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Teil 2: Slow Flow im Yoga-Retreat

Retreat heißt ja so viel „Rückzugs- oder Zufluchtsort“. So ein Retreat ist so eine Welt für sich. Neben den lichtdurchfluteten Übungshallen (Shala) hängen Yogamatten, stapeln sich Polster, Holzklötze und andere Hilfsmittel. In jeder Shala befindet sich neben dem Skelett auch eine Moderationstafel, ein kleiner Altar mit Räucherstäbchen und Blumenketten und gegen die Sonneneinstrahlung.  Zu dem Speisebereich gehören vier Open-Air-Spülen, an denen jeder sein Geschirr usw. selbst spült, denn viele Hände … Auch ein Kühlschrank kann von allen genutzt werden.

http://www.krantiyoga.com/

Die super Yogis, besonders die, die auch das Teacher Training absolvieren, machen den ganzen Tag außer essen und schlafen auch wirklich nichts Anderes. Übrigens kostet das vierwöchige Teacher Training um die 4500€, inclusive Unterkunft, Essen/Getränke und Unterricht. Für Indien ganz schön viel, oder? Wer es nicht ganz so intensiv betreiben möchte, bucht besser – so wie ich – Yoga-Holiday. Dann kannst du so viel bzw. wenig Yoga machen, wie du willst.

Kranti Yoga Retreat

Alles ist durchdrungen vom Yoga. Interessant ist, dass es Leute aus der ganzen Welt hier hin zieht. Yoga verbindet. Einige nehmen sogar den langen Weg mit enormer Zeitverschiebung aus den USA in Kauf, Andere kommen aus Italien, aus England, aus Irland, Rumänien Frankreich, Brasilien, Thailand, China … unfassbar viele Nationalitäten, wodurch die Unterhaltungen beim Essen wirklich lustig und interessant sind.

In jeder Szene gibt es ja bestimmte Normen, die mehr oder weniger sichtbar sind. Hier fällt mir bzgl. der Yoga-Mode auf, dass lange bunte Leggins der Renner sind. Dazu wird meistens ein bunter Sport-BH mit oder ohne Shirt getragen. Bei diesen klimatischen Bedingungen ist es mir ein Rätsel, wie die lange Hose auf die feuchte Haut gezogen wird. Nackte Beine sehe ich kaum, wenn, dann bei den Männern, die wirklich noch die kurzen Hosen aus den 80ern tragen. Teilweise schön anzuschauen. Natürlich gibt es unter den männlichen Yoga-Lehrern das ein oder andere Schnittchen, um das sich einige Frauen tummeln. Rastalocken, Pferdeschwanz, definierte Muskeln, braun gebrannt … tja, die müssen nun wirklich keinen großen Balztanz veranstalten. No drugs, no alcohol, no smoking heißt es hier auf vielen Schildern.  Alle trinken ayurvedischen Tee, je nach Typ Kappha, Dosha , Melonensaft oder Wasser. Zu Essen gibt es leckeres indisches vegetarisches und veganes Essen – was sonst 😉 … mit Linsen (Dhal), Curries mit viel Gemüse, Roti oder Naan. Wer Yoga macht, lebt sowieso gesund, ist diszipliniert, selbstreflektiert, ethisch korrekt, friedvoll und entspannt.

In den Pausen trifft man sich am W-Lan-Hotspot oder am Strand. Zum Resort gehören einige Liegen mit Polstern und Sonnenschirmen, alles schon etwas in die Jahre gekommen.

Die Unterkünfte liegen entweder im vorderen Teil, rund um die Rezeption und den Speise-Küchenbereich oder am Strand mit oder ohne Oceanview. Mein Zimmer im ersten Stock über der Ocean-Shalaq gefällt mir gut, klein aber fein, Balkon mit Wind und Hängesessel, sogar ein Schrank (mit Holzwürmern), ein großes Bett und ein relativ neues Moskitonetz. Dass der WC-Deckel nicht mehr hält und die Dusche kalt ist, stört mich nicht. Ich habe alles, was ich brauche.

Meine Experimente gehen weiter: Pranyama um 7:45 Uhr. Atmen … ich habe mir ehrlich gesagt noch nicht allzu viele Gedanken um’s Atmen gemacht. Ich lebe, also atme ich. Das ist wie mit dem Herzschlag, da denke ich doch auch nicht drüber nach. Aber jeder Atemzug ist ein Lebenszeichen und birgt die Möglichkeit, dieses Lebendigsein intensiv zu spüren. Mit meiner Hand auf dem Bauch spüre ich, wie er sich hebt und senkt. Die Rhythmen werden uns angesagt … dreimal ein … dreimal aus … oder einmal ein und dreimal aus … in den Brustkorb und mal in den Bauch … mal durch das eine dann durch dann andere Nasenloch … gemeinsam summen, singen wir die Mantras … der Atem fließt und ich fühle mich verbunden mit mir und meinem Körper, mit meiner Umgebung, mit den Yogis neben mir … wir alle atmen.

Jetzt verstehe ich auch, warum die Übungen so kompliziert sein müssen, so dass wir uns schon sehr konzentrieren müssen … auf einem Bein stehen, nach vorne beugen, rechtes Bein nach hinten schieben, Hände zum Namaste vor die Brust, Fixpunkt anvisieren, Spannung halten und das Atmen nicht vergessen. Das fordert uns so stark, dass wir keine Kapazitäten mehr frei haben, um an etwas Anderes zu denken. Du kannst nur im Hier und Jetzt sein, sonst würdest du umfallen. Unser Atemfluss gibt uns Energie. Wenn wir tief und ruhig atmen, kann uns nichts aus der Ruhe bringen. Bewusstes ruhiges und tiefes Durchatmen kann bereinigen, uns runterbringen, wenn wir uns aufregen. Unser Leben beginnt mit dem Einatmen und endet mit einem letzten Ausatmen, dazwischen liegt eine unbestimmte Zahl von Atemzügen.

Für mich ist das hier wie eine Reha, nur eben in Indien … nur dass ich sie selbst bezahle. Warum wird so etwas eigentlich nicht von den Kassen bezuschusst?  Wenn ich hier meinen strapazierten Rücken stärke, ist das förderlich für meine Gesundheit und meine Arbeitskraft. Das macht doch Sinn, oder? Genau, das wäre es doch … Ich verlängere auf drei Wochen … Antrag ist gestellt.

Die fixen Rituale sind eine große Hilfe, die Übungen täglich umzusetzen. Körper und Geist gewöhnen sich immer mehr an diesen Tagesablauf, so dass keine Schweinehunde mehr auftauchen.

Warum eigentlich Yoga in Indien?

Ja, das wurde ich vor meiner Reise das eine oder andere Mal gefragt. Geht auch in Köln, oder? Ja, was soll ich darauf bloß antworten. Blöde Frage, oder?

Ehrlich gesagt, habe ich in Köln nicht so viele Yogakurse besucht. Zudem ist Yoga am Strand bei über 30 Grad mit täglich über 10 Std. Sonne in Köln nicht zu finden. Da mich die Sonne und das Meer glücklich machen, ich mich im letzten Jahr in Indien verliebt habe, das indische Essen und das Kingfisher Bier mein Wohlbefinden weiter toppen und weil ich eine unbändige Lust habe, Neues zu entdecken und zu lernen … deswegen bin ich hier … und weil ich mich hier entspannen kann … das ist für mich eine kleine Auszeit, raus aus den Verpflichtungen im Alltag, weg von schulischen Aufgaben, die mich sonst zu Hause wieder zum Abarbeiten verführen würden. Hier kann ich das tun, was mir guttut: joggen, schreiben, lesen, nachdenken, Yoga üben, meditieren, mit Leuten aus der ganzen Welt quatschen, schlafen usw. Nach nun 5 Tagen spüre ich, wie die Verspannungen zunehmend verschwinden und sich stattdessen tiefe innere Ruhe und Glück einstellen … im Einklang mit mir selbst, ist ein treffender Ausdruck dafür.

In unserem (Bildungs-) System arbeiten wir viel zu viel, so dass wir den Off-Schalter nicht mehr finden. Hier beim Yoga kann ich ihn schon mal ölen, damit er keinen Rost ansetzt und im Alltag nicht wieder einrostet.

Da Yoga seine Wurzeln in Indien hat, versprechen ich mir, hier ein besonders authentisches Yoga erfahren zu können. Da ich kein Experte bin, kann ich das nur ganz subjektiv beurteilen. Die Yogalehrer*innen sind sehr aufmerksam und erfahren. Ich mag sie sehr, da sie so wohltuend wertschätzend, geduldig und friedlich sind.

