen. Kühe, Ziegen und Hühner gibt es in fast jedem Haus, meist direkt nebendran im Stall. Abends wird vor den Häusern ein Feuer angezündet. Die Tharus sitzen davor, plaudern und wärmen sich. Die Häuser und Straßen wirken sauber und friedlich. 

Die Tharus scheinen hier ein gutes Leben dank des zahlreichen fruchtbaren Ackerlandes zu führen. Doch die aus Stein gebauten Häuser nehmen immer mehr zu, die kleinen Lehmhäuser dagegen verschwinden zunehmend. Das ist schade, denn ihre Kultur wird so aufgegeben. Damit die Tharus wieder stolz auf ihre Kultur sind, werden Homestays in den Dörfern angeboten und Kulturexkursionen dorthin gemacht.

Dschungelabenteuer auf der 20.000 Lakes Tour

Dass diese Tour ein absolutes Highlight wird, ahnen wir ja noch nicht.Wir haben keine Ahnung, was uns auf dieser Tour überhaupt erwartet. Mit dem offenen Jeep werden wir in 20 min mit dem Ranger, Rolf S. und zwei Frauen in der Ranger-Ausbildung in die sog. Buffer-Zone des Chitwan-NP gebracht. Im Schritttempo durchqueren wir auf Waldwegen den Dschungel. An einem See, der von orangefarbenen Streifen (Eisen) durchzogen ist, legen wir einen Stopp ein. Es sieht sehr mystisch hier aus. Diese Spiegelung der Bäume im Wasser, die wechselnden Farben des Wassers. Mit den Ferngläsern sichten wir Rehe und Hirsche. Ein Stück weiter entdeckt eine der jungen Frauen ein Nashorn im hohen Gras – mit unseren Augen kaum zu erkennen. Mit den Ferngläsern erhaschen wir den Rücken. Unser Ranger erklärt uns, dass wir großes Glück hätten. Wir warten und sichten. Hinter uns drängelt ein Jeep mit Chinesen, den wir gerne vorbei lassen. 

So nah … ein Rhino

Der Jeep fährt vor und zurück. Unser Ranger will warten, denn er vermutet, dass das Nashorn zu uns kommen wird. Und tatsächlich … das Warten hat sich gelohnt. Nach einigen Minuten kommt das große Nashorn-Männchen hinter den Büschen hervor und ist in voller Größe zu sehen. Wir erstarren. Das Nashorn scheint unbeeindruckt von uns weiter zu grasen. Wir können es kaum fassen, was da so nah vor uns steht. Total fasziniert von diesem Urtier, das am Po zwei blutige Wunden hat. Auf dem Rückweg entdecken wir an einem ebenso mystischen See jede Menge Krokodile … zum Glück an der gegenüber liegenden Uferseite. Ein sehr friedlicher Ort inmitten dieses Dschungels. Sobald die Sonne untergeht wird es merklich kälter, besonders in diesem offenen Jeep.

Sapana School – ein neues Konzept in Nepal

Am Abend vor dem Besuch der Schule werden wir von Elsa Geilmann, eine Holländerin, die mit Dhurba (Besitzer der Sapana Lodge) vor vielen Jahren die Idee zu der Schule hatte, herzlich umarmt und begrüßt. Obwohl wir uns seit einigen Jahren nur über Facebook kennen, erscheint uns Dreien diese Begegnung so vertrauensvoll, als wären wir schon lange eng verbunden. Elsa erzählt uns von ihrem Sponsoring, indem sie jedes Jahr ich weiß nicht wieviele Kilometer in der Ägäis vor Kreta schwimmt. Wir tauschen uns über die Entwicklung der Schule aus. Problematisch sei zur Zeit der hohe Anteil an Kindern aus armen Familien, die keinen Beitrag für den Schulbesuch bezahlen können. Die anvisierte Verteilung von 50% ohne und 50% mit Beiträge ist zur Zeit nicht realisierbar. Dies führt zu Unzufriedenheit in den Familien, die die Beiträge bezahlen. Neben der sozialen Organisation der Lodge „Sapana Social Impact“ wird die Schule von einer holländischen Stiftung unterstützt, die von Elsas Freundin, Marie-José van der Sandt, verwaltet wird. Beide Frauen veranstalten einmal pro Jahr eine zweiwöchige Lehrerfortbildung für die Lehrkräfte der Schule und auch für Lehrkräfte von umliegenden Schulen. 

Sapana School

Am nächsten Tag hat Elsa eine Termin so vereinbart, dass die Kinder draußen sind, wenn wir die Räume besichtigen. Wir sind schon sehr gespannt, zu sehen, was ich verändert hat. Im Mai 2016 war die Eröffnung. Vor dreieinhalb Jahren habe ich Montessori Material für diese Schule gekauft. Aus der einstöckigen Schule ist eine Zweistöckige geworden. Das Außengelände fällt uns sofort auf, denn hier gibt es jetzt Spielgeräte, einen Sandkasten, einen Gemüsegarten und einen überdachten Platz zum Essen. Während Rolf fotografiert, zeigt Elsa uns die Räume und Leitsprüche an den Wänden, wie z.B. Each Child is unique and deserves our full attention. Die Räume sind in Spielbereiche aufgeteilt, ähnlich wie in deutschen Kitas. Puzzle, Bauklötze, Spiele usw. werden geordnet und auffordernd dargeboten. Auf den blauen Teppichkreisen mit den Kissen in den Regenbogenfarben kommen die Kinder zum Morgenkreis zusammen. Hier wird gesungen, erzählt und gespielt. Eine Köchin kocht das tägliche Mittagessen, das die Kinder draußen unter den Dach einnehmen. 

Der gute Ruf der Schule spricht sich immer mehr in den umliegenden Dörfern herum. Zur Zeit besuchen fast 30 Kinder zwischen 2 und 6 Jahren die Schule. Das neue Konzept nimmt langsam Gestalt an, dank Elsas und Marie-Josés unermüdlichen Einsatz in der Lehrerfortbildung. Es wird noch viele Jahre dauern, bis sich ein neues Bild vom Kind und vom Lernen in den Köpfen der Eltern und Lehrkräfte gebildet hat. Auch die Eltern nehmen hier gerne an Schulungen Teil. Die Veränderung dauert schließlich auch bei uns noch lange an. Beim Hinausgehen begegnen uns die Kinder mit ihrer Fröhlichkeit. Rolf wird mit High-Five-Händen überfallen.