 

Schon wieder in Indien

Teil 1: Von Frankfurt nach Goa

Liebes Indien,
nun habe ich so lange schon die Tage gezählt, bis ich wieder hier sein kann. In den 7 Std. mit der Lufthansa vergnügte ich mich mit zwei berührenden Filmen. Dieser hier „Lion – Der lange Weg nach Hause ein preisgekröntes Identitäts-Drama nach einer wahren Geschichte: Als erwachsener Mann verlässt Adoptivsohn Pavel Australien, um seine indischen Wurzeln zu finden.“ ist unfassbar berührend! und …, die mich natürlich zum Weinen brachten. Am Schalter von Jet-Airways bekam ich meinen ersten Schweißausbruch:“ Your are not on this flight … which Company? Im Geiste erwürgte ich den Geschäftsführer von Bravofly, die mich ja bereits im Vorfeld an den Rand des Nervenzusammenbruchs gebracht hatten. Nach dreimal Hin-und Herlaufen konnte er mich dann doch unter einer anderen Flug-Nummer finden. Puh, Glück gehabt. Morgens um 6:30 Uhr in Goa Dabolim Airport angekommen fand ich dann doch glatt den Taxifahrer mit dem Schild „Kranti Yoga“. Auf der Rückbank längs sitzend, legte ich die Füße hoch und ließ die Landschaft, die Menschen und Häuser an mir vorbeiziehen. Ja, Indien ist so anders … Incredible India … der Werbeslogan gilt ungebrochen … Indien ist in unserem westlichen Sinne nicht unbedingt schön oder ästhetisch wie Thailand oder Bali … Indien ist einfach nur incredible …

Am Patnem Beach angekommen, sehne ich mich völlig übermüdet nach einem Bett in meiner Hütte, doch ich muss mich noch gedulden, da die Frau von der Rezeption gerade noch nicht da ist. Ach ja, da fällt es mir doch wieder ein … meditatives Arbeiten … Hier tummeln sich jede Menge Yoga-Frauen, fast alle durchtrainiert und gut aussehend mit einer handvoll Männern darunter. In der Shala beobachte ich eine Yoga-Class, denn so kann mich schon mal auf das einstellen, was auf mich zukommt.

Da mein Bungalow „Beachfront Nr. 8“ im ersten Stock liegt, geht immer ein leichter Wind, was bei 35 Grad im Schatten schon von Vorteil ist. Ich freue mich hier zu sein, dusche kalt und genieße ein gesundes Frühstück unter all den Yogis. Ich habe die Wahl zwischen Früchten, Joghurt, Linsen, Porridge, Müsli, Honig, allerlei ayurvedischer Balance-Tees, Nescafe, Wasser und Melonensaft. Jeder spült hier sein Geschirr an der Open-Air-Spüle. Verboten sind Alkohol, Drogen und Rauchen.

Nach ein paar Nickerchen am Strand schaue ich mich mal um und entdecke eine kleine Shopping-Straße, wo ich eine Massage für meine Rücken finde. Puh, ganz schön hart und schmerzhaft, das muss jetzt sein, Augen zu und durch … schließlich habe ich mir ja vorgenommen, diese ganzen Verspannungen hier zu lösen. Bei dieser feuchten Hitze erfreue ich mich an der Air-Condition. Sie drückt und quetscht mit full power, was ich dieser zierlichen Frau nicht zugetraut hätte. Eine anschließende Fußreflexzonenmassage könnte doch genau das Richtige sein. „It’s a man. Is it a problem for you?“ antwortet mir die Lady im 2. Massage-Shop. „No!“ … es geht doch um meine Füße, oder? Er führt mich am Strand entlang zu einer Bretterbude, sein ayurvedisches Studio.

Füße reinigen und dann geht’s rund … immer wieder zucke ich zusammen, rufe „Stop“ oder balle meine Hände zu Fäusten … insbesondere die weichen Stellen an den Fußsohlen schmerzen extrem und immer wieder drückt er darauf herum … er muss sehr davon überzeugt sein, den richtigen Punkt gefunden zu haben. Das muss gut sein, sage ich mir immer wieder. Anschließend bietet er mir sein weiteres Programm an und ich nicke freundlich … perhaps tomorrow. Der Strand und die Bucht scheinen optimal zum Joggen zu sein. Einige Resorts fangen schon an, ihre Hütten abzubauen, die Liegen sind kaum belegt, die Bars wenig besucht. Nachsaison … zum Glück sehe ich auch nur wenigen Russen, doch die Schilder auf russisch stören mich schon. Was ist nur in die Inder gefahren? Wieso sehe ich eigentlich keine Kuh hier am Strand?

Am Abend genieße ich mein 1. Kingfisher am Strand, beobachte den Sonnenuntergang und entscheide mich, als ich den Fisch sehe, hier zu essen, d.h. ich bezahle hier nun ein Essen, obwohl ich im Resort Essen bekomme … ja, aber eben kein Fisch … Gegrillter Thunfisch … sehr schmackhaft zubereitet. Leider ist es so dunkel am Tisch, dass ich die Gräten und andere komische Dinge nur erahnen kann. Egal, muss jetzt sein.

Samstag

Die ersten Yoga-Class „Ashtanga Led“ am nächsten Morgen um 8:30 Uhr verlangt mir aber auch alles ab.

Der Blick auf’s Meer ist schon mal cool. In einem irrsinnigen Tempo versuche ich mitzuhalten, schaue ständig zu meiner geübten Nachbarin, da ich nicht jede Ansage auf Englisch verstehe. Ich gucke mir an, was sie macht, versuche meine Körperteile in die entsprechende Position zu bringen, im Rhythmus ein- und auszuatmen, wieder Wechsel, wieder gucken usw. … ganze 90 min geht das so … ehrlich gesagt, tun’s bei mir 60 min auch. Ich bin fix und fertig, gehe zum Frühstück und stärke mich mit Melonensaft, Kapha-Balance-Tee und Früchten mit Joghurt und etwas Müsli.

Ein nettes Pärchen empfiehlt mir, unbedingt morgens um 7:45Uhr den Pranyama-Kurs und Yoga Slow Flow- Class auszuprobieren. Das sei insgesamt langsamer. Auch seien die Privatstunden eine gute Möglichkeit seine Yoga-Positionen korrigieren zu lassen und zu üben. Aha, denke ich, so weit bin ich noch nicht. Am Nachmittag wage ich mich mal für 1 Std. in die heiße Sonne und sammele dann um 16:30 Uhr weitere Erfahrungen im Vinyasa Flow. Ja stimmt, es ist viel langsamer, aber auch hier gibt es Positionen, da weiß ich überhaupt nicht, wie ich die ausführen soll. Muss ich ja auch nicht, bin schließlich mit 55 Jahren die Älteste hier. Da muss ich auch keinen Kopfstand mehr üben, mit meinem dicken Po ist es mir eh ein Rätsel, wie ich den da hoch kriegen soll. Ich sehne mich nach dem ganzen Flow nach einem Bier, endlich 18 Uhr und ab in die Nirwana Bar, Sonnenuntergang und Kingfisher, was will frau mehr? Daraus werden glatt zwei, sind ja kleine Flaschen!

Was wir in Indien gelernt haben …

Wo Kopfschütteln „Ja“ bedeutet

Unsere erste Begegnung hatten wir mit dem Tuk-Tuk-Fahrer am Busbahnhof in Kollam, den wir ziemlich erschöpft gegen 23 Uhr erreichten. Wir fragen ihn, ob er „Ashtamudi Villas kennt“ und er wackelt von rechts nach links und wieder zurück mit dem Kopf. Sieht lustig aus und denke mir, dass ich das unbedingt mal filmen muss. Aha, also hier in Kerala begegnen wir noch häufiger dieser Geste. Beim Versuch das Kopfwackeln zu imitieren scheitern wir. Bei uns sieht es irgendwie abgehackter aus. Es scheint in der Tat, als hätte der indische Kopf mehr Bewegungsfreiheit als unserer. Unserer Erfahrung nach wird es häufig als «Ja» verwendet. Es kann aber auch bedeuten, dass der Kopfwackler nicht weiß, wovon man spricht, dann ist es eher ein ausweichend-verlegenes «Jaja, klar» oder auch ein «Keine Ahnung», weshalb es zu Missverständnissen kommen kann.

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Indische Esskultur

„Wofür hat Gott uns die Hand gegeben?“ fragt uns ein Tuk-Tuk-Fahrer „damit wir damit essen können!“  Feinmotorisch geschickt rollen Inder den Reis in das Curry, drehen, drücken, drehen und drücken und zack … landet es im Mund. Natürlich wird nur mit der rechten Hand gegessen, die Linke hängt schlapp auf dem Schoß, da damit ja der Hintern abgewischt wird. Jedes noch so einfache Restaurant verfügt über ein Waschbecken mit Seife. In den nobleren Locations bekommt man sogar eine Schale Wasser mit Blütenblättern drauf an den Tisch gebracht.

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Höflichkeit, Hilfsbereitschaft und Kontrolle in Indien

Typische europäische Höflichkeitsfloskeln sind Indern eher fremd. Ein „Hello“, „Goodbye“ oder „Thank you“ beispielsweise fällt hier so gut wie nie. Manchmal werden wir mit einem strahlenden Lächeln beschenkt. Wenn wir mit unseren Rucksäcken beladen versuchen, uns in ein Tuk-Tuk zu quetschen, schauen uns die Männer zwar zu, helfen uns in aller Regel aber nur, wenn wir sie danach fragen. Ausnahmen gibt’ s natürlich auch, wie der ein oder andere Taxi oder Tuk-Tuk-Fahrer. Unfreundlich kommen uns die Polizisten, Wachmänner und andere wichtige Typen vor, wie beispielsweise in Flughäfen und Bahnhöfen, die uns meistens ohne Blickkontakt abfertigen, uns falsche Auskünfte geben, zum x-ten Mal die Bordkante, die Visa oder die anderen Formulare kontrollieren. Mit ernster Miene schauen sie auf das – verkehrt herum gehaltene –  Visum, studieren es gründlich, klappen den Pass zu und lassen uns mit einem „Okay“ durch. Ein paar Meter weiter steht schon das nächste „Machtmännchen“ und das Spiel beginnt von vorn. In keinem anderen Land wurden wir so oft kontrolliert wie in Indien.

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„Incredible situations“

… nenne ich die Situationen, in denen du mit deinem Latein am Ende bist … kein bisher gelerntes Muster, Modell oder Schema kann dir weiterhelfen … nichts ist so, wie du es kennst … deine Interpretationsmöglichkeiten sind zu beschränkt, als dass du irgendetwas verstehen könntest … und, wenn du glaubst, du hast irgendetwas verstanden, kommt es eh anders und du beginnst wieder von vorne. Wer das mag, ist in Indien richtig. Hier kannst du viel lernen.

Beispiele dafür kannst du erleben, wenn du mit der indischen Eisenbahn fahren möchtest. Allein das Kaufen der Tickets, das Auffinden des richtigen Abteils und Sitzes usw. sind so undurchsichtig, dass du besser bis zum Schluss daran zweifelst, dass du im richtigen Zug sitzt. Auf die Aussagen der teilweise freundlichen Inder kannst du dich leider nicht immer verlassen, da das Kopfwackeln viel mehr als nur ein „ja“ bedeuten kann. Also, „keep cool“, warte ab, was passiert. Rege dich erst auf, wenn es soweit ist.

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Hand in Hand über die Straße

Befreundete Männer und Frauen gehen Hand in Hand über die Straße, was nichts mit erotischer Liebe zu tun hat. Andererseits tauschen Frauen und Männer auf offener Straße keine Zärtlichkeiten aus, da. Auch die Kleidung sollte entsprechend bedeckt sein. Auch wenn Inderinnen mit kurzen Ärmeln oder auch einmal bauchfrei zu sehen sind, die Dekolleté und Schultern sind immer bedeckt und die Röcke lang. Besonders in Kirchen und Tempelanlagen ist es ratsam, ein Tuch oder einen Sarong dabei zu haben.

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Als Frau in Indien reisen …

Wir (2 Frauen) haben hier gute Erfahrungen gemacht … keine Grapscherei, keine gefährlichen Situationen. Im Bus immer nach vorne setzen und möglichst am Fenster oder in der Mitte sitzen, damit der neben dir stehende Mann sich nicht so nah an dich drücken kann Da das Finden des richtigen Zuges/ Busses bzw. das Umsteigen vom Zug in den Bus besonders „incredible“ ist, haben wir uns meistens jemanden gesucht, der „intelligent“ aussieht, da er dir in gutem Englisch und mit Höflichkeit weiterhilft, z.B. das nächste Ticket zu kaufen, den Busbahnhof zu finden o.Ä. Dann müsste die Weiterreise klappen! Wir haben uns nicht eingeschränkt oder stark belästigt gefühlt. Dass uns die Männer anstarren, halte ich für menschlich, da wir nun mal sehr auffallen. Dass sie dann auch noch so unglaublich gerne ein „Selfie“ mit dir haben möchten, ist lustig wie nervig, je nachdem, in welcher Situation du gerade steckst. Wenn sich dann noch jemand in Unterhose auf die Liege am Strand direkt neben dich legen möchte – obwohl andere Liegen frei sind – reicht ein entschiedenes „No“ und er zieht auch wieder davon. Also … no problem!

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Toiletten für Frauen sind ein Thema für sich. Da hat Indien noch was zu tun … in Zügen geht das eher in AC-Abteilen, sonst besser einhalten und so wenig wie möglich trinken. Auch in Beach-Restaurants ist davon abzuraten.

Reisen ist wie eine Dusche fürs Gehirn. Du siehst einfach Dinge und Menschen, die du dir nicht vorstellen konntest. So anstrengend es zeitweise auch ist, macht es auch entspannter. Du kommst nach Hause und hast so viel gesehen, so viele Erfahrungen gemacht und Situationen bewältigt. Reisen ist Training für Toleranz und Weltoffenheit … auf zu neuen Abenteuern …

India, we’ll come back …

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Indien

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Kollam: 8.893212, 76.614140
Coimbatore: 11.016844, 76.955832
The Backwaters: 9.939625, 76.259498
Palolem Beach: 15.006234, 74.032950
Goa: 15.299326, 74.123996
Margao: 15.283219, 73.986191
Ooty: 11.562277, 76.534522

Mit der Nilgiri Mountain Railway von Mettupalayam nach Ooty und weiter zum Mudumalay Tiger Reservat

Die Schmalspurbahn von Mettupalayam nach Ooty, die auf der UNESCO-Weltkulturerbeliste steht, hat spezielle Kammräder an der Lokomotive, die in eine dritte verzahnte Schiene auf dem Boden greifen, um die unglaublichen steilen Steigungen zu bewältigen. Jeden Morgen um 7:10 Uhr verlässt sie Mettupalayam in Richtung Ooty (2. Klasse 30 IR, 5 Std.). Da man laut Lonlely Planet die  Fahrt unbedingt einige Wochen vorher buchen sollte, haben wir bereits in Kollam eine Reservierung besorgt, wobei uns Francis wieder geholfen hat.

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Um 6:30 fahren wir mit dem Tuk-Tuk zum Bahnhof und schon beginnt das übliche Spiel. Nachdem das reservierte Ticket  geprüft ist, bittet mich ein Mann draußen vor der Tür, der für uns wie ein Passagier aussieht, ihm das Ticket zu zeigen. Wie so oft,  verstehen wir die Situation nicht, schauen ihn fragend an, er wiederholt seine Aufforderung, wir geben ihm das Ticket, er checkt eine App und trägt uns 2 Sitzplätze ein. Indien ist immer für eine Überraschung gut … “incredible situations“ nenne ich diese Situationen, die so unglaublich und  so vieldeutig sind, dass wir mit unseren Interpretationen nicht weit kommen. Einfach drauf einlassen, abwarten, was passiert und 1000mal fragen ist die Devise.

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Auf dem Gleis angekommen, sagt uns der „Stationmaster“, dass wir auf der Warteliste stehen. Ein weiterer Mitarbeiter der Nilgiri Railway kümmert  sich um uns und weist uns einen Sitzplatz in einem 8er Abteil zu, dass aus unserer Sicht eigentlich schon voll ist.  Da es keinen Platz für die Rucksäcke gibt, schiebe ich meinen unter die Sitzbank und bringe Bettinas in den Lade-Waggon. Kaffee und Masala Chai kann ich noch besorgen, bevor die Dampfmaschine ihre Arbeit aufnimmt. Sie schiebt die Waggons gemächlich und mit Getöse die Berge hinauf, über uralte Holzbrücken, die über riesige Schluchten führen. Während der Fahrt bieten sich tolle Ausblicke auf  Wälder, Bergpanoramen und Teeplantagen.