Jetzt sind alle Spenden aus unserer Abschiedsfeier verteilt

Zum Abschluss übereichen wir unser Geschenk … die Ölkreiden, die ich in Köln besorgt und nach Nepal geschickt habe. Die Lehrkräfte freuen und bedanken sich herzlich. Später schenken wir Elsa die 100€ aus der Spende von unserer Abschiedsparty, in Rupien für den Neubau des Hauses, der für die Lehrkräfte gedacht ist, aber auch einen Multifunktionsraum erhalten soll. Sie freut sich wahnsinnig und drückt uns von Herzen.

Mehr Informationen zur Schule: https://stichting-sapana-school.com/

Philippinen Teil 3 – Ein Besuch im Takatuka-Land und unsere letzten Tage auf Siquijor

Mit einem privaten Fahrer fahren wir die vier Stunden bis Sipalay, von wo uns ein Boot in 10 min zum Suger Beach bringt. Dass diese Unterkunft, die Takatuka Lodge, ganz besonders sein würde, wussten wir schon 2012. Aufgrund der Stürme haben wir es damals nicht geschafft. So eine Unterkunft gibt es kein zweites Mal, denn sie ist extrem individuell und künstlerisch. Jeder Bungalow ist zu einem anderen Thema gestaltet, wie z.B. Cave, Bono Bongo, Treasure, Marco Polo, El Castillo, Nautilus, The Garage, 70er Jahre usw. In unserem ersten Bungalow, die Cave, müssen wir uns an jeder Türe bücken, denn Eingänge sind in Höhlen bekanntlich niedrig. In Ockergelb gestrichene und gewölbte Wände mit Lichtlöchern und schiefen Fenstern umgeben unser Bett, Wandmalereien und Accessoires wie Fledermäuse, Dino-Skelette und Schädel ergänzen das Höhlen-Feeling. Dass aus dem Maul des riesigen Dino-Skeletts vor der Tür das Wasser für den Sand an den Füßen kommt, wenn man am Auge dreht, nehmen wir erst am nächsten Tag wahr. Eine Minibar, Trinkwasserbehälter, kleine Lampen am Bett, Kaffee und Tee, Kekse und Chips und vor allem die vielen Haken (!!) an der Wand lassen uns staunen. Hier hat mal einer mitgedacht. 

Takatuka Lodge auf Negros

Nach zwei Tagen müssen wir ins Nautilus umziehen, da die Cave gebucht ist. Dieser Bungalow übertrifft wirklich alles, was wir bisher gesehen haben. Nach Jules Verne ist hier bis ins kleine Detail gestaltet worden. Aus einer Schiffsschraube wird eine Lampe, aus einem Schiffsmotor ein Tisch, aus Wasserohren Handtuchstangen, aus alten Gasflaschen Seitenwände für Regale usw. überall, wo wir hinschauen, entdecken wir neue Dinge. Bis ich den Lichtschalter im Bad finde, dauert es etwas … versteckt in einem ausgedienten Atemregler … fast nichts ist hier normal! 

Das umfangreiche Frühstück im Restaurant ist das Beste, was wir bisher auf den Philippinen hatten. Wenn du Eier möchtest, drückst du auf das Gummihuhn am Buffet, damit jemand kommt. Das Restaurant bietet ausgefallene und sehr schmackhafte Gerichte. Kathy und Kalle müssen ihrem Team extrem lange und geduldig ihre Vorstellung von Service gelehrt haben. 

Beide betreiben die Lodge seit 2002 mit ganzen Herzen. Kalle ist wohl ein Handwerks-Genie, der aus wertfreien Materialien undenkbare Sachen baut. Jedes alte Teil wird umfunktioniert und zu neuem Leben erweckt. Aus was er alles Lampen und Lichtschalter gebaut hat, fasziniert uns total. Wie lange sie wohl gebraucht haben, um all diese künstlerischen Extras zu bauen? Und wo bekommen sie nur all diese Sachen her? Hier, wo alles mit dem Boot hingebracht werden muss. Er muss ein riesiges Lager haben! Pipi Langstrumpf hätte ihre Freude daran! 

Der Internet-Empfang ist leider zu schwach, als dass wir neue Beiträge auf den Blog stellen könnten. Wir nutzen die Tage zum Schreiben und Recherchieren bei Workaway. Beim Joggen am Strand freue ich mich wie ein kleines Kind. Endlich mal wieder! Auch fürs Yoga finde ich ein schönes Plätzchen. 

Am Strand gibt es ein paar Fischerboote und Resorts, die auffällig häufig in Schweizer Hand sind. Wir laufen den einsamen Strand hinunter, beobachten einheimische Fischer und Kinder, die Blinde Kuh spielen. Die wenigen Unterkünfte mit Hütten aus Naturmaterialien befinden sich gut versteckt hinter den Palmen, so dass sie kaum auffallen. Was für eine wunderbare Idylle! 

Einziges Manko für uns sind die Gäste hier (die Taucher unter unseren Freunden mögen uns verzeihen) … rauchende und dickliche Taucher, die gerne unter sich fachsimpeln, ältere Männer, die tätowiert im Muscle-Shirt an der Bar viel Bier trinken … viele scheinen hier Stammgäste zu sein, so dass wir als Schnorchler eh nicht zu deren Kreis gehören … schade, keine Backpacker hier … nicht ganz unsere Wellenlänge. Aber wahrscheinlich geht’s den Tauchern hier umgekehrt mit uns ebenso.

Wir haben 5 tolle Tage bei Kathy, Kalle und ihrem Team im Takatuka-Land verbracht, aber wir haben noch ein letztes Ziel auf den Philippinen auf unserer Liste: Siquijor, eine kleine Insel vor Negros. Dafür müssen wir wieder zurück nach Dumaguete, um uns von dort mit einem Speedboot nach Siquijor bringen zu lassen. Die gute Stunde hat es in sich, rauher Seegang, das Boot knallt immer wieder ohrenbetäubend aufs Wasser – Eve sucht mit Ihren Blicken den Horizont, aber es geht gut. 