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An den Haltestellen, wenn die  Dampflok mit Wasser befüllt wird, vertreten wir uns die Beine vom engen Sitzen, machen Fotos oder genießen den Ausblick auf die Berge. Unser Ziel, Ooty, erreichen wir nach 5 Stunden. Ooty (ca. 2000 m hoch), die „Königin der Hill Stations“ vereint indische Betriebsamkeit und Hindu-Tempel mit Parks und charmanten Bungalows aus der Zeit Britisch-Indiens. Das angenehm trockenere und kühlere Klima, vor allem Nachts, zieht Touristen sowie Einheimische an. Das Highlight von Ooty sind die wunderschönen Nilgiris. Hier kann man durch Stammesdörfer und  Teeplantagen und durch artenreiche Waldgebiete wandern … doch nur mit Guide, denn Tiger und Elefanten sind hier zu Hause und haben erst 2014 drei Menschen getötet.

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Mit dem Taxi fahren wir die kurvenreiche und steile Strecke hinunter zum „Jungle Hut“ im Mudumaly-Tiger-Reservat, das die höchste Tigerdichte in ganz Indien haben soll. Und den wollen wir schließlich sehen. Die ausgetrocknete Landschaft mit ihren dünnen, blattlosen Bäumen und stacheligem Gestrüpp erinnert mehr an eine  afrikanische Steppenlandschaft als an eine Dschungel. Seit ca. 6 Monaten hat es nicht mehr geregnet.

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In unserem Resort „Jungle Hut“ verteilen sich die geräumigen Cottages auf einer großen Anlage, auf der bei unserer Ankunft Hirsche und Schafe auf dem vertrockneten Boden „grasen“. Unser Taxifahrer vermittelt uns einen „preiswerteren“ Safaritour-Fahrer, der uns um 16 Uhr abholen soll. Trotz der Höhe ist es nicht sehr heiß, aber dafür trocken. Da man hier nur mit Verpflegung buchen kann, essen wir erst einmal. Wow … was für eine Auswahl es hier gibt. Natürlich werden auch von hier Safari-Touren (ca. 2500IR/ 35€, 2 Std.) von einem professionellen Guide angeboten. Da wir gerne vergleichen wollen, beginnen wir am gleichen Abend mit der 1. Variante (einstündig für 800 IR, ca. 11€). Am verabredeten Treffpunkt am Tempel außerhalb des Resorts, da dies keiner  sehen darf, geraten wir wieder in eine dieser „incredible situations“ … ein einziger Jeep steht weit und breit zur vereinbarten Zeit am Tempel. Unsere Idee, das könnte unser Typ sein, entpuppt sich wieder als zweifelhaft. Das für Indien typische Kopfwackeln des Fahrers auf unsere Frage hin hilft uns auch nicht weiter. Also rätseln wir weiter herum und harren der Dinge, die passieren. Und prompt biegt nach 10 min ein zweiter Jeep um die Ecke, der Anzeichen macht, dass wir mit ihm fahren. Nach kurzer Zeit befinden wir uns auf der Hauptstraße durch das Reservat, auf der Einheimische, Busse und andere Fahrzeuge mit Sondergenehmigung fahren dürfen- unserer Ansicht nach zu viele für ein Schutzgebiet. Als unser Guide laut „Peakock“ ruft und dafür anhält, dachte ich „Och nö, nicht schon wieder!“ Auch für ein Huhn stoppt er seinen Jeep. Da auf der rechten Seite der Straße die einzige Wasserstelle (ein gestauter Kanal) liegt, müssen alle Tiere zwangsläufig diese Straße überqueren. Geschickt gemacht, oder …?

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Dann sehen wir immer wieder  Hirsche und auch Bisons, die nah der Straße weiden. Der Bisonbüffel sieht beeindruckend groß und mächtig aus. Ich frage den Guide, wann er denn das letze Mal hier einen Tiger gesehen hätte … “vor drei Monaten“, … aha, denken wir, da stehen unsere Chancen ja eher schlecht. Sein Englisch ist eh so rudimentär, dass wir das Fragen besser einstellen. Am Ende des Kanals, als wieder Kühe die Straße blockieren, legen wir eine Pause ein, bewundern die Bäume mit den schönen roten Blüten und machen Jeep-Fotos.

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Die Einheimischen versuchen so gut es geht ihre Häuser gegen Elefanten zu schützen,  indem sie Mauern oder Zäune um ihre Häuser, Gärten und Äcker bauen. Auf dem Rückweg, als es bereits  dunkel wird, sehen wir  noch ein paar Wildschweine und sogar einen recht großen Elefanten, der leider etwas weiter an einem Baum steht. Kurz vor der Abbiegung zu unserem Resort turnen ein paar Langure auf einer Mauer herum.

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Unsere Resort liegt wunderbar ruhig umrahmt  von den Nilgiri-Bergen  und wird gut überwacht – Videokameras und Wachpersonal – wer abends vom Restaurant zum Cottage geht, wird vom Wachpersonal begleitet. Vor einigen Monaten war noch ein Elefant auf dem Gelände und hat am Tamarindenbaum geknabbert.  Abends sehen wir erschrocken ein riesiges Feuer auf dem Bergkamm, dass sich immer weiter ausbreitet. Auf unsere Frage hin, ob dies nicht gelöscht würde, antwortet uns die Chefin, dass es hier keine Hubschrauber dafür gäbe und dass das Feuer von alleine wieder ausginge. Wir beobachten hier, einige wohlhabende indische Familien, die ihre Kinder wie Babies betüddeln und europäische „Birdwatcher“, die hier auf die Pirsch gehen. Die umweltfreundliche Philosophie – es gibt gefiltertes Wasser – die „Jenseits von Afrika-Steppenlandschaft“ um uns herum,  das wohl beste Essen in Bokkapuram, das eiskalte Bier und die chillige Pool-Area bieten so viel, dass wir noch gerne einen Tag länger bleiben möchten.

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Bei der Night-Safari mit unserem Guide schätzen wir, dass er uns mehr zu den Tieren erzählen kann und mit seinem Co-Guide ein guter Beobachter ist. Selbstverständlich verschweigen wir, dass wir gestern Abend schon mal hier waren. An einer Stelle hören wir ein Rascheln im Busch und als wir gebannt warten, was da wohl aus dem Gebüsch kommt, vermutet unser Guide einen Bären … doch dann war es „nur“ eine Wildschwein-Herde. Kurz darauf läuft eine große Bisonherde auf die andere Seite. Als es dunkel wird, entdeckt unser Guide auch wieder einen Elefanten, der etwas weiter zur Wasserstelle hin steht. Doch dann, als wir noch mal anhalten und auf ein Gebüsch starren und leuchten, da sehen wir ihn … den indischen Lippenbär … den hält unsere Guide für sehr gefährlich … er überquert noch die Straße und verschwindet im Dickicht … das ist doch ein Highlight … doch ein Zweites folgt, als kurz vor unserem Resort eine Elefantenkuh mit ihrem neugeborenen Baby direkt neben der Straße auftaucht. Unfassbar schön, wie sie da so steht und das Kleine beschützt. Als unser Guide in ein Off-Road-Gelände abbiegt, sehen wir schlafende Hirsche und Bisons. Etwas lustig kündigt er an, dass nur aussteigen darf, wer schnell laufen könne. In dem Moment, als er gerade mit der Taschenlampe aussteigt, ruft er „Oh, the elephant is coming“ und springt wieder in den Jeep, startet ihn und leuchtet den Elefanten an. Dass er den überhaupt so schnell gesehen hat, hat uns so verwundert. Spannend und lustig war’s allemal.

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Das Elefantencamp  hinter Masinagudi, das wir am letzten Tag besuchen, ist zwar kein echtes Highlight, hat uns dennoch viel Spaß bereitet, denn nach der Fütterung der Elefanten kommen die Languren, um die Reste des Elefantenfutters zu klauen und abzuhauen … eine schöne Belustigung für die Kinder.

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Der Affe, der die Kokosnuss klaut, setzt sich auf eine Zaunpfahl und futtert sie. Wir machen Fotos und Filme für die Enkelkinder. So ganz nah traue ich mich doch nicht an sie ran. Ihre spitzen, kleinenZähne schrecken mich doch etwas ab. Das Elefantenfutter besteht aus großen braunen und weißen Brocken, die von den Mahouts durchgeknetet und dann in die Mäuler gestopft werden. Dazu gibt es noch Zuckerrohr und Kokosnüsse.

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Ooty

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Von Kollam nach Coimbatore

Durch die Zeitverschiebung in Deutschland weckt uns mein Handy eine Stunde zu früh, was wir nicht direkt bemerken. So stehen wir um 5 Uhr auf und wunderten uns, das Francis nicht im 5:15 mit seinem Tuk-Tuk vor dem Eingang steht. Nach ca. 15 unruhigen Minuten wecken wir einen der Mitarbeiter, der auf dem Tisch schläft und uns verwundert anschaut. Aha … eine Stunde zu früh 😞…

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Leider bringt Francis uns nicht zum Bahnhof hinein und nun beginnt unser indisches Suchspiel „Züge finden in Indien“. Wie zuvor stehen wir nur auf der Warteliste, obwohl wir ein Ticket haben. Scheinbar mögen die Inder diese Wartelistenaktion, da man so noch mal zu einem Schalter muss. Per Hand wird die Sitzplatznummer, die Stelle des Bahnsteigs und die Waggon-Nr. eingetragen … nur welche Nummer bedeutet was? Wir verwechseln natürlich die Waggonnummer (S4) mit der Nummer der Einstiegsstelle (13)  und laufen den ganzen Bahnsteig hinunter, fragen nach und werden wieder an das andere Ende geschickt. Da um 7:10 Uhr ein Zug einfährt, denken wir, dass dies unser Zug sein muss. Wir suchen Waggon Nr. S4, finden ihn nicht, fragen wieder nach, werden weit ans Ende geschickt, wir laufen mit den Rucksäcken wie verrückt und steigen kurz bevor er losfährt ein … doch dann frage ich 3 Männer im Zug, ob er nach Coimbatore fährt und als sie dies dann verneinen, rufe ich „Bettina raus!“ und prompt stehen wir wieder auf dem Bahnsteig. That’s Indian Railway!

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Am richtigen Gleis steht zur richtigen Zeit ein Zug, aber nicht deiner. Vom ersten Schrecken erholt, stellen wir uns in Abschnitt 13 und warten auf den nächsten Zug. Natürlich versichern wir uns vorher, ob dies auch wirklich unser Zug ist und ja, er war es … doch, oh Schreck, dieser Zug unterscheidet sich extrem von unserem ersten Zug. Es ist stickig, heiß und schmutzig … sehr einfache Kategorie eben … local class … wir kommen schnell in Kontakt mit der alten Dame uns gegenüber, die ein Ayurveda-Institut in Kerala betreibt und schon einige Male u. A. in Frankfurt, Bremen und auch Leverkusen war. Dort kennt sie auch eine Evelyn, die in einem Labor arbeitet und die sie regelmäßig besucht. So klein ist die Welt. Wir tauschen uns über Ayurveda, Leverkusen, Deutschland und unsere bisherige Reise aus und lachen viel miteinander. Natürlich bekommen wir eine Visitenkarte mit Einladung nach Trivandrum. Auch die Zugkellner, die stetig „Coffee … Chai“ oder „Samosas“ rufen, bleiben gerne bei uns hängen und machen Späße mit uns, vor allem weil ich zu Beginn 4 Kaffee geordert habe, ohne zu wissen wie die Toilette aussieht … Zwischendurch versuchen wir auf der oberen Liege zu schlafen, doch die Luft ist oben so stickig heiß, dass es kaum möglich ist. Auf den Sitzen und an den Rückenlehnen klebt der Schweiß von tausend Indern und unserer kommt jetzt noch dazu. Diese 7,5 Stunden bei gefühlten 40 Grad in diesem Zug sind wahrlich eine wahre Herausforderung.

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An größeren Bahnhöfen strömen jede Menge fliegende Händler in die Abteile und wollen alles Mögliche verkaufen: Schlüsselanhänger, Kitschfiguren, „frisch gepresste“ Säfte, Wasser, Cola, Seven-Up, Tee und Kaffee aber auch Schmuck und selbstverständlich leckeres, indisches Essen. Nach dem Essen wird einfach alles aus dem Zugfenster geworfen. Das scheint hier so üblich zu sein, denn es gibt wirklich nirgends einen Mülleimer. Ich hab in ganz Indien nur wenige gesehen. Wahrscheinlich werden auf diese Weise wieder Arbeitsplätze geschaffen, denn zumindest an den Bahnhöfen tummelten sich einige Menschen, die den groben Unrat sofort in blauen Müllsäcken verschwinden ließen. Aber wie gesagt nur den wirklich groben Unrat. Alles andere liegt einfach so rum.

Als wir dann gegen 15:30 Uhr endlich Coimbatore erreichen, suchen wir unseren Taxifahrer, finden ihn jedoch nicht direkt, laufen die Treppe rauf in die falsche Richtung zum anderen Ausgang des Bahnhofs, wo uns auch die Polizei nicht weiterhelfen konnte, auf die andere Seite zu gelangen. Während wir mit dem Tuk-Tuk rüberfahren, klingelt mein Handy. Gowshi, unser Fahrer erwartet uns. Nach einem kalten Drink geht’s nun gemütlicher in seinem Auto mit AC weiter nach Mettupalayam.

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Das Hotel, das er uns empfiehlt, ist zwar sauber aber mehr als geschmacklos eingerichtet. Für knapp 1800 IR (ca. 25€) bleiben wir, gehen kurz duschen, damit Gowshi uns die Stadt zeigen kann. Nach einer Rundfahrt durch das Gewühle, einem Fotostop, an dem er unbedingt Fotos mit uns machen wollte, suchen wir ein Restaurant auf, dass ebenso geschmacklos wie das Hotel eingerichtet ist. Unter geschmacklos verstehen wir hier gekachelte Böden, Plastikstühle, kahle und oft schmutzige Wände. Beim Essen haben wir zusammen um so mehr Spaß, denn unsere Themen über Liebe und Heiraten in Indien und Deutschland, über die Müllprobleme und Bier trinken, bringen ihn immer wieder aus der Fassung. Mit weit aufgerissenen Augen lacht er sich kaputt. Natürlich gibt es hier kein Bier, doch in unserem Hotel ergattern wir noch 2 große Flaschen und verschwinden damit ins Bett.

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Coimbatore

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Coimbatore 11.016844, 76.955832

Kollam

Ashtamudi Villas in Kollam

 Was für eine Wohltat an diesem ruhigen Örtchen zu sein. Wie die meisten indischen Städte ist es in Kollam auch laut und der Straßenverkehr chaotisch mit dem üblichen Gewusel, weswegen wir diese Abgeschiedenheit hier am See in diesem tropischen Garten sehr mögen. Es ist sehr amüsant mit den anderen Travellern aus Frankreich, England, Deutschland usw. hier an einem Tisch zu sitzen, zu essen und zu quatschen. Mein 1. keralisches Frühstück war doch etwas scharf für mich. Die Currys hier sind ausgezeichnet … Paneer Butter Masala ist mein Favorit!

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Ayurvedische Massage

 An dem Nachmittag nach unserer Kanutour wollen wir eine original ayurvedische Massage probieren. Francis erklärte uns schon auf der Hinfahrt, dass dies eher eine Klinik sei. Das Gebäude schien schon etwas in die Jahre gekommen zu sein und an der Rezeption staunten wir über die Vielzahl an Kräuterölen. Doch ohne eine Untersuchung beim Arzt geht hier gar nichts.

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Bettina liegt  splitterfasernackt auf dem Holztisch … sie wird komplett eingeölt … komisch ist  ihr, dass der Raum eher schmuddelig aussieht, dass sie dann noch bei 38 Grad Außentemperatur in eine „Steambox“ (Dampfbox) gesteckt wird, in der es dann noch wärmer war. Bettina fühlte sich gegart wie ein Hühnchen. Duschen muss sie sich zum Schluss in einem schmuddeligem Bad.

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„Verschrieben“ hat mir der Arzt eine Gesichtsbehandlung und eine Art Lymphdrainage gegen meine geschwollenen Füße. Als ich in den Raum komme, mischt eine Frau eine Ölmischung aus verschiedenen Kräuterölen zusammen. Ich schaue mich um … Mich erinnerte der Raum eher an einen Folter- und Leichenkeller … diese Holztische mit Abfluss, dieser Galgen über mir (eine Stange mit Schlingen dran), diese sterile Atmosphäre, keine Deko oder andere nette Assecoires, schmutzige Wände und einen Ventilator, der so stark brummt und wackelt, dass ich darum bitte, ihn trotz großer Hitze auszustellen. Folglich wird eine Frau beauftragt, mich mit der Zeitung zu befächeln. Meine geschwollenen Füße werden von 2 Frauen mit Öl kräftig bearbeitet, während ich auf dem Holztisch liege … neben mir eine Herdplatte mit kochendem Wasser.