Am Hafen von Siquijor, der Hauptstadt der gleichnamigen Insel, erwartet uns schon der Fahrer des U.Story Guesthouse. Die Bezeichnung “Guesthouse” ist hier aber eher Understatement. Uns erwartet eine wirklich schöne Anlage im balinesischen Stil mit nur 5 sehr komfortablen Bungalows, einem Restaurant mit einer Küche im philippinisch/französischen Mix in einer Qualität, die wir schon lange nicht mehr genossen haben, mit jeder Menge Chill-Ecken an einer Felsenküste gelegen. Wir freuen uns auf die letzten Tage auf den Philippinen, mit etwas mehr Luxus, als wir uns normalerweise gönnen, aber immer noch nicht jenseits unseres täglichen Budgets.

Der Garten des U.Story Guesthouse

Die Rahmenbedingungen sind eigentlich ideal, da es Platz zu Genüge gibt, dazu noch viel Gras, um unsere tägliche Yoga-Einheit wieder einzuführen. Nur leider zeigt sich das Gras als ausgesprochen störrisch, mehr als Stoppelfeld, was eher Fakir-Eigenschaften fordert (für meine Fakir-Vorstellung während der Zirkuswoche in der Schule mochte es ausreichend sein), hier lässt es unser Vorhaben verpuffen.

Wir nutzen einen Tag zu einer Mopedtour quer über die Insel, die noch von wenig Tourismus belästigt wird. Die Straßen sind auch nicht ganz so komfortabel, Schlaglöcher dominieren den Belag – aber wir haben ja Zeit. Kleine Dörfer am Meer wechseln sich ab mit Dschungelpassagen und unser Weg ins Landesinnere führt uns hoch in die Berge und wir können uns wieder nicht satt sehen an dieser schönen Landschaft. Es macht großen Spaß mit den Mopeds über die Insel zu düsen, aber manchmal vermisse ich schon das Radfahren …


Abends genießen wir jedes Mal die vorzügliche Küche, die außergewöhnlich fantasievoll und einfach köstlich ist – ein Kompliment dem jungen Koch, der wohl auch zu den Eigentümern zählt.

Nach fünf Tagen packen wir wieder unsere Rucksäcke. Ein Tricycle bringt uns wieder zur Fähre, die Überfahrt gestaltet sich diesmal noch eine Nummer heftiger, aber auch das überstehen wir. In Dumaguete geht’s direkt zum Flughafen, von wo wir mit Zwischenaufenthalten mit Übernachtungen (um uns den ewigen Stress mit pünktlichen Anschlussflügen zu ersparen) in Manila und Kuala Lumpur schließlich in Kathmandu, unserer ersten Station in Nepal, landen.

Rückblick auf ein halbes Jahr auf Reisen

„Genieße das Leben ständig, denn du bist länger tot als lebendig!“

Ich habe mich selten so frei und glücklich gefühlt wie in diesem halben Jahr. Das Gefühl so weit weg von gesellschaftlichen Zwängen zu sein, jeden Tag so zu leben wie ich möchte, zu essen, wenn ich Hunger habe, zu schlafen, wenn ich müde bin. Neben den wunderschönen Landschaften mit der einzigartigen Tierwelt, ob Karststeinberge mit Reisfeldern mit der Halong Bucht in Vietnam, weiße Strände auf den Molukken, bunte Korallenriffe und Großfische auf Papua, Vulkane auf Flores, Nashörner und Krokodile im Dschungel mit dem Annapurna-Massiv in Nepal, das Mekongdelta in Kambodscha mit Angkor Wat sind die Erlebnisse mit den Menschen am berührendsten. Die Menschen, die uns ihre Häuser, ihre Tiere, ihre Felder, ihren Brunnen, ihre Waschplätze, ihre Art zu kochen und zu schlafen, sich fort zu bewegen, zeigen, wie sie mit ihren Kindern spielen,  wie sie hier Hochzeiten feiern und Spaß haben, all das macht die Würze solch einer Reise aus. Wenn ich den Kindern auf der Straße, in den Bussen oder Booten Kekse und Luftballons schenke und sie mir entgegen lächeln oder staunen, geht mein Herz auf. So sorge ich immer für einen Vorrat in meinem Rucksack. Ich liebe diese Abwechslung, bin neugierig auf die Welt. DAS IST LEBEN! 

Direkthilfe mit den Spenden unserer Familie und Freunden auf Lombok

Ich weiß, dass ich wieder zurückgehe in meinen Beruf. Ich bin dankbar, dass ich eine gute Ausbildung und das Studium geschafft, dass ich einen gut bezahlten Job habe und ich mir solche Reisen leisten kann. Doch ich möchte mich nicht mehr so aufsaugen lassen, möchte meine Lebenszeit nicht mehr in diesem Mäße der Schule widmen. Das nehme ich mir jedenfalls feste vor!

Ich freue mich riesig, meine Familie wiederzusehen. Sie fehlt mir hier am meisten. Auch meiner Familie möchte ich danken, dass sie mich in meinen Ideen vom Reisen unterstützt haben, dass sie so eine abenteuerlustige „Mama und Oma“ toll finden, dass meine Mutter mich einfach gehen lässt, obwohl sie mich bestimmt auch hin und wieder gebraucht hätte. Mein Vater im Himmel  beobachtet mich bestimmt auf dieser Reise und schüttelt so manches Mal den Kopf, wenn er mich hier sieht. Er beschützt mich noch immer, das spüre ich. 

Besuch bei der Familie Gurung mit ihrem jüngsten Nachwuchs

Auch Luan, Noomi, Fabian und Jonas, meine Enkelkinder, vermissen ihre Oma bestimmt sehr. Was es für sie bedeutet ein Jahr ohne sie zu sein, kann ich mir kaum vorstellen. Ich komme ja wieder und bin dann noch viele Jahre für euch da. 

Ich freue mich auf meine Schwester und auf Jürgen am 01. März in Kalkutta. Ein bisschen Heimat. Vertrautheit. Bindung. Das tut uns auch mal wieder gut.