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Mir ist unbeschreiblich heiß. Wenn es mir zu weh tut, zucke ich und rufe „Pain“. Bei der anschließenden Gesichtsbehandlung hält sie mir einen Schlauch aus dem Kochtopf ans Gesicht. Der versprüht heißen Wasserdampf auf mein Gesicht. Oh Gott … mir wird noch heißer. Ohne das Fächeln der Frau wäre das nicht auszuhalten. Dann bekomme ich eine Gesichtsmaske, werde im Gesicht gezupft und gerieben, eine Maske wird mir aufgetragen, die Augen verdeckt … ich spüre den Wind der fächelnden Zeitung, mein Rücken schmerzt langsam von der harten Unterlage … die Haare werden  mit eingeölt … ich schwitze immer mehr bei dieser tropischen Luftfeuchtigkeit von ca. 80% … zum Schluss werde ich in ein schmuddeliges Bad gebracht, wo ich mir das Gesicht abwaschen soll … Tja, mit Wellness hat das nun wirklich nichts zu tun.

 Francis, unser Tuk-Tuk-Fahrer von „Ashtamudi Villas“ und die indische Küche

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Dieser tolle Typ verdient eine extra Portion Anerkennung, denn er hat wirklich alles für uns getan. Ob Zugtickets  besorgen, ATM’s finden, uns zum Festival begleiten usw., immer wieder bringt er uns zum Lachen, sein Englisch ist exzellent und sein Lebensgefühl positiv. Abends entführt er uns in ein vegetarisches  Restaurant, in dem die Inder essen.

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 Auch zu den Masala Dosas, die er uns nach der Kanutour empfiehlt, sind die Dips besonders lecker. Dosas sind große pikante Pfannkuchen, die auch schon mal als Pyramide serviert werden. Puri sind Teigfladen, die beim Frittieren riesig groß aufgehen und aussehen wie ein Ballon. Naan ist das im Tandoor gebackene, flache Brot, wozu gerne  Raita, ein mild gewürzter Joghurt mit Gurke und Ananas, serviert wird. Sehr scharf ist das Curry Vindaloo, Dhal und auch das Butter Chicken Masala. In den Zügen werden meistens Samosas, frittierte Teigtaschen mit Gemüse, und Idli (Reisbällchen) serviert.

 Als Fahrer unserer Unterkunft versteht er  sich als Kümmerer und Unterhalter. Er erklärt uns die religiösen Rituale zum Beispiel, warum Jungen und Männer geschminkt und gekleidet wie Frauen herumlaufen, welche Tempel gerade besucht werden, warum so viele Menschen gerade nach Kollam reisen usw.

Bier  trinken in Kerala

Nirgendwo sonst haben wir solche Menschenschlangen vor diesen kleinen Lädchen, die Alkohol verkaufen, gesehen. Abends stellen sich die Fischer dort an, um sich ihr beliebtes Getränk zu kaufen. Man sagt, dass der Verkauf von Alkohol stark kontrolliert wird und dass die Regierung diesen immer mehr beschränken möchte. Dass dies nun auch Auswirkungen auf uns hat, hätten wir nun nicht gedacht, denn die Mitarbeiter des Resorts scheuen keine Mühe für uns mit ihren Mopeds die Bierflaschen einzeln an speziellen Stellen (z.B. Hotels) zu besorgen. Auch für die Bootstour werden für uns extra einige Flaschen per Moped organisiert.

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Kollam

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Kollam 8.893212, 76.614140

Die Backwaters von Kerala

„Eine Bootsfahrt auf den Backwaters von Kerala gehört zu den beeindruckensten Erlebnissen einer Indienreise“

… heißt in fast allen Reiseführern. Auf einer Strecke von ca. 75 km erstreckt sich diese Strecke zwischen Kollam und Kochi. Wer auch immer vor 20 Jahren die Idee hatte, Touristen auf alten Reisbooten (Kettu Vallam) durch die Backwaters zu schippern, hätte sich wohl nie träumen lassen, dass mittlerweile mehr als 500 dieser Boote auf den Wasserwegen unterwegs sind. Diese Hausboote passen sich  mit ihren  Aufbauten aus geflochtenen Palmwedeln und Kokosbast wunderbar in diese grüne Landschaft voller Kokospalmen. In Allapuzzha sind die meisten stationiert, so dass man dort eine größere Auswahl hat. Diese reicht von der Luxusklasse mit AC-Zimmer, Wein und Whirlpool bis zu den schnörkellosen Transportbooten mit lauten Dieselmotoren, engen Schlafzimmern und wenigen Waschmöglichkeiten. Entsprechend sind die Preise … ob mehrtägige Touren oder Tagestrips … alles ist möglich.

Da es hier in Kollam weniger Hausboote gibt und heute auch noch ein Feiertag ist, an dem viele Inder angereist sind,  diese auch gerne mit ihren Familien eine Tour unternehmen, haben wir Schwierigkeiten ein Boot zu bekommen. So entscheiden wir uns erst einmal für ein umweltfreundlicheres Kanu (kettu vallam). Erstes tun wir dem fragilen Ökosystem einen Gefallen und zweitens uns, da wir eine Menge Geld sparen. Von unserer Unterkunft „Ashtamudi Villas“ holt uns der beste Tuk-Tuk-Fahrer von Kollam – Francis – ab. Auf der Fahrt zum Fähranleger zeigt er uns ganz stolz sein Zertifikat.

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Mit Hilfe von 3 Schienen kommt auch das Tuk-Tuk auf die Fähre. Nach weiteren 10 min erreichten wir das Haus des Bootsmannes, der uns freundlich begrüßt. Wir (3 Frauen) haben genügend Platz in dem großen Holzkanu, das er mit dem Bambusstab steuert. Sehr gemächlich treiben wir nun durch die engen Kanäle, die gesäumt von der grünen Vegetation, in denen sich die Palmen spiegeln.

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Als unser Bootsman eine Pause einlegt, erzählt er uns bei einem Masala-Tee  etwas zur Lebensweise hier in den Backwaters. Die Menschen hier leben von dem, was hier wächst … Chashewnüsse, Papayas, Reis, Bananen, sie halten Tiere  oder betreiben Garnelenfarmen.

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Das faszinierende Labyrinth schimmernder Wasserflächen – Seen, Kanäle, Bäche – wird von dichter tropischer Vegetation gesäumt und zeigt ein ländliches Kerala. Unterwegs eröffnen sich ständig neue Ausblicke, von schmalen Kanälen und undurchdringlichem Grün bis zu offenem Gelände und Reisfeldern. Zwischen den Palmen blitzen Häuser, Farmen, Kirchen, Tempel hervor … zwischendurch ein Eisvogel, ein Kormoran, der seine Flügel im Wind trocknet. Wir gleiten langsam dahin und hören nichts, außer dem Vogelgezwitscher.

Manchmal fahren wir unter einfachen Brücken hindurch, an denen wir uns bücken müssen. An einem Dorf halten wir an, wo gerade Kokosbast hergestellt wird. Unfassbar wie schnell die Frauen den Bast zu einem Seil drehen … alles per Hand. Einer muss immer das Rad drehen … nun geht es langsam zurück und eine wunderbare Tour geht nach 2 Stunden zu Ende.

Als wir am Abend erfahren, dass die Hausboottour am nächsten Tag doch klappt, trotz Karfreitag, freuen wir uns sehr. Denn Joseph, der Besitzer des Resorts, sagte uns am Morgen, dass es schwierig sei, da zur Zeit viele Inder wegen der Festtage hierherkommen und ebenso gerne mit ihren Familien auf den Hausbooten fahren. Gemeinsam mit den beiden Münchnern werden wir am nächsten Morgen direkt an der Anlegestelle hier am Resort abgeholt.

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Schon beim Anblick des Bootes sind wir verzückt und stauen noch mehr, als wir hineinklettern … ein mit Ananas, Bananen und Mandarinen belegter Teller auf einem netten Tisch, 2 Stühle davor, blaue Sitzkissen mit orientalischen Ornamenten, bunte Teppiche … wow , wir sind platt, schauen uns direkt die beiden Schlafzimmer und die Bordküche an, in der die beiden alten, eher zahnlosen Männer für uns kochen.

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Im Bug machen wir es uns gemütlich, genießen den Ausblick und fotografieren wie wild. Auf dem Ashtamudi Lake überholen uns rostige, alte Schiffe und andere Reisbarken. Mit unserem Bootsmann halten wir einen Plausch über die Fangmethode mit den chinesischen Fischnetzen. Schließlich fragt er uns, ob wir ein paar Prawns aus dem See probieren möchten und da wir ihn nicht ganz verstehen, willigen wir einfach ein. Schließlich steuert er ein kleines Dorf an und führt uns zu dem Haus des Prawn-Fischers, wo wir für uns Vier ein Kilo Prawns für 1400 IR (ca.20€) kaufen. Unsere beiden Köche zaubern in der Küche ein unfassbar leckeres Essen, denn diese dicken Prawns sind herrlich gewürzt und auf Spießen, die aus dünnen, stabilen Blättern abgezogen sind, gegrillt. Ich habe noch nie Bessere gegessen.

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Mittlerweile befinden wir uns in den schmaleren Kanälen und wir wissen gar nicht, wo wir zuerst hingucken sollen … auf das Essen oder auf die Backwaters, die jetzt in diesen enger Wasserstraßen noch schöner sind. In dem Palmen gesäumten Ufer spiegeln sich die Palmen im Wasser und hinter jeder Kurve erscheint ein neuer Ausblick, der fasziniert. Kinder und junge Männer winken uns vom Ufer zu, Weißkopfadler suchen nach Fischen und streiten sich um Einen.

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Auf dem Rückweg lege ich mich vorne in die Sonne und genieße  die leichte Brise. Das Bier, das Joseph uns extra besorgt hat, macht uns müde und wir dösen so dahin. Als wir gegen 17 Uhr unseren Anleger erreichen, verabschieden wir uns mit einem Fotoshooting von der Belegschaft.

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The Backwaters

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The Backwaters 9.939625, 76.259498

Von Goa über Margao nach Kollam (Kerala)

Indische Eisenbahn

Wer mit der indischen Eisenbahn fahren möchte sollte früh buchen. Da es viele Inder gibt, die vorzugsweise ihr Land mit dem Zug bereisen, sind die Plätze Wochen vorher ausgebucht. Wir bekommen nach langer Suche und Beratung von einem sehr hilfsbereiten Inder in der Travel Agency in Palolem gerade noch 2 Plätze, 3. Klasse AC in der Sleeper Class. Da der Zug morgens um 6 Uhr von Margao startet, organisieren wir uns den Taxifahrer, der uns bereits am Flughafen abgeholt hat. Um 4:15 Uhr früh steht er am Taxiplatz in Palolem und fährt uns zum Bahnhof von Margao (ca. (45 min).

Nachdem der Zug pünktlich losgefahren ist, bekommen wir den vollen Service, mit dem wir niemals gerechnet haben: ein frisches Laken, 2 Flaschen Wasser, Kaffee, ein würziges, scharfes Frühstück (Gemüsebällchen / Korma, Toast, Butter, Marmelade und Mangosaft). Während ich schlafe, wird der Boden geputzt und der Müll eingesammelt. Obwohl im LP sehr vor Dieben gewarnt wird und wir infolgedessen unsere Rucksäcke nicht aus dem Auge lassen und die Bauchgurte wachsam tragen, können wir dies nicht bestätigen. Entweder haben wir den „ICE“ der Indian Railway gebucht oder was auch immer … jedenfalls wirken die Passagiere hier sauber und gepflegt. Immerhin bezahlen wir hier ca. 34€ für über 850 km.

abteil

Nachdem ich die „Times of India“ gelesen habe, mache ich es mir gemütlich und genieße den Blick auf die sich verändernde Landschaft. Die Vegetation wird immer grüner. Gegen Mittag wird eine heiße Suppe mit 2 Brotstangen serviert. Bettina schläft, liest und lacht über unseren Mitarbeiter, der sich immer wieder zum Pennen in ein freies Bett legt.

anzeigetafel

Als wir nach ca. 12 Std. Kochi erreichen, beginnt das indische Chaos. Wie finden wir den Busbahnhof, den Ticketschalter, den richtigen Bus usw. …  Glücklicherweise habe ich einen gebildeten, englisch sprechenden Ingenieur angesprochen, der uns anbietet, mit uns die Tickets zu besorgen. Er scheint zu wissen, was da auf zu kommen sollte, denn am Busbahnhof hätten wir jedenfalls kaum eine Chance gehabt, das richtige Ticket zu kaufen. Wir stellen uns an und er managt den Kauf. Was er an dem 2. Schalter noch machen musste, verstehen wir sowieso nicht. Während wir in der völlig verranzten Halle mit nicht mehr lesbarer Anschlagtafel warten, bringt er sein Gepäck mit dem Versprechen wiederzukommen ins nahe Hotel. Weder die Schrift auf den Bussen noch die Ansage kann uns weiterhelfen.

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Als wir dann in den Bus steigen wollen, wird’s richtig spannend, denn wie sollen wir mit den Rucksäcken in einen völlig überfüllten Bus steigen, in dem wir die Sitze 4 und 5 reserviert hatten.

busbahnhof

Die Menschentraube hängt zu den Türen hinaus und wir sollen einstiegen. Wir laufen von vorne nach hinten, suchen nach einer Ladefläche für die Rucksäcke, fragen unseren Mann, der letztlich den „Bus-Manager“ auffordert, dafür zu sorgen, dass unsere Sitze frei werden. Ich steige irgendwie ein, sehe, dass auf unseren Sitzen direkt hinter dem Fahrer eine ältere und eine jüngere Frau sitzt, die mich verständnislos anschauen. Überhaupt glotzen uns hier alle an, da wir die einzigen Traveler hier sind. Die beiden Frauen stehen auf, ich quetsche nich irgendwie durch die Menge und versuche meine Rucksack in die Lücke hinter den Fahrersitz zu quetschen. Bettinas noch oben drauf und wir davor, seitlich eingekeilt zwischen den stehenden Männern links und der sitzenden Frau rechts von uns … Und das bei ca. 35 Grad. Natürlich steht der Bus noch eine Weile, damit uns die Schweißbrühe noch den Rücken runterläuft. Wir halten es aus und durch … 4 Stunden lang, so viel stop and go, weil hier gerade einige Festivals stattfinden (Karfreitag) … wir sehen Männer, die geschminkt und gekleidet sind wie Frauen und lassen uns später den Sinn dieses Festes erklären … Der indische Straßenverkehr gleicht einem Slalomkurs, der täglich zu ca. 200 Unfällen führt. Wir sehen zum Glück nur einen verletzten Mann auf der Straße liegen, der wohl beim Überqueren dieses mörderischen Highways überfahren wurde. Als sich ein Typ zu sehr mit seinem Körper an Bettina quetscht, drücke ich ihn zweimal unsanft weg. Anders geht es hier nicht.

Als wir gegen 23:30 den Bahnhof von Kollam erreichen, stehen nur noch 2 Tuk-Tuks dort, deren Fahrer so gut wie kein Englisch sprechen. Wie gerufen stehen gerade 2 junge Männer dort, die wie Studenten aussehen und dem Fahrer übersetzen, wo wir hinwollen. Natürlich verfährt sich der Fahrer, hält noch 2 mal an, um jemanden zu fragen, bis wir dann endlich vor „Ashtamudi Villas“ stehen! Wie glücklich wir sind, als wir freundlich empfangen werden, jeder von uns ein großes Bier bekommt, wir durchatmen können und unsere schöne Villa sehen. Bisher das Beste, was wir hier hatten. Allein das Bad ist so nett gemacht.

Stolz auf uns, diese anstrengende Tour geschafft zu haben, fallen wir ins Bett.

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Goa „Palolem Beach“

Was laufen hier eigentlich für Leute rum? Wer reist denn wohl so nach Goa? Gibt’s da auch Pauschaltouristen mit Rollkoffer? Bestimmt hauptsächlich junge Backpacker, Studenten so um die 25-35Jahre … doch siehe da, es ist ganz anders. Im Dreamcatcher sind einige ältere europäische Damen über 60 J., die im Yoga-Kurs oder auf ihrer Terrasse ihren hageren Körper dehnen. In der Bar sitzend checken sie ihre Emails auf dem iPad oder lesen E-Books. Eine „Oma“ erklärt mir, dass sie 70 Jahre alt sei und nun zum xten Mal versuche, den CheckIn Ihres Rückflugs hinzubekommen, doch die Verbindung hier sei ja so miserabel. Sie besuche jedes Jahr für 4 Monate ihre Tochter, die am Patnem-Beach eine Travel-Agency betreibt.