Dass ich all diese positiven wie negativen Erlebnisse mit dem Menschen teilen kann, den ich so sehr liebe, macht mich glücklich. Dafür bin ich Rolf so dankbar! Dass Reisen mitunter auch sehr anstrengend sein kann, haben wir immer wieder gespürt. Manchmal war uns nur zum Heulen oder Abhauen! Doch zusammen schaffen wir es wirklich super! Wenn’s gar aussichtslos erscheint, hilft mir  Tomorrow is another day“… und letztlich wird alles gut! 

Treffen mit Lata in Kathmandu inkl. einer kleinen Spende für ihre Stiftung

Philippinen Teil 2 – Der Norden Palawans und Port Barton

Wie so oft auf dieser Anreise ergeben sich vor Ort wunderbare Lösungen. Wir sind froh, als wir El Nido verlassen und unser Fahrer uns weiter Richtung Norden auf Palawan bringt. Nach ca. einer Stunde erreichen wir die Bootsanlegestelle in Teneguiban. Hier möchte ich den Bootsmann anrufen, der uns abholen soll, denn das Boot ist die einzige Möglichkeit, unser Ziel zu erreichen. Doch ohne Netz kein Anruf. Auch Juli, die Managerin des Plumeria Eco Resorts können wir per Messenger nicht informieren. Plötzlich tauchen zwei Bootsmänner auf, kurzes Gespräch und ja, sie fahren uns rüber.

Ein paar Minuten später schaukeln wir durch die recht hohen Wellen. In dem schmalen Auslegerboot ist nur wenig Platz für uns Drei mitsamt Gepäck. Hinter Frank und Rolf sitzend, halte ich mich an den Seitenwänden fest und schaue starr Richtung Berge. Neben mir zieht der Bootsmann an der Nylonschnur, um Gas zu geben. Sehr geschickt und erfahren manövriert er das Boot durch die Wellen. Außer am Ende, als er das Boot in Richtung Strand zu manövrieren versucht, steht das Boot einen Augenblick quer zu den Wellen. Ich rufe „Rolf, das Boot steht quer!“ die Welle kommt und schaukelt uns von rechts nach links. Die Ausleger hängen dabei recht hoch in der Luft.  Ein Bootsmann springt ins Wasser und schiebt das Boot am Bug herum … geschafft! 

Unsere Unterkunft

In diesem außergewöhnlichen Resort verbringen wir vier entspannte Tage – völlig unplugged – ohne fließendes Wasser, dafür mit Solarstrom, ohne Verbindung nach draußen, kannst du dich mit dir selbst, dem Meer, dem Wind und den Menschen hier verbinden. Mit Eimerduschen kennen wir uns schon gut aus, doch die Trockentoilette ist auch für uns eine neue Erfahrung. Und wie gut das funktioniert, ist schon erstaunlich. Du sitzt wie auf einer Kiste und schüttest Sägespäne nach. Kein Gestank, kein Ekel. Perfekt. Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt und das ist gesund und lecker. Wenn die Muschel ertönt versammeln sich alle Gäste an dem großen Tisch, essen gemeinsam und sind in Kontakt. Kein Handy unterbricht diese Kommunikation! In das neue Jahr schlafen wir einfach hinein, da wir es bis 24 Uhr einfach nicht mehr schaffen. Dafür begrüßen wir den neuen Tag mit einem frohen „Happy New Year“. Um die Nachrichten meiner Familie empfangen zu können, verrät mir Julie eine Trick: „Dort draußen im Meer gibt es bei Ebbe eine Stelle, ein ovaler Sandfleck, hinter dem Stein“ und zeigt mit dem Arm in die Richtung. Und tatsächlich laufe ich hinaus und bin zu Tränen gerührt, als ich für einen Moment in Kontakt mit meiner Familie und mit Freunden bin.

Zum Ritual wird der morgendliche Kaffee am Strand mit Blick auf die Brandung und unsere Yoga-Stunde. Im Schatten des schiefen Baumes dehnen Frank, Rolf und ich unsere Körper. Als ich mit Rolf durchs Hinterland an Fischerhütten vorbei gehe, beschenke ich die zwölf Kinder aus zwei Familien mit Kaugummis und Luftballons. Während Rolf die Kinder mit lustigen Spielchen zum Lachen bringt, kann ich einige wunderschöne Fotos ergattern. Hier in dieser abgelegen Region finden wir noch das ursprüngliche und alltägliche Leben der Philippinos, die sich immer offen, neugierig und herzlich zeigen. Mit großen Augen starren uns die Kinder an. Winken und lächeln. Ein Zweijähriger spielt auf dem Boden hockend mit einem Küchenmesser und einem Hammer. Ein Sechsjähriger hält seine Machete fest. Ein Mädchen hat sich mit Mamas Lippenstift geschminkt. Was für freie Kinder und was für eine andere Welt! Plötzlich taucht der Wasserbüffel mit Kindern im Schlepptau an der Kurve auf, trottet an uns allen vorbei. Was für ein Bild! 

Lachen über Rolfs Spässchen …

Da Rolfs Finger trotz der Antibiotika immer noch stark angeschwollen und gerötet sind, ist er in großer Sorge. Zwei muskelbepackte Spanier, die täglich recht isoliert auf der Bettschaukel liegen, spreche ich an. Und siehe da, beide sind Ärzte. Einer tastet die beiden Finger ab und rät ihm zu einer Erhöhung der Dosis von zwei auf drei Tabletten. Und tatsächlich, nach einiger Zeit lässt die Spannung langsam nach. 

Nach 4 wunderbar entspannten Tagen machen wir uns zu dritt wieder auf, zum nächsten Ziel …

Schnorcheltrip in Port Barton 

Zurück in El Nido verbringen Frank und ich die Wartezeit in einem Café, während Rolf die Zeit für einen Besuch im Krankenhaus nutzt und weitere entzündungshemmende Medikamente verschrieben bekommt. Vom Busterminal geht’s mit dem Van nach Port Barton. Die Rucksäcke werden aufs Dach geschnallt und die Reisenden in den Bus gequetscht. Dass es eng im Bus würde, konnten wir uns schon denken. Aber es geht noch enger. Zwischen Rolf und Frank gequetscht, versuche ich meine Beine in der ersten Reihe des Vans irgendwie unterzubringen. Mit weiteren 10 Reisenden ist der Van auch voll. Das letzte Stück Straße ist noch mal Off-Road mit Baustellen. Nach vier Stunden Kurverei erreichen wir Port Barton, das kleine verschlafene Fischerdorf.

Jungs und ihre Spielzeuge …

Am kleine Sandstrand gibt es wenige Unterkünfte, ein paar Touristen und viele Palmen. Kein Vergleich zu El Nido. Unser Bungalow im Ausan Beach-Cottage ist zwar klein, das Bad riecht muffig, aber sonst okay. Dafür sind die Burger im Reef Café die Krönung und dann noch mit Live-Musik einfach gut! Tagsüber kann man hier am Strand prima relaxen, die ein oder andere Bar aufsuchen oder Bootstouren unternehmen. Diese Ruheoase hier lädt zum Entspannen ein und tut uns richtig gut. Das Internet ist wie immer pretty slow, was das Relaxen verstärkt. Rolfs Heilungsprozess macht weiter Fortschritte. Frank ist zur Zeit mein einziger und bester Yoga-Schüler.

Schnorcheln mit Turtles

Wir entscheiden uns für eine private Bootstour, so können wir bestimmen, wohin und wie lange wir auf den Inseln bleiben möchten. Früh um 8 Uhr fahren wir zu Dritt zum Turtle Point. Alleine mit den drei Schildkröten folgen wir Ihnen in Ruhe. Während sie auf dem Meeresboden grasen, filmt Frank sie mit der GoPro. Unfassbar! Begeisterung pur! Die Schildkröten, die sich scheinbar nicht an uns stören, schwimmen zum Atmen kurz nach oben und tauchen wieder ab. Eine Stunde später ist es mit der Ruhe vorbei. Jede Menge Ausflugsboote sind auf der Suche nach den Schildkröten. Da sind wir schon weg. Auf German Island wird unser Mittagessen zubereitet, während wir in Hängematten oder auf Liegen entspannen können. Auch hier ist es fast menschenleer. Unsere Bootsmänner schnitzen Tomaten zu Schwänen, grillen Fisch und Hühnchen. An weiteren Riffen Schnorcheln wir im fast kristallklaren Wasser, entdecken viele kleine und mittelgroße Fische, Muscheln und Korallen … diesmal immer mit Flossen! Ein rundum gelungener Tag und ein Highlight hier auf Palawan. Als private Tour (6000 Pesos) nur zu empfehlen. 

In den nächsten Jahren wird sich Port Barton bestimmt touristisch weiter entwickeln, denn überall wird gebaut, insbesondere der Ausbau der Straßen wird dies vorantreiben. Also, nichts wie hin, wenn ihr das noch so erleben möchtet! 

Nach vier Tagen verabschieden wir uns von Palawan und fliegen nach Dumaguete/Negros. Nach einem letzten gemeinsamen Abend verabschieden wir uns schweren Herzens von Frank, dessen Route nach Bohol führt. Wir haben einige wunderbare Tage mit ihm verbringen können, da wir ziemlich auf der gleichen Wellenlänge waren. Vor allem auch ein großes Dankeschön für die tollen Bilder. Ein Großteil davon auf diesem Blogpost stammt von ihm.

Es waren wunderschöne Tage mit Frank

Philippinen Teil 1 – Bootstour und El Nido

Im 1. Teil unseres Philippinen Beitrags erzählen wir von unserem Start in Manila, der 5-tägigen Bootstour mit Tao Philippines von Coron nach El Nido und den darauf folgenden Tagen in El Nido. Im 2. Teil geht‘s um unsere Flucht aus El Nido ins abgelegene Plumeria-Eco-Resort und unsere Tage in Port Barton. Im letzten Teil erzählen wir von unseren Reisen auf Negros und Siquijor.  

Was für ein krasser Unterschied: von der Stadt der Engel (Bangkok) mit ihren freundlichen und lachenden Menschen und einer gut organisierten Infrastruktur in das Chaos von Manila. Wir landen am späten Nachmittag und versuchen uns durchzukämpfen: Geld und SIM-Karte besorgen, Taxi-Transfer finden … gestresst aussehende Philippinos laufen kreuz und quer, jeder versucht einen Transfer zu ergattern, Polizisten regeln das Chaos vor dem Flughafen. Ein Freund von uns hat hier drei Stunden auf ein Taxi gewartet … Grüße an Frank! Der Verkehrskollaps ist allgegenwärtig. Scheinbar kommt kaum jemand hier weder rein noch raus. Unseren Fahrer finden wir natürlich nicht, wie auch? Mit meinem Telefonguthaben kann ich auch endlich in der Unterkunft Jorivim Apartelle anrufen. In den schwer verständlichen Telefonaten erklärt sie uns, wo wir uns hinbewegen sollen – nach weiteren 15 Minuten auf Irrwegen finden wir uns. Im Stopp and Go geht es dann die 5 km in über 45 Minuten zu unserem abgeranzten Hotel. Was für eine Schmuddelbude! Die Bilder bei Booking.com entsprechen in keinster Weise der Realität und den Reviews auf der Seite kannst du auch nicht trauen – auch das haben wir in den Monaten lernen müssen. Nur eine Nacht, dann nichts wie weg.

Dass Bangkok über 9 Millionen und Manila nur 1,8 Millionen Einwohner hat, wundert uns. Zählt man jedoch den Großraum Manila dazu, sind es über 12 Millionen, von denen die Hälfte ins Slums lebt. Die Megacity Manila ist wegen der allgegenwärtigen Smog-Glocke, die insbesondere durch die bunten Jeepneys verursacht wird, nur etwas für Hartgesottene mit viel Zeit und Geduld.

Nach einem kurzen Flug nach Coron/Busuanga bereiten wir uns auf die lang ersehnte Bootstour nach El Nido mit Tao Philippines vor. Von Tao Philippines hatten wir bereits das wohl beste Werbevideo gesehen. Fünf Tage auf dem Boot von Coron nach El Nido, umgeben von kristallklarem Wasser, netten Menschen, wunderschöner Unterwasserwelt, frischem Fisch und fernab der Zivilisation, hörte sich für uns verlockend an. 