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Glücklicherweise hält sich die Anzahl der Russen in Grenzen. Mein erster Eindruck von 3 Russen passte prompt zu meinen Vorstellungen. Einige hübsch gekleidete Inderinnen verteilten am Strand Farbtupfer zum Holi-Fest, woraufhin ein Russe sagte: „ If you give me Sex, I give you money!“ Der ratlose Blick der Inderin sagte alles …

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Am Agonda Beach trafen wir auch nicht die typischen Backpacker, denn dort geht es etwas nobler zu. Die ca. 2km lange, fast menschenleere Bucht ist sehr sauber, nur ein paar Resorts zieren den Rand der Bucht, keine Boote, wenige Liegen, natürlich Kühe, einfach ruhig und leer … Gewundert haben wir uns über die Strandverkäufer/innen, die in Palolem verboten sind … ganz anders geht es am Palolem Beach zu, obwohl er direkt nebenan liegt …  bunte Hütten, Restaurants und Bars säumen die Bucht … Fischerboote und Kanus liegen aneinander gereiht … und abends wird der Strand zur Promenade … dann spielen die Inder Fußball, Cricket oder Joggen … indische Familien spielen im Wasser, Fischer holen ihre Boote rein und Kellner bauen die Tische für’s Abendessen im Sand auf … der Strand ist zwar sehr belebt, gilt aber als „Quiet Beach“, von daher gibt es nur „Headphone-Partys“ und die Polizei passt auf.

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Im „Palolem Coconut-Tree“ finden wir eine neue Hütte, direkt am Meer, sehr basic … immerhin mit 2 Liegen und einer Palme davor, die permanent zum Fotoshooting genutzt wird. Auch der Preis ist basic … 1200 IR (ca. 17€), dafür gibt’s kein Regal, keine Haken oder andere Ablagemöglichkeiten. Unsere Nachbarn sind äußerst trinkfreudig und gesellig. Gestern haben sie – ein englisches älteres Paar – ein weiteres Paar zum Wodkasaufen und Grölen eingeladen … mit ihrer mobilen Box haben sie über’s Handy ihre Musik eingespielt, Kette geraucht und gesoffen … es war unfassbar laut. Doch dank meiner Ohrenstöpsel konnte ich einschlafen, Bettina dagegen hatte eine unruhige Nacht.

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Masseure aus Kerala bieten ihre Dienste an, die wir gerne ausprobieren: Pediküre mit neuem Nagellack. So sauber hätten wir unsere Füße nie hinbekommen. Die Masseurinnen haben einen harten Griff, was man diesen zarten Körpern gar nicht zutraut. Zum Essen gehen wir in das Restaurant auf den Felsen und genießen die Sonnenuntergangsstimmung mit Blick über die ganze Bucht.

Einen ATM finden wir in Canacona (ca. 4km) und am Agonda Beach (ca. 12 km)). Ein Taxi– oder Tuk-Tukfahrer bringt einen z.B. für 300 IR (ca. 4,30 € ) nach Agonda. Ich hebe schrittweise jedes Mal 7400 IR (ca. 100€) ab, da dies am Besten klappt.

Da Inder eher meditativ arbeiten, braucht alles seine Zeit. Bis du im Restaurant gesehen wirst, bis jemand kommt und dir die Karte bringt, bis das 1. Bier kommt, bis der Kellner dir das Essen und dann die Rechnung bringt … alles sehr gemächlich. Alle haben Zeit im Überfluss. Mit großem Hunger oder Durst solltest du nicht ins Restaurant oder an die Bar gehen. Unsere deutsche Betriebsamkeit, unsere Hektik und unser Tempo brauchen einige Tage zur Adaption.

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Wie sind die Inder? Einige schauen uns nicht an, wenn wir sie ansprechen. Sie wirken eher abweisend, starren beispielsweise auf ihren Monitor und sprechen sehr undeutlich und schnell, so dass wir Mühe haben, überhaupt etwas zu verstehen. Verkäufer vor ihren Läden sprechen uns permanent mit „ Come and have a look“ an. Andere sind wieder sehr freundlich und helfen uns sehr. Zum Beispiel am Bahnhof von Margao, wo wir wirklich Angst hatten, unseren Platz/Waggon nicht zu finden. Dort sprach mich ein Mann an, wo ich denn hinwollte. Er besorgte mir einen Chai und versprach mir, uns zum Gleis, zum Zug und zu unserem Platz zu bringen, was er dann auch tat. Wir waren überglücklich, als wir dann am richtigen Platz waren. Dass mich viele – besonders Männer – anschauen, daran habe ich mich gewöhnt. Frauen sind sehr zurückhaltend, aber freundlich.

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Palolem Beach

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Palolem Beach 15.006234, 74.032950

Goa

„Einer der schönsten Strände Goas und sogar einer der schönsten Südostasiens“

solche Aussagen fand ich im Internet, bevor ich mich für  Palolem entschieden habe. Die Bucht ist umringt von Palmen, bunten Hütten, Bars und Restaurants.

Den Strand  teilst du dir nicht nur mit anderen Reisenden und Locals, sondern auch mit vielen Hunden und Kühen, die es sich gerne am Strand gemütlich machen und mir beim Joggen gerne hinterlaufen (also die Hunde nicht die Kühe). Das flache Wasser lädt die Kinder zum Planschen ein. Mich pieksen beim Schwimmen winzige Quallen, was sehr unangenehm ist.

Der Anblick bei Sonnenuntergang ist traumhaft schön, besonders von südlichen Ende der Bucht, wenn man auf die Felsen steigt oder oben von Restaurant den Blick genießt. Die Brandung, die letzten Sonnenstrahlen, die vom Wasser reflektiert werden, umgeben von Palmen und leichter Musik, die aus den Bars kommt. Palolem macht seinem Ruf alle Ehre und ein Besuch ist absolut lohnenswert.

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Unsere „Dreamcatcher-Resort“ ist für das Preisniveau hier mit 2400 IR( ca. 30€) etwas überteuert. Man kann durchaus für 500- 1200 IR (ca. 5-15€) hier eine Hütte bekommen, zumal jetzt eh nicht mehr so viel los ist. Nun gut, wir waren zuvor noch nicht nicht in Indien und haben auf den Tipp meines Sohnes hin die erste Woche hier gebucht. Nun genießen wir es hier in vollen Zügen. Das Resort ist gepflegt und sehr sicher, obwohl der Putz schon mal von den Wänden bröckelt. Scheinbar haben wir auch Holzwürmer, die an unseren Betten knabbern, denn morgens sieht man, was sie nachts geleistet haben .Einen Spa, eine Yoga-Halle, warme Duschen, Bücher, Safe, Taxifahrer, der im 24-Stunden-Dienst zur Verfügung steht…das alles gibt es hier. Auch die bunt gekleideten Inderinnen, die im Resort unentwegt fegen oder am Kleiderstand sitzen und uns stetig mit mit ihrem „Have a look“ begrüßen, verkörpern Stolz,  Anmut und Tradition und sind  überhaupt schön anzusehen. Ja und Mosquitos gibt’s reichlich…direkt am Fluß gelegen, kein Wunder…auf der Terasse unserer Hütte werde ich sofort ausgesaugt… gemütlich sitzen geht nicht …

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Wie unser Tag aussieht? Tja, morgens gehe ich (Eve) 2 Runden am Strand Joggen. Im Rockit Cafe nehmen wir dann unser Frühstück zu uns (450 IR ca. 6€), genießen die noch angenehmen Termperaturen  und den Blick auf’s Meer. Nach dem Lesen und Planen der weiteren Reiseroute trainieren und stretchen wir uns in der Yoga-Halle. Entweder erfolgt anschließend eine ayurvedische Massage oder ein Snack am Strand. In die Sonne legen wir uns gerne am Nachmittag, beobachten das Treiben am Strand und den Sonnenuntergang. Manchmal geht Bettina noch einmal die Bucht rauf und runter, bevor es uns am Abend in eines der Restaurants treibt. Sehr gutes Essen gibt es im Dopadi’s, für Vegetarier und Fischliebhaber  ist das hier eh ein Traum, so viel Auswahl an köstlichen Gerichten und frischen Fisch. Zweimal schon gab’s zum Abendessen auch Live-Musik, meist wunderbare Gitarrensongs, besonders die letzt Gruppe im Rockit Cafe’ spielte alte Rockmusik und Blues…richtig klasse!

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Verlässt man das Resort, fallen einem die Hütten mit Plastikplanen drüber auf, die eher aussehen, wie Ställe…doch die Inder wohnen darin. Auch die vermüllten Stellen hinter den Plastikplanenzäunen sind keine Augenweide. Die Shops in der Main-Road bieten jede Menge Kleidung, Ledertaschen, Schmuck, Hängematten, Stoffe usw. Jedes Jahr werden alle Hütten und Restaurants vor dem Monsun abgebaut. Bald ist es wieder soweit.

Es fällt uns nicht leicht, dieses paradiesische Nest hier zu verlassen. Doch Indien hat noch so viel mehr zu bieten. Wer weiß schon, wann wir noch mal hierher kommen. Gestern haben wir endlich unsere Entscheidung in den Süden zu reisen getroffen und für Mittwoch den Zug nach Kochi gebucht.

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Goa

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Goa 15.299326, 74.123996