Coron selbst hat außer jede Menge Tricycles in einer lauten, schmuddeligen Stadt mit überteuerten Restaurants nicht viel zu bieten. Wer besonders schöne Strände sucht, muss schon eine Bootstour unternehmen. Unsere Unterkunft Princess of Coron ist auch schon reichlich in die Jahre gekommen. Da können die vielen bunten Kacheln a la Hundertwasser auch nicht drüber hinwegtäuschen. Nur der Pool mit dem Garten gewährt ein paar Ruhepausen.

Dunkle Wolken über der Expedition mit Tao Philippines von Coron nach El Nido

Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, über diese fünf Tage zu schreiben. Die kurze Version ist, dass wir diese Tage damit verbracht haben, mit einer fantastischen Crew und einem Haufen Mittdreißiger durch abgelegene Inseln zu segeln, köstlich frisches Essen zu genießen und an den schönsten Stränden fernab vom Tourismus zu schlafen. Es gibt keine bessere Möglichkeit, die philippinische Inselwelt zu erkunden. Doch nun noch etwas ausführlicher: 

Das Briefing in Coron

Wir sind sehr gespannt auf das Briefing am Tag vor Heiligabend. Was sind das wohl für Leute, mit denen wir 5 Tage auf dem Boot verbringen werden? Wie ist die Crew? Wie wird der Ablauf sein? Viele Fragen in unseren Köpfen. Die Gruppe ist bunt gemischt, einige Backpacker-Pärchen. Ein griechisches und maltesisches Paar, ein australisches und ein deutsches Paar, ein französisches Frauenpaar, drei Engländerinnen aus London,  Alleinreisende aus Belgien, Holland, Frankreich, drei SpanierInnen. Sehr unterschiedlich, viele mit Rucksack, manche mit Rollkoffer, einige frisch und noch weißhäutig aus Europa eingeflogen. Doch alle haben eines gemeinsam: Die Lust auf Abenteuer.

Die Geschichte zu Tao Philippines

Tao ist Tagalog und bedeutet „Mensch“. Tao Philippines 2006 wurde von dem Briten Jack und dem Philippino Eddie gegründet. Sie erkundeten aus reiner Neugier mit einem Fischerboot die Inselwelt zwischen Palawan und Busuanga. Nach und nach nahmen sie immer mehr Leute mit. Die Nachfrage stieg weiter an und die Segelboote waren monatelang ausverkauft. Daraus entwickelte sich ein Eco-Tourismus-Projekt, bei der Nachhaltigkeit und Unterstützung der lokalen Bevölkerung im Vordergrund steht. Sie unterstützen mit ihren Einnahmen die lokale Bevölkerung beim Bau von Schulen, Kindergärten und bei der medizinischen Versorgung. Nach dem Taifun „Hayan“ konnten Sie den Lokals beim Wiederaufbau unterstützen.

„This is not a tour. This is a journey, off the touristisch routes, away from the crowd to the playground of hundreds of undeveloped tropical islands. This is not for everyone.“

Mit diesem Leitspruch von Tao steigen wir am nächsten Morgen aufgeregt auf unser Ausleger-Boot „Emerson 7“. Die großen Rucksäcke kommen unters Deck, Wertsachen werden eingeschlossen und die Dry-Bags legen wir unter den Tisch auf Deck. Nach einem Begrüßungs-Dchungel-Drink beschnuppern wir uns gegenseitig. Mit Nandy und Birte aus Melbourne, mit Nena aus Belgien und mit den beiden Deutschen quatschen wir auf dem Sonnendeck, wo dünne Auflagen ausliegen. Die drei Engländerinnen cremen sich ihre Haut unentwegt ein, während sie in der Sonne liegen. Die beiden Pärchen aus Malta und Griechenland lernen wir noch näher kennen. Die Griechin ist Ärztin. Rolf wird später noch dankbar ihren Rat in Anspruch nehmen. Das Boot ist gerade groß genug, dass sich alle 22 Leute zwischen Bug und Deck gut verteilen. Trinkwasser kann jederzeit nachgefüllt werden. Zur Ausstattung gehört eine Außendusche und Toiletten, die möglichst nur während der Fahrt benutzt werden sollen – Abwassertanks sind hier nicht so geläufigig. Zum Meeting bläst unser Guide dreimal in die große Muschel. 

Das köstliche Essen

Eins vorneweg: Wir sind immer satt geworden! Das Essen wird an Board und an Land frisch zubereitet, ist organisch auf der hauseigenen Farm angebaut. Am ersten Abend wird sogar ein Spanferkel gegrillt. Schließlich ist ja „Merry Christmas“. Die Crew gibt sich jede Mühe, ein köstliches Essen zu zaubern – für philippinische Verhältnisse sehr schmackhaft. Fast täglich gibt es gegrillten Fisch, frische Salate, Reis und Gemüse. Dschungel-Drink, kaltes Bier und Softdrinks dürfen nicht fehlen. Zum Frühstück brät die Crew Eier oder Banana Blossom-Fritters, immer mit frischen Früchten. Für das letzte Frühstück auf Cadlao Island schlagen sie sogar frische Kokosnüsse auf, füllen den Saft in Gläser. Die Früchte und das Porrige kann dann jeder selbst in seine Kokosnuss füllen. Trinkwasser, heißer Kaffee und Tee stehen jederzeit zur Verfügung. 

Übernachtung in den Tao-Base-Camps

In den Camps übernachten wir in den typischen Tao-Hütten, eine Art Schutzhütte/Shelter, aus Naturmaterialien gebaut – mit Ausnahme der Angelschnur, mit der Bambusstangen befestigt werden. Die Hütte ist mehr ein Dach mit einem Boden aus Bambus, vorne und hinten gibt es einen Vorhang, Matratzen und Kopfkissen liegen bereit. Jeden Abend bekommen wir unseren Stoffbeutel mit Laken, Kissenbezug und Moskitonetz. Ursprünglich. Natürlich. Einfach. Die Open-Air-Eimer-Duschen sind effektiv, aber kalt. Zumal wir so spät an den Base-Camps anlegen, dass sich alle zur Dusche drängeln. Ohne Strom und Internet, ohne fließend Wasser und „richtiger“ Toilette ist das ein Naturerlebnis der besonderen Art – die komplette Freiheit. Wie einfach das Leben sein kann! Die paradiesischen Inseln zwischen Busuanga und Palawan strotzen vor grüner Natur, Karststeinbergen hinter kleinen Buchten, türkisfarbenen Meer, Palmen und Kokosnüssen und freundlichen, lachenden Philippinos, die in kleinen Dorfgemeinschaften die ein oder andere Insel bewohnen.     

Die Crew und die Organisation durch Tao

Die Crew kümmert sich fürsorglich um jedes Anliegen. Auf den drei Kajaks transportieren sie jedes Mal unsere Sachen an Land. Wenn du nicht schwimmen magst, nehmen sie dich ebenso mit. Beim Schnorcheln ist immer jemand von den Jungs um uns herum, was ein sicheres Gefühl vermittelt. Auch um die Tauchmasken und Schnorchel zum Ausleihen kümmern sie sich gut. Eigenes Equipment wird mit Klebeband und Namen versehen. Die Crew ist stets aufmerksam und freundlich, zu Späßen aufgelegt, professionell und sehr fleißig. Sie kümmern sich um die Betten und Moskitonetze in den Hütten, helfen beim Abbauen und beim Transportieren. 

Die Rückgabe der Armband-Chips, über die die Getränke an Board bezahlt werden, und des zu viel aufgeladenen Geldes klappt genauso hervorragend wie die vorherige Kommunikation per E-Mail, die Organisation an Board und in den Camps.

Ein typischer Tagesablauf

Ja, wir müssen nachts auf die Toilette … mit Stirnlampe finden wir auch den Weg. Rolf und ich gehen oft zusammen – da fühl ich mich sicherer. Am Morgen wachen wir in unser Hütte auf, hören das Rauschen der Wellen und einige Hähne krähen. Die  Thermoskannen stehen schon früh bereit, so dass wir uns einen Kaffee bereiten, an den Strand setzen und die Stille genießen. Das üppige Frühstück wird als Buffet dargeboten. An einem großen Tisch, der oft auch unter einem riesigen Bambusdach steht, essen wir mit der Gruppe.

Nach dem Einpacken unserer Sachen ziehen wir das Bettzeug ab, entfernen das Moskitonetz und schwimmen zum Boot. Manchmal werden wir auch im Kanu mitgenommen. 

Tagsüber schippern wir an traumhaften Inseln vorbei, steuern einige Inseln an, auf denen zum Teil auch Tao-Base-Camps sind. Dort können wir schwimmen, schnorcheln, spielen und relaxen, auch in den Tao-Hütten. Wir schnorcheln über traumhaft bunt leuchtende Korallengärten und erfreuen uns an den Lebewesen im Wasser. Wir essen frische Kokosnüsse, die uns die Crew von den Palmen holt. Einfach paradiesisch. Manche Camps werden von Einheimischen gepflegt, die nebenan in ihren Hütten leben, so dass wir auch immer wieder in Kontakt mit ihnen kommen. Die Crew bereitet mittags das Essen an Board und an Land zu. Sie grillen den Fisch und Gemüse, schnibbeln leckere Salate. Wir essen alle gemeinsam an einem großen Tisch. Die Getränke hat die Crew ebenfalls an Land geschafft.

Bevor es dunkel wird erreichen wir das Base-Camp. Wir schwimmen wieder an Land. Während die Crew die Betten herrichtet, stellen wir uns zum Duschen an. Nach dem Essen ist noch ausreichend Zeit für Lagerfeuer, Begegnungen und Entdeckungen. Am Lagerfeuer erzählen wir uns unsere Lebensgeschichten und trinken unseren Dschungel-Drink (philippinischer Rum mit Saft). So nach und nach werden wir eine Gruppengemeinschaft. Wir lieben es, Menschen Spitznamen zu geben, die etwas mit ihrem Aussehen oder ihrem Verhalten zu tun haben. Beispielsweise Mr. Geht-zum-Lachen-in-den-Keller oder Mrs. Titty … mehr kann ich hier nicht verraten. Rolf hat Mr. Drohne schon auf dem Kicker, da diese Dinger einfach nur nervig sind (selbst wenn sie spektakuläre Bilder liefern), wenn du schon am frühen Morgen denkst, dass dir ein Bienenschwarm durchs Zimmer schwirrt. Wir erfreuen uns an der grandiosen Natur, den menschenleeren Stränden, den Karststeinbergen, dem türkisblaue Meer, dem Sternenhimmel, der so klar und nah scheint.

Der Unfall

Am zweiten Tag passiert es. Nach dem Schnorcheln  – ohne Flossen – kommt Rolf mit blutenden Wunden an Board. Mit der großen Zehe und dem Schienbein hat er Korallen berührt. Ich reiße die Augen auf, kann es nicht glauben. Wie soll das die nächsten Tage noch werden, wo diese Wunden doch so langsam heilen? Warum nur zieht er keine Flossen an?Ich nehme Rolf in den Arm, bleibe bei ihm. Die Jungs von der Crew versorgen seine Wunden. Rolfs Stimmung sinkt in den Keller. Er weiß aus Erfahrung, was das bedeutet. Seiner Erinnerung an die Intensivstation der Uniklinik nach einem Thailandaufenthalt sind immer präsent.

Als wir am nächsten Tag nach der Übernachtung an Land zurück aufs Schiff wollen, passiert noch etwas Schreckliches. Ich biete Rolf den Platz im Kanu an, er will aber zurück schwimmen – ohne Tauchmaske. Ich rufe ihm noch zu „Pass auf, da sind die Korallen“, doch da ist es schon zu spät. Er fasst mit der linken Hand in einen besonders großen und giftigen Meeresbewohner – einem Diadem-Seeigel, berührt sie auch mit dem Oberschenkel. Als ich an Board gehe, weiß ich noch von nichts davon. Ich gehe zu ihm an die Leiter und sehe erst hier, was passiert ist. Unzählige schwarze Punkte (wir zählen später ca. 80 Stiche) bedecken seine Handinnenfläche und den Oberschenkel – das Blut fließt. Wir setzen uns, denn er hat unvorstellbare Schmerzen. Dodo holt immer wieder heißes Wasser, in das er seine Hand taucht. Auf das Bein legt er ein Shirt, das er in heißes Wasser getaucht hat. Rolf zittert vor Schmerzen, legt sich hin. Ich bleibe bei ihm, halte ihn fest, sehe ihn so furchtbar leiden und bekomme Angst, da wir so weit abgelegen mitten in der philippinischen See keinen Zugang zu medizinischer Versorgung haben. Wie soll das bloß werden? Die 4 Nächte und 5 Tage erscheinen mir immer mehr zu lang. Heute am 3. Tag passiert so ein Unfall. Wie soll Rolf die nächsten beiden Tage überstehen? Manches Mal möchte ich nur noch Schreien … muss aber jetzt besser die Nerven behalten. Ich wechsele das Wasser, sitze wie erstarrt bei ihm. Die Hand schwillt weiter an. Die Kuppe des Ringfingers verfärbt sich schwarz, die Haut spannt wie ein Ballon. Rolf ist fix und fertig. Ich bin ratlos und traurig darüber, dass diese Tour nun so endet. Die griechische Ärztin empfiehlt ihm, in El Nido Antibiotika zu besorgen. Noch 2 Tage. Das dauert mir zulange! 

Rückblick

Die Tao-Expedition war trotz Allem eines der Highlights dieser Reise, die uns immer in Erinnerung bleiben wird. Fern vom Massentourismus kann man die einzelnen Orte wirklich genießen. Wenn Rolf sich nicht verletzt hätte, hätten wir es mit Sicherheit mehr Freude an dieser Tour gehabt. Verbesserungswürdig finde ich das späte Ankommen gegen 17 Uhr an den Base-Camps. Der Run auf die zwei Duschen bewirkt lange Warteschlangen und die Haare, Handtücher usw. können nicht mehr trocknen. Der Trip war nicht günstig, dennoch eine unglaubliche Erfahrung. 

Uns hätten auch drei Tage ausgereicht, da sich das Programm doch wiederholt. Die schönsten Insel kommen gegen Ende, was eine gute Wahl der Richtung von Coron nach El Nido war. Zudem waren unsere Sachen ab dem 3. Tag nass und begannen zu stinken. Auch, dass einige Frauen krank wurden – wahrscheinlich wegen der langen nassen Haare und dem ständigen nass sein – hätte man verhindern können. Ich war froh, dass ich die Kaugummis „Superpep“ gegen Seekrankheit dabei hatte, denn sie halfen mir mehrere Male die Übelkeit loszuwerden. 

Ein großes Danke an die Crew für dieses unvergessliche Weihnachten 2018! Ein förderungswürdiges Projekt, keine Frage! 

Diese Tour ist perfekt für Leute, die in der Natur sein und die aktiv mit machen wollen, nichts für All-Inclusive-Urlauber (obwohl auch hier Alles „inclusive“ ist). Dies ist eine Expedition, keine Schnapskreuzfahrt, aber auch kein Yoga-Retreat. 

Enttäuschung und Taifun in El Nido

Palawan und insbesondere El Nido haben uns 2012 so gut gefallen, dass wir nun noch einmal hier sind. El Nido war damals ein überschaubares Dorf in einer schönen Bucht, umgeben von Karstbergen. Da wir im Sommer hier waren, wirkte es ruhig und entspannt. Die Bootstour damals ins Bacuit-Archipel übertraf alle bisherigen. Hier wollten wir im Art Café bei Live-Musik Silvester feiern. Das stellten wir uns total schön vor. Unsere Vorfreude auf El Nido war so groß, dass wir sechs Nächte im Sea N Jungle gebucht haben. Doch dann trifft uns der Schlag. Was für eine Enttäuschung! 

Als wir mit dem Boot in die Bucht einlaufen, sind wir noch so gespannt, versuchen etwas wieder zu erkennen. Unser Bungalow an der Nordseite auf dem Berg hat zwar eine schönen Ausblick auf die gesamte Bucht, doch die über 200 steilen Stufen dahin, der muffige Geruch, die kalte Dusche und die ein oder anderen Mängel wiegen das nicht auf. Richtig schön ist es jedenfalls nicht. Der Regen verstärkt den schmuddeligen Eindruck – wir wollen so schnell wie möglich hier weg!  Mit Frank aus Köln überlegen wir weitere Strategien. Klar ist eins: nur noch weg aus El Nido! Ach, wie gut das tut, einen Freund aus der Heimat zu treffen, sich Mal auszutauschen und auch auszukotzen. Auf Reisen ist es nicht immer bloß  paradiesisch. Trotz holprigem Internet recherchieren wir zu Dritt wie verrückt. Nicht so einfach kurz vor Silvester.

Frank, einem Freund aus Köln, mit dem wir uns hier verabredet haben, findet das Plumeria Eco Resort im Nordosten Palawans, nur per Boot zu erreichen. Das ist es! Am liebsten möchten wir am nächsten Tag  abhauen, doch zum Glück muss die Wäsche noch abgeholt werden, so dass wir erst übermorgen, am letzten Tag des Jahres loskönnen.

Als der Taifun dann in der Nacht über El Nido hereinbricht, sind wir zwar abgeschnitten oben auf dem Berg, jedoch auch froh, nicht weiterfahren zu müssen. Der Taifun wütet über den Nordwesten der Philippinen, macht zahlreiche Menschen obdachlos und bringt einigen den Tod. Bei prasselnden Regen auf dem Wellblechdach, kein Essen, nur Kaffee und Tee harren wir aus und beten bis zum späten Nachmittag. Das Wasser strömt den Berg hinunter, El Nido ist überflutet, an vier Stellen regnet es bei uns hinein. Mit Eimern und Handtüchern behelfen wir uns. Noch nie habe ich so etwas erlebt. Rolf wird als erster ungeduldig und zieht los. Mit den Angestellten versuche ich zu verhandeln, da wir 4 Nächte früher abreisen. Doch keine Chance! Als ich versuche mit dem Tricycle durch El Nido zufahren, weigert sich der Fahrer durch das knietiefe Wasser zu fahren. Da ich auch nicht durch diese braune Brühe laufen möchte, fordere ich ihn auf, einfach durchzufahren. Das Wasser läuft sogar in den Beiwagen hinein. Überall braunes Wasser. Eine Frau stürzt und fällt in diese Drecksbrühe. Wie ekelig! In der nächsten Nacht schüttet der Taifun ein letztes Mal den Regen über El Nido, dann klärt es am Morgen auf. Endlich!

Wir können weiterziehen …